Hands-on: IWC Pilot’s Watch Chronograph 41

Wir testen den Fliegerchronograph mit Manufakturkaliber

Der neue Pilot’s Watch Chronograph 41 im unverkennbaren IWC-Style rollt mit blauem oder grünem Zifferblatt an die Startbahn. Der klassische 41 Millimeter großen Rumpf hat das IWC Manufakturkaliber 69385 geladen. Das neue EasX-Change-System erleichtert das Umsteigen.

IWC: Pilot's Watch Chronograph 41
IWC: Pilot’s Watch Chronograph 41

Seit 85 Jahren entwickelt und baut die IWC Fliegeruhren. Einst von Cockpit-Instrumenten inspiriert, gelten sie bis heute als robust, präzise, funktional und zuverlässig und sind längst nicht mehr nur auf professionelle Piloten zugeschnitten. Vielmehr macht ihre unverwechselbare Erscheinung eine IWC-Fliegeruhr zur angesagten »Toolwatch«, zu einem richtigen »Werkzeug« also, mit dem man so manche Situationen im ganz normalen Alltag meistern kann.

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1936 brachte IWC die erste Fliegeruhr heraus. Sie verfügte über eine Drehlünette mit spitz zulaufendem Zeiger zum Markieren einer Abflugzeit. Das Handaufzugkaliber 83 war außerdem mit einer antimagnetischen Hemmung ausgestattet.

Ende der 1930er-Jahre entwickelte IWC für die deutsche Luftwaffe eine professionelle Fliegeruhr mit mattiertem Stahlgehäuse und einem Durchmesser von 55 Millimetern. Weitere Merkmale waren eine griffige Aufzugskrone, ein schwarzes Zifferblatt mit Leuchtziffern und -zeigern, Sekundenstopp sowie ein langer Lederriemen zum Tragen über der Montur. Jedes Exemplar musste zudem den Prüfbedingungen der Deutschen Seewarte genügen. Die Reglage erfolgte in sechs Lagen und bei drei unterschiedlichen Temperaturen. Der vom Kaliber 52 T.S.C. mit Handaufzug angetriebene Zeitmesser hat – zusammen mit den baugleichen Modellen der deutschen Uhrenhersteller A. Lange & Söhne, Laco, Stowa und Wempe – das Design der Fliegeruhr entscheidend mitgeprägt.

IWC: Pilot's Watch Chronograph 41
Blaues Band, blaues Zifferblatt – in dieser Kombination gibt der Pilot’s Watch Chronograph 41 eine elegante Figur ab.

Zu einer echten Kult-Uhr wurde die Mark 11 von 1948. Viele Flugzeugkapitäne setzten auf diese Armbanduhr mit Weicheisen-Innengehäuse, der das darin verbaute Kaliber 89 bis zu 80000 Ampere/Meter vor Magnetfeldern schützte. Diese Uhr wurde zum Vorbild vieler weiterer Generationen der »Mark«.

Die Fortsetzung der Fliegeruhren-Tradition erfolgte unter anderem 1988 mit einem Fliegerchronographen auf Basis des inzwischen millionenfach bewährten Automatikkalibers Eta/Valjoux 7750. Von den Schaffhausern modifiziert und komplett montiert, tickte es viele Jahre in den IWC-Fliegerchronographen, auch in diversen Sondereditionen oder mit Schleppzeiger-Komplikation. Doch nach und nach ersetzen jetzt neu konstruierte Manufakturkaliber der Baureihe 69000 die Chronographenwerke auf Eta/Valjoux 7750-Basis.

Neue Kaliberfamilie 69000 ersetzt das Eta/Valjoux 7750

Die Kaliberfamilie 69000 wurde über einen Zeitraum von vier Jahren entwickelt und debütierte 2017 mit der Nummer 69375 im Chronograph Ingenieur. Zwei Jahre später kam das Kaliber 69380 in den Pilot’s Watch Chronograph Spitfire und hält nun wiederum zwei Jahre später im Pilot’s Watch Chronograph 41 der Standardkollektion mit dem Kaliber 69385 Einzug.

