Produkt: Download: Grand Seiko Spring Drive Diver’s SBGA229 im Test
Download: Grand Seiko Spring Drive Diver’s SBGA229 im Test
Seikos Taucheruhr SBGA229 verbindet traditionelle Mechanik mit der Ganggenauigkeit von Elektronik. Schaffen die Japaner den Spagat und was taugt die Tauchruhr? Unser Test klärt auf.

Die zwei Standorte von Grand Seiko: Shinshu und Shizukuishi

Manufaktur mit zwei Herzen

Grand-Seiko-Uhren entstehen an zwei verschiedenen Standorten, die sich auf unterschiedliche Gebiete spezialisiert haben. Die Fertigungstiefe ist dabei ebenso beeindruckend wie das kunsthandwerkliche Know-how.

Grand Seiko: Shinshu Studio
Zwei Standorte mit eigener Tradition: das Shinshu Studio und das 2020 neu eröffnete Shizukuishi Studio

Grand Seiko gehört zu den wenigen Manufakturen, die alle Schritte der Uhrenherstellung beherrschen: Von der Konstruktion über die Produktion sämtlicher Komponenten einschließlich der Gehäuse, Zifferblätter und der sehr schwierig zu fertigenden Federn bis zur Verzierung der Teile, Montage, Feinregulierung und Einschalen der Werke in die Gehäuse. Spannenderweise findet aber nicht alles an einem Ort statt: Während sich der Hauptsitz von Grand Seiko mit Marketing, Design, Verwaltung und Vertrieb in Tokio befindet, entstehen die Uhren in zwei unterschiedlichen Werken: in der westlich von Tokio gelegenen Region Shinshu und in Shizukuishi, im Norden der japanischen Hauptinsel Honshū.

Grand Seiko: Standort in Shinshu

Diese Struktur entstand historisch vor allem dadurch, dass im zweiten Weltkrieg ein Teil der Produktion ausgelagert wurde. Zuerst ging es in die etwa 200 Kilometer westlich von Tokio gelegene Stadt Suwa in der Präfektur Nagano. Dort entstanden nach Kriegsende die präzisen Armbanduhren Marvel, Lord Marvel sowie Crown und später auch das Grand-Seiko-Kaliber 3180, das 1960 in der ersten Grand Seiko tickte. Das ursprüngliche Werk im Tokioter Stadtteil Kameido wurde 1945 von Bomben zerstört. Nach dem langwierigen Wiederaufbau entstanden auch hier wieder Uhren. Zuerst fertigte man vor allem Damenmodelle, aber später baute Seiko dort auch Grand Seiko-Uhren wie die 44GS von 1967. Zwischen den beiden Werken entstand ein freundschaftlicher Wettbewerb, der beide anspornte und zu vielen Innovationen führte, die im Kapitel „Mechanische Highlights“ ausführlich beschrieben werden.

Der Standort in Shinshu

Später wurde das Werk in Suwa zu Seiko Epson und zog zwei Städte weiter nach Shiojiri, das ebenfalls in der Shinshu-Region liegt. Hier entstehen heute alle Quarz- und Spring Drive-Werke für Grand Seiko. Die Montage der Grand-Seiko-Quarzkaliber kann nur von besonders geschulten Uhrmachern vorgenommen werden. Hier herrschen die gleichen Anforderungen wie bei den mechanischen Grand-Seiko-Werken. Einzigartig ist auch, dass Seiko sogar Schwingquarze für die Quarzuhren selbst herstellt – und zwar vom Wachsen lassen der etwa goldbarrengroßen Quarzkristalle bis zu ihrer winzigen finalen Form samt feinster Regulierung durch Abschleifen. Zudem werden die Quarzoszillatoren 90 Tage lang einem selbst entwickelten Alterungsverfahren unterworfen, damit das Gangverhalten danach gleich bleibt.

Grand Seiko: Montage eines Spring Drive Kalibers
Im Micro Artist Studio in Shinshu poliert ein erfahrener Mitarbeiter anglierte Kanten von Hand

Die Manufaktur fertigt nahezu alle Grand-Seiko-Bestandteile im Haus. So werden die Gehäuse gestanzt, gefräst und bekommen eine aufwendige Oberflächenfinissierung. Die berühmte Zaratsu-Politur mit prägnanten Kanten können nur besonders erfahrene und trainierte Mitarbeiter ausführen. Indizes und Zeiger werden ebenfalls gefertigt, bekommen ihre Fasen und werden dann poliert, strichmattiert und teilweise thermisch gebläut. Zifferblätter erhalten einen Sonnenschliff, werden lackiert, bedruckt und mit den selbst gefertigten Indizes versehen. Ebenfalls in Shinshu befindet sich das „Micro Artist Studio“ mit besonders erfahrenen Uhrmachermeistern. Sie kümmern sich neben den Credor-Repetitionsuhren und anderen großen Komplikationen um das Spring Drive-Kaliber 9R01 von Grand Seiko mit acht Tagen Gangreserve. Dabei kommen auch traditionelle Verzierungsmethoden wie das Polieren der Kanten von Hand mit einem Polierholz zum Einsatz. Es gibt hier keine Zeitvorgaben; die Teile sind erst fertig, wenn die Mitarbeiter sie für perfekt erachten. Die älteren Uhrmachermeister geben ihr Wissen ständig an die nächste Generation weiter, damit die komplizierten Werke auch in Zukunft gewartet werden können und die Handwerkskünste lebendige Tradition bleiben. Im gleichfalls in Shinshu beheimateten „Jewelry Studio” setzen Feinhandwerker gekonnt Diamanten auf entsprechende Grand Seiko-Modelle. Das erfordert großes Geschick: So müssen Baguettediamanten auf dem Zifferblatt exakt waagerecht zwischen zwei dünnen Schienen platziert werden, damit alle Steine das Licht in der gleichen Weise reflektieren.

