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Lesedauer 4 Min.

Eternity by Tiffany Enamel Clematis Watch: Wenn das Zifferblatt zum Glasfenster wird

100 Stunden für ein Zifferblatt: Die Eternity Enamel Clematis Watch von Tiffany & Co. rückt Plique-à-jour in den Vordergrund.
Tiffany & Co. Eternity Enamel Clematis Watch

Tiffany & Co. Eternity Enamel Clematis Watch

© Tiffany & Co.

Tiffany & Co. hat mit der Eternity by Tiffany Enamel Clematis Watch eine Uhr vorgestellt, die zwei Emailliertechniken ins Zentrum rückt: Plique-à-jour und Champlevé. Das 36 Millimeter große Gehäuse aus 18-karätigem Weißgold beherbergt ein Schweizer Automatikwerk mit Stunden- und Minutenanzeige – die eigentliche Aussage der Uhr liegt jedoch auf dem Zifferblatt. 

Louis Comfort Tiffany statt Uhrmacher-Tradition 

Tiffany bezieht sich hier auf ein Kapitel angewandter Kunst: die Glaslampen der Tiffany Studios, die Louis Comfort Tiffany – Sohn des Firmengründers Charles Lewis Tiffany und ab 1902 erster Art Director des Hauses – zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwarf. Konkreter Bezugspunkt laut Hersteller ist ein um 1906 gefertigter Clematis-Hängeschirm mit einem dichten Muster aus weißen und grünen Blüten vor hellgrünem und blauem Hintergrund. Dieses Motiv wurde für das Zifferblatt in sechs stilisierte Clematis-Blüten übersetzt. 

Der Rückgriff auf Jugendstil-Handwerk statt auf klassische Uhrenreferenzen positioniert die Uhr als eigenständiges Statement in der Schmuckuhren-Kategorie – ein Segment, in dem zunehmend Häuser wie Van Cleef & Arpels oder Cartier mit Emaille- und Steinsetzarbeit konkurrieren.

Zifferblatt Montage Tiffany & Co. Eternity Enamel Clematis Watch

Das Zifferblatt zeigt Blüten in Plique-à-jour- sowie florale Motive in Champlevé-Emaille in sechs Blautönen, umgeben von 432 Diamanten – insgesamt 904 Diamanten mit 3,28 Karat.

© Tiffany & Co.

Zwei Techniken, zwei Disziplinen 

Das Zifferblatt kombiniert zwei Emailliertechniken, die sich in Aufwand und optischem Effekt deutlich unterscheiden: Plique-à-jour kommt bei den sechs Clematis-Blüten in Aquamarin- und Türkistönen zum Einsatz. Die Technik funktioniert ohne metallischen Untergrund: Der Emailleur formt zunächst die Blütenumrisse aus feinen Weißgolddrähten und füllt die entstandenen Zellen anschließend Schicht für Schicht mit farbigem Email, das nach jedem Auftrag separat gebrannt wird. Weil die Farbe nur von einem filigranen Metallgerüst gehalten wird, bleibt sie transluzent – Licht durchdringt die Blüten wie bei einem Glasfenster, was auch erklärt, warum Tiffany die Analogie zu den historischen Lampen zieht. Laut Tiffany geht das Verfahren auf das 6. Jahrhundert und byzantinische Ursprünge zurück und gilt als eine der technisch anspruchsvollsten Emailliertechniken, da jede Farbabweichung oder -temperatur beim Brand die betroffene Zelle unbrauchbar macht. 

Champlevé wurde für die stilisierten Blumenmotive in vier verschiedenen Blautönen verwendet, die über das Zifferblatt verteilt sind. Hier graviert der Emailleur zunächst fast 60 einzelne Weißgold-Elemente – einige mit einem Durchmesser von nur 0,45 Millimetern – mitsamt Vertiefung, die anschließend von Hand mit Email gefüllt und mehrschichtig gebrannt wird, bis die Füllung bündig mit dem verbleibenden Goldrand abschließt. Anschließendes Handpolieren erzeugt eine gewölbte, cabochonartige Oberfläche. 

Beide Techniken benötigen laut Hersteller unterschiedliche Brenntemperaturen und Brennzyklen; die Kombination von zwei Emaillefarben für die Plique-à-jour-Blüten und vier Blautönen für die Champlevé-Motive auf einem einzigen Zifferblatt erforderte eine hohe Zahl separat gesteuerter Brennvorgänge sowie eine Positionierung der Einzelteile im Mikrometerbereich. 

Fertigungsaufwand und Steinbesatz 

Tiffany beziffert den reinen Aufwand für Fertigung, Steinbesatz und Montage des Zifferblatts mit über 100 Arbeitsstunden. Davon entfallen rund 30 Stunden auf das Snow-Setting der 432 Diamanten im Zifferblatt und rund 55 Stunden auf die manuelle Emaillierung samt Montage. Der Diamantbesatz der Uhr insgesamt liegt bei 904 Steinen mit 3,28 Karat, aufgeteilt auf Zifferblatt (432 Diamanten, 0,87 ct), Gehäuse (461 Diamanten, 1,9 ct, vollständig im Snow-Setting-Stil an den Gehäuseflanken), Schließe (10 Diamanten) und Krone (1 Diamant, 0,47 ct, im charakteristischen Tiffany-Setting mit sechs Krallen). Die Lünette trägt zusätzlich 36 Aquamarine im Baguetteschliff mit einem Gesamtgewicht von knapp fünf Karat.

Tiffany & Co. Eternity Enamel Clematis Watch

Tiffany & Co. Eternity Enamel Clematis Watch

© Tiffany & Co.

Gehäuse und Werk: bewusst zurückhaltend

Das 36-Millimeter-Gehäuse aus 18-karätigem Weißgold wird von einem dunkelblauen Alligatorlederband mit diamantbesetzter T-Schließe aus Weißgold komplettiert. Als Antrieb dient das mechanische Automatikkaliber LTM 2100 (Le Temps Manufactures SA), Swiss Made, mit einer Gangreserve von 38 Stunden und reiner Stunden-Minuten-Anzeige. Bei einer Uhr, deren wirtschaftlicher und handwerklicher Schwerpunkt eindeutig auf dem Zifferblatt liegt, hätte ein komplexeres Werk allenfalls zusätzliche Bauhöhe gekostet, ohne den eigentlichen Verkaufsgrund – die Emaillearbeit – zu stärken. Der Ansatz ähnelt damit eher dem von Jaeger-LeCoultre bei bestimmten Rendez-Vous-Modellen oder Van Cleef & Arpels bei der Lady Arpels-Linie als dem komplikationsgetriebenen Wettbewerb bei Patek Philippe oder Vacheron Constantin.

Für Tiffany, das im Uhrensegment gegenüber etablierten Manufakturen noch an Referenzhistorie aufbauen muss, ist der Rückgriff auf das eigene Design-Erbe der Tiffany Studios ein nachvollziehbarer Weg, um Eigenständigkeit zu demonstrieren, ohne mit klassischen Grande-Complication-Häusern in direkten technischen Wettbewerb treten zu müssen. Der Preis für die Referenz SKU 76537852 wurde von Tiffany & Co. nicht kommuniziert.

Tiffany & Co. LVMH Schweizer Uhren

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