Volle Fahrt voraus: Genf rüstet zur siebten Watch-Days-Runde
Geneva Watch Days 2026: Warum die siebte Auflage mehr Institution als Improvisation ist
Der September ist zurück, und mit ihm die Uhrmacher aus dem Sommerurlaub. Für die Branche ist das mehr als ein Kalenderdatum: Da viele Geschäftsjahre im Uhrensektor im März beginnen, fällt der reguläre Jahresauftakt bereits in den Frühling – der eigentliche Innovationsschub des Jahres konzentriert sich traditionell auf die Wochen um Genf. Vom 2. bis 6. September 2026 findet dort zum siebten Mal die Geneva Watch Days (GWD) statt, mit 71 teilnehmenden Marken und dem Motto „Geneva: Full Sail!“.
Vom Corona-Provisorium zur festen Größe
Die Geneva Watch Days wurden 2020 von acht Marken gegründet: Breitling, Bulgari, De Bethune, Girard-Perregaux, H. Moser & Cie., MB&F, Ulysse Nardin und Urwerk. Der Anlass war die abgesagte Baselworld. So entstanden die Geneva Watch Days als Ersatzformat in einem Jahr, in dem die klassischen Messen ausfielen. Sechs Jahre später ist von Provisorium keine Rede mehr: Das Event operiert nach eigenen Angaben unter „unabhängiger Flagge“, getragen von einem Netzwerk aus Kanton und Stadt Genf, Genève Tourisme, der Genfer Handelskammer CCIG, der Fondation de la Haute Horlogerie (FHH) und dem Grand Prix d'Horlogerie de Genève (GPHG). Bemerkenswert ist dabei ein Detail, das in der Pressemitteilung nicht thematisiert wird, sich aber aus der Markenliste selbst ergibt: Von den acht Gründungsmarken tauchen H. Moser & Cie. und Ulysse Nardin in der aktuellen Liste der 71 teilnehmenden Häuser nicht mehr auf.
Geneva Watch Days: Wer 2026 in Genf zeigt
Die Bandbreite der 68 Aussteller reicht von Manufakturen mit jahrhundertealter Geschichte bis zu Ein-Personen-Ateliers. Bulgari, Breitling, Zenith, Corum, Girard-Perregaux, Bell & Ross und Frédérique Constant stehen für die etablierten Häuser mit eigener Fertigungstiefe. Daneben positioniert sich eine große Gruppe unabhängiger und Kleinserien-Marken: Greubel Forsey, De Bethune, Urwerk, MB&F, Laurent Ferrier, Kerbedanz, Konstantin Chaykin, Krayon, Massena Lab oder Furlan Marri. Auffällig ist zudem die Präsenz jüngerer Namen wie Ba111od, Bianchet, Bimbu, Byrne oder Beda'a, die nicht alle auf den großen, konzerngetriebenen Messen wie der Watches and Wonders vertreten sind – ein Hinweis darauf, dass die GWD sich als Bühne gerade für das mittlere und untere Segment der Manufakturszene positionieren, wo Einzelgespräche mit Sammlern und Fachpresse oft wichtiger sind als reine Verkaufszahlen.
Auch das Auktionshaus Phillips ist in Kooperation mit Bacs & Russo Teil des Line-ups – so beziehen die GWD nicht nur Neuheiten, sondern auch den Sekundärmarkt und die Sammlerkultur mit ein.
Geneva Watch Days mit Blick auf den Jet D'Eau
Geneva Watch DaysNeue Partner, neue Zielgruppe
Organisatorisch ist die diesjährige Ausgabe insofern bemerkenswert, als sie erstmals das Netzwerk Swiss Who's Who sowie mehrere Bankinstitute als Partner einbindet. Damit verschiebt sich der Fokus spürbar: Ging es in den Gründungsjahren primär darum, überhaupt eine physische Alternative zu den ausgefallenen Messen zu bieten, zielt die GWD-Organisation 2026 explizit auf „high-potential visitors“ – Sammler, institutionelle Partner und Wirtschaftsentscheider. Jean-Christophe Babin, Präsident der GWD, formuliert das in der Pressemitteilung als Eintritt in „einen neuen Entwicklungszyklus“, bei dem die Grundprinzipien Offenheit, Innovation, Dezentralisierung und Nähe zwar erhalten blieben, das Format sich aber zunehmend als Bindeglied zwischen Uhrenindustrie und ihrem wirtschaftlichen wie kulturellem Umfeld versteht. Ein verstärkter Hinweis, dass sich Fine Watchmaking weiter als Anlage- und Sammlerobjekt positioniert, nicht nur als mechanisches Produkt.
Anders als klassische Messen mit zentraler Halle funktionieren die GWD dezentral: Die teilnehmenden Marken empfangen Fachpresse, Händler und Sammler in eigenen Showrooms und Hotelsuiten über die Stadt Genf verteilt, ergänzt um öffentlichkeitswirksame Aktivitäten am Genfer See. Dieses Prinzip der „Nähe“, wie es Babin in seinem Zitat explizit als Gegenentwurf zu den großen, zentralisierten Messeformaten nennt, bleibt auch 2026 das strukturelle Alleinstellungsmerkmal gegenüber der im April stattfindenden Watches and Wonders.
Für Kenner und Sammler bedeutet die kommende Woche in erster Linie eines: eine geballte Ladung an Neuvorstellungen. Wir sind vor Ort in Genf und berichten von den relevanten Neuheiten in den kommenden Tagen.
Es lohnt sich also, in den kommenden Tagen regelmäßig auf watchtime.net vorbeizuschauen. Damit Ihnen keine Neuheit entgeht, abonnieren Sie am besten gleich unseren Newsletter – und für Eindrücke direkt von vor Ort folgen Sie uns auf Instagram, dort zeigen wir auch Behind-the-Scenes-Content.