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10 Uhren mit besonders sichtbarer Mechanik

Die Uhr zum neuen Supersportwagen Lamborghini Revuelto: Roger Dubuis Excalibur Spider Flyback Chronograph Revuelto
© Roger Dubuis
Früher einmal waren Ablesbarkeit und Eleganz die wichtigsten Anforderungen an das Zifferblattdesign. Doch dann kamen in den 1970er-Jahren die günstigen Quarzuhren und einige Jahre danach die Renaissance der mechanischen Uhr als Luxusgut. Nun wuchs das Bedürfnis, etwas von der Hauptattraktion der Uhr zu sehen: von ihrer Mechanik. Glasböden setzten sich langsam durch. Doch wenn man die Uhr am Arm trug, konnte man natürlich nicht erkennen, was sich hinter dem Zifferblatt tat. Heute sind mechanische Uhren Prestige-Objekte und alles andere als selbstverständlich. Kein Wunder also, dass die Technik auch von vorn immer öfter sichtbar wird: Die Zahl der Uhren, bei denen das Werk zum Design-Element avanciert, wächst. Wie Skelettuhren entstehen, erfahren Sie hier.

Uhr #1 mit besonders sichtbarer Mechanik: Roger Dubuis Excalibur Spider Revuelto Flyback Chronograph

Roger Dubuis: Excalibur Spider Revuelto Flyback Chronograph DBEX1045 © Roger Dubuis
Roger Dubuis hat sich seit den späten Nullerjahren ganz auf Skelettuhren fokussiert. Zusammen mit Lamborghini hat die Genfer Uhrenmanufaktur die passende Uhr zum Revuelto gebaut: Die Excalibur Spider Flyback Chronograph Revuelto bezieht sich in vielen Designdetails auf den Rennwagen. Zum Beispiel bei den Farbcodes: Orange entspricht der Farbe des Supersportwagens, und das Khakigrün des Bands kam bereits bei den Sportwagen Sterrato und Sián zum Einsatz. In Grün gehalten ist auch das quer liegende Y auf dem Zifferblatt, es leitet sich von den Schweinwerfern des italienischen Autobauers ab. Weniger auffällig ist das Lamborghini-typische Sechseck, das sich beim Revuelto unter anderem in der Sitzbestickung und der Form der Auspuffrohre findet. Die Excalibur deutet es mit einem Rahmen um die Unruh bei neun Uhr an. Automobile Bezüge gibt es zudem beim 45 mm großen Carbongehäuse und der Keramiklünette. Roger Dubuis hat eigens für diese Uhr das neue Manufakturkaliber RD 780 mit Selbstaufzug und 72 h Gangreserve entwickelt. Den Preis für den Uhrenboliden gibt die Marke mit 107.500 US-Dollar zuzüglich Steuern an.

Uhr #2 mit besonders sichtbarer Mechanik: Cyrus Klepcys DICE Lime Carbon

Cyrus: Klepcys DICE Lime Carbon mit Stahlband © Cyrus
Die Klepcys DICE ist ein Chronograph, mit dem man zwei verschiedene Stoppungen unabhängig voneinander durchführen kann. Cyrus nennt das System DICE – das steht für Double Independent Chronograph Evolution. Damit man die zwei Stoppvorgänge auseinanderhalten kann, gibt es ein doppeltes Farbschema. Betätigt man den grünen Drücker, der in die Krone bei drei Uhr eingelassen ist, beginnt der grüne zentrale Sekundenzähler zu laufen. Nach der ersten Umdrehung liest man die verbrauchten Minuten vom 30-Minuten-Zähler bei drei Uhr ab. Da es sich um einen Ein-Drücker-Mechanismus handelt, erfolgen Start, Stopp und Nullstellung zwingend hintereinander. Beim Druck auf den gelben Drücker bei 9 Uhr läuft der gelbe zentrale Sekundenzähler, der seine Nullposition bei sechs Uhr hat, von dort los; sein 30-Minuten-Zähler, der wie der grüne im Hilfszifferblatt bei drei Uhr untergebracht ist, startet ebenfalls von unten. Beide Mechanismen werden von einem eigenen Schaltrad gesteuert, das in der betreffenden Farbe lackiert ist. Verantwortlich für die innovative Technik ist das Automatikkaliber CYR 718 mit 55 h Gangreserve, entwickelt vom Werkespezialisten Chronode. Die 42 Millimeter große und 16,5 Millimeter hohe Klepcys DICE Lime Carbon ist bis 100 Meter wasserdicht und kommt wahlweise mit grünem Cordura-Textilband oder mit Edelstahl-Gliederband. Beide Modelle sind auf je 50 Stück limitiert und kosten 47.550 Euro mit Textilband bzw. 49.150 Euro mit Stahlband.Hier finden Sie das gleiche Modell in einer neuen Farbkombination.