IWC: Kaliber 69385
Kaliber 69385 in typische IWC-Manier vollendet. An den Anstößen ist das EasX-Change-System gut zu erkennen.

Standardkollektion deshalb, weil es noch solch ausgefallenen Modelle, wie den Pilot’s Watch Chronograph Edition »Antoine de Saint-Exupéry« oder den Pilot’s Watch Chronograph Top Gun Ceratanium mit den Kalibern 79320 und 79420 gibt, deren Nummerierungen auf eine Eta/Valjoux 7750-Basis hindeuten. Den Unterschied erkennt man sofort bei einem ersten Blick aufs Zifferblatt. Befindet sich bei den Kalibern auf Eta/Valjoux 7750-Basis die Kleine Sekunde bei neun Uhr und der Zwölf-Stunden-Zähler des Chronographen bei sechs Uhr, so ist es bei den Kalibern der 69000er-Baureihe genau umgekehrt.

Chronographenwerk robust und alltagstauglich konstruiert

Als kleiner roter Zeiger dreht sich bei unserer Testuhr, dem Pilot’s Watch Chronograph 41 mit grünem Zifferblatt, die permanente Sekunde bei sechs Uhr. So kann man sie gut von den Counter-Anzeigen der Stoppfunktion unterscheiden. Während der zentrale Stoppsekundenzeiger als feine stählerne Nadel aus der Zifferblattmitte heraus seine Kreise zieht, werden die gestoppten Minuten bei zwölf Uhr gezählt. Dabei bewegt sich der kleine weiße Zeiger mit kurzem Anlauf beim Nulldurchgang des Stoppsekundenzeigers, also zur vollen Minute, eine Position weiter. Die Chronographenstunden werden, wie gesagt, bei neun Uhr festgehalten. Hier vollführt ein adäquater kleiner weißer Zeiger eine langsame permanente Bewegung, was auf die gleichen Grundkonstruktionen der 69000er-Kaliber wie beim ETA/Valjoux 7750 hindeutet. Unterschiede gibt es aber schon. Schließlich handelt es sich bei dem automatischen Schaltrad Chronographenwerk um eine moderne Neukonstruktion.

Das beim Pilot’s Watch Chronograph 41 verbaute Manufakturkaliber 69385 besteht aus 231 Einzelteilen und wurde – wie die IWC-Fliegeruhren von Anfang an – mit dem Fokus auf Robustheit, Zuverlässigkeit und Präzision konstruiert. Die Stoppfunktion, die Intervalle bis zu zwölf Stunden festhalten kann, wird deshalb über ein Kolonnenrad gesteuert. Das komplexe Bauteil mit zwei Funktionsebenen gilt in der Herstellung immer noch als Herausforderung. Moderne Konstruktions- und Produktionsmethoden erleichtern heutzutage jedoch die Prozesse.

IWC: Pilot's Watch Chronograph 41 Zifferblatt
Grüne Alternative: Der derzeit angesagte Farbton changiert hier auf dem Sonnenschliff-Zifferblatt von leuchtendem Grün bis zu dunklem Schwarz.

Gekuppelt wird traditionell über ein Schwingtrieb. Die Energieversorgung erfolgt dagegen über einen modernen, beidseitig wirkenden Klinkenaufzug. Allerdings handelt es sich bei diesem nicht um den nach dem ehemaligen IWC-Ingenieur Pellaton benannten Aufzug wie in den Kalibern der Baureihe 89000, vielmehr geht das bidirektionale Klinkenaufzugssystem auf eine aktuelle Entwicklung innerhalb des Richemont-Konzerns zurück. Es wandelt die Handgelenkbewegungen des Trägers sehr effizient in Spannung für die Aufzugsfeder um und baut bei Vollaufzug eine Gangreserve von 46 Stunden auf. Das ist für heutige Verhältnisse eher knapp bemessen, bieten moderne Chronographenkaliber doch oftmals mehr – das zum A05 modernisierte Eta/Valjoux-Werk zum Beispiel 60 Stunden – ebenso wie das auf den neuesten Stand gebrachte El Primero 3600 oder das Omega Master Chronometer Werk 9900. Das Breitling B01 bringt es auf 70 und das Calibre Heuer 02 gar auf 80 Stunden Gangautonomie.

