Jaeger-LeCoultre zeigt zwei Grande Complications, die technisch kaum extremer sein könnten
Die eine bildet den Lauf der Sterne ab, die andere spielt den Westminster-Schlag mit vier Tonfedern und vier Hämmern: Mit zwei neuen Grande Complications demonstriert Jaeger-LeCoultre, wie unterschiedlich sich mechanische Höchstleistung interpretieren lässt.
Die Master Hybris Artistica Calibre 945 verbindet astronomische Zeitmessung mit einem Cosmotourbillon und einer Minutenrepetition. Noch komplexer fällt die Duometre Grande Complication à Grande Sonnerie aus: Ihr Kaliber 182 besteht aus rund 1.300 Komponenten, vereint 15 Komplikationen und benötigt laut Manufaktur allein für Montage und Regulierung ein ganzes Jahr.
Beide Neuheiten greifen auf bereits bekannte Spitzenkaliber der Manufaktur zurück, interpretieren sie für 2026 jedoch technisch und gestalterisch neu. Die Master Hybris Artistica rückt dabei den Sternenhimmel über dem Vallée de Joux in den Mittelpunkt, während bei der Duometre die Schlagwerksmechanik und ihre weiterentwickelte Akustik die Hauptrolle spielen. Das Ergebnis sind zwei Uhren, die selbst innerhalb der Haute Horlogerie eine Ausnahme darstellen.
Master Hybris Artistica Calibre 945: Ein Sternenhimmel fürs Handgelenk
Die Master Hybris Artistica Calibre 945 ist auf fünf Exemplare limitiert und erscheint nun in einem 45 Millimeter großen und 16,05 Millimeter hohen Gehäuse aus 18-karätigem Weißgold. Ihr eigentliches Spektakel findet jedoch auf dem mehrstufig aufgebauten Zifferblatt statt.
Die Master Hybris Artistica Calibre 945 verbindet Sternenkarte, Cosmotourbillon und Minutenrepetition.
Jaeger-LeCoultreFür die Darstellung des Nachthimmels verwendet das Métiers-Rares-Atelier die Grisaille-Emailtechnik. Auf einen tiefblauen Untergrund wird dabei weißes „Blanc de Limoges“-Email in mehreren Arbeitsschritten aufgetragen und jeweils gebrannt. Insgesamt beansprucht die Emailarbeit laut Jaeger-LeCoultre 24 Stunden. Die Technik erzeugt Hell-Dunkel-Kontraste und verleiht der Darstellung eine ungewöhnliche räumliche Tiefe.
Mechanisch wird es noch interessanter. Das Handaufzugskaliber 945 kombiniert eine Sternenkarte der nördlichen Hemisphäre mit dem sogenannten Cosmotourbillon. Das aus 73 Komponenten bestehende fliegende Tourbillon umrundet das Zifferblatt gegen den Uhrzeigersinn exakt einmal pro siderischem Tag – also in 23 Stunden, 56 Minuten und 4 Sekunden. Anders als der bürgerliche 24-Stunden-Tag bezieht sich diese Zeitspanne auf die Erdrotation relativ zu den Fixsternen. Die Sternenkarte bildet dabei die Position der Sternbilder ab, wie sie vom Vallée de Joux aus zu sehen sind.
Minutenrepetition mit Kathedralgong
Damit nicht genug: Kaliber 945 besitzt außerdem eine Minutenrepetition. Sie schlägt auf Abruf Stunden, Viertelstunden und Minuten. Jaeger-LeCoultre setzt dafür unter anderem auf patentierte Kathedral-Kristalltonfedern, die das Kaliber eineinhalbmal umrunden und für eine bessere Resonanz mit dem rückseitigen Saphirglas verbunden sind. Hinzu kommen Trébuchet-Hämmer sowie ein geräuscharm arbeitender Regulator des Schlagwerks.
Das Kaliber arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und bietet 40 Stunden Gangreserve. Die Wasserdichtigkeit der Weißgolduhr beträgt fünf bar (50 Meter).
Duometre Grande Complication: 1.300 Teile und 15 Komplikationen
Die zweite Neuheit setzt den Schwerpunkt noch stärker auf akustische Uhrmacherei. Die Duometre Grande Complication à Grande Sonnerie ist eine Neuinterpretation des 2009 vorgestellten Kalibers 182. Dieses vereint Grande Sonnerie, Petite Sonnerie und Minutenrepetition mit ewigem Kalender, fliegendem Tourbillon und zwei Gangreserveanzeigen. Insgesamt zählt Jaeger-LeCoultre 15 Komplikationen.
