Die 5 wichtigsten Kauftipps zur Omega Speedmaster

Teil 3 der Kaufberatung zu neuen oder gebrauchten Speedmaster-Modellen von Omega

Robert-Jan Broer
von Robert-Jan Broer
am 11. August 2016

Über unseren Blog Fratellowatches.com erreichen uns jede Woche zahlreiche E-Mails von Lesern, die nach einer neuen oder gebrauchten Omega Speedmaster suchen. Kein Wunder – gibt es bei uns doch den Speedy Tuesday, eine Artikelserie, die jeden Dienstag erscheint und sich um verschiedene Speedmaster-Modelle dreht. Deshalb beantworten wir die Fragen der Leser nur zu gerne. Damit aber alle Leser von unseren Antworten profitieren können, haben wir eine Artikelserie entwickelt, bei der es ausschließlich um Tipps zum Kauf einer Omega Speedmaster geht. Gerne können Sie den ersten Teil der Kaufberatung, der sich mit den verschiedenen Speedmaster-Modellen auseinandersetzt, und den zweiten Teil, der die Beschaffungsmöglichkeiten vorstellt, nachlesen.

Omega: Vintage-Speedmaster CK2998
Omega: Vintage-Speedmaster CK2998

Augen auf beim Uhrenkauf – die Details machen den Unterschied

Im dritten Teil der Speedmaster-Kaufberatung geht es um die entscheidenden Details – was ist wichtig und was nicht. Da in einigen E-Mails auch Fragen nach neuen oder kaum gebrauchten Modellen gestellt werden, berücksichtigen wir auch diese. So erhalten Sie im dritten Teil unserer Kaufberatung jeweils 5 Tipps zum Kauf einer modernen und einer Vintage-Speedmaster. Eins noch vorweg: Mit dem Sammeln von Omega-Speedmaster-Uhren begibt man sich nicht in so eine Schlangengrube wie mit Rolex-Uhren. Wir hoffen sehr, dass das so bleibt. Natürlich wird man hier und da auch mal eine selbst zusammengebaute Speedmaster finden. Auch zertifizierte Händler und Uhrmacher haben bei Vintage-Speedmaster-Modellen über die Jahre hinweg als Teil des Services Teile getauscht und diese durch Teile ersetzt, die ursprünglich nicht in den Modellen Verwendung fanden. Obwohl dies den Wert einer Vintage-Speedmaster beeinträchtigen kann, ist es nicht immer ganz eindeutig, was ausgetauscht wurde und was noch original ist. Ganz einfach, weil die Grenzen hier nicht eindeutig sind. Ein gutes Beispiel ist die Omega Speedmaster Pro ‘Transitional’, bei der alte und neue Komponenten gemischt wurden, weil es zwei Modelle gleichzeitig gab. Wie auch immer, zum Glück ist es nach wie vor möglich, eine originale und schöne Vintage-Speedmaster zu einem vernünftigen Preis zu bekommen.

Moderne Speedmaster

Tipp #1 für den Kauf einer modernen Speedmaster: Auf die Seriennummer achten

Beginnen wir zunächst mit der aktuellen Omega Speedmaster Professional. Oft werden wir nach den Seriennummern gefragt, auf welche Details man achten sollte und wie vertrauenswürdig gewisse Verkäufer sind. Über die Seriennummern gibt es online einige Listen, wir nutzen immer die Roman-Hartmann-Liste. Sie enthält sowohl die Seriennummern sehr früher Speedmaster-Uhren als auch jene der neueren Modelle. Obwohl jeder auf diese Übersichten zugreifen kann, machen es manche Verkäufer leider immer noch falsch und verwechseln Speedmaster-Seriennummern mit denen von anderen Omega-Modellen (es gibt sehr wohl einen Unterschied!) und geben die falschen Produktionsjahre an.

Omega hingegen verrät keine Details über Modelle, die nach dem Jahr 2000 erschienen sind. Für diese Uhren ist es nicht so einfach, spezifische Informationen oder einen Auszug aus dem Archiv zu finden. Unserer Meinung nach sollte jede Uhr, die nach 2000 produziert wurde, vollständig mit Schatulle und Papieren ausgestattet sein. Prüfen Sie vor dem Kauf die Seriennummer (Omega bezeichnet sie als Werksnummer) in einem der Bandanstöße auf der Rückseite der Uhr. Die Werksnummer sollte mit den Angaben auf der Garantiekarte übereinstimmen.

