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Lesedauer 3 Min.

A. Lange & Söhne: Einbau-Uhr mit fragwürdiger Herkunft

A. Lange & Söhne: Einbau-Uhr mit fragwürdiger Herkunft
© Ebner Media Group
Vor zwei Wochen kam ein aufgeregter Anruf meines Uhrmachers: „Bin bei Ruef (Münchner Auktionshaus) und vor mir liegt eine Einbau-Uhr mit Chronograph (Armaturenbrettuhr für ein Auto/Panzer/U-Boot), signiert „A. Lange & Söhne, Glashütte“, mit der Gravur A.H. (Adolf Hitler oder Adolf Hanhart?) und einem Hakenkreuz, Gehäusenummer 12453. Sie müssen unbedingt gleich kommen und sich den Chronographen ansehen.“ Ich konnte unmöglich sofort ins Auto steigen und so machten wir einen etwas späteren Termin aus. Mit einem Freund und seiner Digitalkamera waren wir einige Tage später wieder bei Ruef und haben dort Fotos gemacht. Ich bat darum, das 8-Tage-Werk sehen zu können und zu fotografieren. Die Antwort: „Ich mache das Gehäuse nicht noch einmal auf, das war so schwierig, ich bin der Einzige, der das kann und vom Auktionshaus die Erlaubnis hat.“ Der Katalogtext lautete: „Spezialuhr für eine Armatur, Messingzifferblatt mit Sektor von 5 bis 180 und von 11 bis 60. Stundenzifferblatt von 0 bis 12, bezeichnet „Minutenfrequenz A. Lange & Söhne, Glashütte/Sachsen, 8-Tage, Marinen, Made in Germany, Federhaus bezeichnet 8-Tage, Lange & Söhne, Sachsen, Made in Germany, Dresden, A.H., 8-Tage-Werk mit 11-steinigem Ankerechappement. Voll funktionsfähig, inklusive Chronograph, 1939 bis 1945, Durchmesser 9 cm.“ Ich hätte mir zugetraut, das Gehäuse zu öffnen, denn mir schien, man bräuchte nur eine kleine Zange, um die zwei beidseitig mit einem Gewinde versehenen Schrauben zu lösen, die einerseits die Uhr im Armaturenbrett festhielten und andererseits die Dose, die über das Werk geschoben wurde, durch Klemmung zu lösen. Aber mir gehörte die Uhr nicht, also blieb das Werk ungeöffnet. Dann war 10 Tage Ruhe. Ich hatte die Fotos in der Zwischenzeit an die Firma A. Lange & Söhne nach Glashütte geschickt und auch an das dortige Uhrenmuseum, von beiden Seiten keine Reaktion. Am Morgen vor der Auktion kam ein Telefonanruf von R. Meis, Chronographenspezialist und Autor eines umfassenden Chronographenbuches (Meis/Lang, Armband-Chronogrpahen, Callwey München, 1992): „Gestern rief mich ein Russe an, der von der Ruef Uhr gehört und sie auch selbst in Augenschein genommen hat, der von mir Näheres dazu wissen wollte. Ich weiß jetzt, was die bisher ungedeuteten Chronographenskalen bedeuten, sie sind zur Puls- und Atemfrequenzmessung. Ich habe ein Hanhart-Zifferblatt, das die gleiche Aufteilung hat. Gehen Sie zur Auktion und kaufen die Uhr." „Nein, ich gehe sicher nicht, ich glaube nicht an die Echtheit der Uhr, eher an eine russische Totalfälschung." Wenige Minuten später ein Anruf eines Freundes, der A. Lange & Söhne sammelt: „Ich gehe zu Ruef und werde versuchen, die Uhr zu kaufen. Bestimmt bleibt sie nicht bei den 100 € Aufrufpreis. Wenn sie nicht zu teuer wird, nehme ich sie.“ Am Nachmittag kam ein erneuter Anruf: „Ich habe die Uhr, 700 € plus Aufgeld.“ Er fragte mich, ob ich die Uhr sehen will. Ich bin natürlich gleich zu ihm gefahren. Zwei Stunden später lag die Uhr vor mir und morgen werde ich die Uhr zu Reinhard Meis schicken, damit er sie als ausgebildeter Uhrmacher zerlegt, Fotos macht und seine Meinung zu der Uhr kundtut... cpb Text: Christian Pfeiffer-Belli
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