Grand Seiko: Montage von einem Spring Drive Kaliber
Ein Uhrmacher montiert ein Spring Drive-Kaliber

Von Tokio nach Shizukuishi

Auch das zweite Werk im Tokioter Stadtteil Kameido erlebte einige Veränderungen. Die größte war der Umzug 1970 nach Shizukuishi in der Präfektur Iwate, ganz im Norden der japanischen Hauptinsel. Dort fertigt Grand Seiko in der Niederlassung der Seiko Watch Corporation nun alle mechanischen Werke. Das Studio Shizukuishi widmet sich der Herstellung und Verzierung von mechanischen Komponenten, der Montage der Werke und dem Einschalen. Sogar die Spiralfedern, die Aufzugsfedern und die im MEMS-Verfahren hergestellten Anker und Ankerräder entstehen hier. Dafür werden Prozesse aus der Halbleitertechnik genutzt, um die Metallteile in Formen elektrolytisch anzureichern, sodass der Anker 25 Prozent leichter ausfällt als beim spanabhebenden Standardverfahren.

Grand Seiko: Einsetzen von Diamanten
Diamantensetzen erfordert höchste Präzision

Verschiedene Werkteile wie Brücken und Platinen werden von CNC-Maschinen gefräst, Räder geschnitten, Triebe gehärtet und die Zähne der Räder poliert, um die Reibung und damit den Kraftverlust im Werk zu reduzieren. Andere Teile werden mit Zierschliffen versehen. Im Reinraum folgt auf die Vormontage die Montage aller Werkteile einschließlich des Ölens an erforderlichen Stellen. Eine lange Zeit nimmt auch das Einregulieren der Werke nach den strengen Grand Seiko-Vorgaben ein (maximale Abweichung zwischen –3 und +5 Sekunden am Tag).  In 17 Tagen testen die Uhrmacher alle sechs Lagen bei drei unterschiedlichen Temperaturen und regulieren die Werke ein. Nach dem Zifferblatt- und Zeigersetzen folgen das Einschalen ins Gehäuse sowie der Wasserdichtheitstest und ein finaler Check. Unzählbare Stunden Handwerkskunst fließen so in jede Grand-Seiko-Uhr.

Grand Seiko: thermisch gebläuter Zeiger
Grand Seiko produziert, facettiert und poliert die Zeiger im eigenen Haus. Manche werden thermisch gebläut

Das neue Grand Seiko Studio Shizukuishi Im Juli 2020 eröffnete das neue Grand Seiko Studio Shizukuishi. Das repräsentative Gebäude stammt vom japanischen Star-Architekten Kengo Kuma. Um die Philosophie von Grand Seiko, „The Nature of Time“, zu unterstützen, hat Kuma viel Holz und andere natürliche Materialien verwendet. Die großen Fensterflächen lassen die umgebende Natur auf die Uhrmacher wirken.

Grand Seiko: Montage Rein-Raum
Im Montage-Reinraum des neuen Shizukuishi Studios bringen viel Holz und große Fenster die Natur nach innen

Der Blick auf den Berg Iwate und den Wald genießen aber nicht nur die Mitarbeiter: Das Studio ist so konzipiert, dass auch Gäste kommen können. Diese dürfen dann die Montage und Reglage vor Ort begutachten und eine Ausstellung mit Uhren und verzierten Werkteilen besichtigen. Die beiden unterschiedlichen Regionen der Standorte und die Wichtigkeit der Natur spiegelt sich teilweise auch im Design wieder: So stammt die Inspiration für das Snowflake Zifferblatt der Grand Seiko Spring Drive SBGA211 von den schneebedeckten Bergen der Shinshu-Region rund um Shiojiri. Der in Sichtweite von Shizukuishi liegende markante Berg Iwate mit seinen zerfurchten Hängen war dagegen Vorbild für das „Mt. Iwate“-Zifferblatt des mechanischen Modells SBGJ201. Grand Seiko ist eine absolute Ausnahme Manufaktur. Von der Grundlagenforschung über die Entwicklung und Fertigung samt Verzierung aller Teile, sogar der Federn und Quarzoszillatoren, bis hin zur Montage und Regulierung auf höchstem Niveau geschieht alles im eigenen Haus. Die zwei unterschiedlichen Standorte hatten und haben also durchaus Vorteile für die Uhrenliebhaber: Früher war es der freundschaftliche Wettstreit, der immer bessere Grand-Seiko-Werke hervorbrachte. Heute sind es die verschiedenen Handwerkskünste und die unterschiedliche Landschaft, die zu immer neuen schönen und kreativen Uhren führen. jk

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