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Lesedauer 5 Min.

Audemars Piguet 2026: Drei Zeitmesser, drei Handwerkskonzepte

Atelier des Établisseurs: AP belebt das historische Établissage-System: Galets, Nomade und Peacock vereinen Gravur, Emaillierung und Handskelettierung mit modernen Kalibern.
Audemars Piguet Etablisseurs Galets

Audemars Piguet Etablisseurs Galets

© Audemars Piguet

Audemars Piguet kehrt 2026 zur Watches and Wonders in Genf zurück – der erste Messeauftritt mit Rolex und Patek Philippe unter einem gemeinsamen Dach seit 1990. Sieben Jahre lang hatte die Manufaktur aus Le Brassus alle großen Uhrenplattformen gemieden, sich auf AP Houses konzentriert und die Zahl der Konzessionäre von mehreren Hundert auf praktisch null reduziert. Die Rückkehr zur Messe signalisiert eine Neuausrichtung unter CEO Ilaria Resta, die seit dem Abgang von François-Henry Bennahmias 2023 die strategische Richtung vorgibt. Folgend auf eine ganze Reihe Neuheiten Anfang Februr, ist das Atelier des Établisseurs die ungewöhnlichste Neuheit, die AP bei dieser Gelegenheit vorstellt. 

Das Konzept 

Das Atelier des Établisseurs greift ein Organisationsprinzip auf, das die Uhrmacherkunst im Vallée de Joux seit dem 18. Jahrhundert geprägt hat: das Établissage-System. Damals koordinierten Établisseure die Arbeit spezialisierter Einzelwerkstätten, die jeweils nur wenige Komponenten – Räder, Brücken, Schrauben – fertigten. Audemars Piguet fungierte in seinen frühen Jahrzehnten selbst als solcher Établisseur, bevor die Manufaktur im 20. Jahrhundert schrittweise alle Fertigungsschritte internalisierte. Was AP heute unter diesem Namen versteht, ist kein nostalgisches Nebenprodukt. Das Atelier ist im historischen Stammhaus der Marke untergebracht, das zugleich das Museum von Audemars Piguet beherbergt, und arbeitet mit Kunsthandwerkern innerhalb und außerhalb der Manufaktur zusammen: Emailleure, Graveure, Steinschleifer, Juweliere. 

Audemars Piguet Etablisseurs Galets, Kaliber 3908

Audemars Piguet Etablisseurs Galets, Kaliber 3908

© Audemars Piguet

Jede Uhr entsteht in sehr begrenzter Stückzahl und wird von einem einzigen Uhrmacher montiert, reguliert und eingeschalt – ganz nach dem Vorbild der ursprünglichen Établisseure. Der strategische Kontext ist klar: AP positioniert sich weiter im Segment der Haute Horlogerie, das sich über seltene handwerkliche Techniken und nicht über Volumen definiert. Gleichzeitig schafft das Atelier eine Struktur, um Fertigkeiten zu erhalten, die mangels Nachfrage zu verschwinden drohen. (Lesen Sie auch: Meister der Zeit – Sechs unabhängige Visionäre der modernen Haute Horlogerie)

AP Atelier des Établisseurs: Haute Horlogerie neu gedacht

Établisseurs Galets – Schmuck, Stein und Uhrmacherkunst 

Das erste Modell heißt Galets (Kieselsteine) und nimmt seinen Ausgangspunkt in der Landschaft des Lac de Joux. Das Gehäuse aus 18 Karat Gelbgold folgt einer ovalen, organischen Form; das Zifferblatt besteht aus Naturstein, ohne Stundenindizes. Das Armband besteht aus kieselsteinförmigen Gliedern unterschiedlicher Silhouette, die über Kugelgelenke aus Gold verbunden sind und mit Steinen besetzt oder graviert sein können. Das Kaliber 3098 treibt die Uhr an. Es leitet sich vom extraflachen Kaliber 3090 ab, das 1999 als erstes vollständig intern entwickeltes Manufakturwerk von Audemars Piguet debütierte. Die Anpassung auf die Kieselsteinform des Gehäuses macht dieses Werk in technischer Hinsicht bemerkenswert: Die Brücken wurden von Hand gekörnt, eine Dekorationstechnik, die heute zu den seltensten in der Haute Horlogerie zählt. Das Kaliber 3098 zählt 141 Einzelteile, bietet eine Gangreserve von mindestens 48 Stunden und läuft mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hz). 2026 erscheinen fünf Varianten mit unterschiedlichen Steinkombinationen. Hinter der Uhr stehen über ein Dutzend namentlich genannte Spezialisten: zwei Uhrmacher, zwei Juweliere, ein Steinschleifer, ein Zifferblatthersteller, ein Gehäusedesigner, eine Angliererin.

