Micro Monday: Kollokium – Projekt 02 Variant B
Im Umfeld luxuriöser Zeitmesser dominieren häufig Tradition, Prestige und handwerkliche Kontinuität. Kollokium wirkt dabei wie ein bewusster Gegenentwurf. Schon die eigene Definition macht deutlich, wohin die Reise geht: Es handelt sich um keine Marke im klassischen Sinn, keine gewachsene Historie und kein stilistisches Erbe, sondern vielmehr um ein Projekt. Gegründet wurde Kollokium 2020 von Amr Sindi, Barth Nussbaumer und Manuel Emch, drei Persönlichkeiten, die aus unterschiedlichen Bereichen der Branche kommen, aber eine gemeinsame Vision teilen. Nach Jahren in etablierten Strukturen entstand der Wunsch, sich von allen Zwängen zu lösen und die Uhrmacherei aus neuen Perspektiven zu betrachten. Diese „creation ex nihilo“ ist dabei mehr als nur ein kreativer Ansatz und lässt sich am ehesten als „neubrutalistische Horlogerie“ beschreiben. Inspiriert von Architekturströmungen des Brutalismus, von elektronischer Musik und von retrofuturistischen Erzählwelten, bewegt sich Kollokium bewusst abseits klassischer Ästhetik. Die Uhren wirken auf den ersten Blick reduziert, offenbaren jedoch bei näherer Betrachtung eine komplexe Tiefe. Während Oberflächen mit Licht und Schatten spielen, erzeugen Materialien Spannung zwischen industrieller Härte und filigranen Elementen. Es geht dabei weniger um Funktion oder klassische Komplikation. Zeit wird nicht nur angezeigt, sondern inszeniert. Die Objekte wirken wie tragbare Skulpturen, die sich zwischen Design, Kunst und Technik bewegen.
Kollokium – Projekt 02 Variant B
Kollokium#Projekt 02 Variant B
Mit dem Projekt 02 Variant B präsentiert Kollokium eine der experimentellsten Uhren der aktuellen Independent-Szene. Das Modell ist die erste frei erhältliche Version der zweiten Generation von „Projekt 02“ und verbindet kreative Gestaltung mit ungewöhnlichen Fertigungsmethoden. Das Herzstück der auf 299 Exemplare limitierten Edition ist ein außergewöhnliches Zifferblatt. Es besteht aus insgesamt 67 einzelnen Platten, die in neun Ebenen übereinandergeschichtet werden. Jede dieser Schichten wird von Hand lackiert und mit Superluminova versehen. Es entsteht ein vertikaler Farbverlauf, der von hellem Grau bis zu tiefem Schwarz reicht. Die höchsten Punkte des Zifferblatts, die Stundenmarkierungen, erscheinen in einem helleren Ton, während die tieferliegenden Ebenen zunehmend dunkler werden. Dieses Prinzip erinnert an geografische Höhenkarten, bei denen unterschiedliche Farbstufen Höhenunterschiede visualisieren. Besagter Effekt ist nicht nur optisch beeindruckend, sondern auch technisch anspruchsvoll. Die Abstimmung von Farbton, Leuchtkraft und Konsistenz erfordert zahlreiche Versuche. Da die Elemente von Hand gefertigt werden, ist jedes Zifferblatt einzigartig. Kleine Abweichungen sind dabei bewusst Teil des Konzepts und unterstreichen den künstlerischen Charakter des Zeitmessers.
Kollokium – Projekt 02 Variant B
KollokiumGehäuse ohne klassische Grenzen
Auch beim Gehäuse geht Kollokium einen unkonventionellen Weg. Statt klassischer Fräs- oder Stanztechnik kommt ein Gießverfahren zum Einsatz. Dabei wird flüssiger Edelstahl in eine Form gegossen, wodurch organischere Strukturen und eine charakteristische matte Oberfläche entstehen. Der Korpus ist als Monoblock ohne sichtbare Lünette, klassischen Gehäuseboden und ohne separate Bandanstöße konstruiert. Alles wirkt wie aus einem einzigen Stück geformt. Die Linienführung verzichtet bewusst auf scharfe Kanten und setzt stattdessen auf eine fließende Formensprache. Mit einem Durchmesser von 39,5 Millimetern und einer vergleichsweise flachen, leicht gewölbten Bauweise trägt sich die Uhr überraschend komfortabel.
Bühne für das Zifferblatt
Das hohe, zylindrische Saphirglas mit abgerundeten Kanten ermöglicht einen nahezu panoramischen Blick auf das Zifferblatt. Es verstärkt die räumliche Wirkung der verschiedenen Ebenen und macht die dreidimensionale Struktur besonders erlebbar. Die Zeiger sind bewusst reduziert gestaltet, um das komplexe Uhrengesicht nicht zu überlagern. Stunden- und Minutenzeiger sind schwarz gehalten und ebenfalls mit Superluminova ausgestattet. Ein leuchtend gelber Sekundenzeiger setzt einen starken visuellen Kontrast und bringt Bewegung in die ansonsten monochrome Komposition.
Im Dunkeln entfaltet das Zifferblatt seine volle Wirkung, wenn die verschiedenen Ebenen unterschiedlich intensiv leuchten.
KollokiumBewährte Technik
Im Inneren arbeitet das automatische Kaliber G101 von La Joux-Perret. Dieses Schweizer Werk bietet eine Gangreserve von rund 68 Stunden und arbeitet mit einer Frequenz von vier Hertz. Ein elastisches Textilarmband unterstreicht den experimentellen Charakter der Uhr. Inspiriert von Outdoor-Equipment ist es leicht, atmungsaktiv und besonders angenehm zu tragen. Die Befestigung erfolgt über eine sogenannte Hook-Schließe aus Stahl, die eine schnelle und flexible Anpassung ermöglicht. Damit passt sich das Modell nicht nur optisch, sondern auch funktional an einen aktiven Lebensstil an.
Fazit
Die Kollokium Projekt 02 Variant B ist keine Uhr im traditionellen Sinne, sondern ein Statement für experimentelles Design. Sie stellt Gewohntes bewusst infrage und ersetzt klassische Uhrmachercodes durch eine neue, visuelle Sprache. Mit ihrem topografischen Zifferblatt, der unkonventionellen Gehäusekonstruktion und dem Fokus auf Handarbeit richtet sie sich an Sammler, die das Außergewöhnliche suchen und sich nicht scheuen, auf ihren Zeitmesser angesprochen zu werden.
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