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Lesedauer 5 Min.

Woher kommt das Fliegeruhren-Dreieck bei 12 Uhr?

Kaum ein Detail ist so prägend für Fliegeruhren wie das markante Dreieck bei 12 Uhr. Was heute als Designcode gilt, entstand ursprünglich aus militärischer Notwendigkeit. Wir gehen der Geschichte des Dreiecks nach, beginnend mit den ikonischen deutschen Beobachtungsuhren der 1940er-Jahre.
Stowa: Flieger 40 Baumuster B blau

Stowa: Flieger 40 Baumuster B blau

© Stowa

Orientierungspunkt und Gestaltungsmerkmal

Fliegeruhren sind gut erkennbar: Sie haben ein kontrastreiches, meist schwarzes Zifferblatt, dazu in der Regel weiße, mit Leuchtmasse belegte arabische Zahlen und sind deshalb sehr gut ablesbar. Die meisten Fliegeruhren zeichnen sich darüber hinaus durch ein zusätzliches Merkmal aus: ein Dreieck auf der 12-Uhr-Position - manchmal anstelle der Zahl, manchmal zusätzlich zu ihr. Was hat es mit diesem Dreieck auf sich? Wann wurde es zum ersten Mal benutzt? 

Wempe: Beobachtungsuhr mit Baumuster-A-Zifferblatt von 1942

Wempe: Beobachtungsuhr mit Baumuster-A-Zifferblatt von 1942

© Wempe

Die Beobachtungsuhren von 1940

Das gleichschenklige Dreieck mit der Spitze nach oben, flankiert von zwei Punkten links und rechts, geht zurück auf die Beobachtungsuhren, kurz B-Uhren genannt, die sich die deutsche Luftwaffe ab 1940 von 5 Uhrenherstellern liefern ließ. Es waren 4 deutsche Firmen und eine schweizerische: A. Lange & Söhne, Laco, Stowa, Wempe sowie IWC Schaffhausen. Die Wehrmacht hatte, was das Äußere anging, bestimmte Spezifikationen festgelegt, an die die Fabrikanten gebunden waren. Die Uhren sollten gleich aussehen. Nur bei den eingesetzten Werken und den verwendeten Kronen (die aber immer Übergröße hatten) waren die Hersteller frei in ihrer Wahl. Zu den Anforderungen des Militärs gehörte besagtes Dreieck mit den Punkten, das die Zahl 12 ersetzte. Die Idee dahinter war, die 12-Uhr-Position unter allen Umständen auf den ersten Blick erkennen zu können. 

 

Longines: Borduhr von 1939 mit Kaliber 18.69N

Longines: Borduhr von 1939 im Aluminiumgehäuse mit Kaliber 18.69N

© Longines

Das Dreieck bei Borduhren

Vereinzelt hatte es auch vor 1940 schon Borduhren in Flugzeugen gegeben, die mit einem Dreieck bei 12 Uhr versehen waren, etwa von Longines. Der Zeitmess-Spezialist aus Saint-Imier hatte etwa 1939 eine Borduhr im Aluminiumgehäuse entwickelt, die eine doppelte Zeitanzeige für zwei Zeitzonen sowie eine Stoßdämpfung bot. Bei ihrem Dreieck wies allerdings die Spitze nach unten, außerdem war es nicht gleichschenklig, sondern länglich und spitz.

Laco: Nachbau der historischen Beobachtungsuhr mit 55 mm Durchmesser und Baumuster-B-Zifferblatt

Laco: Nachbau der historischen Beobachtungsuhr mit 55 mm Durchmesser und Baumuster-B-Zifferblatt

© Laco

Baumuster A und Baumuster B

Was Armbanduhren für Flieger angeht, waren also die B-Uhren der 5 genannten Hersteller diejenigen, die einen neuen Maßstab setzten. Mit ihrem Durchmesser von 55 mm waren sie übrigens nicht nur dazu gemacht, über der Fliegerjacke getragen zu werden, manche Piloten bzw. deren Navigatoren schnallten sie sich auch um den Oberschenkel. So hatten sie die Hände frei und konnten trotzdem jederzeit die Uhr ablesen.

