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Rotary: Die Kraft zweier Herzen

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© PR
Ludwig Strasser zählt bis heute zu den Uhrmachern, die auf ihrem Gebiet Bahnbrechendes geleistet haben. Weltweit besitzt er den Ruf eines schöpferisch befähigten Feinmechanikers, der durch sein außergewöhnliches Vorstellungsvermögen und überdurchschnittliche Begabung für höhere Mathematik auffällt.
Neben Ferdinand Adolph Lange und Moritz Grossmann hat wohl Ludwig Strasser am meisten den internationalen Ruf Glashüttes gefestigt. Er leistet nicht nur auf dem Gebiet der deutschen Uhrenindustrie Bahnbrechendes, sondern fördert die fachliche wie auch die allgemeine Ausbildung des Berufsnachwuchses richtungsweisend. Ludwig Strasser besitzt auch weit über die Landesgrenzen hinaus den Ruf des schöpferisch befähigten Feinmechanikers.

1875: Gründung der für Präzisionspendeluhren bekannte Firma Strasser & Rohde

1875 gründet er mit dem Uhrmacher Gustav Rohde die speziell für die Fertigung von Präzisionspendeluhren weltbekannte Firma Strasser & Rohde. Von Anfang an setzt sich Strasser neben Moritz Grossmann für die Gründung einer Uhrmacherschule in Glashütte ein und wird am 1. Mai 1878 sogleich in deren Aufsichtsrat berufen. Insgesamt 37 Jahre lang stellt Strasser sein Können in den Dienst der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte. Ab 1883 als ständiger Lehrer angestellt, übernimmt er nach dem Tod des ersten Direktors Heinrich Lindemann 1885 dessen Amt. Strasser übt großen Einfluss auf seine Schüler aus, da er in der Lage ist, seine Kenntnisse in leicht verständlicher Form zu vermitteln. Für seine Leistungen wird ihm von der Königlichen Staatsregierung 1902 der Professorentitel verliehen. Dank seiner Fähigkeiten in Theorie und Praxis werden an der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte Höchstleistungen erzielt.
Ludwig Strasser wird als das zweite von drei Kindern des Ehepaares Adam und Regina Strasser am 15. Dezember 1853 in Würzburg geboren. Beide Geschwister und auch der Vater sterben bald. Nach sechsjähriger Schulzeit beginnt Ludwig 1866 bei dem Uhrmacher Sebastian Geist in Würzburg eine Lehre. In Anerkennung seines Fleißes erhält Strasser 1870 von der Schulkommiseben ein Diplom. Schon frühzeitig wird sein Talent erkannt. Das Interesse für das "Warum und Weshalb" spürt auch Moritz Grossmann bei einem Besuch.

1871 - 1873 arbeitet Strasser in der Werkstatt von Moritz Grossmann

Auf sein Anraten zieht Strasser nach Glashütte und arbeitet von 1871 bis 1873 in Grossmanns Werkstatt. Aufgrund seines Talentes unterrichtet ihn sein Chef in den Grundlagen der Mathematik. Nach einer kurzen Stippvisite in der Turmuhrenfabrik Zachariä in Leipzig entschließt sich der damals 22-Jährige, gemeinsam mit dem Uhrmacher Gustav Rohde eine mechanische Werkstatt zu gründen. Strasser hat ein außergewöhnliches Vorstellungsvermögen, gepaart mit einer überdurchschnittlichen Begabung für höhere Mathematik. Ein Zeitzeuge schreibt: "Eine kleine Handskizze genügt ihm schon, um auf dieser Grundlage einen komplizierten feinmechanischen Apparat aufzubauen und bis in alle Einzelheiten auf ein Zehntelmillimeter genau durchzurechnen." Die Gründungsgeschichte der Firma Strasser & Rohde ist schnell erzählt: Eine Kiste Werkzeug, geschickte Hände, Arbeitsfreude und ein Kopf voller Ideen, das ist das Gut, was die beiden Gesellschafter in die Firma einbringen. Sein Partner, der am 18. Dezember 1849 in Greiffenberg geborene Uhrmacher Gustav Rohde, übernimmt um 1870 die Leitung der Pendeluhrenfabrik Wilhelm Horn, Glashütte. Als diese Firma nach Berlin umsiedelt, bleibt Rohde in Glashütte. Die Eintragung im Handelsregister ist datiert auf den 31. Mai 1876. Das erste Fabrikationsgebäude befindet sich auf der heutigen Dresdner Straße 6. 1886 tritt Strasser wegen seiner Doppelfunktion – Direktor der Uhrmacherschule und Uhrenfabrikant – aus der Firma aus. Nachdem das zuständige Ministerium in Dresden hiergegen keine Bedenken hat, nimmt Strasser seine frühere Position wieder ein.
Die revolutionärste Erfindung Strassers ist seine freie Federkrafthemmung mit konstanter Kraft. Nach ersten Versuchen um 1892 bringt die Firma noch vor der Jahrhundertwende die ersten Uhren auf den Markt. Das Pendel schwingt frei und unabhängig vom Uhrwerk, sein Antrieb findet in der Schwingungsachse statt, also während der größten Beschleunigung des Pendels.

Herstellung von Marine Chronometern wird wichtiges Standbein für Glashütter Uhrenindustrie

Als Gründungsmitglied der "Vereinigung für Chronometrie" mit dem Ziel des Aufbaus "einer leistungsfähigen deutschen Chronometerfabrikation und die Beendigung der bestehenden Importabhängigkeit von englischen Fabrikaten", ist es auch das Verdienst von Ludwig Strasser, dass sich die Herstellung von Marine-Chronometern als ein weiteres Standbein der Glashütter Uhrenindustrie entwickelt. 1903 veröffentlicht Strasser eine verständliche Theorie mit praktischen Anweisungen zur "Konstruktion und Berechnung von Spiralfederendkurven". Es entstehen eine Reihe von Schul-Marinechronometern mit Rohwerken von Strasser & Rohde.
Die Produktion der Firma Strasser & Rohde umfasst ein reichhaltiges Sortiment. Der Protagonist der Glashütter Messwerkzeugeproduktion war bekanntlich Moritz Grossmann. Nach dessen Tod am 23. Januar 1885 übernimmt neben der Firma Robert Mühle & Sohn auch Strasser & Rohde die Fertigung von Messmitteln, speziell Mikrometertaster. Diese Instrumente kommen nicht nur in der Uhrenindustrie Europas, sondern auch in der Automobil- und Glühlampenproduktion zum Einsatz. Vermutlich 1907 zieht das Unternehmen in die Altenberger Straße 18 um. In diesen Jahren um die Jahrhundertwende erhält die Firma Strasser & Rohde für ihre Präzisionsuhren und -messwerkzeuge zahlreiche Auszeichnungen auf Weltausstellungen, Landes- und regionalen Messen.Der Name Ludwig Strasser wird heute bei den Uhrmachern und Sammlern hauptsächlich mit den Pendeluhren in Verbindung gebracht. Strasser war Mathematiker, Theoretiker, Konstrukteur, Uhrmacher, Pädagoge, aber auch ein Individualist. Professor Ludwig Strasser starb am 12. August 1917 in Dresden.
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