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Lesedauer 5 Min.

Micro Monday: Maghnam – Mohareb

Bi-retrograde Mechanik, modulare Architektur und arabische Design-DNA – warum die Mohareb zu den spannendsten Independent-Uhren des Jahres zählt
Maghnam – Mohareb, ausgefallene Uhrenkreation aus Edelstahl mit Handaufzugskaliber

Maghnam – Mohareb

© Maghnam 

Maghnam ist eine vergleichsweise junge, aber bereits klar konturierte unabhängige Marke. Gegründet wurde sie von Sohaib Maghnam, der nach seinem Studium in London und Mailand zunächst seinen Zugang zur Uhrmacherei als Sammler fand, bevor er begann, selbst Zeitmesser zu entwerfen. 2020 erschien mit der Makina das erste kommerzielle Modell der Marke. Seither hat sich das Unternehmen als Plattform für ungewöhnliche, stark geformte und kulturell aufgeladene Designs etabliert.

Sohaib Maghnam

Sohaib Maghnam

© Maghnam

Sohaib Maghnam ist heute in Doha ansässig und wirkt dort auch als Creative Director und CEO von Beda’a Watches, einer deutlich klassischer ausgerichteten Marke. Maghnam selbst verkörpert einen bemerkenswerten Typus unabhängiger Uhrengestaltung: technisch versiert, kulturell bewusst und vor allem mutig. Der Hersteller versucht nicht, bestehende Archetypen zu imitieren, sondern eine eigene Perspektive in die Gegenwart der Uhrmacherei zu entwickeln.

#Maghnam – Mohareb

Maghnam – Mohareb, ausgefallene Uhrenkreation aus Edelstahl mit Handaufzugskaliber

Maghnam – Mohareb

© Maghnam 

Mit der neuen Generation der Mohareb legt Maghnam eines der eigenständigsten Konzepte der unabhängigen Uhrenszene neu auf. Besagte Neuvorstellung, deren Name sich vom arabischen Wort für „Kämpfer“ oder „Gladiator“ ableitet, versteht sich nicht bloß als Zeitmesser, sondern als skulpturales Objekt am Handgelenk. Ihr gestalterischer Ausgangspunkt ist die Idee einer Rüstung. Die Referenz erscheint dabei in zwei neuen Farbvarianten, Argent Crimson und Deep Blue, und führt eine Formensprache fort, die arabische Bildwelt, technische Konstruktion und zeitgenössische Uhrengestaltung auf bemerkenswert eigene Weise zusammenführt.

Martialische Inspiration

Die Mohareb ist von Beginn an als Objekt mit starker metaphorischer Aufladung angelegt. Sohaib Maghnam denkt die Uhr nicht als klassische Runduhr mit dekorativen Variationen, sondern als Gebilde, dessen Gehäuse an Helm, Panzerung und Klingen erinnert. Diese martialische Inspiration bleibt jedoch nicht auf symbolischer Ebene stehen, sondern prägt die gesamte Architektur des Modells. Das zentrale Gehäuse beherbergt die Zeitanzeige und wird von skulpturalen Erweiterungen eingefasst, die an Schutzplatten oder Klingen erinnern. In ihrer ursprünglichen Konfiguration arbeitet die Mohareb mit zwei polierten Stahlelementen, die einen sandgestrahlten Mittelteil rahmen. Gravierte Muster auf der Oberseite erinnern an Kampfspuren oder Kerben einer Rüstung und verleihen der Uhr eine erzählerische Dimension. Der Kontrast zwischen glänzenden und matten Flächen übersetzt dabei jene Dualität, die Maghnam ausdrücklich anspricht. Ihre Wirkung entsteht aus Proportion, Relief und Oberfläche.