Die Seriennummer der Omega Speedmaster Referenz 3570.50 findet sich im Bandanstoß auf der Gehäuserückseite
Die Seriennummer der Omega Speedmaster Referenz 3570.50 findet sich im Bandanstoß auf der Gehäuserückseite

Tipp #2 für den Kauf einer modernen Speedmaster: Die Uhr auf sichtbare Schäden prüfen

Ein weiterer Aspekt, der bei modernen Speedmaster-Modellen wichtig ist, sind sichtbare Schäden: Wenn die Uhr harte Schläge abbekommen hat, die tiefe Kratzer oder Dellen hinterlassen haben, können Sie sich vorstellen, welcher Art von Stößen das Werk ausgesetzt war. Wenn das der Fall ist, fragen Sie auf jeden Fall nach der Service- und Reparaturgeschichte.

Tipp #3 für den Kauf einer modernen Speedmaster: Die Ganggenauigkeit des Werks prüfen

Wenn irgend möglich, lassen Sie die Ganggenauigkeit der Uhr prüfen und achten Sie auf die Amplitude, die in Grad angegeben wird. Die Unruh einer intakten Uhr zeigt bei Vollaufzug einen Ausschlag zwischen 260 und 290 Grad. Liegt der Wert Ihrer Vintage-Speedmaster dramatisch darunter, könnten einseitig Lager defekt sein. Ist der Wert generell niedrig, ist eine Revision fällig (wie viel eine Revision kosten kann, lesen Sie hier). Meist reicht ein einfacher „Ölwechsel“, aber es kann sich auch lohnen, die Zugfeder auszutauschen. Mit einer neuen Zugfeder erhält die Uhr ihre alte Energie zurück. Eine zu hohe Amplitude, das heißt mehr als 310 Grad, spricht für Prellen. Dabei kommt zuviel Kraft bei der Hemmung an. Die überschüssige Kraft kann den Ellipsenstein der Unruh, der den Anker betätigt, beschädigen. Falls es keine Nachweise über Revisionen gibt und Sie nicht die Möglichkeit haben, die Ganggenauigkeit der Uhr zu prüfen, kalkulieren Sie auf jeden Fall die Revisionskosten in den Endpreis, den Sie zu zahlen bereit sind, mit ein.

Die Omega Speedmaster 3570.50
Die Omega Speedmaster 3570.50

Tipp #4 für den Kauf einer modernen Speedmaster: Sind Verpackung und Papiere dabei?

Wenn es um eine limitierte oder eine Sonderedition der Speedmaster geht, informieren Sie sich über die originale Verpackung, die originalen Booklets, Zertifikate und möglichen Accessoires. Es gibt einige limitierte Editionen, die mit einer besonderen Schatulle verkauft worden sind oder denen ein Spezialbuch beilag. Ein vollständiges Set ist wichtig, aber noch wichtiger ist, dass Sie wirklich von der Echtheit der Uhr überzeugt sind. Da das Angebot an Zifferblättern und Gehäuseböden von limitierten Editionen (zum Beispiel das Japan-Racing-Modell von 2004 oder das Snoopy-Award-Modell von 2003) schwankt, prüfen Sie unbedingt die korrespondierenden Nummern auf den Zertifikaten.

Tipp #5 für den Kauf einer modernen Speedmaster: Ist das Band original?

Was uns am meisten bei relativ neuen Speedmaster-Modellen verwundert, ist, dass sie manchmal mit den falschen Bändern verkauft werden. Es handelt sich zwar um originale Omega-Bänder, sie sind aber entweder zu alt oder zu neu. Häufig findet man frühe 1990er-Modelle mit Bändern, die nach 2000 produziert wurden, im Angebot oder auch moderne Speedmaster-Uhren mit dem Band der bekannten 1171-Referenz. Das macht keinen Sinn, ist aber für Sie als Käufer relativ einfach festzustellen. Falls Sie trotzdem noch Zweifel an einer Uhr haben, ist es besser, sich nach einem anderen Deal umzuschauen.

