Watches and Wonders 2026: Uhren, die abseits der Vitrinen auffielen
Als Höhepunkt des Uhrenjahres kann die Watches and Wonders bezeichnet werden. Besonders gespannt sind Uhrenfans weltweit auf die Neuvorstellungen der vielen und zum Teil einflussreichsten Marken der Welt. Spekulationen über mögliche Veröffentlichungen werden bereits Monate vorher heiß diskutiert, Informationen über die Neuheiten verbreiten sich wie ein Lauffeuer und der Hashtag #watchesandwonders2026 erreichte einige Hundert Millionen Menschen. Ebenso beeindruckend sind jedoch auch die Zeitmesser an den Handgelenken der Messebesucher. Neben zahlreichen ikonischen Modellen der bekannten Manufakturen hatten wir das große Glück, auch einige weniger verbreitete, aber nicht minder aufregende Uhren aufzuspüren.
MB&F M.A.D. 1S
WatchTime#1 MB&F M.A.D. 1S
Bei einem Messetermin entdeckten wir am Handgelenk unseres Gegenübers dieses besondere Exemplar uhrmacherischer Avantgarde. Mit der M.A.D. 1S führt MB&F eine Idee weiter, die im Kern fast radikaler ist als viele der spektakulären „Horological Machines“. Während diese oft mit sechsstelligen Preisen angeboten werden und extreme Konstruktionen beherbergen, geht es bei der M.A.D. um etwas anderes: Die Essenz dieser kreativen Welt soll für ein breiteres Publikum zugänglich gemacht werden. Die Zeit wird dabei nicht klassisch von oben abgelesen, sondern seitlich über rotierende Zylinder. Diese Anzeige zwingt den Träger, den Zeitmesser anders wahrzunehmen. Im Inneren besagter Version arbeitet ein neues Schweizer Automatikwerk, das die Konstruktion deutlich schlanker macht. Mit rund 15 Millimetern Höhe ist die M.A.D. 1S spürbar flacher und somit auch alltagstauglicher als ihre Vorgänger. Besonders prägend bleibt der Rotor auf der Zifferblattseite, der sich frei dreht und fast wie ein eigenes kinetisches Element wirkt. Die Farbvarianten unterstreichen die soziale Struktur hinter dem Projekt. Bestimmte Versionen sind exklusiv für enge Partner und Sammler reserviert, während andere über ein Losverfahren zugänglich gemacht werden. Dem glücklichen Besitzer der oben abgebildeten Uhr gelang es, sich die Kaufoption durch eben ein solches Losverfahren zu sichern. Um sich im Vorfeld zu verifizieren, müssen bei der Anmeldung bereits die Kontoinformationen hinterlegt werden. Das Lustige an der Geschichte: Nicht die Bestätigung über die erfolgreiche Zuteilung, sondern die Bankbenachrichtigung über eine Zahlungsabwicklung kam zuerst beim Liebhaber an, was kurzzeitig zu einem erhöhten Puls führte.
Konstantin Chaykin Matroskin Wristmon
WatchTime#2 Konstantin Chaykin Matroskin Wristmon
Tierisch wurde es beim nächsten Liebhaber. Er trug die sogenannte Matroskin, mit der Konstantin Chaykin seine berühmte Wristmon-Reihe um ein Modell erweitert, das auf den ersten Blick verspielt wirkt, in Wahrheit aber ein komplexes Beispiel moderner unabhängiger Uhrmacherkunst ist. Die Figur stammt aus einer russischen Animationsgeschichte und wurde in Zusammenarbeit mit dem Studio Soyuzmultfilm umgesetzt. Besagter Zeitmesser ist auf 90 Exemplare limitiert und entstand anlässlich des 90-jährigen Jubiläums des Studios. Chaykin überträgt dabei den Charakter nicht einfach auf ein Zifferblatt, sondern übersetzt ihn vollständig in die Sprache der Uhrmacherei. Das Herzstück ist die bekannte Joker-Anzeige, die sich bei dieser Interpretation besonders organisch einfügt. Die Augen des Katers fungieren als Stunden- und Minutenanzeigen, ihre leuchtend grüne Iris sorgt für eine fast lebendige Wirkung. Der Mund, geformt durch die Mondphasenanzeige, verändert sich kontinuierlich und verleiht der Referenz ihren charakteristischen Ausdruck. Bemerkenswert ist, wie weit das Design über das Zifferblatt hinausgeht. Die guillochierten „Schnurrhaare“ setzen sich über die Grenzen des Blatts hinaus auf der Lünette fort, wodurch Gehäuse und Anzeige zu einer Einheit verschmelzen. Auch die oberen Bandanstöße sind nicht neutral gestaltet, sondern erinnern an Katzenohren. Selbst das Armband greift mit seinen Streifen das Fell des Charakters auf und verstärkt die narrative Ebene. Trotz dieser spielerischen Oberfläche bleibt die technische Substanz ernsthaft. Im Inneren arbeitet das Kaliber K.18-27 mit Automatikaufzug, basierend auf einem modifizierten Werk von La Joux-Perret. Der Mechanismus bietet eine Gangreserve von 68 Stunden und wird durch das hauseigene Joker-Modul ergänzt. Auch die Finissierung folgt klassischen Standards der Haute Horlogerie. Perlage, Genfer Streifen, handpolierte Anglierungen und aufwendig bearbeitete Kanten zeigen, dass hinter der humorvollen Fassade ein vollständig ernstzunehmendes Uhrwerk steht. Selbst die scheinbar verspielten Details des Zifferblatts entstehen durch extrem aufwendige Prozesse: Allein die Herstellung eines einzelnen Auges kann durch die zahlreichen Lackschichten und Trocknungsphasen rund zwanzig Stunden in Anspruch nehmen.
