Bremont Supernova Chronograph: Wenn eine Uhr auf dem Mond bleibt
Watches and Wonders 2026
Seit den Apollo-Missionen ist kein Zeitmesser mehr dauerhaft auf dem Mond zurückgeblieben. Das ändert sich in diesem Jahr, wenn Bremont seinen Supernova Chronographen fest in den Chassis des Astrolab-Rovers FLIP (FLEX Lunar Innovation Platform) integriert schickt. Die Uhr soll mit Astrobotic's Griffin Mission One am Südpol des Mondes landen und dort bleiben. Kein Leihauftritt, sondern ein permanentes Artefakt auf der Mondoberfläche. Das ist die Ausgangslage für eine neue Kollektion, die Bremont mit einem klaren strategischen Kalkül verbindet: Auf die bestehenden Universen Supermarine (See), Terra Nova (Land) und Altitude (Luft) folgt nun Space. Der Supernova Chronograph steht an der Spitze der Bremont-Hierarchie, sowohl preislich als auch in Bezug auf die technische Ausführung.
Gehäuse und Materialwahl
Das 41-Millimeter-Gehäuse besteht aus 904L-Edelstahl, einer Legierung, die Bremont für ihre erhöhte Korrosionsresistenz und den kräftigeren Glanz gegenüber dem üblichen 316L-Stahl wählt. Rolex setzt seit Jahrzehnten auf dasselbe Material, bei Sportuhren ist 904L jedoch noch keine Selbstverständlichkeit. Die Lünette ist zehnflächig, aus schwarzer Keramik. Drücker und Krone übernehmen die geometrische Formensprache des Gehäuses, polygonale Flächen sind auch dort vorhanden. Das Resultat ist kantig, ohne grob zu wirken, was die Pressemitteilung treffend als von realen und fiktiven Raumfahrzeugen inspiriert beschreibt. Zur Wahl stehen ein integriertes Stahlarmband sowie ein Kautschukband mit Faltschließe, beide mit Schnellwechselmechanismus. Die Gehäusehöhe liegt bei 14,4 Millimeter, was für einen Chronographen mit diesem Anspruch durchaus vertretbar ist.
Bremont Supernova Chronograph am Handgelenk
BremontDas Werk: Bremont Kaliber BC77
Im Innern arbeitet das hauseigene Kaliber BC77. Es läuft mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz), bietet eine Gangreserve von 62 Stunden, trägt das Chronometer-Zertifikat und zeigt Zentralstunden- und -minuten, sowie einen Chronographen-Zentralsekundenzeiger, eine kleine Sekunde bei 9 Uhr sowie einen 30-Minuten-Zähler bei 3 Uhr. Das Datum erscheint bei 6 Uhr. Der Sichtboden gibt den Blick auf den dekorierten Rotor frei. Als Basis dient das Selitta SW510 Bha.
Ein Zukauf von Basiskalibern ist kein Einzelfall in der Uhrenindustrie, sollte aber eingeordnet werden: Die Firma betreibt seit 2021 ihre eigene Manufaktur "The Wing" in den Chiltern Hills mit rund 3.200 Quadratmetern Fläche, wo nach Unternehmensangaben Teile der Fertigung und Finissierung stattfinden.
Bremont Supernova Chronograph, Kaliber BC77
BremontZifferblatt und Ablesbarkeit
Das Zifferblatt greift die Geometrie von Solarpanelen auf Raumfahrzeugen auf. Ein dreidimensionales, galvanisch behandeltes Gittermuster aus schwarzem Lack mit dreieckigen Strukturen liegt über einer vollständigen mit Superluminova bedeckten Schicht (blaue Emission). Die beiden Hilfszifferblätter bei 3 und 9 Uhr übernehmen dasselbe Gittermuster. Zeiger und Indexe sind ebenfalls lumineszenzbeschichtet. In der Praxis bedeutet das: außergewöhnliche Ablesbarkeit bei Dunkelheit, ein Argument, das für ein Werkzeug-Chronographen-Konzept Sinn ergibt.
Die Mondmission im Kontext
Dass Bremont die Messe Watches and Wonders Genf als Bühne für diesen Launch wählt und dort einen FLIP-Rover in Originalgröße zeigt, ist kein Zufall. Es ist das dritte Jahr in Folge, in dem die Marke als Hauptaussteller auf der Messe erscheint. Damit signalisiert Bremont, dass der Anspruch, zur ersten Reihe der globalen Uhrenindustrie zu gehören, keine Ankündigung mehr ist. Die Kooperation mit Astrolab hat dabei inhaltliche Logik: Bevor Supernova oder FLIP überhaupt fliegen, müssen beide eine "Spacecraft Protoflight Qualification" bestehen, ein mehrstufiges Testprogramm mit Thermalvakuumtests, Sinusschwingungen, Zufallsvibrationen, Schocktests und elektromagnetischer Verträglichkeitsprüfung. Der Grundsatz lautet "Test Like You Fly", wobei die Testbedingungen die tatsächlich erwarteten Flugbedingungen nochmals übertreffen. Das ist ein NASA-Prozessstandard. Dazu kommt ein zeithistorischer Aspekt: Das Weiße Haus in Washington D.C. hat die NASA beauftragt, bis Ende 2026 eine koordinierte Mondzeit (Coordinated Lunar Time, LTC) zu etablieren, also ein atomuhrbasierter Zeitstandard für Navigation und Kommunikation im Cis-Lunar-Raum. Dass im selben Jahr eine Armbanduhr dauerhaft auf dem Mond verbleibt, ist eine Pointe, die Bremont nicht ungenutzt lässt.
Bremont Supernova Chronograph mit Kautschukband
BremontDie Supernova-Linie positioniert Bremont erkennbar gegen etablierte Sportuhrenkollektionen mit integriertem Armband. Der Preis liegt bei circa 8.000 Euro. Entscheidend für die Marktrelevanz wird sein, ob der Supernova über die Mondgeschichte hinaus als eigenständige Produktlinie konsequent weiterentwickelt wird oder ein singuläres Statement bleibt. Die Ankündigung einer vollständigen Kollektion unter dem Space-Universum deutet auf ersteres hin.
Technische Daten
Kaliber: BC77, 28.800 A/h (4 Hz), 62 Stunden Gangreserve
Funktionen: Zentraler Stunden- und Minutenzeiger, Chronograph-Zentralsekundenzeiger, Kleiner Sekundenzeiger bei 9 Uhr, Chronograph-30-Minuten-Zähler bei 3 Uhr, Datum bei 6 Uhr
Gehäuse: 904L-Edelstahl mit schwarzer Keramiklünette, 41 mm Durchmesser, 48,7 mm Gehäuselänge, 14,4 mm Bauhöhe
Zifferblatt: Tachymeterskala auf schwarzem galvanischem Zifferblattring, dreidimensional strukturiertes schwarzes galvanisches Zifferblatt mit vollflächigem weißem Superluminova (blaue Emission)
Glas: Gewölbtes, doppelt entspiegeltes, kratzfestes Saphirglas
Wasserdichtigkeit: 100 Meter (10 ATM)
Armband: Schnellwechselsystem