Interview mit Bulgari-CEO Jean-Christophe Babin über die Weltrekorduhr

Über die Octo Finissimo Tourbillon Automatic und die Zukunft der Kollektion

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 1. Mai 2018

Bulgari stellte zur Baselworld 2018 mit der flachsten Automatikuhr der Welt einen neuen Weltrekord auf und brachte mit der Minutenrepetition im Karbongehäuse eine weitere aufsehenerregende Uhr. CEO Jean-Christophe Babin sagt im Interview mit Rüdiger Bucher, wie es dazu kam.

Bulgari-CEO Jean-Christophe Babin auf der Baselworld 2018
Bulgari-CEO Jean-Christophe Babin auf der Baselworld 2018

Sie stellen mit dem Octo Finissimo Tourbillon Automatic die flachste Automatikuhr vor und brechen damit den Weltrekord, den Piaget Ihnen gerade zwei Monate zuvor abgenommen hatte. Wie kam es dazu? Es ist nicht unser vorrangiges Ziel, Weltrekorde aufzustellen. Der Fall der Automatikuhr war eine Ausnahme: Hier hatte uns Piaget unseren erst 2017 aufgestellten Bestwert weggenommen, und daher wollten wir ihn uns so schnell wie möglich wieder zurückholen. Aber generell ist das Thema Weltrekord kein Bestandteil des Briefings an unsere Entwickler. Es geht bei den flachen Uhren vor allem darum, die nächste Stufe der Eleganz zu erreichen. Wenn das dann zu einem Rekord führt: umso besser!

Wir bauen auf den besonderen Look, den wir 2016 mit der Octo Finissimo Minutenrepetition in Titan eingeführt haben: diese Kombination aus achteckiger Form, superflachem Gehäuse und einem besonderen Material. Die Entwicklung eines ultraflachen Automatiktourbillons mit peripherem Rotor war bei uns bereits in der Pipeline, allerdings wollten wir das noch nicht 2018 herausbringen. Aber als wir im November 2017 hörten, dass eine andere Marke unseren Weltrekord, den wir mit der Octo Finissimo Automatic als flachster Automatikuhr aufgestellt hatten, brechen würde, zogen wir unsere Teams zusammen, um zu sehen, was unsere Entwicklung noch benötigte, um unsererseits wieder einen Weltrekord aufzustellen. Dabei war allerdings der Weltrekord als solcher nicht das Hauptziel. In erste Linie ging es uns darum, ein zeitgenössisches elegantes Designs zu haben, das im Einklang mit unserer Philosophie und unseren Produkten steht. Dieses eigentlich für 2019 geplante Projekt vorzuziehen, war schon eine gewaltige Herausforderung, denn von den insgesamt 288 Werkskomponenten mussten wir ungefähr 150 neu entwickeln.

Bulgari: Octo Finissimo Tourbillon Automatic
Bulgari: Octo Finissimo Tourbillon Automatic

Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis? Ja, sehr. Wir haben jetzt mit Octo Finissimo eine Linie, bei der alle Modelle eine homogene Familie bilden. Grundsätzlich muss man bei Erweiterungen einer bestehenden Linie immer darauf achten, dass die Idee des ursprünglichen Designs nicht verwässert wird. Insofern bin ich glücklich, dass der Octo Finissimo auch ein Durchmesser von 42 Millimetern gut zu Gesicht steht.

Sie mussten den Durchmesser wegen des peripheren Rotors vergrößern. Ja. Wir hatten ja bereits 2014 mit dem Octo Finissimo Tourbillon die flachste Uhr mit Drehgang herausgebracht, bei einer Gesamthöhe des Gehäuses von 3,95 Millimetern. Um diese Höhe beizubehalten, mussten wir einen peripheren Rotor vorsehen. Damit ist die Bauhöhe wie geplant gleich geblieben, aber der Durchmesser hat sich vergrößert. Und die neue Größe steht der Octo genauso gut wie die 40 Millimeter.

Welche weiteren Herausforderungen gab es zu bewältigen? Wir mussten auch eine neue Krone entwickeln. Zum einen brauchten wir wegen des durchgängigen peripheren Rotors ein anderen System: Um zwischen den Funktionen Aufzug und Zeigerstellung zu wechseln, zieht man nicht die Krone, sondern betätigt einen Drücker. Zweitens aber mussten wir auch die Krone selbst neu entwickeln, denn die alte war zu groß. Gegenüber der Octo Finissimo Automatic ist das Gehäuse jetzt 1,2 Millimeter dünner, und die Krone musste entsprechend angepasst werden. Hier war Eile geboten, denn mit der Entwicklung der neuen Krone konnten wir erst einen Monat vor der Messe beginnen.

