Die flachsten Uhren der Welt – SIHH 2014

Drei aktuelle Höhen-Weltrekorde

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 24. Januar 2014

Der Trend zur ultraflachen Uhr hält an, ein Rekord jagt den anderen. Vor allem drei Marken sind es, die hier eine Rolle spielen: Piaget, Jaeger-LeCoultre und Vacheron Constantin. Alle stellen auf der SIHH 2014 aus.

Die flachste Uhr der Welt: Piaget Altiplano 900 P

Piaget schießt dabei den Vogel ab: Die 1874 gegründete Manufaktur präsentiert die flachste mechanische Uhr der Welt: Piaget Altiplano 900 P. Sie ist gerade mal 3,65 Millimeter hoch. Zwar gab es in der Vergangenheit noch flachere Uhren – auch solche mit mechanischem Werk –, aber gegenwärtig ist das Weltrekord. Piaget erreicht diese geringen Maße, weil sie den Boden der Uhr als Grundplatine benutzen. Dieses System kennt man von der Swatch, die es wiederum von der 1980 präsentierten “Delirium très mince” übernommen hat, der mit knapp einem Millimeter Dicke flachsten Armbanduhr aller Zeiten. So sind die wesentlichen Werkbestandteile neben dem außermittigen Zifferblatt positioniert und von außen sichtbar. Trotz der extremen Flachheit sind die Zeiger gut gegen Stöße geschützt, denn nicht sie liegen am dichtesten unter dem Glas, sondern die Brücken. Außerdem ist die Konstruktion so angelegt, dass sich eine erfreulich große Gangautonomie ergibt: Einmal voll aufgezogen, läuft die Uhr 48 Stunden ohne weitere Energiezufuhr. Die Altiplano 900 P hat einen Durchmesser von 38 Millimetern und kostet 22.800 Euro in Rotgold beziehungsweise 24.200 Euro in Weißgold.

Nur 3,65 Millimeter hoch: Piaget Altiplano 900P
Der Gehäuseboden dient zugleich als Werkplatine
Auf der SIHH 2014 fotografiert: Piaget Altiplano 900 P
Um das Zifferblatt herum gruppieren sich die Werkbestandteile

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jaeger-LeCoultre macht kein großes Aufhebens darum, aber mit einer Bauhöhe der Uhr von 7,9 Millimetern ist die Hybris Mechanica 11 die flachste Minutenrepetition. Das ist allerdings nicht das Interessanteste an ihr: Richtig innovativ ist der Schlagmechanismus der Minutenrepetition. Im Gegensatz zu den bisher bekannten Mechanismen verkürzt er die Wartezeiten zwischen den Klangabfolgen. Was heißt das? Bei einer Minutenrepetition, wie wir sie bisher kennen, werden zunächst auf der einen Tonfeder die vollen Stunden geschlagen, dann – abwechselnd auf beiden Tonfedern – die verstrichenen Viertelstunden und schließlich, auf der zweiten Tonfeder, die Minuten. Ist die erste Viertelstunde noch nicht um, also zum Beispiel um 14 Minuten nach voll, gibt es eine Pause zwischen dem Schlagen der Stunden und der Minuten. Für die Hybris Mechanica 11 hat Jaeger-LeCoultre diese Pause deutlich verkürzt. Ein zweiter Vorteil: Nach dem Schlagen der letzten Minute ist sofort Schluss; man muss nicht wie sonst warten, bis der Mechanismus zu Ende gelaufen ist. Ein schönes Beispiel dafür, wie es der Manufaktur aus Le Sentier im Vallée de Joux immer wieder gelingt, sinnvolle Details zu verbessern. Nicht L’art pour l’art, sondern echter Nutzen für den Uhrenträger. Und was auch bemerkenswert ist: Die Uhr ist so flach, obwohl sie nicht nur eine Minutenrepetition UND ein Tourbillon besitzt, sondern zudem noch einen automatischen Aufzug mit einem peripheren Rotor. Den sieht man allerdings nicht von hinten durch den Glasboden, sondern von vorn durch die Aussparungen im Zifferblatt. Der volle Name der Uhr sei zum Schluss auch erwähnt: Sie heißt Master Ultra Thin Minute Repeater Flying Tourbillon und ist das elfte Modell der superkomplizierten Kollektion Hybris Mechanica. Das Uhrwerk vom Kaliber JLC 362 besteht aus 471 Einzelteilen, ist 4,8 Millimeter hoch und hat eine Gangautonomie von 45 Stunden. Die Uhr hat ein Weißgoldgehäuse mit 41 Millimetern Durchmesser, das immerhin bis 3 Bar (30 m) wasserdicht ist. Soviel Handwerkskunst hat ihren Preis: 350.000 Euro.

Die flachste Minutenrepetition: Jaeger-LeCoultre Master Ultra Thin Minute Repeater Flying Tourbillon
Durch den Glasboden sieht man das Kaliber JLC 362 mit Minutenrepetition, Tourbillon und Automatikaufzug

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vacheron Constantin präsentiert mit der Patrimony Contemporaine Ultraflach Kaliber 1731 die flachste Minutenrepetition mit Handaufzug. Ihr Werk vom Kaliber 1731 ist mit 3,9 Millimetern Bauhöhe deutlich flacher als das der Jaeger-LeCoultre, die gesamte Uhr baut mit 8,09 Millimetern allerdings etwas höher. Auch die Vacheron hat jede Menge Finessen, etwa einen fliegenden Geschwindigkeitsregler, der lautlos agiert, oder die hohe Gangautonomie von 65 Stunden. Fünf Jahre hat Vacheron Constantin gebraucht, um das Kaliber zu entwickeln. Für den Zusammenbau des Uhrwerks benötigt ein Uhrmacher in der Manufaktur drei Monate. Uhr und Werk sind mit der Genfer Punze zertifiziert. Das roségoldene Gehäuse ist 41 Millimeter groß und nicht wasserdicht. Der Preis der Uhr liegt bei 357.000 Euro. buc

Flachste Minutenrepetition mit Handaufzug: Vacheron Constantin Patrimony Contemporaine Ultraflach Kaliber 1731
Das Kaliber 1731 baut nur 3,9 mm hoch
Die Uhr ist mit der Genfer Punze zertifiziert

 

 

 

 

 

 

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