F.P. Journe Chronomètre Bleu
WatchTime#3 F.P. Journe Chronomètre Bleu
Blau war nicht nur das Licht am markanten Stand von Ulysse Nardin, sondern auch das Zifferblatt des nächsten Ausnahme-Zeitmessers. Das Chronomètre Bleu von F.P. Journe gehört zu jenen Uhren, die ihre Faszination nicht aus Komplexität, sondern aus Konsequenz beziehen. Schon das Gehäusematerial hebt die Uhr aus der Masse heraus. Tantal ist ein in der Uhrmacherei äußerst selten verwendetes Metall, da es extrem schwer zu bearbeiten ist. Seine hohe Dichte, die enorme Schmelztemperatur und die Widerstandsfähigkeit gegen Korrosion machen es zu einer Herausforderung für jede Manufaktur. Gleichzeitig verleiht es dem Gehäuse eine unverwechselbare, leicht bläuliche Tiefe, die perfekt mit dem charakteristischen Zifferblatt harmoniert. Das Uhrengesicht ist dabei eines der markantesten Elemente. Der sogenannte „Chrome Blue“-Ton verändert sich je nach Lichteinfall zwischen tiefem Blau und fast spiegelnder Reflexion. In Kombination mit den cremefarbenen Zeigern und den klaren arabischen Ziffern entsteht eine Ästhetik, die gleichzeitig modern und zeitlos wirkt. Während zahlreiche Modelle der Manufaktur mit technischen Komplikationen beeindrucken, konzentriert sich das hier verbaute Werk auf das Wesentliche. Das Handaufzugskaliber 1304 ist aus 18-karätigem Roségold gefertigt und bewegt lediglich drei Zeiger. Die Architektur folgt klassischen Prinzipien der Präzisionsuhrmacherei: Zwei Federhäuser arbeiten parallel und sorgen für eine stabile Kraftabgabe über die gesamte Gangdauer von rund 56 Stunden. Besonders charakteristisch ist die freischwingende Unruh mit variabler Trägheit, reguliert über vier Gewichte. Diese Bauweise erlaubt eine äußerst feine Justierung und trägt zur chronometrischen Stabilität bei.
SpaceOne Tellurium
WatchTime#4 SpaceOne Tellurium
Sofort ins Auge stach uns diese Interpretation eines Raumschiffs, die sich am Handgelenk eines französischen Journalisten befand. Mit der Tellurium bringt SpaceOne eine der ungewöhnlichsten Neuheiten der jüngeren Independent-Szene auf den Markt. Statt klassischer Komplikationen wie Chronograph oder Kalender steht hier die Darstellung unseres Sonnensystems im Mittelpunkt, umgesetzt als mechanische Interpretation astronomischer Bewegungen. Die Konstruktion basiert auf einem heliozentrischen Tellurium-Modul, das von dem unabhängigen Uhrmacher Théo Auffret entwickelt wurde. Im Zentrum steht dabei die Sonne, um die sich Erde und Mond bewegen. Diese Darstellung erfolgt nicht dekorativ, sondern funktional: Die Positionen der Himmelskörper werden über ein komplexes Räderwerk berechnet und angezeigt, das auf einen Zeitraum von über 100 Jahren ausgelegt ist. Damit wird die Uhr zu einem mechanischen Modell des Kosmos. Technisch baut das System auf einem Automatikwerk vom Typ Soprod P024 auf. Die Energieübertragung erfolgt über ein fein abgestimmtes System von Zahnrädern, bei dem die Datumsmechanik direkt in die Bewegung der Planeten integriert ist. Ein Zahnkranz mit 365 Zähnen repräsentiert das Erdjahr, während die Mondphase über ein separates Getriebe synchronisiert wird. Die gesamte Anzeige lässt sich über die Krone einstellen, was die Bedienung trotz der Komplexität erstaunlich intuitiv hält. Auch gestalterisch folgt die Uhr einem klaren Konzept. Das Zifferblatt aus Aventurin erinnert mit seinen funkelnden Einschlüssen an einen Sternenhimmel, während applizierte Sterne und planetare Elemente aus Titan die räumliche Tiefe verstärken. Die Gehäusearchitektur aus Grade-5-Titan unterstreicht den futuristischen Charakter und verweist bewusst auf die Ästhetik der Raumfahrtära der 1960er-Jahre. Mit einer Höhe von 16 Millimetern trägt die Uhr ihre Komplexität sichtbar nach außen, ohne dabei überladen zu wirken.
