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Lesedauer 4 Min.

Interview: Neuer Fortis-Eigentümer Jupp Philipp über die Zukunft der Marke

Fortis: Inhaber Jupp Philipp
Mann mit Visionen: Der neue Inhaber Jupp Philipp will die Schweizer Traditionsmarke Fortis zu alter Stärke führen.
© PR
Frischer Wind bei Fortis: Seit September 2018 hat das zuvor finanziell ins Straucheln geratene Traditionsunternehmen einen neuen Eigentümer. Jupp Philipp verrät im Gespräch, was sich seither getan hat und wie sich Fortis für die Zukunft aufstellt.
Seit Herbst 2018 besitzen und leiten Sie die Traditionsmarke mit Sitz in Grenchen. Wie kam es dazu?Ich bin seit vielen Jahren Uhrenfan und Fortis war schon immer meine Lieblingsmarke. Mein Bruder hat mich vor 15 Jahren auf Fortis aufmerksam gemacht. Er ist Pilot, Luft- und Raumfahrtingenieur und war überzeugt: »Ein echter Pilot trägt eine Fortis«. Damit hat alles angefangen. Als Unternehmer halte ich immer Ausschau nach neuen Investitionsmöglichkeiten, so habe ich Ende 2017 aus der Zeitung erfahren, dass Fortis in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Meine Frau meinte damals spaßeshalber: »Warum kaufst du eigentlich nicht die Fortis, das ist doch genau dein Ding«. Ich tat das zunächst als Utopie ab, da ich über keinerlei Erfahrung in der Luxusindustrie verfügte. Aber wie es der Zufall wollte, rief mich zwei Wochen später ein guter Freund an, der mich fragte, ob ich in seine Firma in Grenchen investieren möchte. Bei der Besichtigung fuhren wir direkt am Gebäude der Fortis vorbei. Als ich ihn fragte, ob er einen Kontakt hätte, bejahte er und organisierte ein Treffen. Dabei wurde mir klar, wieviel Potenzial in der Marke steckt. Sie ist ein Rohdiamant, der auf seinen Feinschliff wartet. Dass die Restrukturierung hart werden würde, war mir klar, aber solche Herausforderungen gehören zu meinem Job.
Weltraumerprobt: Die Official Cosmonauts und Official Cosmonauts Chronograph mit Eta 2836-2 und Eta/Valjoux 7750. Preise: 1.780 Euro und 3.170 Euro. © Fortis
Was hat sich seither getan?Sehr viel, auch wenn das für Ausstehende nicht sofort erkennbar sein mag. Wir sind ein kleines Team mit großem Engagement und arbeiten momentan an allen Ecken gleichzeitig: Neue Lieferanten, ein neues Vertriebssystem und Marketingkonzept, eine neue Homepage und natürlich neue Modelle – wir haben inzwischen vieles aufgebaut, entwickelt oder arbeiten daran. Und nebenbei haben wir auch noch unser Uhrenatelier komplett renoviert, die Produktionsabläufe optimiert und das Qualitätsmanagement überarbeitet.Von Außen bekommt man davon zunächst wenig mit, aber bevor wir neue Modelle auf den Markt bringen, möchte ich, dass alles bestens organisiert ist. Qualität und Service stehen bei uns im Vordergrund, denn das sind wir den Kunden schuldig.Auf welche Entwicklung sind Sie besonders stolz? Auf unser Team! Ich habe selten erlebt, dass Mitarbeiter mit soviel Enthusiasmus gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Jeder steht hier voll hinter der Marke.Worin sehen Sie die besondere Stärke und was sind die Alleinstellungsmerkmale von Fortis, die die Marke von anderen unterscheidet?In unseren Räumen wurden die ersten automatischen Armbanduhren gebaut. Damals noch unter der Marke Harwood, aber eben von Fortis produziert. Wir stellen unsere Uhren auch heute auf die altbewährte Weise in den selben Räumlichkeiten wie 1912 her – ohne Unterbrechung. Das ist eine einzigartige Geschichte, die leider viel zu wenig bekannt ist. Wir definieren uns heute als widerstandsfähige und zeitlose Marke, der keine Krise etwas anhaben kann. Genauso sollen unsere Uhren sein. Robust, zeitlos und immer ein wenig anders als die anderen. Ein treuer Begleiter in allen Lebenslagen.
Spezialeinsatz: Die PC-7 TEAM Day-Date Aeromaster mit Eta 2836-2 ist ein Tribut an die Kunstflugformation PC-7 TEAM der Schweizer Luftwaffe. Preis: 2.450 Euro. © Fortis
Wie sehen Ihre Visionen für Fortis aus und wie machen Sie die Marke fit für die Zukunft?Fortis soll wieder als das wahrgenommen werden, was die Marke schon immer war: Ein Pionier in der Uhrenindustrie. Ich möchte ein Unternehmen schaffen, das unabhängig und gesund an die nächste Generation übergeben wird. Dafür braucht es Zeit und konsequentes Handeln. Und das haben wir.Was sind die Key-Kollektionen der Gegenwart? Fortis ist in erster Linie in der Raumfahrt und Fliegerei etabliert. Das soll auch so bleiben. Hier zählen natürlich unsere Cosmonaut-, Aeromaster- und Flieger-Kollektionen zu den Hauptbestandteilen. Ich möchte aber nicht, dass Fortis als reine Piloten- oder Raumfahrtuhr gilt. Ich finde, das wäre zu simpel. Ich empfand Fortis immer als Marke für Menschen, die sich abseits des »Mainstream« bewegen, ihren eigenen Weg gehen und es dabei nicht nötig haben, mit ihrer Uhr anzugeben.Welche Uhr ist Ihr Favorit?Keine einfache Frage. Mir gefallen fast alle Modelle und ich trage fast jeden Tag ein anderes. Aber wenn ich mich für immer und ewig entscheiden müsste, wäre es der Official Cosmonaut Chronograph, den habe ich schon seit 15 Jahren. sz
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