Lieblingsuhr: Leiter Deutsches Uhrenmuseum Glashütte Dr. Ulf Molzahn

Der Geschichte auf der Spur

Dass historische Uhren nicht einfach nur wertvolle Gegenstände sind, sondern dass hinter jeder einzelnen auch eine interessante Geschichte ihrer jeweiligen Epoche steckt, ist einer der faszinierendsten Aspekte seiner Arbeit, findet Dr. Ulf Molzahn.

Dr. Ulf Molzahn
Dr. Ulf Molzahn leitet seit September 2020 das Deutsche Uhrenmuseum Glashütte.

Seit September 2020 leitet er das Deutsche Uhrenmuseum in Glashütte. »Besonders lieb sind mir die Uhren in den Sammlungsbeständen, die Geschichten bergen und anschaulich machen«, erzählt der promovierte Historiker. »Neben technischen Entwicklungen und gestalterischen Raffinessen sind das in erster Linie Besitzgeschichten und Geschichten ihrer Träger.« Ein gutes Beispiel dafür ist eine silberne Taschenuhr der früheren Glashütter Uhrenfabrik Union (Nr. 54788), die ihm besonders am Herzen liegt.

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Union Glashütte: Herrentaschenuhr 1902
Herrentaschenuhr in Silber der Glashütter Uhrenfabrik Union (Nr. 54788) aus dem Jahr 1902.

Da von der Firma, die von 1893 bis 1936 existierte, keine Verkaufsunterlagen erhalten geblieben sind und auch im Archiv des Museums nichts über die Uhr zu finden war, gestaltet sich die Recherche über Herkunft und Geschichte schwierig. Den Gehäusedeckel ziert das Monogramm des sächsischen Königs Albert, der von 1873 bis 1902 regierte, und an der Kette hängt ein Medaillon mit Portrait und Sterbedatum (19. Juni 1902). Auf Basis dieser Informationen ergeben sich viele Fragen. Für wen wurde die Uhr hergestellt, und welche Rolle spielte sie bei der Beisetzung? Gibt es weitere und wenn ja, in welcher Stückzahl? Sind noch Dokumente vorhanden, die die Beauftragung, den Verkauf oder die Übergabe belegen? »Die vorliegende silberne Taschenuhr der Marke Union Glashütte ist ein gutes Beispiel dafür, was Forschungsarbeit im Deutschen Uhrenmuseum Glashütte bedeutet«, erklärt Dr. Molzahn.

Union Glashütte: Herrentaschenuhr Medaillon
An der Uhrenkette befindet sich ein Medaillon mit Portrait und Sterbedatum von König Albert von Sachsen. Sein Monogramm ziert den Gehäusedeckel.

Eine Anlaufstelle zur Beantwortung der Fragen ist in diesem Fall das Sächsische Hauptstaatsarchiv in Dresden, in dem zahlreiche historische Dokumente des sächsischen Hofes aufbewahrt werden. Diese Nachforschungen laufen derzeit. Interessanterweise ist in diesem Jahr eine weitere Uhr mit identischen Merkmalen aufgetaucht, die die Authentizität bestätigen könnte. Unterstützt durch die Angaben der Leihgeber und Besitzer vermutet Dr. Molzahn, dass diese Uhren als Auszeichnung oder Dank an Personen verliehen wurden, die eine Funktion im Zusammenhang mit der Beisetzung des Königs innehatten, wie zum Beispiel die Totenwächter oder die Sargträger. sz

Produkt: UHREN-MAGAZIN 6/2018
UHREN-MAGAZIN 6/2018
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