Maghnam – Mohareb, ausgefallene Uhrenkreation aus Edelstahl mit Handaufzugskaliber

Maghnam – Mohareb

© Maghnam 

Drei Silhouetten, eine Grundform

Besonders bemerkenswert ist die modulare Konstruktion. Maghnam sieht die Mohareb nicht als abgeschlossenes Einzelobjekt, sondern als wandelbare Plattform. Die neue Generation bietet drei unterschiedliche ästhetische Konfigurationen, die auf demselben zentralen Mittelteil basieren: Blades, Halo und Wings. Die Blades-Variante entspricht der ursprünglichen, martialischen Ausführung. Hier bleibt die Idee der geschärften, schützenden Rüstung am deutlichsten sichtbar. Halo übersetzt dieselbe Grundkonstruktion in eine klassischere, rundere Silhouette und nimmt dem Objekt etwas von seiner Härte. Wings schließlich entwickelt die Form in eine ovale, beinahe organischere Richtung weiter und betont stärker die fließende, skulpturale Seite des Entwurfs. Besagte Module lassen sich über ein Verriegelungssystem auf der Gehäuserückseite in wenigen Sekunden austauschen. 

Bi-retrograde Anzeige als Teil der Architektur

Auch auf der mechanischen Seite folgt die Mohareb keinem konventionellen Pfad. Im Inneren arbeitet das Handaufzugskaliber MCR01-B, das mit einer bi-retrograden Anzeige ausgestattet ist und eine Gangreserve von 42 Stunden liefert. Die Stunden wandern über einen 120-Grad-Bogen auf der Frontseite der Uhr, um am Ende ihres Weges augenblicklich an den Ausgangspunkt zurückzuspringen. Die Minuten werden dagegen auf einem vertikalen linearen Zähler im oberen Bereich des Gehäuses angezeigt. Gerade diese aufrechte Minutendarstellung verstärkt den Eindruck eines helmartigen Aufbaus. Die Feinmechanik basiert auf dem bewährten Schweizer Sellita SW210 mit Handaufzug und wird durch ein proprietäres Retrogradsystem ergänzt, das von Maghnam selbst entwickelt wurde. 

 

Maghnam – Mohareb, ausgefallene Uhrenkreation aus Edelstahl mit Handaufzugskaliber

Maghnam – Mohareb

© Maghnam 

Komfortable Gestaltung

Bei aller skulpturalen Eigenwilligkeit überrascht die Mohareb vor allem durch ihre Tragbarkeit. Der zentrale Durchmesser beträgt 39,5 Millimeter, die maximale Höhe liegt bei 8,6 Millimetern. An den Gehäuserändern verjüngt sich die Konstruktion sogar auf lediglich 3,5 Millimeter. Hinzu kommt das geringe Gewicht von nur 43,5 Gramm. Möglich wird das trotz des robusten Metallaufbaus durch eine hochpräzise Konstruktion, bei der einzelne Bereiche des Gehäuses auf Wandstärken von unter 0,28 Millimetern CNC-gefräst wurden. Für das Gehäuse wird 904L-Edelstahl verwendet, der aufgrund seiner hohen Korrosionsbeständigkeit und Widerstandsfähigkeit geschätzt wird. Mit Argent Crimson und Deep Blue führt Maghnam die neue Generation zudem in zwei deutlich voneinander unterscheidbaren Farbwelten ein. 

 

Maghnam – Mohareb, ausgefallene Uhrenkreation aus Edelstahl mit Handaufzugskaliber

Maghnam – Mohareb

© Maghnam 

Zwischen arabischer Kultur und Schweizer Uhrmacherei

Die Armbanduhr der ganz besonderen Art lässt sich nur verstehen, wenn man die Haltung ihres Gründers mitdenkt. Sohaib Maghnam, palästinensisch-jordanischer Designer und Ingenieur, verbindet in seiner Arbeit arabische Bezüge mit der Präzision schweizerischer Uhrmacherei. Schon die Namensgebung seiner Modelle, Makina, Madar, Mohareb oder Noor, macht deutlich, dass seine Entwürfe nicht aus einem neutralisierten Luxusvokabular heraus entstehen. Die Zeitmesser sind nicht als klassisches Zifferblatt mit Gehäuse gedacht, sondern als Formkörper, der sich wie ein Fahrzeug, ein Helm oder ein technisches Artefakt im Raum verhält. Für umgerechnet rund 7.900 Euro wird die eigene Sammlung um ein Modell ergänzt, das einige Blicke auf sich ziehen dürfte.

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