Die Rückerregulierung der Unruh ist einfacher als die über Unruhschrauben wie in den 89000er-Kalibern, aber schließlich wollte IWC dieser Baureihe eine kostengünstigere hinzufügen. Vergleicht man die Preise von Modellen mit unterschiedlichen Kalibern, so liegen schon einige tausend Euro dazwischen.

Mit einer durchschnittlichen Gangabweichung von 3,5 Sekunden am Tag, festgestellt im Tragetest am Handgelenk, zeigt sich das Kaliber 69385 durchaus solide. Erfreulich ist auch, dass sowohl das Gangverhalten als auch die Amplituden im Chronographenbetrieb nicht großartig abweichen. Der durchschnittliche Gang liegt in diesem Fall bei plus 2,2 Sekunden, und die Amplituden pendeln sich bei 285 Grad ein.

Der neuer Chronograph pflegt das IWC-Fliegeruhrenerbe

Durch den robusten Saphirglas-Schraubboden, der dem Zeitmesser neuerdings zehn Bar, gegenüber ehemals sechs Bar, Druckfestigkeit bietet, kommen die typischen Merkmale und Finissagen der IWC-Kaliber zum Vorschein, zum Beispiel Perlierungen oder der Kreisschliff in Genfer-Streifen-Art sowie der satinierte und skelettierte Rotor mit der bekannten Gravur »Probus Scafusia«.

IWC: Pilot's Watch Chronograph 41 Lederband
Guter alter Bekannter: Das Lederband mit Kontrastnaht und der Stufe hinter den Bandanstößen ist mit einem modernen Wechselsystem ausgestattet worden.

»Bewährtes aus Schaffhausen« – das bereits 1903 geprägte Qualitätsversprechen der IWC wird insbesondere auch mit dem Pilot’s Watch Chronograph 41 umgesetzt. Bewährtes wird allein schon mit der beliebten Spezies Fliegeruhr gepflegt. Von welcher Seite aus man auch den Chronographen betrachtet, stets reflektiert er die IWC-typische Fliegeruhren-DNA. Das gemessene 40,85 Millimeter große und 14,55 Millimeter hohe Edelstahlgehäuse ist zumeist satiniert. Lediglich die schmale steile Lünette erlaubt sich, mit etwas Glanz von der in den 1930er-Jahren geprägten Norm abzuweichen.

Unverkennbar sind die in Hülsen geführten runden Chronographendrücker und die große Schraubkrone. Dank ihrer starken Rändelung lässt sie sich ohne Schwierigkeiten aufschrauben. In die einzelnen Positionen kommt sie mit sicheren Rastpunkten, und mit etwas Nachdruck lässt sie sich auch wieder gut fixieren. In der mittleren Kronenposition werden das Datum im und der Wochentag gegen den Uhrzeigersinn geschmeidig weitergeschaltet. Bei laufender Uhr wechseln die Anzeigen »schleichend« zwischen 23.25 Uhr und 0.10 Uhr, zuerst der Wochentag und dann das Datum. Sowohl die Schaltvorgänge als auch die Positionierung auf dem Zifferblatt bei drei Uhr erinnern noch ein wenig an die Eta/Valjoux-Vergangenheit.

IWC: fünfreihiges Gliederarmband
Stählerne Alternative: Das fünfreihige Gliederarmband ist neu und mit einer Druckfaltschließe versehen. Neben einer Feineinstellung verfügt es ebenfalls über das EasX-Change-System.