Die Duometre Grande Complication à Grande Sonnerie vereint 15 Komplikationen in einem 45-Millimeter-Gehäuse.
Jaeger-LeCoultreDie Dimensionen des Werks sind außergewöhnlich: Rund 1.300 Komponenten bilden Kaliber 182. Allein Montage und Regulierung beanspruchen laut Manufaktur ein Jahr und umfassen in vier Phasen rund 16.000 Arbeitsschritte.
Das Highlight ist die Grande Sonnerie. Vier Hämmer schlagen vier Tonfedern und erzeugen eine Melodie nach dem Vorbild des Westminster-Schlags. Im Grande-Sonnerie-Modus erklingen Stunden und Viertelstunden automatisch. Anders als bei einer gewöhnlichen Minutenrepetition muss der Träger das Schlagwerk also nicht jedes Mal auslösen. Zusätzlich stehen die zurückhaltendere Petite Sonnerie und eine Minutenrepetition auf Abruf zur Verfügung.
Bis zu 616 Töne mit einer Ladung
Die Energieversorgung übernimmt das Duometre-Prinzip. Zwei voneinander unabhängige Federhäuser und Räderwerke trennen die Energie für Zeitanzeige und Kalender von jener des Schlagwerks. Beide Systeme greifen dabei auf dasselbe Regulierorgan zurück. Dadurch sollen die hohen Energieanforderungen des Schlagwerks die Ganggenauigkeit möglichst wenig beeinflussen. Ein drittes Federhaus übernimmt eine zusätzliche Aufgabe im Auslösemechanismus.
Für Zeitanzeige und Kalender stehen 48 Stunden Gangreserve zur Verfügung. Im Grande-Sonnerie-Modus reicht die Energie des Schlagwerks für insgesamt 616 Töne, entsprechend rund siebeneinhalb Stunden kontinuierlichen Schlagens. Im Petite-Sonnerie-Modus sind maximal 992 Töne beziehungsweise rund 32 Stunden möglich.
Für die neue Version hat Jaeger-LeCoultre auch die Akustik überarbeitet. Längere Tonfedern, eine veränderte Geometrie und eine Konstruktion mit Titan-Innengehäuse sollen Resonanz, Klangtiefe und Tonqualität verbessern. Ein neuer Sicherheitsmechanismus verhindert zudem, dass die Minutenrepetition erneut ausgelöst wird, bevor ein vorheriger Schlagzyklus vollständig beendet ist.
Ein Werk, das möglichst viel von sich zeigt
Optisch gewährt die neue Duometre deutlich mehr Einblick in ihre Mechanik als die Vorgängerinterpretation. Das offen gearbeitete Zifferblatt kombiniert dunkelblau-grauen Lack mit roségoldenen Elementen. Das Stunden-, Minuten- und Kalenderzifferblatt wurde im Durchmesser um 30 Prozent vergrößert. Auf der Rückseite gibt ein Saphirglasboden unter anderem den Blick auf das fliegende Tourbillon frei. Für die Finissierung nennt Jaeger-LeCoultre neun unterschiedliche Techniken; allein die manuelle Anglierung von 251 Komponenten beansprucht 87 Stunden. Die Wasserdichtigkeit beträgt drei bar (30 Meter).
Durch den Saphirglasboden zeigt sich das rund 1.300 Komponenten umfassende Handaufzugskaliber 182.
Jaeger-LeCoultreDas 45 Millimeter große und 16,16 Millimeter hohe Gehäuse verbindet ein Titan-Innengehäuse mit Elementen aus 18-karätigem Roségold, darunter Lünette, Bandanstöße und Drücker. Trotz ihrer enormen Komplexität bleibt die Duometre damit nahezu bei den Dimensionen der Master Hybris Artistica.
Extrem exklusiv sind beide Neuheiten auch hinsichtlich ihrer Stückzahlen. Von der Master Hybris Artistica Calibre 945, Referenz Q5263482, entstehen lediglich fünf Exemplare. Die Duometre Grande Complication à Grande Sonnerie, Referenz Q603H480, wird sogar als Pièce unique, also als Einzelstück, gefertigt. Preise nennt Jaeger-LeCoultre bisher nicht.