Arnold & Son DSTB 42 Red Gold
WatchTime#5 Arnold & Son DSTB 42 Red Gold
Die DSTB 42 Red Gold von Arnold & Son, die wir während eines Interviews am Handgelenk von Pascal Béchu, dem Managing Director der Marke, erspähen konnten, ist eine jener Uhren, die ein klassisches uhrmacherisches Prinzip nicht nur technisch umsetzen, sondern es bewusst ins Zentrum der Inszenierung rücken. „DSTB“ steht für „Dial-Side True Beat“, und genau das beschreibt die Idee: Eine Komplikation, die normalerweise im Verborgenen arbeitet, wird hier offen auf dem Zifferblatt präsentiert. Die sogenannte True-Beat- oder Deadbeat-Sekunde geht auf historische Marinechronometer zurück, wie sie einst von John Arnold für die britische Royal Navy gefertigt wurden. Im Gegensatz zur gleitenden Sekunde der meisten mechanischen Armbanduhren springt der Sekundenzeiger hier exakt im Ein-Sekunden-Takt. Diese scheinbar einfache Bewegung ist technisch anspruchsvoll, da sie eine zusätzliche Mechanik erfordert, die die kontinuierliche Energie des Uhrwerks in diskrete Schritte übersetzt. Das Herzstück bildet ein eigenes, auf der Zifferblattseite montiertes System aus Brücken, Hebeln und einer charakteristischen, an einen Anker erinnernden Konstruktion. Diese bewegt sich im Rhythmus der Sekunden und kontrolliert die Sprungbewegung des Zeigers. Gestalterisch entsteht dadurch ein mehrschichtiges Zifferblatt. Die offen gearbeiteten Brücken aus Rotgold verleihen dem Zeitmesser architektonische Tiefe, während das dezentrale Stunden- und Minutenzifferblatt aus weißem Opal einen ruhigen Gegenpol bildet. Diese Asymmetrie sorgt für Spannung, das blau PVD-beschichtete Grundzifferblatt reflektiert das Licht und verstärkt die visuelle Dynamik des gesamten Aufbaus. Im Inneren arbeitet das Manufakturkaliber A&S6203, ein Automatikwerk mit 22-karätigem Goldrotor und einer Gangreserve von 55 Stunden. Es wurde speziell für das Zusammenspiel mit der True-Beat-Komplikation entwickelt und bleibt trotz der zusätzlichen Mechanik vergleichsweise schlank. Die Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde bildet dabei den kontinuierlichen Takt, aus dem die präzisen Sekundenimpulse erzeugt werden. Auch die Proportionen wurden im Vergleich zu früheren Modellen überarbeitet. Mit 42 Millimetern Durchmesser und einer moderaten Höhe wirkt die Uhr ausgewogen und gut tragbar.
