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Lesedauer 5 Min.

Die Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute Enamel „Turner Series“ zeigt Venedig im Miniaturformat

Jaeger-LeCoultre überträgt vier Venedig-Gemälde von J.M.W. Turner auf die Reverso. Grand-Feu-Email, Guillochage und Miniaturmalerei machen die auf je zehn Exemplare limitierten Modelle zu kleinen Gesamtkunstwerken.
Die Front und Rückseite der Venice, the Dogana and San Giorgio Maggiore Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute Enamel  Turner Series
©  Jaeger-LeCoultre

Die Reverso besitzt eine Eigenschaft, die Jaeger-LeCoultre seit Jahren konsequent für seine Métiers-Rares-Arbeiten nutzt: Wo andere Uhren mit einem konventionellen Gehäuseboden enden, beginnt bei ihr eine zweite Gestaltungsfläche. Für die neue Reverso Tribute Enamel „Turner Series“ wird diese Fläche nun buchstäblich zur Leinwand. Vier Gemälde des britischen Malers Joseph Mallord William Turner werden in Miniaturmalerei und Grand-Feu-Email auf die Rückseiten der Wendgehäuse übertragen. Vorgestellt wird die Serie passend dazu auf der Homo Faber Biennale 2026 in Venedig. Die Wahl Turners ist dabei weit mehr als ein kunsthistorischer Name mit Strahlkraft. 

Der 1775 geborene Maler beschäftigte sich intensiv mit Licht, Atmosphäre und Bewegung und gilt mit seinem zunehmend freien Umgang mit Farbe als wichtiger Wegbereiter späterer Kunstströmungen. Venedig besuchte er 1819, 1833 und 1840. Während dieser Reisen entstanden rund 150 Aquarelle und bis zu 900 Zeichnungen; seine venezianischen Ölgemälde fertigte Turner später in London an.

Vier Reverso-Modelle, vier Ansichten von Venedig

Für die Serie wählte Jaeger-LeCoultre vier Werke: „Venice, the Dogana and San Giorgio Maggiore“ von 1834, „Venice, from the Porch of Madonna della Salute“ von 1835, „Bridge of Sighs, Ducal Palace & Custom House, Venice“ von 1833 sowie das 1840 entstandene „Venice, the Bridge of Sighs“.

Die Front und Rückseite der Venice, from the Porch of Madonna della Salute Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute Enamel _Turner Series_

Die grüne Reverso „Venice, from the Porch of Madonna della Salute“ zeigt auf ihrer Rückseite Turners Venedig in feinster Miniaturmalerei.

©  Jaeger-LeCoultre

Die Herausforderung beginnt schon beim Format. Die Originale müssen auf eine Fläche von lediglich rund zwei Quadratzentimetern reduziert werden. Weil ihre Proportionen nicht denen des Reverso-Gehäusebodens entsprechen, reproduziert das Métiers-Rares-Atelier nicht einfach das vollständige Gemälde, sondern wählt Ausschnitte, die dessen wesentliche Bildwirkung bewahren. Rund 80 Arbeitsstunden entfallen auf die Ausführung einer einzelnen Uhr.

Noch interessanter wird es beim Aufbau des Emails. Insgesamt sind 14 Schichten nötig: drei Basisschichten, vier Schichten für die Malerei und sieben transparente Fondantschichten. Jede davon wird separat bei rund 800 Grad Celsius gebrannt.

Um Turners charakteristische Lichtwirkung und insbesondere die Reflexionen auf dem Wasser nachzubilden, kommt zusätzlich Paillonnage zum Einsatz. Dünnes Silberblatt unter transluzentem farbigem Email erzeugt dabei zusätzliche Tiefe und Brillanz. Ein kleiner Goldpaillon dient schließlich als persönliche Signatur des jeweiligen EmailleurInnen.

Die Zifferblätter setzen Turners Farbwelten fort

Bemerkenswert ist, dass Jaeger-LeCoultre die Vorderseiten nicht als neutralen Gegenpol gestaltet. Stattdessen erhält jedes Modell ein eigenes handguillochiertes Zifferblatt mit transluzentem Grand-Feu-Email, dessen Farbe und Struktur auf das jeweilige Gemälde reagieren.

Bei „Venice, the Dogana and San Giorgio Maggiore“ findet sich beispielsweise ein neues Soleil-croisé-Guilloché unter grünem Email. Dafür werden 180 Linien jeweils in sechs Durchgängen graviert – insgesamt also 1.080 Passagen an der manuell bedienten Guillochiermaschine.

