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Lesedauer 4 Min.

Keramik, Roségold, 100 Stunden Reserve: Titonis neue Königsklasse

Titoni bringt mit dem Luxe Tourbillon erstmals ein Handaufzugskaliber mit fliegender Komplikation ins Vollkeramikgehäuse – für 15.000 Euro.
Titoni Luxe Tourbillon Burgunderrot, Referenz 1000 Z-R-742

Titoni Luxe Tourbillon Burgunderrot, Referenz 1000 Z-R-742

© Titoni

Ein Tourbillon unter 15.000 Euro: Mit dieser Preisangabe positioniert sich Titoni in einem Segment, das lange als Nischenphänomen galt und heute zunehmend Bewegung zeigt. Die unabhängige Schweizer Manufaktur aus Grenchen bringt das Modell Luxe Tourbillon in den Markt, angetrieben vom neu entwickelten Kaliber T1000. Es ist die erste Tourbillon-Konstruktion des 1919 gegründeten Familienunternehmens.

Titoni Luxe Tourbillon Tiefblau, Referenz 1000 Z-R-741

Titoni Luxe Tourbillon Tiefblau, Referenz 1000 Z-R-741

© Titoni

Handaufzug statt Automatik

Das Kaliber T1000 ist ein mechanisches Handaufzugswerk, das laut Hersteller in Grenchen einzeln von Hand montiert wird. Es schwingt mit 21'600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hz) und bietet eine Gangreserve von mehr als 100 Stunden – ein Wert, der für ein Tourbillon-Kaliber über dem Durchschnitt liegt. Reguliert wird das Werk in sechs Lagen, mit einer angestrebten mittleren Ganggenauigkeit von 0 bis +8 Sekunden pro Tag und einem maximalen Schlagfehler (Beat Error) von 0,4 Millisekunden. 

Konstruktiv verzichtet Titoni auf eine vollständige Skelettierung; die Bezeichnung als teilskelettiertes Werk verweist auf die offene Tourbillon-Partie, nicht auf eine durchbrochene Platine. Sichtbar ist das Kaliber durch den transparenten Gehäuseboden, dazu kommt die Tourbillon-Öffnung bei 6 Uhr, die von einer diamantgeschliffenen Fase eingefasst wird. Die Brücke des Tourbillon-Käfigs ist mit 4N-Roségold plattiert, das Werk selbst trägt eine anthrazitfarbene Anthradec-Beschichtung mit vertikal gebürsteten Flächen und polierten Kanten. Diese Materialkombination – dunkle Beschichtung, warmer Goldton auf der Brücke – wiederholt sich am Zifferblatt, wo ebenfalls roségoldplattierte Zeiger und Indexe für Kontrast sorgen. 

Titoni Luxe Tourbillon, Kaliber T1000

Titoni Luxe Tourbillon, Kaliber T1000

© Titoni

Vollkeramik als Designentscheidung

Das 41 Millimeter große Gehäuse besteht komplett aus schwarzer Hightech-Keramik, geprägt von einer kantigen, polygonalen Lünette, und misst 11,5 Millimeter in der Höhe – für ein Tourbillon-Gehäuse mit sichtbarem Käfig und transparentem Boden ein moderater Wert. Auch hier setzt Titoni auf den Wechsel zwischen vertikal gebürsteten Flächen und polierten Facetten. Der Werkstoff bringt neben der Kratzresistenz einen weiteren, oft unterschätzten Vorteil mit: Hightech-Keramik ist deutlich leichter als Stahl und gilt als hypoallergen. 

Mit 50 Metern beziehungsweise 5 ATM bewegt sich das Luxe Tourbillon im üblichen Alltagsbereich. Das Zifferblatt trägt das markenspezifische Quadro-Muster und ist in drei Farbvarianten erhältlich: Schwarz, Tiefblau und Burgunderrot. Das integrierte, mattschwarze Kautschukband aus FKM ist bei allen drei Versionen identisch und mit einer Faltschließe versehen, deren Abdeckung und Drücker DLC-beschichtet sind.

Titoni Luxe Tourbillon Schwarz, Referenz 1000 Z-R-740

Titoni Luxe Tourbillon Schwarz, Referenz 1000 Z-R-740

© Titoni

Die Referenzen lauten 1000 Z-R-740 (Schwarz), 1000 Z-R-741 (Tiefblau) und 1000 Z-R-742 (Burgunderrot). Titoni bewirbt das Luxe Tourbillon als eines der weltweit zugänglichsten Swiss-Made-Tourbillons in einem Vollkeramikgehäuse. Die Formulierung ist bewusst eng gefasst, und das aus gutem Grund: Im breiteren Markt der erschwinglichen Tourbillons tummeln sich längst Anbieter wie Ba111od, deren Tourbillons je nach Ausführung bei 10.000 Euro liegen, oder Delma mit einem Jubiläumsmodell ebenfalls im Bereich von gut 15.000 Euro. Auch Frédérique Constant hat das Preisgefüge für Tourbillons seit Jahren nach unten verschoben. Titonis Positionierung bei 14.800 Euro liegt also nicht am unteren Rand dessen, was ein Schweizer Tourbillon aktuell kostet, sondern im Mittelfeld eines Segments, das erst in den vergangenen Jahren überhaupt entstanden ist.

Das eigentliche Verkaufsargument liegt daher nicht allein im Preis, sondern in der Kombination aus Handaufzugskaliber mit über 100 Stunden Gangreserve, Vollkeramikgehäuse und einer Fertigung, die Titoni komplett in Grenchen ansiedelt. Für die als Familienunternehmen in vierter Generation geführte Marke ist das Luxe Tourbillon damit nicht nur ein Prestigeobjekt im klassischen Sinn, als auch ein Signal: Der Schritt von der Chronographen- und Dreizeiger-Kompetenz hin zu einer komplizierten Konstruktion ist ein Bekenntnis zu höherer uhrmacherischer Eigenständigkeit.

Titoni Tourbillon Uhr Handaufzug Schweizer Uhren Uhren bis 20.000 Euro

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