Glashütte Original PanoLunarTourbillon
WatchTime#6 Glashütte Original PanoLunarTourbillon
Burak, besser bekannt als thewristguy, der mit seinen YouTube-Videos sehr erfolgreich seine Leidenschaft für feine Uhren teilt, trafen wir mit der PanoLunarTourbillon von Glashütte Original an. Diese beeindruckende Interpretation der Glashütter Schule trägt in ihrem Zentrum ein fliegendes Tourbillon, eine Erfindung des Glashütter Uhrmachers Alfred Helwig aus dem Jahr 1920. Anders als klassische Tourbillons ist diese Konstruktion nur einseitig gelagert, wodurch der Käfig scheinbar frei im Raum schwebt. Genau dieses „Fliegen“ wird bei der PanoLunarTourbillon bewusst inszeniert: Das Tourbillon ist prominent auf dem Zifferblatt platziert, seine Rotation fungiert gleichzeitig als kleine Sekunde, markiert durch eine gebläute Stahlspitze. Die Gestaltung folgt dabei einem klaren Prinzip der Asymmetrie, das für die Pano-Kollektion charakteristisch ist. Stunden- und Minutenanzeige sowie das Tourbillon befinden sich auf der linken Seite und bilden eine visuelle Achse, während auf der rechten Seite das Panoramadatum und die Mondphase angeordnet sind. Diese Aufteilung wirkt zunächst ungewohnt, entfaltet jedoch eine bemerkenswerte Balance, da jede Funktion ihren eigenen Raum erhält. Für zuverlässigen Antrieb sorgt das Automatikkaliber 93-02, ein Manufakturwerk, das typische Glashütter Merkmale in konsequenter Form zeigt. Durch den Saphirglasboden offenbart sich eine Landschaft aus Glashütter Streifen, Sonnenschliff, gebläuten Schrauben und sorgfältig anglierten Kanten. Der dezentral positionierte Rotor mit 21-karätiger Goldschwungmasse ist skelettiert und trägt das Doppel-G der Marke. Mit einer Gangreserve von rund 48 Stunden und einem ausgewogenen Gehäusedurchmesser von 40 Millimetern bleibt die Uhr trotz ihrer Komplexität tragbar und alltagstauglich.
Vacheron Constantin Historiques American 1921
WatchTimeFunktional wie ästhetisch fällt die Historiques American 1921 von Vacheron Constantin, die wir am Handgelenk eines Mitarbeiters der Marke entdeckten, direkt auf. Ursprünglich für den amerikanischen Markt der 1920er-Jahre entwickelt, richtete sich dieses Modell an Autofahrer, die die Zeit ablesen wollten, ohne das Handgelenk drehen zu müssen. Genau daraus ergibt sich das markante Merkmal der Uhr: das diagonal gedrehte Zifferblatt. Die Stundenindizes sind so ausgerichtet, dass sie bei natürlicher Handhaltung perfekt ablesbar bleiben. Ergänzt wird dieses Konzept durch die ungewöhnlich platzierte Krone zwischen ein und zwei Uhr, die das ergonomische Prinzip weiter unterstützt und gleichzeitig den ikonischen Charakter der Referenz prägt. Die Neuinterpretation bleibt dem historischen Vorbild bemerkenswert treu, wirkt jedoch keineswegs antiquiert. Das gekörnte, silberfarbene Zifferblatt mit schwarzen arabischen Ziffern und Eisenbahnminuterie strahlt eine klare Eleganz aus. Die schlanken, geschwärzten Zeiger aus Gold setzen feine Kontraste, während die kleine Sekunde bei drei Uhr das Gesamtbild harmonisch ergänzt. Das Gehäuse aus 18-karätigem Weißgold misst 36,5 Millimeter und bewahrt damit bewusst eine klassische Größe, die dem ursprünglichen Charakter entspricht. Mit einer Höhe von nur 7,41 Millimetern wirkt sie elegant und flach am Handgelenk. Trotz ihrer historischen Anmutung ist sie damit auch im heutigen Kontext äußerst tragbar. Im Inneren arbeitet ein Handaufzugswerk mit rund drei Tagen Gangreserve, das durch den Saphirglasboden sichtbar ist. Die Uhr trägt außerdem die Genfer Punze, eines der strengsten Qualitätssiegel der Uhrmacherei, das nicht nur die technische Präzision, sondern auch die handwerkliche Ausführung und Herkunft garantiert.
Patek Philippe, Ulysse Nardin und Richard Mille
WatchTime#Patek Philippe, Ulysse Nardin und Richard Mille
Zu guter Letzt trafen wir auf eine Freundesgruppe aus den USA und Deutschland, die ein besonderes Faible für die Farbe Orange pflegt. Doch nicht nur farblich, sondern auch aus uhrmacherischer Sicht war die Clique bestens ausgestattet.