Auch mit grünem Zifferblatt ein perfekter Pilot

Entsprechend der Schaltrad-Steuerung funktionieren die Drücker für den Chronographen mit sicheren Druckpunkten und erstaunlich gleichmäßig. Dabei setzt sich der dünne Stoppsekundenzeiger über der signifikanten Skalierung am Zifferblattrand in Bewegung. Von den markant und kräftig aufgebrachten Indizes und arabischen Ziffern leuchten bei Dunkelheit allerdings nur die drei starken Markierungen bei drei, sechs und neun Uhr sowie das Orientierungsdreieck mit seinen zwei Punkten anstelle der Zwölf – und das zusammen mit den rhodinierten lanzenartigen Zeigern der Hauptzeit aus der Mitte. Das entspricht der typischen Beleuchtung von IWC-Fliegeruhren, auch wenn die zahlreichen weißen Markierungen zunächst etwas anderes vermuten lassen.

Diese kontrastieren bei Tageslicht auch dem derzeit angesagten glänzend grünen Sonnenschliff-Zifferblatt hervorragend, weshalb es insgesamt sehr gut ablesbar ist. Je nach Lichteinfall changiert es von einem leuchtenden Farbton bis zu beinahe Schwarz, manchmal heben sich auch nur die kreisrund geschliffenen Counter in scheinbarem Schwarz ab. Zu der für IWC-Fliegeruhren gewohnt hervorragenden Ablesbarkeit trägt nicht zuletzt das leicht gewölbte und doppelt entspiegelte Saphirglas bei, das mitunter den Eindruck erweckt, als wäre es gar nicht da.

IWC: Portugieser bei Nacht
IWC-Styling: Die Beleuchtung der Indizes, des Dreiecks mit den zwei Punkten nd der Zeiger ist typisch für die Fliegeruhren der IWC.

Neu, aber schon bewährt hat sich das EasX-Change-System. Dank diesem entfällt das nervige Gefummel an den Bandstegen oder gar der Weg zum Juwelier zwecks Bandwechsel. Die an den verstärkten Bandenden installierten Metallklemmen werden mit leichtem Druck nach unten von den Bandstegen gelöst, wodurch sich die Bandteile mühelos abnehmen lassen. Das Anbringen der neuen Elemente erfolgt mit hörbarem Klick – und fertig. Als Alternativen stehen Kalbsleder- und Kautschukbänder in verschiedenen Farben sowie ein neues Edelstahlband in schlanker Form und mit Feineinstellsystem zur Verfügung. Befestigt am altbekannten braunen Kalbslederband mit seiner leichten Stufung gut zwei Zentimeter hinter den Bandanstößen, den signifikanten Kontrastnähten und der kantigen Dornschließe weist sich der Pilot’s Watch Chronograph 41 auch mit grünem Zifferblatt als perfekte Fliegeruhr der IWC aus. MaRi

Produkt: Die IWC Fliegeruhr Top Gun Miramar im Chronos-Test
Die IWC Fliegeruhr Top Gun Miramar im Chronos-Test
Die IWC Fliegeruhr Top Gun Miramar ist eine Uhr für Abenteuer – wie sie sich im Test bewährt, erfahren Sie im Download.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Naja, ob das nun ein Manufakturkaliber im ursprünglichen Sinne ist, darüber könnte man wohl diskutieren.
    Es ist auf jeden Fall nach meiner Kenntnis ein stark modifiziertes Kaliber mit ETA/Valjoux Historie.

    Und war das ETA/Valjoux schlecht? Wohl kaum, sonst hätten es nicht viele Hersteller verbaut.
    Nur ist es weniger Prestigeträchtig und damit weniger profitabel.
    Schade auf jeden Fall, dass das Werk auch eine auffallend geringe Gangreserve hat.
    Die hätte man doch bei einem Manufakturkaliber, schon im Hinblick auf die Mitbewerber, großzügiger auslegen sollen, müssen.
    Nett anzuschauen sind die IWC Werke dennoch häufig.

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