Neben der Weltrekorduhr bringen Sie es weitere Modelle der Octo Finissimo: die Minutenrepetition kommt jetzt in einem Karbongehäuse, außerdem gibt es neue Farben. Ja, und das Wichtige dabei ist, dass diese Farben sich aus dem Material ergeben. Neben Titan bieten wir mittlerweile Stahl, Gold und Karbon an. Wenn Sie sich die Uhren anschauen (er zeigt auf die verschiedenen Modelle, die auf dem Tisch liegen), sehen Sie unterschiedliche Farben. Diese sind aber nicht aufgebracht, sondern kommen aus der Struktur des jeweiligen Materials. Das ist uns wichtig. Somit haben wir das Design, das wir mit der Octo Finissimo Minutenrepetition in Titan eingeführt haben, ausgeweitet, und zwar auch preislich, denn es ist jetzt auch schon für rund 13.000 Euro erhältlich, während die Repetition das Zehnfache kostet.

Bulgari: Octo Finissimo Minutenrepetition Karbon
Bulgari: Octo Finissimo Minutenrepetition Karbon

Nach der ersten Minutenrepetition im Titangehäuse haben Sie mit Karbon gearbeitet. Ich nehme an, weil dieses Material den Klang besser nach außen transportiert als Metall? Die atomare Struktur des Materials ist sehr dicht, daher ergibt sich ein kristalliner Klang, der sehr schön ist. In einem Goldgehäuse, wie wir es bei der Damenuhr Divissima haben, klingt das Schlagen der Hämmer auf die Tonfeder weicher und runder, weniger kristallin. Ein weiterer Grund für Karbon war aber auch, dass wir damit eine neue farbliche Optik erhalten konnten. Wir hätten zwar auch mit einer DLC-Beschichtung eine weitere Farbe bekommen können, aber zu einer so komplizieren und wertvollen Uhr passt Karbon besser, weil die Struktur des Materials bei jedem Modell ein wenig anders und damit einzigartig ist. Einzigartigkeit ist ja auch der Anspruch, den man bei der High Jewellery immer wieder findet. Gold und Titan sind demgegenüber eher statische Materialien. Und nicht zuletzt spielt auch das Gewicht eine Rolle: Während die Repetition in Titan mit 77 Gramm schon sehr leicht war, ist die Karbonuhr mit 47 Gramm noch einmal deutlich leichter. Ich finde, die Minutenrepetition in Karbon ist die am stärksten zeitgenössische große Komplikation, denn sie sieht aus wie alles nur nicht wie eine klassische Grande Complication. Sie erinnert eher an die digitale Welt als an die traditionelle Haute Horlogerie.

Es gibt auch eine neue Octo Finissimo in einem besonders hellen Stahl. Das ist eine spezielle Oberflächenbehandlung, die den Stahl noch heller und weißer macht, was vor allem der gebürsteten Variante zugutekommt. Wir verwenden diese Technik bereits bei unserem Weißgoldschmuck und konnten sie nun auch bei 316-Stahl anwenden, eine schöne Synergie zwischen Schmuck und Uhren. Ich liebe diese Farbe auch deswegen, weil sie ein wenig an Aluminium erinnert, und Aluminium hat in der Geschichte von Bulgari eine wichtige Rolle gespielt.

Bulgari_ Octo Finissimo Automatic Sandblasted
Die Farbe kommt durchs Material: Bulgari Octo Finissimo Automatic Sandblasted. Die Variante in weißlichem Stahl (links) sticht besonders ins Auge

Welche weiteren Farben könnten Sie sich vorstellen? Vielleicht blau eloxiertes Aluminium? Ja, das wäre denkbar. Auch bräunliche Töne würden gut passen.

Bei den Herrenuhren konzentrieren Sie sich sehr auf die Octo. Brauchen Sie daneben nicht auch eine starke runde Uhr? Ich sehe uns derzeit als einen, sagen wir, Mainstream-Anbieter im Schmuck und als einen spezialisierten Nischenanbieter bei den Uhren. Dadurch können wir polarisieren. Das tun wir übrigens auch bei den Damenuhren mit unserer schlangenförmigen Serpenti; gleichzeitig pushen wir dort mit Lucea eine runde Uhr. Grundsätzlich glaube ich, dass wir zu klein sind, um uns auf mehr auf drei verschiedene Designs – Octo, Serpenti, Lucea – zu konzentrieren.

Wie geht es mit Bulgari-Bulgari und Diagono weiter? Beide werden in eine relaunchte Linie Bulgari-Bulgari zusammengeführt. Diese „branded collection“ werden wir vor allem in unseren Boutiquen anbieten, während wir uns im Fachhandel auf die drei oben genannten Linien konzentrieren. buc

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Cartier: Rotonde de Cartier Grande Complication – SIHH 2015

Die Rotonde de Cartier Grande Complication mit Minutenrepetition, fliegend gelagertem Tourbillon und ewigem Kalender ist die komplizierteste Uhr, die Cartier je hergestellt hat. Dass das Manufakturkaliber 9406 MC nur 5,49 Millimeter in der Höhe misst, sich per Mikrorotor selbst aufzieht und außerdem skelettiert ist, macht die Sache nicht … » weiterlesen

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