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Lesedauer 6 Min.

Micro Monday: Arcanaut – Arc II Phantom

Luftfahrtmaterialien, violette Lumineszenz und skandinavisches Design: ein Zeitmesser zwischen Kunstobjekt und Science-Fiction
Arcanaut – Arc II Phantom, limitierte Edelstahluhr mit leuchtendem Zifferblatt
© Arcanaut 

Skandinavische Avantgarde für Uhrenenthusiasten

2018 im dänischen Kopenhagen gegründet, zählt Arcanaut zu den ungewöhnlichsten unabhängigen Marken der modernen Uhrenszene. Das von Anders Brandt und Simon Goldeman ins Leben gerufene Unternehmen verfolgt einen konsequent skandinavischen Ansatz, der Design, Materialforschung und Handwerkskunst miteinander verbindet. Statt klassische Taucher-, Flieger- oder Dresswatches zu interpretieren, entwickelt Arcanaut eine völlig eigene Formensprache. Im Mittelpunkt stehen experimentelle Materialien, innovative Fertigungsmethoden und eine bewusst reduzierte Ästhetik. Unterstützt wird Arcanaut unter anderem vom Materialexperten James Thompson, besser bekannt als „Black Badger“, der für seine außergewöhnlichen Werkstoffe und Leuchtmaterialien bekannt ist. Produziert werden die Uhren überwiegend in Dänemark unter Verwendung skandinavischer Komponenten und Materialien. Charakteristisch sind klare Gehäuseformen, ergonomische Konzepte und eine hohe Materialehrlichkeit. Besonders die vollständig integrierte, nahezu unsichtbare Krone sowie die experimentellen Zifferblattoberflächen verleihen den Uhren einen unverwechselbaren Charakter. Die Marke versteht sich dabei als Plattform für Entdeckungen und sieht ihre Kunden als Teil einer gemeinsamen Reise durch die Welt von Design, Materialien und Uhrmacherei. Arcanaut hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer der spannendsten Independent-Marken Nordeuropas entwickelt und beweist, dass moderne skandinavische Uhrmacherei weit mehr sein kann als minimalistisches Design – nämlich eine experimentelle Verbindung aus Innovation, Handwerk und echter Leidenschaft für mechanische Uhren.

 

Arcanaut – Arc II Phantom, limitierte Edelstahluhr mit leuchtendem Zifferblatt

Arcanaut – Arc II Phantom

© Arcanaut

#Arc II Phantom

Die neue Arc II Phantom verfolgt einen außergewöhnlichen Ansatz: Anders als die meisten Armbanduhren lebt sie von der Dunkelheit. Besagte, auf lediglich 66 Exemplare limitierte Sonderedition erweitert die experimentelle Linie der dänischen Marke um ein Modell, das weniger auf grelle Effekte als vielmehr auf Atmosphäre setzt. Violette Leuchtmasse, ein schattenhaftes Farbkonzept und eine technisch hochkomplexe Zifferblattkonstruktion verleihen der Phantom eine Ausstrahlung, die ihrem Namen alle Ehre macht.

Mit der Einführung der Experimentals-Kollektion im Jahr 2023 beschritt Arcanaut neue Wege. Die Modelle Bonehead und Tiger Sh’Arc verzichteten bewusst auf klassische Zifferblattkonzepte und kombinierten stattdessen ungewöhnliche Materialien mit einer architektonischen Gestaltung. Die Resonanz fiel überraschend aus. Beide Modelle waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und etablierten sich als begehrte Kreationen der jungen Marke. Die Phantom knüpft nun direkt an die Bonehead an und übernimmt deren aufwendige Mehrschichtkonstruktion, interpretiert sie jedoch vollkommen neu.

Arcanaut – Arc II Phantom, limitierte Edelstahluhr mit leuchtendem Zifferblatt

Arcanaut – Arc II Phantom

© Arcanaut 

Zifferblatt aus Licht und Luft

Das Herzstück der Arc II Phantom bildet erneut ihre Zifferblattarchitektur. Die Konstruktion beginnt mit einer massiven Scheibe aus Superluminova, die möglichst viel Leuchtmasse aufnehmen soll und dadurch eine besonders intensive Lichtabgabe ermöglicht. Darüber befindet sich eine mit Harz gefüllte Platte aus luftfahrtgeeignetem Aluminiumschaum. Dieses Material besitzt eine offenporige Struktur, die an erstarrte Lava oder organische Zellstrukturen erinnert. Den Abschluss bildet ein neu konstruierter Kapitelring aus Neusilber, der nicht nur optische Funktionen übernimmt, sondern zugleich als tragende Struktur für Leuchtscheibe und Aluminiumschaum dient. Das Ergebnis wirkt dreidimensional: Tiefe, Schatten und Licht verschmelzen zu einer Oberfläche, die je nach Perspektive vollkommen unterschiedlich erscheint.

