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Lesedauer 4 Min.

Nicht Uhr, nicht Skulptur. Beides. – HM12 The Guardian markiert MB&Fs drittes Jahrzehnt

MB&F HM12 The Guardian: Armbanduhr trifft Roboter – 36 Exemplare, fast 1.500 Bauteile, ein Konzept das die Branche neu kalibriert.
Mit der HM12 wird „The Guardian“ geliefert – der Rest des Roboterkörpers. Gemeinsam bilden sie eine Einheit

Mit der HM12 wird „The Guardian“ geliefert – der Rest des Roboterkörpers. Gemeinsam bilden sie eine Einheit.

© MB&F

36 Exemplare. Fast 1.500 Bauteile pro Einheit. Und ein Konzept, das den Begriff „Uhr" bewusst unterläuft. Mit der HM12 „The Guardian" präsentiert MB&F im Jahr 2026 kein neues Modell im klassischen Sinne, sondern ein zweiteiliges mechanisches Gesamtobjekt: eine Armbanduhr, die als Kopf eines 38 cm großen Roboters konzipiert ist.

Die Modell HM12 wird in drei Editionen (Grün, Blau und Violett) zu je 12 Exemplaren hergestellt

Die Modell HM12 wird in drei Editionen (Grün, Blau und Violett) zu je 12 Exemplaren hergestellt

© MB&F

Die HM12 lässt sich per Schnellverschlusssystem vom Armband lösen und direkt am Roboterkörper anklipsen. Das Armband verschwindet in einer Schublade im Unterteil der Figur. Der Roboter ist kein Ständer. Er ist, laut MB&F, ein für die Uhr konzipierter Körper. 

Werk und Komplikationen 

Das intern entwickelte Kaliber HM12 zählt 646 Bauteile, darunter 86 Lagersteine, und bietet eine Gangreserve von 84 Stunden. Angetrieben wird es über einen doppelseitigen Mikrorotor. Die Zeitanzeige erfolgt über springende Stunden (links) und laufende Minuten (rechts), ablesbar an festen Positionen auf rotierenden Scheiben. Über dem Zifferblatt arbeitet ein fliegendes Tourbillon, das MB&F bewusst sichtbar lässt und dessen Ästhetik eher der klassischen Haute Horlogerie als dem futuristischen Gehäusedesign folgt. Das charakteristischste Element ist das Visier-System, eine vollständig mechanische, vom Uhrwerk unabhängige Komplikation mit über 200 eigenen Bauteilen. Über die linke Krone betätigt, verschiebt es zwei Schutzvorrichtungen linear über das Zifferblatt. Der Träger bestimmt selbst, wie viel vom „Gesicht" sichtbar bleibt. Die Veredelung dieses Subsystems, mit Chatons, polierten Rädern und Innenwinkelfinishing, entspricht dem Standard klassischer Uhrmacherei. Für ein mechanisches System, das keine Zeitfunktion trägt, ist das bemerkenswert. 

Für die Entwicklung von „The Guardian“ war L’Epée verantwortlich, ein langjähriger Partner von MB&F.

Für die Entwicklung von „The Guardian“ war L’Epée verantwortlich, ein langjähriger Partner von MB&F.

© MB&F

Das Gehäuse aus Titan Grad 5 misst 49,3 × 43,6 mm bei 13,8 mm Höhe. Drei Saphirgläser, oben, unten und an der 12-Uhr-Flanke mit direktem Blick auf das Tourbillon, machen das Kaliber von mehreren Seiten sichtbar. Die Rückseite folgt einer deutlich klassischeren Formensprache: geschwungene Brücken, strukturierte Platine, ein Guilloché-Rotor, der unter Beteiligung von Kari Voutilainen auf einer sphärischen Fläche gearbeitet wurde.