Omega Speedmaster 3570.50 mit Originalband
Omega Speedmaster 3570.50 mit Originalband

Vintage-Speedmaster

Tipp #1 für den Kauf einer Vintage-Speedmaster: Ist der Händler seriös?

Vermutlich ist die wichtigste Regel sehr allgemein, aber nichtsdestrotz absolut wahr: Prüfen Sie immer den Händler. Ist er seriös? Hat er bereits positive Bewertungen erhalten? Trotzdem sollten auch Sie sich mit dem Thema auskennen. Mit unserer Expertise zum Thema Omega Speedmaster bieten wir sicher einiges an Vergleichs- und Informationsmaterial. Aber lesen Sie doch auch einmal die klassischen Artikel von Chuck Maddox. Oder schlagen Sie im Buch “Moonwatch Only” nach, das bis heute das beste Hardcover-Nachschlagewerk ist. Es bietet viele detaillierte Informationen zu den meisten Referenznummern, von der allerersten CK2915-1 bis hin zu den modernen Speedmaster-Uhren.

Auszug aus dem Nachschlagewerk für Omega Speedmaster, das Buch "Moonwatch Only"
Auszug aus dem Nachschlagewerk für Omega Speedmaster, das Buch “Moonwatch Only”

Tipp #2 für den Kauf einer Vintage-Speedmaster: Nach der Seriennummer fragen

Sobald Sie eine Vintage-Speedmaster entdeckt haben, die Ihnen gefällt, fragen Sie immer nach der Serien-/Werksnummer (bitte nicht mit der Kaliberbezeichnung verwechseln). Omega verfügt auch über Archivauszüge, die belegen, ob das Werk tatsächlich in einer bestimmten Gehäusereferenz geliefert wurde, in welchem Jahr und in welchem Land. Wir haben schon oft Uhren mit Werken entdeckt, die ursprünglich in anderen Uhren verbaut wurden als im angebotenen Modell. Besonders beim ersten Speedmaster-Werk, dem Kaliber 321, kann das eine zwielichtige Geschichte sein.

Tipp #3 für den Kauf einer Vintage-Speedmaster: Wie die Referenznummer zu verstehen ist

Eine häufiges Missverständnis bezieht sich auf die Referenz- und Gehäusenummer. Omega verwendete Referenznummern wie 105.003, 145.012 und 145.022. Jedoch setzt Omega auch einzweistellige Jahreszahl dahinter, wie 145.022-76. Bis heute denken viele (immer noch), dass die Jahreszahl für das exakte Produktionsjahr steht. Das stimmt nicht! So finden Sie zum Beispiel keine Referenz 145.022-75 oder 145.022-77. Die zweistellige Angabe gibt lediglich Auskunft über das Produktionsjahr des Gehäusebodens.

Omega: Vintage-Speedmaster CK2998
Omega: Vintage-Speedmaster CK2998

Tipp #4 für den Kauf einer Vintage-Speedmaster: Das Herstellungsjahr bestimmen

Die Serien- beziehungsweise Werksnummer ist der Schlüssel zur Bestimmung des Herstellungsjahres. Bei älteren Modellen ist diese Nummer nur auf einer der Werkbrücken graviert und nicht auf dem Gehäuseboden oder den Bandanstößen. Das heißt Sie müssen entweder das Gehäuse öffnen oder den Verkäufer fragen, dass er es für Sie öffnet. Keine der Datumsangaben in den Verkaufsbelegen oder dem Garantieheft gibt das Produktionsjahr an, meist fehlt sogar das Datum des Verkaufs. Um es noch ein wenig komplizierter zu machen: Manchmal steht auf den Archivauszügen ein Produktions- und ein Lieferungsdatum, die weit voneinander abweichen. Warum das so ist? Die Seriennummer wurde zum Zeitpunkt der Werksmontage auf eine der Brücken graviert und nicht, als die ganze Uhr für den Versand zusammengesetzt wurde. Es kann sein, dass ein Werk nicht sofort eingebaut, sondern für einen bestimmten Zeitraum gelagert wurde. Allgemein verwenden wir die Seriennummer als Indikation für das Produktionsjahr trotz des Unterschieds zu den Angaben aus dem Archiv.