Audemars Piguet Etablisseurs Nomade

Audemars Piguet Etablisseurs Nomade

© Audemars Piguet

Établisseurs Nomade – Skelettiertes Kaliber, drei Tragevarianten 

Das Modell Nomade orientiert sich an der Tradition der vielseitig nutzbaren Reiseuhren. Das Gehäuse misst 68 × 42 Millimeter und ermöglicht drei Positionen: geschlossen getragen (wie eine Taschenuhr), geöffnet als reguläre Armbanduhr oder als Anhänger an einer mitgelieferten Kette aus Titan oder Gold von 40 Zentimeter Länge. Ein diskreter Doppeldrücker lässt das innere Titangehäuse auf einer Führung ins äußere Gehäuse gleiten. Das Herzstück ist das Kaliber 7501, das auf dem 2022 vorgestellten extraflachen Kaliber 7121 basiert. Es wurde von Hand mit einer Juweliersäge skelettiert, einer Feinsäge, die in der Uhrmacherkunst seit Generationen eingesetzt wird. Die Brücken dienen dabei gleichzeitig als Stundenindizes. Die Handskelettierung, die das präzise Anglieren und Polieren aller Innenwinkel einschließt, ist eine der handwerklich anspruchsvollsten Techniken der Uhrmacherkunst und wird bei Audemars Piguet seit den 1930er-Jahren gepflegt. Das Kaliber 7501 zählt 149 Einzelteile, hat eine Gangreserve von mindestens 65 Stunden und läuft mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz). Fünf Varianten sind für 2026 geplant. 

Audemars Piguet Etablisseurs Peacock

Audemars Piguet Etablisseurs Peacock

© Audemars Piguet

Établisseurs Peacock – Secret Watch mit Automechanismus 

Die spektakulärste der drei Kreationen ist der Peacock, eine Secret Watch im Sinne der klassischen Haute Horlogerie-Tradition. Im geschlossenen Zustand zeigt das Gehäuse aus 18 Karat Weißgold einen fein gravierten Käfer. Auf Knopfdruck entfalten sich mechanisch Flügel und Kopf des Pfauenmotivs und geben ein Emaille-Zifferblatt frei, das von Hand graviert wurde und den Pfauenschweif darstellt. Die schleppende Stunde erscheint in einem Fenster bei 12 Uhr. Das Kaliber 3098.2 mit Handaufzug treibt den Zeitmesser an. Der Automatenmechanismus, der den Öffnungsvorgang realisiert, wurde von Giulio Papi konzipiert, einem der renommiertesten Spezialisten für komplizierte mechanische Konstruktionen im Vallée de Joux. Das Armband besteht aus federförmigen Gliedern aus 18 Karat Gold, die ausgehöhlt und graviert sind und über Kugelgelenke verbunden werden. Juweliere, Emaillierer, Graveure und Uhrmacher arbeiteten an diesem Modell. 2027 werden drei Varianten verfügbar sein. 

Was das Atelier bedeutet 

Das Atelier des Établisseurs ist kein Sonderprojekt im klassischen Sinne. Es ist eine institutionalisierte Struktur, die bei Audemars Piguet künftig regelmäßig neue Zeitmesser hervorbringen soll – jeweils in sehr limitierten Stückzahlen, immer mit dem Anspruch, handwerkliche Techniken sichtbar zu machen, die im industriellen Maßstab nicht realisierbar sind. Darin unterscheidet es sich von klassischen Manufakturkollektionen wie der Royal Oak ebenso wie von typischen Sondereditionsserien. Ob das Konzept langfristig trägt, hängt an zwei Fragen. Erstens: Findet AP genügend Käufer, die bereit sind, für Uhren zu zahlen, bei denen Handwerk im Vordergrund steht und der Markenname bewusst in den Hintergrund tritt? Das Modell Peacock zum Beispiel funktioniert als Geheimuhr eher nach den Gesetzen der Schmuckunsatz als nach denen der klassischen Komplikationsuhr. Zweitens: Gelingt es Audemars Piguet, die namentlich genannten Kunsthandwerker dauerhaft an die Manufaktur zu binden? Die Transparenz, mit der AP die Beteiligten auflistet, ist ungewöhnlich für die Branche und wirkt wie eine bewusste Entscheidung, diese Personen als Teil der Markenerzählung zu etablieren.

Technische Daten

Établisseurs Galets

Kaliber 3098, Handaufzug, 48 h Gangreserve, 3 Hz 

Établisseurs Nomade

Kaliber 7501, Handaufzug, 165 h Gangreserve, 4 Hz

Établisseurs Peacock

Kaliber 3098.2, Handaufzug, 48 h Gangreserve, 3 Hz

Audemars Piguet Schweizer Uhren Watches and Wonders Damenuhren

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