Die vollständig intern entwickelte Uhrwerk- und Gehäusekonstruktion der HM12 nahm mehr als vier Jahre in Anspruch, zwei Uhren

Die vollständig intern entwickelte Uhrwerk- und Gehäusekonstruktion der HM12 nahm mehr als vier Jahre in Anspruch

© MB&F

Der Begleiter: „The Guardian" 

Den Roboterkörper hat L'Epée 1839 entwickelt, seit Jahren Kooperationspartner von MB&F für mechanische Desk-Objekte. Er besteht aus 755 Bauteilen. In seiner Brust sitzt ein mechanisches Thermometer als Herzstück. Jeder Arm hält ein Werkzeug: auf einer Seite ein Schutzschild mit integrierter Lupe zur Werkbetrachtung, auf der anderen eine abnehmbare UV-Taschenlampe, die das Superluminova an Uhr und Roboter zum Leuchten bringt. Das Gesamtgewicht inklusive Sockel liegt bei rund 15 kg. 

Was steckt dahinter? 

Die HM12 war ursprünglich als Jubiläumsobjekt zum 20. Geburtstag von MB&F geplant. Die Entwicklung dauerte länger als erwartet, vier Jahre allein für Werk und Gehäuse, woraus MB&F rhetorisch das Richtige macht: kein Verzug, sondern der perfekte Auftakt ins dritte Jahrzehnt. Das klingt nach Spin, hat aber inhaltliche Substanz. Die HM12 ist tatsächlich eine Synthese der verschiedenen Linien, die MB&F seit 2005 verfolgt: das narrative Gehäusedesign der Horological Machines, die handwerkliche Veredelungstiefe der Legacy Machines, das mechanische Objekt-Denken der L'Epée-Kollaborationen. Erstmals verantwortet das Kreativduo Maximilian Büsser und Maximilian Maertens gemeinsam eine Horological Machine. Maertens, bisher vor allem durch die L'Epée- und Reuge-Kooperationen bekannt, tritt hier als Hauptarchitekt auf. Der langjährige Designer Eric Giroud war nicht beteiligt. Das ist ein struktureller Wechsel im kreativen Kern der Marke, der für zukünftige Referenzlinien relevant sein dürfte. 

Das vollständig intern entwickelte Kaliber HM12 verfügt über eine Gangreserve von 84 Stunden und besteht aus 646 Bauteilen

Das vollständig intern entwickelte Kaliber HM12 verfügt über eine Gangreserve von 84 Stunden und besteht aus 646 Bauteilen – von denen die meisten von Hand veredelt sind.

© MB&F

Die Limitierung ist radikal: drei Editionen (blau, violett, grün), je zwölf Exemplare. 36 Stück weltweit. Bei einer Marke, die grundsätzlich in kleinen Serien arbeitet, ist das trotzdem eine Ansage. Der Preis liegt bei circa 280.000 Schweizer Franken exklusive Steuern. 

MB&F stellt mit der HM12 die Grundfrage neu, was eine mechanische Uhr sein kann, ohne dass die Antwort zwangsläufig am Handgelenk enden muss. Das ist konsequent für ein Unternehmen, das sich seit seiner Gründung als Konzeptlabor definiert.

Technische Eckdaten

Kaliber: HM12, Eigenentwicklung, Automatik mit Doppelmikrorotor / Gangreserve 84 Stunden / 646 Bauteile / 86 Lagersteine / Fliegendes Tourbillon /

Springende Stunden, laufende Minuten / Visier-Komplikation (200+ Bauteile, unabhängig vom Uhrwerk)

Gehäuse: Titan Grad 5, 49,3 × 43,6 × 13,8 mm / 3 Saphirgläser. 

Roboter: L'Epée 1839 / 755 Bauteile / mech. Thermometer / Lupe + UV-Taschenlampe / Gesamthöhe 38,2 cm / ca. 15 kg. 

Auflage: 36 Exemplare (3 × 12)

MB&F ausgefallene Uhren limitierte Uhren-Editionen Schweizer Uhren

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