Das Design der Rado True Thinline Stillness Li Edelkoort

Uhrendesign und Corona-Erfahrung

Die Welt hat sich verändert. Wenn Covid-19 irgendwann tatsächlich Geschichte geworden ist, wird vieles wieder so sein wie vor der Pandemie – zum Glück. Aber die Corona-Erfahrung wird Spuren hinterlassen. Viele traurige. Doch vielleicht werden wir auch etwas gelernt haben.

Rado: True Thinline Stillness Li Edelkoort
Rado: True Thinline Stillness Li Edelkoort

Eine, die davon schon früh überzeugt war, ist Li Edelkoort. Die 1950 geborene Niederländerin – mit korrektem Namen Lidewij Edelkoort – gilt als eine der weltweit einflussreichsten Trendforscherinnen. Sie befasst sich nicht so sehr mit der Frage, was exakt im nächsten Jahr Mode sein wird, sondern eher mit den tieferen Strömungen, die unser gesellschaftliches Leben, unsere Weltsicht und schließlich unser Konsumverhalten beeinflussen. Seit einigen Jahren arbeitet Li Edelkoort mit Rado zusammen. Jetzt hat sie erstmals eine Uhr für die Marke entworfen: die Rado True Thinline Stillness Li Edelkoort. Das Design dieser Uhr hat viel mit Corona zu tun.

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Zu den Veränderungen, die die Pandemie mit sich brachte, hat Li Edelkoort sich schon im März 2020 geäußert – zu Beginn der weltweiten Lockdowns. In einem Interview mit dem Online-Designmagazin Dezeen sprach Edelkoort über ihre Hoffnung, dass der Einschnitt in unser aller Alltag sowie ins globale Wirtschaftsleben zu einer Neubesinnung führen würde: zu einer Fokussierung weg vom Massenkonsum, hin zu einer Konzentration aufs Selbstgemachte und auf die Dinge, mit denen uns wirklich etwas verbindet. “Wir scheinen in eine Konsumquarantäne einzutreten, in der wir lernen, nur mit einem einfachen Kleid glücklich zu sein; in der wir alte Lieblinge wiederentdecken, ein vergessenes Buch lesen, eine Kochorgie starten, um das Leben schön zu machen.”

Trendforscherin Li Edelkoort mit der Rado True Thinline Stillness Li Edelkoort
Trendforscherin Li Edelkoort mit der Rado True Thinline Stillness Li Edelkoort

Die Verlangsamung unseres Lebensrhythmus und die Besinnung auf die Schönheit des Alltäglichen, Unspektakulären ist dabei nicht zuletzt im Hinblick auf unseren Planeten wichtig. Dem wird es nützen, wenn wir weniger produzieren, weniger wegwerfen, weniger reisen – für Li Edelkoort ein entscheidender Aspekt. “Stillness” ist nach Ansicht der Trendforscherin das große Thema des Augenblicks, und “Stillness” ist auch der Name ihres Rado-Designs.

Eine Uhr zum Innehalten

Die Uhr, die Li Edelkoort für die Uhrenmarke entworfen hat, fällt zunächst vor allem durch ein Merkmal auf, das bei Uhrenfreunden normalerweise Kritik hervorruft: Die Rado True Thinline Stillness (2.020 Euro) ist extrem schlecht ablesbar. Aus weißer – genauer: “warmweißer”, wie es im Firmenjargon heißt – Keramik wird die 39 Millimeter große Quarzuhr gefertigt. Ihr Zifferblatt ist weiß, und ja, die Zeiger sind es auch. Das heißt: Wenn man wissen möchte, wie spät es ist, muss man sich zunächst einmal ein wenig Zeit nehmen. Ein flüchtiger Blick auf die Uhr ist bei Li Edelkoorts Design wenig hilfreich. Stattdessen fordert diese Uhr die Trägerin – oder möglicherweise auch den Träger – auf, genau hinzuschauen, für einen kleinen Augenblick zur Ruhe zu kommen, dabei die Wohltat dieses hellen, sanft geformten, angenehm tragbaren Objekts Uhr zu genießen.

Eine Uhr, die ihre Besitzer zum Innehalten einlädt, statt sie im Hamsterrad voranzubringen, ist ein kleines philosophisches Statement zum Thema Zeit. Die spielerische Idee einer Uhr, die die Zeitanzeige sabotiert, ist nicht neu; die Goldschmiedin Vivianna Torun Bülow-Hübe etwa hat 1962 eine Uhr ohne Zahlen und mit nur einem Sekundenzeiger entworfen – weil sie die Erbarmungslosigkeit der Zeit verabscheute. Die Relevanz einer derartigen Designidee jedoch dürfte selten so virulent gewesen sein wie im Moment. mbe

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