Gleich zweimal war die Aquanaut 5968A von Patek Philippe vertreten. Innerhalb der sportlichen Kollektion markiert dieses Modell einen entscheidenden Schritt, denn es bringt erstmals die Chronographenfunktion in eine Linie, die ursprünglich für ihre reduzierte, moderne Ästhetik bekannt ist. Das schwarz verlaufende Zifferblatt mit dem typischen Aquanaut-Prägemuster bildet die Bühne für auffällige Akzente. Diese setzen gezielte Kontraste und verleihen der Uhr eine deutlich sportlichere Ausstrahlung als viele andere Modelle der Marke. Die zentrale Chronographensekunde und der 60-Minuten-Zähler bei sechs Uhr sind klar strukturiert, während die Datumsanzeige bei drei Uhr die Alltagstauglichkeit unterstreicht. Das Gehäuse aus Edelstahl misst 42,2 Millimeter und kombiniert polierte und satinierte Flächen, wodurch es trotz seiner Robustheit elegant wirkt. Die charakteristische, leicht oktogonale Lünette bleibt erhalten und sorgt für die sofortige Wiedererkennbarkeit der Aquanaut. Ergänzt wird das Gesamtbild durch ein modernes Composite-Armband, das sowohl in Schwarz als auch in Orange geliefert wird und den sportlichen Charakter zusätzlich betont. Im Inneren arbeitet das Automatikwerk CH 28-520 C mit Flyback-Chronograph und vertikaler Kupplung. Bei genauerem Hinsehen wird zudem auf einem der beiden Exemplare ein ganz besonderes Detail sichtbar. Wer erkennt es?
Über eine noch sportlichere Optik verfügt der Diver Air von Ulysse Nardin. Mit nur 52 Gramm inklusive Armband ist das Modell die leichteste mechanische Taucheruhr, die je entwickelt wurde. Die extreme Gewichtsreduktion ist nicht das Resultat bloßen Materialabbaus, sondern das Ergebnis eines völlig neu gedachten Konstruktionsansatzes. Statt auf klassische Lieferketten zu setzen, arbeitete die Marke mit Spezialisten für Hightech-Materialien zusammen und entwickelte ein innovatives Ökosystem, das bereits bei früheren Konzeptuhren angelegt war. Im Zentrum steht das neu entwickelte Kaliber UN-374, ein skelettiertes Automatikwerk, das weniger als zehn Gramm wiegt. Seine Architektur basiert auf der Idee maximaler Effizienz: Dreieckige Brückenstrukturen sorgen für Stabilität, während gleichzeitig so viel Material wie möglich entfernt wurde. Silizium kommt dabei nicht nur in der Hemmung, sondern auch in zentralen Bauteilen wie der Unruhspirale und dem Ankerrad zum Einsatz. Das Ergebnis ist eine Feinmechanik mit 90 Stunden Gangreserve, die trotz ihrer filigranen Konstruktion auf Langlebigkeit und Präzision ausgelegt ist. Auch das Gehäuse folgt dieser Philosophie. Mit 44 Millimetern Durchmesser bleibt es präsent, wirkt jedoch durch seine offene, technische Gestaltung beinahe transparent. Selbst die Armbänder wurden speziell entwickelt und wiegen jeweils weniger als sechs Gramm, ohne dabei an Stabilität einzubüßen.
Auch eines der zurückhaltendsten Modelle von Richard Mille war vertreten. Die RM 67-01 ist Teil der ultraflachen Automatikuhren, ohne dabei auf die markentypische visuelle Tiefe und technische Präsenz zu verzichten. Was auf den ersten Blick wie ein eleganter, skelettierter Zeitmesser wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als hochkomplexe Synthese aus Design, Materialforschung und mechanischer Präzision. Die Herausforderung beginnt bereits beim Kaliber CRMA6. Mit einer Bauhöhe von nur 3,6 Millimetern gehört es zu den flachsten skelettierten Automatikwerken seiner Art, bewahrt jedoch die charakteristische dreidimensionale Architektur der Marke. Die Brücken und die Grundplatine bestehen aus Grade-5-Titan, mikrogestrahlt und elektroplasmatisch behandelt, um maximale Steifigkeit bei minimalem Gewicht zu gewährleisten. Diese Konstruktion ist nicht nur ästhetisch, sondern funktional: Sie sorgt für Stabilität des Räderwerks und langfristige Ganggenauigkeit. Ein freischwingendes Unruhsystem mit variabler Trägheit ersetzt zudem klassische Reguliersysteme und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stößen, während ein Platinrotor mit OneWay-Aufzugssystem effizient Energie liefert, ohne die flache Bauweise zu kompromittieren. Die Gangreserve von rund 50 Stunden unterstreicht, dass hier keine Kompromisse eingegangen wurden. Auch das Gehäuse erzählt diese Geschichte konsequent weiter. Die ikonische Tonneau-Form wurde für die RM 67-01 erstmals in eine extrem flache Silhouette übersetzt.
Ulysse Nardin: Super Freak zur Watches and Wonders 2026