Front und Rückseite der „Bridge of Sighs, Ducal Palace & Custom House, Venice“ Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute Enamel Turner Series

Ein kräftig blaues Zifferblatt auf der einen, venezianische Kunst von Turner auf der anderen Seite der „Bridge of Sighs, Ducal Palace & Custom House, Venice“.

©  Jaeger-LeCoultre

„Venice, from the Porch of Madonna della Salute“ erhält ebenfalls ein grünes Zifferblatt, allerdings mit einem vertikalen Gerstenkornmuster aus 70 Linien und insgesamt 420 Durchgängen. „Bridge of Sighs, Ducal Palace & Custom House, Venice“ kombiniert ein kräftiges Blau mit einem korbartigen Guilloché, während die vierte Reverso mit einem wellenförmigen Muster und bläulich-lavendelfarbenem Email die Wasser- und Lichtstimmung von „Venice, the Bridge of Sighs“ aufnimmt.

Front und Rückseite Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute Enamel Turner Series

Die Reverso „Venice, the Bridge of Sighs“ spielt mit zwei Ansichten: kunstvolles Wellenmuster vorn, Turner-Miniatur hinten.

©  Jaeger-LeCoultre

Bis zu fünf Emailschichten und sechs beziehungsweise sieben weitere Brennvorgänge sind allein für diese Zifferblätter erforderlich. Danach müssen sogar die winzigen Bohrungen für die applizierten, facettierten Stundenindizes gesetzt werden, ohne die Emailoberfläche zu beschädigen. Dauphine-Zeiger und eine zurückhaltende Minuterie bewahren dabei den klassischen Charakter der Reverso Tribute.

Kaliber 822: Die Technik tritt bewusst hinter die Kunst zurück

Im Inneren bleibt Jaeger-LeCoultre beim bewährten Manufakturkaliber 822. Das rechteckige Handaufzugswerk wurde eigens für die Reverso entwickelt und ist weniger als drei Millimeter hoch. Es arbeitet mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde beziehungsweise drei Hertz und stellt eine Gangreserve von 42 Stunden bereit. Angezeigt werden ausschließlich Stunden und Minuten.

Das passt zum Konzept. Die technische Reduktion hält die Aufmerksamkeit dort, wo sie bei diesen Modellen liegen soll: auf dem Zusammenspiel aus Gehäusearchitektur, Guillochage, Grand-Feu-Email, Paillonnage und Miniaturmalerei.

Alle vier Varianten besitzen ein Gehäuse aus 18-karätigem Weißgold mit 45,6 × 27,4 Millimetern und sind bis drei bar (30 Meter) wasserdicht. Dazu kombiniert Jaeger-LeCoultre ein schwarzes Alligatorlederband.

Eine Reverso-Idee, die mehr als sinnvoll erscheint

Gerade für Kenner liegt der Reiz der „Turner Series“ deshalb weniger darin, dass Jaeger-LeCoultre erneut berühmte Gemälde auf eine Uhr bringt. Spannend ist vielmehr, wie konsequent die Manufaktur die konstruktive Eigenart der Reverso ausnutzt. Das Wendegäuse ermöglicht zwei voneinander getrennte, aber gestalterisch aufeinander reagierende Ebenen: vorne die abstrahierte Übersetzung von Turners Licht und Farben in Guillochage und Email, hinten die eigentliche Miniaturmalerei.

Damit knüpft die Serie zugleich an die 2024 vorgestellten Reverso Tribute Enamel mit Venedig-Motiven von Claude Monet an. Turner ist als Fortsetzung besonders passend: Seine Auflösung von Konturen zugunsten von Licht, Farbe und Atmosphäre beeinflusste schließlich jene Entwicklungen, die später im Impressionismus eine zentrale Rolle spielen sollten.

Von jeder der vier Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute Enamel „Turner Series“ werden lediglich zehn Exemplare gefertigt. Die Premiere findet im Rahmen der Homo Faber Biennale 2026 in Venedig statt. Einen regulären Verkaufspreis nennt Jaeger-LeCoultre nicht – die Preise sind auf Anfrage erhältlich.

Bei insgesamt nur 40 Uhren ist die Turner Series ohnehin weniger als klassische Erweiterung der Reverso-Kollektion zu verstehen denn als Demonstration dessen, was Jaeger-LeCoultres Métiers-Rares-Atelier mit dem ungewöhnlichen Aufbau der Reverso anstellen kann. Dass ausgerechnet Turners venezianisches Licht dabei zum Ausgangspunkt wird, macht die Verbindung von Uhrmacherei und Kunsthandwerk ungewöhnlich schlüssig.

Jaeger-LeCoultre Reverso Jaeger-LeCoultre Armbanduhren Zifferblatt Emaille Zifferblatt

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