Breguet in den USA

"Art and Innovation in Watchmaking" in San Fransisco zeigt Breguet-Historie

Gwendolyn Benda
am 30. August 2015

Zu Lebzeiten von Abraham-Louis Breguet (1747-1823) war der Markt für die Uhren des Tourbillon-Erfinders in den Vereinigten Staaten von Amerika denkbar klein: Obwohl Breguet bereits 1797 zum ersten Mal Uhren an einen Amerikaner verkaufte, ließen sich die US-amerikanischen Kunden in den folgenden Jahrzehnten an einer Hand abzählen. Im Jahr 1800 etwa war der Kriegsminister Henry Knox, der eine Repetieruhr von Breguet erwarb, einer von genau zwei Breguet-Käufern aus den USA.

Breguet Nr. 178 Reisependulette (Foto: Schweizerisches Nationalmuseum, Pragins) Reisependulette mit Viertelstundenrepetition, Breguet Nr. 178: Zu sehen in der Ausstellung “Art and Innovation in Watchmaking” im Fine Arts Museum San Fransisco.
 
Vergoldetes Bronzegehäuse (Maße: 11,0 auf 7,8 auf 5,8 Zentimeter), Silberzifferblatt mit Mondphasenanzeige. Acht-Tage-Werk mit Repetition auf zwei Tonfedern. Repetitionsmechanismen können jederzeit ausgelöst werden und schlagen die Stunden und/oder Stundenabschnitte (hier Viertelstunden). Von Abraham-Louis Breguet stammt die Erfindung der Tonfeder für das Schlagwerk.
 
Napoleon Bonaparte kaufte die kleine Standuhr mit Kurzpendel im Jahr 1798 vor seinem Aufbruch zum Ägypten-Feldzug.

 
Ein Freund von Breguets Sohn Antoine-Louis schrieb im Jahr 1811: “Mit einem Wort, lieber Herr Breguet, dieses Land ist ein Paradies…, aber ich glaube, es ist für die Meisterwerke der mechanischen Künste noch nicht reif: es fehlen ihm noch die Kenner, und zwangsläufig auch die Käufer. In fünfzig oder hundert Jahren wird es anders sein…” Der türkische Markt versprach zu dieser Zeit größeren Erfolg für die Uhren aus dem Pariser Atelier des Meisters Breguet. So lebten um 1700 rund 180 Uhrmacher aus Genf in Konstantinopel (Istanbul); zwar löste sich diese Kolonie im Lauf des Jahrhunderts auf, jedoch nur, weil die Schweizer Uhrmacher wieder nach Europa zurückzogen, um den Markt im Osmanischen Reich von dort aus zu beliefern. Heute ist diese Konstellation schwer vorstellbar.

Türkische Uhr mit Viertelstundenrepetition Breguet Nr. 2090 Gehäuserückseite der türkischen Uhr mit Viertelstundenrepetition Breguet Nr. 2090 Türkische Uhr, Breguet Nr. 2090: Viertelstundenrepetition, großes und kleines Schlagwerk.
 
Graviertes und rot-blau emailliertes Doppelgehäuse mit 64 Millimetern Durchmesser. Emailzifferblatt mit vergoldeten türkischen Ziffern. Verkauft 1808 an Esseid Ali Efendi, Botschafter des Osmanischen Reichs in Paris.

 

Dennoch ist die Marke Breguet, die heute zur Swatch Group gehört, in den USA weniger präsent als in Europa. So kommen im Durchschnitt auf einen Breguet-Einzelhändler in den USA doppelt so viele Einwohner wie auf einen Einzelhändler in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien und im Vereinigten Königreich. (Vom Hauptstandort Schweiz ganz zu schweigen.)

Taschenchronometer mit Tourbillon Breguet Nr. 1176 Taschenchronometer mit Tourbillon Breguet Nr. 1176: Graviertes Goldgehäuse mit 64 Millimetern Durchmesser.
 
Vergoldetes Uhrwerk mit Antrieb über eine umgekehrte Schnecke. Das zweiarmige Tourbillongestell absolviert eine Umdrehung in vier Minuten.
 
Verkauft 1809 an Graf Stanislas Potocki (Polen).

 

Einen Zugang zur Geschichte der Uhrenmarke eröffnet dem US-amerikanischen Publikum nun die Ausstellung im Fine Arts Museum in San Fransisco. Dort sind von 19. September 2015 bis zum 10. Januar 2016 über 70 Taschenuhren, Pendulen und Uhrmacherinstrumente aus der Zeit von Abraham-Louis Breguet und seinen Nachfolgern zu sehen. Sein Sohn Antoine-Louis Breguet und dessen Sohn Louis-Clément führten das Unternehmen in Paris nach Breguets Tod bis 1870. Louis-Clément Breguet, der nicht nur Uhrmacher sondern auch Physiker war, verkaufte es schließlich an seinen aus England stammenden Vorarbeiter Edward Brown, um sich ganz der Erforschung der Elektrizität zu widmen. Browns Familie pflegte die Marke bis zum Verkauf an den Pariser Juwelier Chaumet im Jahr 1970, dieser beauftragte den Schweizer Uhrmacher Daniel Roth mit der Wiederbelebung. Über die saudisch-arabische Investcorp kam Breguet schließlich 1999 zur Swatch Group. Heute setzt die Marke Breguet die Geschichte mit Innovationen wie der zwischen zwei Permanentmagneten gelagerten Unruhwelle fort. Branchenkenner halten diese Entwicklung für so weitreichend, dass sie eines Tages dieselbe Bedeutung für die Armbanduhr erlangen kann wie das Tourbillon für die Ganggenauigkeit von Taschenuhren.

Breguet Classique Chronométrie 7727 B: In diesem Modell wurde das Konzept der zwischen zwei Magneten gelagerten Unruh erstmals präsentiert.
 
Die Zapfen der Unruhwelle werden durch das Magnetfeld nahezu berührungsfrei in Position gehalten, dabei ist eine seitliche Auslenkung möglich, sodass auch harte Stöße keinen Schaden anrichten können.

 

Und was schätzen die Menschen in den USA heute an Breguet? Um diese Frage zu beantworten, kann man einen Blick auf die Online-Suchanfragen zum Stichwort ‘Breguet’ werfen, die die Suchmaschine Google für Nutzer aus den USA dokumentiert. Dort steht an erster Stelle die Modelllinie Breguet Classique: Sie umfasst – wie ihre Bezeichnung vermuten lässt – klassisch gestaltete Zeitmesser mit römischen Ziffern, der typischen Breguet-Mondphasenanzeige mit dem lächelnden Mond und mit Breguet-Zeigern, die man an der durchbrochenen Scheibe vor dem letzten Drittel des Zeigers erkennt. Gleichauf mit den sportlichen Uhren der Linie Breguet Marine liegt das Stichwort ‘Breguet Tourbillon’. Das Land ist also “reif für die Meisterwerke der mechanischen Künste”, um es mit den Worten von Antoine-Louis Breguets Freund auszudrücken. gb

Chopard: L.U.C. 1963

Seit 50 Jahren führt die Familie Scheufele das Unternehmen Chopard. Nun lanciert die Manufaktur zur Feier das Modell L.U.C. 1963. Es erinnert mit seinem weißen Zifferblatt und den schwarzen ­römischen Ziffern an traditionelle Uhren aus vergangenen Jahrhunderten erinnert. Das Blatt nimmt fast die gesamte Fläche des Rotgoldgehäuses ein. … » weiterlesen

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