Tipp #5 für den Kauf einer Vintage-Speedmaster: Stimmt das Gesamtbild?

Sobald Sie sich des Produktionsjahres sicher sind und die richtige Referenznummer haben, können Sie die Omega Speedmaster (Professional) bestimmen und authentifizieren. Entsprechen alle Teile dem Produktionszeitraum? Sind sie original? Welches Band sollte sie haben? Stellen Sie sicher, dass Sie sich mit den Unterschieden zwischen den CK2998-Referenzen (-1 bis -62) auskennen. Oder lernen Sie die unterschiedlichen Typen der Lünetten zu erkennen und wissen so, welche an welcher Uhr sitzen sollte. Bitte behalten Sie dabei immer im Hinterkopf, dass es bei einigen Modellen keine absolute Sicherheit gibt und dass sogar die Mitarbeiter im Omega-Museum und -Archiv jede Woche Neues herausfinden.

Wenn Sie weitere Tipps zum Kauf einer Omega Speedmaster benötigen, dann lesen Sie Teil 1 und 2 unserer Kaufberatung:

Teil 1: Wie man die richtige Omega Speedmaster findet

Teil 2: Wo man die richtige Omega Speedmaster findet

Robert-Jan Broer, Jahrgang 1977, lebt in den Niederlanden. Seine Leidenschaft sind Uhren. Er ist Autor bei verschiedenen Uhrenzeitschriften und betreibt seit 2004 den Blog Fratellowatches. Auf Watchtime.net stellen wir Ihnen seine Artikel auf Deutsch zur Verfügung: www.fratellowatches.com

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4s Kommentare zu “Die 5 wichtigsten Kauftipps zur Omega Speedmaster”
  1. Wolfram Hartmann

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Darf ich Sie bitte noch fragen, ob es eventuell mal eine Speedmaster Prof. mit Handaufzug und Plexiglas gegeben hat (so ca. 1990-1998). Oder waren alle Modelle immer mit Automatic und Mineralglas? Vielen Dank für Ihre Antwort

    Freundliche Grüße
    Wolfram Hartmann

  2. Gwendolyn Benda

    Hallo Herr Hartmann, hier die Antwort von Robert-Jan Broer:

    Die Speedmaster Professional ist immer mit Handaufzugswerk und Plexiglas erhältlich. Die Reduced-Version (nicht Professional) war kleiner, hatte ein Automatikwerk und kam (später) mit Saphirglas, aber nie mit Mineralglas.

  3. Gert Kaiser

    Sehr ausführliche Beschreibung der Historie der Omega Speedmaster Varianten .
    Da ich mich für eine 345.0802 derzeit interessiere, möchte ich gerne wissen, wo die Seriennummer abzulesen sein sollte. Muss das Goldarmband auch eine Passende Nummer haben oder war das Band nie gekennzeichnet ? Mit welchen Kosten müsste man aktuell für eine 345.0802 in 18 K Gold mit 18K Goldarmband rechnen auch wenn keine Papiere dazu vorliegen.
    danke für eine Info.

  4. Melanie Feist

    Lieber Herr Kaiser, vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir haben Ihre Fragen an unseren Omega-Experten Robert-Jan Broer (Chefredakteur des Uhrenblogs http://www.fratellowatches.com) weitergeleitet. Er antwortet wie folgt: “Die Seriennummer der 345.0802 befindet sich auf dem Uhrwerk, das durch den transparenten Gehäuseboden sichtbar ist. Weiterhin finden Sie die eindeutige Nummer (die 345.0802 war eine nummerierte Auflage, keine limitierte!) auf der Gehäuserückseite. Sie sollte z.B. wie A0XX aussehen. Das Goldarmband hatte keine Seriennummer. Im Moment liegen die Preise der 345.0802 ohne Papiere irgendwo zwischen 12.000 und 15.000 Euro – natürlich abhängig vom Zustand der Uhr.”

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