Von der Blüte zur Wurzel: Renaud Tixiers Organica-Trilogie ist komplett
Renaud Tixier schließt die Organica-Trilogie mit zwei neuen Editionen: Sieben Exemplare in Platin, sieben in Roségold – mehr Stückzahl gönnt sich Renaud Tixier auch bei der zweiten und dritten Farbvariante der Monday Organica nicht. Nach der binnen kürzester Zeit vergriffenen Blue folgen nun Black und Bordeaux und beenden damit eine Trilogie, die die junge Genfer Manufaktur vor einem Jahr begonnen hat. Zusammengehalten wird sie von einem Zifferblattmotiv, das sich bei genauem Hinsehen als technische Zeichnung entpuppt: Die organisch anmutenden Linien bilden die Konturen dreier Bauteile aus dem hauseigenen Kaliber RVI2023.
Renaud Tixier Monday Organica in Schwarz
Renaud TixierEine Marke mit sieben Tagen, sieben Uhren
Renaud Tixier ist ein Kind zweier Namen: Dominique Renaud, seit über 40 Jahren eine der prägenden Konstrukteursfiguren der unabhängigen Uhrmacherei und Mitbegründer von Renaud & Papi, sowie Julien Tixier, ein junger Uhrmacher mit Fokus auf traditionelles Handwerk. Ihr gemeinsames Projekt ist konzeptionell eng gefasst: sieben limitierte Kreationen, jede einem Wochentag zugeordnet, jede mit einer patentierten technischen Innovation. Den Anfang machte vor einigen Jahren die „Monday" – mit einem für die Branche neuartigen Detail, einem Mikrorotor, der mit einem Trägheitsrad (Flywheel) kombiniert ist, um den Wirkungsgrad des Automatikaufzugs zu erhöhen. Ob sich das in der Praxis tatsächlich in spürbar besseren Aufzugswerten niederschlägt, lässt sich anhand der Pressemitteilung nicht beurteilen – belastbare Zahlen zur Aufzugseffizienz liefert Renaud Tixier bislang nicht, nur die allgemeine Angabe einer Gangreserve von 60 Stunden.
Das Kaliber RVI2023
Technisches Herzstück beider Uhren ist somit das Manufakturkaliber RVI2023 mit 36,8 Millimetern Durchmesser und lediglich 6,69 Millimetern Bauhöhe. Aus 274 Komponenten aufgebaut, schwingt es mit 2,5 Hertz beziehungsweise 18.000 Halbschwingungen pro Stunde, einer für heutige Manufakturkaliber eher niedrigen, aber für die Ganggenauigkeit nicht zwangsläufig nachteiligen Frequenz. Bemerkenswert ist die mit 187 angegebene Zahl der Innenwinkel, ein Indikator für den Aufwand der Anglierung. Brücken und Unruhkloben sind aus Titan gefertigt, der Mikrorotor aus vergoldetem Platin, das Schwungrad aus Platin. Die zusätzliche Platte des Federhausrückers ist graviert, ziseliert und in Grand-Feu-Email ausgeführt (bei der Bordeaux in Silber statt Gold unterlegt).
Renaud Tixier Monday Organica, Kaliber RVI2023
Renaud TixierOrganica: ein Zifferblatt mit doppeltem Boden
Der Name Organica klingt zunächst nach Botanik, hat aber eine sprachhistorische Nebenbedeutung, auf die die Marke explizit verweist: Das griechische organon, abgeleitet von ergon (Werk, Handlung), ist über Umwege auch Wurzel des französischen „organe" und „orgue", übersetzt also Organ und Orgel. Renaud Tixier nutzt diese Doppeldeutigkeit als Erzählrahmen: Das florale Muster auf dem Zifferblatt ist keine freie Dekoration, sondern aus den Kurven dreier Komponenten des Kalibers RVI2023 entwickelt. Damit verfolgt das Zifferblatt zwei Lesarten gleichzeitig, eine gestalterische und eine mechanische. Nach der Blue, die als „Blüte" firmierte, liest sich die Black nun als „Wurzel" und die Bordeaux als „Frucht".
Ob man dieser Symbolik folgen mag oder nicht: Handwerklich steckt hinter dem Bild ein aufwendiger Prozess. Für beide Modelle zeichnet Ateliers Olivier Vaucher verantwortlich, ein Spezialist für Métiers d'Art, der laut Mitteilung Handgravur, Handziselur und Grand-Feu-Email kombiniert.
Schwarz ohne Relief – die technisch heiklere Variante
Interessanter als die Farbwahl selbst ist die Wahl der Technik. Schwarze Zifferblätter entstehen in der Hochuhrmacherei traditionell aus poliertem Onyx, weil die Reinheit des Schwarz dort bereits von der Natur vorgegeben ist. Renaud Tixier geht bei der Black den umgekehrten Weg und erzeugt das Schwarz in Grand-Feu-Email – laut eigener Aussage eine in diesem Farbton notorisch schwierige Technik, weil ohne die reliefartige Struktur einer Gravur jede kleinste Luftblase oder Einschluss im Email sofort sichtbar würde. Die Gestaltung nimmt hier also bewusst ein höheres Ausschussrisiko in Kauf, um ein möglichst „reines" Schwarz zu erzielen. Eingefasst wird das Zifferblatt von einem Gehäuse aus Platin 950. Bei der Bordeaux übernimmt stattdessen 5N-Roségold das Gehäuse, während das Email in einem tiefen, gereiften Bordeauxton gehalten ist. Konstruktiv unterscheiden sich beide Modelle bis auf Zifferblattfarbe, Gehäusematerial und Lederbandauswahl (schwarzes Monroe-Kalbsleder mit Weißgoldschließe bei der schwarzen Variante, beiges Island-Kalbsleder mit Roségoldschließe bei der Bordeaux) nicht.
Renaud Tixier Monday Organica am Handgelenk
Renaud TixierMit 40,8 Millimetern Durchmesser, 10,5 Millimetern Höhe (exklusive Glas) und einer Wasserdichtigkeit von lediglich 30 Metern positioniert sich die Monday Organica klar als Dresswatch, nicht als Alltagswerkzeug. Das deckt sich mit dem Vertriebskonzept: siebenmal Black, siebenmal Bordeaux, „reserviert für einen ausgewählten Kreis von Sammlern", wie es in der Mitteilung heißt – eine Formulierung, die für eine derart kleine Manufaktur wenig überrascht, aber auch bedeutet, dass sich Marktrelevanz kaum an Stückzahlen, sondern eher an der fachlichen Reputation der beteiligten Partner bemisst. Der Preis beläuft sich auf 129.000 Schweizer Franken, umgerechnet also knapp unter 140.000 Euro.