Die ersten Zifferblätter, Baumuster A genannt, hatten eine klares Zifferblatt mit elf arabischen Stundenzahlen und dem von zwei Punkten flankierten Dreieck bei 12 Uhr. Es wurde allerdings nach kurzer Zeit durch ein anderes Zifferblatt, Baumuster B, ersetzt. Da es für die Piloten beim Sichtflug vor allem auf die Minute ankommt, rückte man diese in den Mittelpunkt: Die Zahlen 1 bis 11 wurden durch die Zahlen 5 bis 55 ersetzt, zusätzlich gab es im Zifferblattzentrum eine weitere, kleinere Skala für den verkürzten Stundenzeiger. Bei diesem Baumuster-B-Zifferblatt entfielen die beiden Punkte neben dem Dreieck, stattdessen erhielt es einen kleinen Strich auf der Unterseite, sodass es wie ein Pfeil aus dem Stundenkreis herauswuchs.

IWC: Big Pilot’s Watch 43 Spitfire Bronze

IWC: Big Pilot’s Watch 43 Spitfire Bronze

© IWC

Die Big Pilot's Watch von IWC

Die deutschen Beobachtungsuhren sind bis heute stilprägend. Die Große Fliegeruhr (Big Pilot's Watch) leitet sich direkt vom historischen Baumuster-A-Zifferblatt ab, und auch die deutschen Fliegeruhrenmarken Laco und Stowa bauen einen Großteil ihrer heutigen Kollektionen auf den historischen B-Uhren mit Ziffernblättern nach Baumuster A und B auf.

IWC: Mark 11 von 1963

IWC: Mark 11 der 3. Generation von 1963

© IWC

Die IWC Mark 11 und ihre Nachfolger

Doch zurück zur Historie. Auch die britische Royal Air Force bestellte Fliegeruhren bei IWC. Doch die erste Generation der berühmten Mark 11, die von 1949 bis 1952 ausgeliefert wurde, hatte noch kein Dreieck. Dieses hielt erst mit der zweiten Generation ab 1952 Einzug und blieb auch in der dritten Generation ab 1963 erhalten, allerdings ohne die beiden flankierenden Punkte. Aus der Mark 11 und ihren Nachfolgerinnen Mark XII, Mark XV, Mark XVI, Mark XVII und Mark XVIII entwickelte sich schließlich die heutige Mark XX; die gesamte Fliegeruhrenlinie von IWC hat ihren Ursprung in diesem Design.

Nachfolgerin der Mark 11: die heutige IWC Mark XX

Nachfolgerin der Mark 11: die heutige IWC Mark XX

© WatchTime

Heutige Fliegeruhren

Heute gibt es Fliegeruhren ganz unterschiedlicher Marken, die das Dreieck als Designmerkmal und historische Referenz einsetzen. Neben den oben erwähnten Marken mit den entsprechenden historischen Referenzen finden sich Beispiele hierfür u. a. in der Kollektion Flieger von Fortis, in der Linie Flieger von Tutima, bei der Black Bay von Tudor oder bei der 717 von Sinn.

 

 

Tutima: Flieger Automatic Bronze

Tutima: Flieger Automatic Bronze

© Tutima

Das Dreieck bei anderen Uhrengattungen

Da ein Dreieck sich als Orientierungspunkt perfekt eignet – vor allem, wenn es das einzige Dreieck auf dem Zifferblatt ist –, fand es nicht nur bei den klassischen Fliegeruhren Anwendung, sondern auch bei anderen Toolwatches, die eine starke, sofort erkennbare Markierung brauchten. Die Officine Panerai setzten bei ihrer ersten Armbanduhr, die sie 1936 an die italienische Kriegsmarine lieferten, ein Dreieck bei 12 Uhr ein. Es handelte sich um die 47 mm große Radiomir mit dem sogenannten California-Zifferblatt mit römischen Ziffern in der oberen und arabischen in der unteren Zifferblatthälfte. Das Dreieck diente u. a. dazu, sofort sehen zu können, wo sich die 12 befindet. Auch Rolex, mit dem Panerai damals eng zusammenarbeitete, verwendete damals solche Zifferblätter. Das "California Dial" wurde zur Ikone und später auch von anderen Herstellern zitiert.

Panerai: Radiomir 47 mm mit California-Zifferblatt von 1936

Panerai: Radiomir 47 mm mit California-Zifferblatt von 1936

© Panerai

Während das Fliegeruhren-Dreieck fast immer mit der Spitze nach oben weist, ist es beim California Dial, aber auch bei anderen Toolwatches wie Kampfschwimmer-  oder Taucheruhren meist umgekehrt. Das bekannteste Beispiel sind die Taucheruhren von Rolex wie Submariner, Sea-Dweller oder Deepsea; Rolex setzt das Dreieck aber auch bei Explorer, GMT-Master II und Yacht-Master ein.

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