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Lesedauer 4 Min.

Unabhängig und kompromisslos – die Finalisten des Louis Vuitton Watch Prize 2026

Louis Vuitton kürt fünf Finalisten für seinen Watch Prize 2026 – und zeigt, wie radikal, poetisch und relevant unabhängige Uhrmacherei heute ist.
Louis Vuitton fünf Finalisten für den Watch Prize 2026

Die Finalisten für den Watch Prize 2026

© Louis Vuitton

Der Louis Vuitton Watch Prize for Independent Creatives verfolgt einen besonderen Ansatz: Er richtet den Blick bewusst auf kreative Einzelgänger: auf Uhrmacher, die aus innerem Antrieb arbeiten, ihre eigenen Ideen verfolgen und damit neue Perspektiven für die Uhrmacherei eröffnen. Mit der Bekanntgabe der fünf Finalisten für die zweite Ausgabe (2025–2026) wird klar: Genau darin liegt die Stärke dieses Preises. Aus einer hohen Zahl an Einreichungen wählte ein Expertengremium zunächst 20 Halbfinalisten aus. Bewertet wurde entlang klassischer, aber anspruchsvoller Kriterien: Design, Kreativität, Innovation, handwerkliche Qualität und technische Komplexität. Übrig geblieben sind fünf sehr unterschiedliche Positionen – geeint durch einen bemerkenswert eigenständigen Blick auf das Thema Zeit.

Jean Arnault, Watch Director bei Louis Vuitton, formuliert es diplomatisch, aber treffend: Die unabhängige Uhrmacherei sei dynamischer denn je. Zwischen den Zeilen liest man: Genau dort passiert gerade das wirklich Spannende. 

Die 5 Finalisten des Louis Vuitton Watch Prize

Japanische Poesie aus Glas: Daizoh Makihara Watchcraft Japan

Daizoh Makihara arbeitet seit 2017 unabhängig – und baut Uhren, die man so noch nicht gesehen hat. Beauties of Nature ist ein Einzelstück, das technische Mechanik und japanisches Kunsthandwerk auf ungewöhnliche Weise verbindet. Ein automatischer Blütenmechanismus öffnet und schließt sich zyklisch, gesteuert von zwei getrennten Zeitskalen. Dazu kommt eine handaufgezogene Mechanik mit ewiger Mondphase. Das eigentliche Statement aber ist das Zifferblatt: Edo-Kiriko-Schnittglas, erstmals in einer Armbanduhr eingesetzt, kombiniert mit handgravierten Motiven von Kirschblüten und einem Japanbrillenvogel. 

Das Paradox in Miniatur: Fam Al Hut 

Xinyan Dai ist erst seit 2024 als unabhängiger Uhrmacher aktiv – und präsentiert bereits den bislang kompaktesten biaxialen Tourbillon. Möbius heißt die Uhr, benannt nach der Endlosschleife, die auch konstruktiv Pate steht. Ein Teil der Uhr ist dem Tourbillon gewidmet, der andere verzichtet komplett auf ein klassisches Zifferblatt und arbeitet mit retrograden Anzeigen und springender Stunde. Was leicht theoretisch klingen könnte, ist in der Realität erstaunlich klar und geschlossen. Über 200 Stunden Handarbeit stecken in einer Uhr ohne Hörner, mit länglichen Proportionen und echtem mechanischem Neuland. 

Mechanische Schule, neu gedacht: Hazemann & Monnin 

Victor Monnin und Alexandre Hazemann verweisen mit ihrer School Watch bewusst auf die Morteau-Schule – einen Ort, an dem Uhrmacherei historisch gelebt wurde. Nostalgisch ist ihre Uhr dennoch nicht. Das hauseigene Kaliber HM01 wurde von Grund auf neu konstruiert und kombiniert zwei seltene Komplikationen: Stundenschlag und springende Stunde, perfekt synchronisiert. Eine Uhr für jene, die Mechanik als präzise Choreografie verstehen. 

Die große Mechanik im Detail: Bernhard Lederer 

Bernhard Lederer ist der erfahrenste Kandidat im Feld. Seit 1985 arbeitet er an der Perfektion mechanischer Zeitmessung. Die CIC 39 Racing Green ist seine bislang konsequenteste Umsetzung: die erste Dual-Detent-Hemmung in einer Armbanduhr, kombiniert mit zwei Remontoirs für konstante Kraft. Das ist Hochmechanik in Reinform – sichtbar, erklärbar, kompromisslos. 

Der leise Alarm: Quiet Club 

Norifumi Seki denkt Uhrmacherei vom Alltag aus – und landet bei einer radikalen Idee. Fading Hours besitzt einen Alarm, der nicht auf Gongs schlägt, sondern mit einem vertikal montierten Hammer direkt auf das Zifferblatt. Gesteuert wird alles über einen einzigen Drücker, die Alarmanzeigen verschwinden im Normalbetrieb vollständig. Fast die gesamte Mechanik entsteht in Tokio in Eigenfertigung.

Jury, Preis und Ausblick

Am 24. März 2026 präsentieren die fünf Finalisten ihre Projekte in der Fondation Louis Vuitton in Paris einer hochkarätigen Jury, darunter Carole Forestier-Kasapi (TAG Heuer), Matthieu Hegi und Kari Voutilainen. Der Gewinner erhält 150.000 Euro sowie ein einjähriges, maßgeschneidertes Mentoring durch La Fabrique du Temps und Louis Vuitton.

Preise sind nicht alles, um unabhängige Uhrmacherei ins Rampenlicht zu rücken – aber sie geben außergewöhnlichen Talenten die verdiente Aufmerksamkeit und Bühne. Die diesjährigen Finalisten zeigen eindrucksvoll, wie lebendig, widersprüchlich und zukunftsfähig mechanische Uhrmacherei sein kann, wenn man sie einfach machen lässt.

Louis Vuitton Schweizer Uhren

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