Violett statt Grün

Die Farbwahl stellt die wohl größte Besonderheit der Phantom dar. Während die Bonehead auf ein aggressiveres Erscheinungsbild setzte, dominiert hier ein tiefes Violett. Der Farbton wurde nicht zufällig gewählt. Violett gehört zu den natürlichen Anlassfarben von Stahl und wirkt deshalb deutlich organischer als viele künstliche Varianten. Gleichzeitig harmoniert die Nuance hervorragend mit dem unbehandelten Neusilber des Kapitelrings. Die Leuchtwirkung erscheint kühler, geheimnisvoller und deutlich zurückhaltender als klassische grüne oder blaue Leuchtmassen. Gerade in dunkler Umgebung entfaltet die Phantom dadurch eine bemerkenswerte Wirkung.

 

Arcanaut – Arc II Phantom, limitierte Edelstahluhr mit leuchtendem Zifferblatt

Arcanaut – Arc II Phantom

© Arcanaut

Neue Interpretation

Auch die Zeiger greifen das violette Farbkonzept auf. Obwohl der Farbton grundsätzlich durch thermische Oxidation erreichbar wäre, entschied sich Arcanaut bewusst für eine PVD-Beschichtung. Dadurch entsteht jener irisierende Effekt, für den die farbigen Zeigersätze der Marke mittlerweile bekannt geworden sind. Je nach Lichteinfall wechseln die Zeiger zwischen dunklem Violett, Blau und nahezu Schwarz. Gefertigt werden sie weiterhin in Dänemark mittels Laserschneidverfahren, bevor sie in der Schweiz beschichtet werden.

Evolution des Gehäuses

Mit der Bonehead führte Arcanaut erstmals die sogenannte „Skeleton Framing“-Dekoration des Gehäuses ein. Die ohnehin bereits kantige und architektonische Gehäuseform erhält dadurch zusätzliche Konturen, die wie eine grafische Umrahmung wirken. Die Phantom übernimmt dieses Konzept vollständig. Das mikrogestrahlte Edelstahlgehäuse erscheint dadurch fast wie eine technische Zeichnung oder ein digital gerendertes Objekt. An den Gehäuseabmessungen verändert sich nichts. Die Uhr misst weiterhin 40,52 Millimeter im Durchmesser, 12,82 Millimeter in der Höhe und 49,06 Millimeter von Horn zu Horn. Die Wasserdichtigkeit beträgt 100 Meter. Die markante Gehäusearchitektur zählt inzwischen zu den prägendsten Designs der unabhängigen dänischen Uhrenszene. Mit ihrer eigenständigen Formensprache besitzt sie einen hohen Wiedererkennungswert und dürfte künftig auch in weiteren Kollektionen der Marke eine wichtige Rolle spielen.

Geist auf dem Gehäuseboden

Auch auf der Rückseite geht es spannend weiter. Dort befindet sich ein speziell entwickelter „Phantom Glowpatch“, der unter einem Saphirglas sitzt und ebenfalls luminesziert. Die violett umhüllte Gestalt des Phantoms greift die Farbwelt des Zifferblatts auf und verleiht der Uhr eine zusätzliche narrative Ebene. 

 

Arcanaut – Arc II Phantom, limitierte Edelstahluhr mit leuchtendem Zifferblatt

Arcanaut – Arc II Phantom

© Arcanaut 

Schweizer Mechanik als solide Grundlage

Im Inneren arbeitet das Soprod M100. Das automatische Schweizer Kaliber bietet eine Gangreserve von 42 Stunden und überzeugt durch Zuverlässigkeit. Die technische Exotik findet nicht im Werk statt, sondern auf dem Zifferblatt, in den Materialien und in der Gestaltung. Die Feinmechanik bleibt dabei bewusst im Hintergrund und übernimmt die Rolle eines robusten und bewährten Antriebs.

Mehr Exemplare für die Arcanauteers

Die enorme Nachfrage nach der Bonehead hatte auch Auswirkungen auf die Produktionszahlen der Phantom. Während die ursprüngliche Sonderedition auf lediglich 33 Stück limitiert war, verdoppelt Arcanaut die Auflage nun auf 66 Exemplare. Die Marke spricht dabei augenzwinkernd von den „Arcanauteers“ – ihrer stetig wachsenden Sammlergemeinschaft. Dennoch bleibt die Phantom eine exklusive Uhr, deren Stückzahl selbst für unabhängige Hersteller sehr niedrig ausfällt.

Fazit

Die Arcanaut Arc II Phantom ist weder klassische Sportuhr noch reine Designuhr und auch keine traditionelle Leuchtuhr. Vielmehr präsentiert Arcanaut ein Objekt, das mit Licht, Material und Wahrnehmung spielt. Die Kombination aus violetter Lumineszenz, offenporigem Aluminiumschaum und der markanten Gehäusearchitektur verleiht der Phantom eine eigenständige Identität, die weit über die Funktion eines Zeitmessers hinausgeht. Für 4.350 Euro erhält der Käufer keine weitere Variante einer bekannten Referenz, sondern ein experimentelles Stück zeitgenössischer Uhrmacherei.

 

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