Uhr #3 mit besonders sichtbarer Mechanik: Rado Captain Cook High-Tech Ceramic Skeleton

Rado Captain Cook High-Tech Ceramic Skeleton © Rado
Nicht einmal 1000 Grad heiße Lava könnte der Plasmakeramik von Rado etwas anhaben. Denn dieses Material wird nicht nur wie Hightech-Keramik unter hohem Druck und großer Hitze verarbeitet, sondern kommt anschließend noch bei sage und schreibe 20.000 Grad in einen Plasma-Ofen. Dadurch entsteht ein dauerhafter metallischer Farbton und Glanz – selbstverständlich ohne dass sich die positiven Materialeigenschaften der Keramik ändern würden. Diese spielen schließlich auch im Alltag die Hauptrolle: Die große Härte von 1250 Vickers sorgt dafür, dass eine Keramikuhr theoretisch ewig kratzerfrei bleibt und somit stets wie neu aussieht. Zudem nimmt das Material schon nach kurzer Zeit die Temperatur der Haut an und liegt damit angenehm am Arm. Bei der Captain Cook High-Tech Ceramic Skeleton kommt als gestalterische Besonderheit noch eine roségoldfarbene Räderbrücke hinter einem leicht getönten Saphirglaszifferblatt hinzu. Die Brücke ermöglicht die vollständige Skelettierung des Eta-Automatikkalibers C07 mit 80 Stunden Gangreserve und magnetfeldresistenter Nivachron-Spirale. Die 43 Millimeter große, bis 300 Meter wasserdichte Skelettuhr kostet 4.750 Euro.

Uhr #4 mit besonders sichtbarer Mechanik: Audemars Piguet Royal Oak Offshore Tourbillon Chronograph Automatik

Audemars Piguet: Royal Oak Offshore Tourbillon Chronograph Automatik © Audemars Piguet
Ein Möglichkeit, die Mechanik auf der Vorderseite der Uhr sichtbar zu machen, ist das Tourbillon als Zifferblattelement. 1801 hatte der große Uhrmacher Abraham Louis Breguet diesen sich drehenden Käfig für die Unruh patentieren lassen, um den einseitigen Einfluss der Erdanziehungskraft auf die Unruh auszugleichen. Der komplizierte Mechanismus wurde in den 150 Jahren nach seiner Erfindung allerdings nur etwa 100-mal gebaut. Und natürlich war er in der Regel auf der Rückseite untergebracht und von vorn nicht sichtbar. Ende 1986 stellte Audemars Piguet dann eine Armbanduhr mit Tourbillon vor, die gleich in mehrfacher Hinsicht beeindruckte: Sie war die flachste Tourbillon-Uhr, wobei sie sogar über einen automatischen Aufzug verfügte. Und man konnte den sich drehenden Tourbillonkäfig in einem runden Zifferblattausschnitt sehen. Nach diesem Meilenstein wurde das Tourbillon auf dem Markt der Mechanikuhren zu einem Selbstläufer – und das sichtbare Tourbillon zu einem Standard.
Vorreiter: 1986 präsentierte Audemars Piguet diese extraflache Automatikuhr mit sichtbarem Tourbillon © Audemars Piguet
In den letzten Jahren hat Audemars Piguet eine ganze Reihe an Tourbillons – oft mit Zusatzfunktionen – vorgestellt, die tiefe Einblicke ins Werk bieten. Zu den aktuellsten gehört der Royal Oak Offshore Tourbillon Chronograph Automatik mit dem hauseigenen Kaliber 2967. Es kombiniert ein fliegendes Tourbillon mit einem Flybackchronographen und bietet 65 h Gangreserve. Die 43 mm große und 15,5 mm hohe Uhr verfügt über ein Keramikgehäuse mit roségoldenen Akzenten. Sie ist auf 50 Exemplare limitiert. Preis auf Anfrage.

Uhr #5 mit besonders sichtbarer Mechanik: Cartier Masse Mystérieuse

Cartier: Masse Mystérieuse © PR
Die besondere Form seines automatischen Manufakturkalibers 9801 MC rückt Cartier bei der Masse Mystérieuse in den Mittelpunkt und macht es von beiden Seiten her sichtbar. Das Uhrwerk ist dabei skelettiert und alle seine Komponenten sind in die zentral gelagerte Schwungmasse verpackt. Den Rahmen für das außergewöhnliche Werk bietet ein 43,5 Millimeter großes Platingehäuse. Cartier baut die Uhr 30 Mal und verkauft jedes Exemplar für 305.000 Euro.

