Anonimo bringt neue Uhrenmodelle

Neuer Besitzer, neue Strategie, neuer Start

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 12. September 2013

Gestern war ich in Florenz, um die Leute zu treffen, die jetzt für die Marke Anonimo verantwortlich sind. Um Anonimo war es in den letzten Jahren still geworden. Nun gibt es einen Neuanfang: Schon Ende 2013 sollen erste Modelle fertig sein, und auf der Baselworld 2014 will man eine Kollektion vorstellen. Seit Sommer 2012 gibt es einen neuen Investor. Er sitzt in Luxemburg, möchte aber namentlich nicht genannt werden. Verantwortlich für die Führung der Marke ist seit dem 1. September 2013 der Franzose Cédrick Boutonet. Ihm stellt sich nun die spannende Aufgabe, Anonimo wieder Leben einzuhauchen. Bei einer Marke ohne Markennamen – Anonimo bedeutet ja “anonym” – ist das eine besondere Herausforderung, möchte man meinen. Theoretisch könnte man sich Uhren ohne Markennamen auf dem Zifferblatt vorstellen. Uhren ohne Logo. Wenn ich daran denke, dass mein Stowa “Flieger Chrono” (ohne Markennamen auf den Zifferblatt) mehr und vor allem längere Blicke auf sich zieht als jede Markenuhr, wäre das vielleicht gar keine schlechte Idee.

Cédrick Boutonet, der neue Geschäftsführer von Anonimo

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber, um es vorwegzunehmen: Das wird es bei Anonimo nicht geben, versichert Cédrick Boutonet. Der 44-Jährige, der zuvor unter anderem für Cartier, Dunhill und Vertu gearbeitet hat, hält nichts von einer “No-Logo-Strategie”, wie er sagt. Stattdessen will sich Anonimo auf seine Geschichte berufen. Die ist allerdings kurz. Sie beginnt 1997. Ein italienischer Investor namens Federico Massacesi gründete Anonimo (siehe Chronos-Ausgabe 2/2004) und arbeitete mit ehemaligen Zuarbeitern von Panerai zusammen. Da Panerai im selben Jahr von der Richemont-Gruppe übernommen wurde, wurden diese Lieferanten nicht mehr engagiert. Namentlich der Gehäusebauer Gianluca Gervasi, der südlich von Florenz sein Atelier hat, fertigte nun die Gehäuse der Anonimo-Uhren. Einige Jahre später sicherte sich Anonimo auch die Dienste von Dino Zei, der von 1972 an Panerai geführt hatte. Ein besonderer Coup gelang Anonimo und Gervasi 2007 mit einer Uhr in einem Bronzegehäuse. Anonimo hatte also schon einige Jahre vor Panerai Bronze im Programm! (Die Italiener waren damit allerdings nicht die ersten; schon in den 1980er Jahren hatte Gérald Genta Bronze für ein Uhrengehäuse genutzt.)

Anonimo Militare Chrono

 

Auch die Rückseite ist aus Bronze

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Florenz zeigten Boutonet, sein Technischer Direktor Pascal Waurick und Pressechef Raymond Reuter sieben Modelle. Alle gehören zur Kollektion “Militare”, die es schon in der ersten Anonimo-Zeit gab. Schauen wir uns diese Uhr einmal genauer an: Die Gehäuse stammen nach wie vor von Gervasi. Wer sich an die damaligen Anonimo-Uhren erinnert, erkennt das typische Gehäuse wieder, allerdings sind die Werke nun andersherum eingebaut. Das heißt, die Krone befindet sich nicht mehr bei der Sechs, sondern bei der Zwölf, und beim Chrono sind die Drücker rechts statt wie früher links. Knickt man das Armband ab, geht automatisch auch der metallene Kronenschutz zur Seite, sodass man die Krone ziehen kann. Die gerändelte Lünette lädt zum Drehen ein, sie ist aber nicht drehbar. Alle gezeigten Uhren waren allerdings Prototypen, sodass ich mich mit Detailkritik zurückhalte, weil ich nicht weiß, welche Elemente bis zur Messe im März noch wie verändert werden. Die Drücker zum Beispiel waren zu rundlich für das markante Gehäuse, die Zifferblätter zu wenig ausdrucksstark. Da kommen sicher andere, zumal Boutonet sagte, dass die endgültigen Zifferblätter neben dem Markennamen auch das Logo tragen sollen.

Interessant ist vor allem, dass es wieder Bronzegehäuse geben wird. Anonimo nutzt dazu eine spezielle Aluminiumbronze-Legierung, der neben Aluminium auch noch etwas Nickel beigemischt ist. Dadurch soll das Material nach Aussage von Gianluca Gervasi besonders korrosionsfest sein und in Sachen Härte dem gängigen Edelstahl 316L in nichts nachstehen. Auch der Gehäuseboden besteht aus Bronze. Auf den Fotos oben seht ihr den Militare Chrono in Bronze: Er wird angetrieben vom Sellita-Kaliber SW 300 mit Chrono-Modul von Dubois Dépraz und soll 7100 Euro kosten. Damit ist er das teuerste Modell der Marke. Einsteigerpreis ist 3480 Euro für die Automatikuhr (Kaliber Sellita SW 260) in Edelstahl. neben Chrono und Automatik gibt es noch eine Dual Time, in der zwei Uhrwerke ticken. Die Gehäuse sind aus Edelstahl, Edelstahl mit schwarzer DLC-Beschichtung und Bronze.

buc

Einstiegsmodell: Militare Automatik für 3480 Euro

 

Die Militare in schwarz DLC-beschichtetem Edelstahl

 

Gehäusebauer Gianluca Gervasi mit einer Bronzestange. Aus ihr fertigt er auf CNC-Fräsmaschinen die Anonimo-Gehäuse

 

Das Türschild
Metallstangen als Rohmaterial für die Gehäusefertigung

 

Die Gehäuse werden genau vermessen

 

 

 

 

 

 

 

Die Gehäuse warten auf ihre Weiterverarbeitung

 

Getestet: Breitling Superocean Héritage II B20 Automatic 42

Die Superocean Héritage II gestaltete Breitling im vergangenen Jahr vollkommen neu. Verändert haben sich vor allem die Lünette, das Zifferblatt und das Uhrwerk. In Folge einer aktuellen Kooperation zwischen den beiden Schweizer Uhrenmarken Breitling und Tudor kommt nun das Breitling-Automatikkaliber B20 in der Superocean Héritage II zum … » weiterlesen

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