Uhr #6 mit besonders sichtbarer Mechanik: Arnold & Son Nebula 41,5 Gold

Arnold & Son: Nebula 41,5 Gold © PR
Die Nebula 41,5 Gold von Arnold & Son präsentiert ihr skelettiertes Uhrwerk A&S5201 mit den zwei Federhäusern ganz offen. Von der Vorderseite zeigen sich die sieben sternförmig angeordneten Brücken, die angliert und satiniert sind. Auf der Rückseite offenbart sich die grafische Struktur der durchbrochenen Platine, die ebenfalls angliert ist. Das Uhrwerk wird von Hand aufgezogen und läuft bis zu 90 Stunden. Es ist nur 4,18 Millimetern hoch und von einem 41,5 Millimeter großen sowie 8,73 Millimeter flachem Gehäuse aus Rotgold umgeben. Arnold & Son baut 88 Exemplare der Skelettuhr für je 30.900 Schweizer Franken.

Uhr #7 mit besonders sichtbarer Mechanik: Parmigiani Tonda PF Skeleton

Parmigiani: Tonda PF Skeleton in Rotgold © Parmigiani
Einen guten Blick auf die Mechanik im Innern bietet Parmigiani bei der Tonda PF Skeleton durch eine Skelettierung des graphitfarbenen Zifferblatts. Polierte Flächen wechseln sich mit sandgestrahlten ab und machen immer wieder das Manufakturkaliber PF777 sichtbar. Das Uhrwerk umschließt ein 40 Millimeter großes Roségoldgehäuse, das mit 8,5 Millimetern schön flach bleibt. Kostenpunkt: 104.500 Euro.

Uhr #8 mit besonders sichtbarer Mechanik: Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute Minute Repeater

Jaeger-LeCoultre: Reverso Tribute Minute Repeater © Jaeger-LeCoultre
Die Reverso Tribute Minute Repeater von Jaeger-LeCoultre lässt nicht nur die Zeit erklingen, sondern  erfreut auch das Auge: Denn  das vordere Zifferblatt wurde vollständig skelettiert. Sobald der Schieber auf der linken Gehäuseseite betätigt wird, hört man, was man sieht und sieht, was man hört. Das bezaubernde Schauspiel der Rotgold-Wendeuhr, deren Preis um die 300.000 Euro liegt, wird vom Handaufzugskaliber 944 dirigiert.

Uhr #9 mit besonders sichtbarer Mechanik: Breguet Classique Tourbillon Extra-Plat Squelette 5395

Breguet: Classique Tourbillon Extra-Plat Squelette 5395 in Roségold © Breguet
Beim automatischen Manufakturkaliber 581 im Modell Classique Tourbillon Extra-Plat Squelette 5395 entfernt Breguet fast 50 Prozent des Materials. Die Schwungmasse ist nun seitlich der Platine angeordnet und die Mechanik wird somit vollständig sichtbar. Der Tourbillonkäfig, der nur 0,29 Gramm wiegt, greift direkt in das Räderwerk ein und verzichtet auf einen unterhalb montierten Trieb. Die Siliziumhemmung nimmt eine speziell gebogene Form an, durch die Platz gewonnen wird.  Das Kunsthandwerk wird zudem mit Gravuren, Guillochierungen und Anglierungen in Szene gesetzt. Das extrem skelettierte Tourbillon-Uhrwerk wird von einem kannelierten 41-Millimeter großen Roségoldgehäuse umschlossen und durch gewölbte Saphirgläser sichtbar. Auch das Zifferblatt besteht aus Saphirglas. Am Alligatorlederband kostet die Uhr 250.400 Euro.

Uhr #10 mit besonders sichtbarer Mechanik: Hublot Big Bang Tourbillon Automatic Yellow Neon Saxem

Hublot: Big Bang Tourbillon Automatic Yellow Neon Saxem © Hublot
Die Schweizer Sportuhren-Manufaktur Hublot zeigt mit der Big Bang Tourbillon Automatic Yellow Neon Saxem ein voll allen Seiten komplett einsehbares Uhrenmodell. Das 44 Millimeter große Gehäuse besteht aus glasperlgestrahltem neongelben Saxem, das Zifferblatt aus Saphirglas und auch das Armband aus Kautschuk ist transparent. Saxem ist ein Material, das für Satelliten entwickelt wurde und Hublot bereits 2019 bei der Big Bang MP-11 verwendete. Für die Legierung wird Aluminiumoxid, der Hauptbestandteil von Saphir, mit seltenen Erden wie Thulium und Holmium sowie Chrom gemischt. So entsteht ein robustes Material. Das Werk der Neuheit kommt auch in der Big Bang Tourbillon Automatic Orange Sapphire zum Einsatz: Es handelt sich um das skelettierte Kaliber MHUB6035 mit Automatikaufzug und Mikrorotor bei 12 Uhr, dem bei 6 Uhr das Tourbillon gegenüberliegt. Wie die meisten Uhren von Hublot ist auch dieses Modell limitiert, und zwar auf 30 Exemplare. Wer die Big Bang Tourbillon Automatic Yellow Neon Saxem besitzen will, muss dafür 220.000 Euro locker machen.Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Februar 2017.

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