Produkt: Download:  Breitling Navitimer 8 Chronograph im Test
Download: Breitling Navitimer 8 Chronograph im Test
Die Chronos-Redaktion testet einen der ersten Breitling Navitmer 8 Chronographen ohne die berühmte Rechenschieberlünette.

Geheimtipp: Die junge Schweizer Uhrenmarke Akrivia

Die spannenden Uhren des Akrivia-Gründers Rexhep Rexhepi

Geboren 1987 im Kosovo, zog Rexhep Rexhepi in den späten Neunzigern mit seiner Familie nach Genf. Seine Nachbarschaft dort war voll von Leuten aus der Uhrenindustrie und hat seine Berufslaufbahn sicherlich beeinflusst; seine erste Begegnung mit der Uhrmacherei fand jedoch schon früher statt: Während Rexhepis Kindheit im Kosovo reiste sein Vater häufig und kam manchmal mit einer Schweizer Uhr zurück. Fasziniert vom Tickgeräusch und dem gleichmäßigen Lauf der Zeiger, öffnete der Sohn einmal eine Uhr, um den Mechanismus zu erkunden, was ihm prompt eine Ohrfeige einbrachte.

Junger Gründer: Rexhep Rexhepi hat Akrivia 2012, im Alter von 25 Jahren, ins Leben gerufen
Junger Gründer: Rexhep Rexhepi hat Akrivia 2012, im Alter von 25 Jahren, ins Leben gerufen

Später hoffte Rexhepi senior, sein Sohn würde Anwalt werden, aber der Wohnort Genf mit seinen vielen bekannten Uhrenherstellern erwies sich als schicksalhaft: Bereits im Alter von 14 Jahren bewarb sich Rexhep Rexhepi für eine Uhrmacherlehre bei Patek Philippe, schaffte die Aufnahmeprüfung und begann als 15-Jähriger seine Lehre. Nach drei Jahren als Lehrling und zwei weiteren Jahren als Uhrmacher heuerte er bei BNB Concept an – ­einem Spezialitätenatelier, das später in der Manufaktur von Hublot aufging. Hier übertrug man dem 20-Jährigen schon nach kurzer Zeit die Verantwortung für ein Team aus mehr als zehn Leuten, die allesamt um Jahrzehnte älter waren. Rexhepi erinnert sich: „Bei Patek Philippe lernte ich die Tradition kennen, und BNB Concept zeigte mir, dass man die Tradition für ganz neuartige Kreationen nutzen kann.“

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Drei Jahre später bestand er den Einstellungstest in der Manufaktur von François-Paul Journe und arbeitete 18 Monate Seite an Seite mit dem Meisteruhrmacher und seinem kleinen Team. Anschließend hangelte sich Rexhepi von einem Auftrag zum anderen. Meistens beriet er Marken bei der Konstruktion eigener Uhrwerke, und manchmal saß er auch als Uhrmacher an deren Bänken. Als er schließlich müde wurde, Dritten beim Verwirklichen ihrer uhrmacherischen Ziele zu helfen, gründete er im Jahr 2012 seine eigene Marke Akrivia (Griechisch für Präzision). „Nachdem ich über zehn Jahre für andere gearbeitet hatte, war die Zeit gekommen, meine eigene Geschichte zu schreiben“, erklärt Rexhepi. „Ich hatte unglaublich viele Ideen und die Energie, sie in die Tat umzusetzen.“

Das Akrivia AK-03 Tourbillon Chiming Jump Hour umfasst gleich mehrere Komplikationen
Das Akrivia AK-03 Tourbillon Chiming Jump Hour umfasst gleich mehrere Komplikationen

Die ersten Monate nach der Markengründung waren schwierig: Das Können und die Ideen waren da, aber Rexhepi empfand es als große Herausforderung, ein Unternehmen zum Laufen zu bringen. Ein Atelier finden und eine Produktphilosophie entwickeln? Kein Problem. Aber Uhrmachern diese Philosophie verständlich zu machen und die vielen Details der Firmengründung in den Griff zu bekommen, kostete ihn viel Mühe.

Während der frühen Jahre von Akrivia kehrte ein uhrmacherisches Motiv immer wieder: das Tourbillon. Rexhepi empfindet Abraham-Louis Breguets bahnbrechende Erfindung, die 1801 patentiert wurde, als eines der Kernelemente der Uhrmacherkunst. „Egal, was manche Leute sagen: Wenn es traditionell ausgeführt wird, ist das Tourbillon eine sehr elegante und historisch bedeutsame Konstruktion. Und mir ganz persönlich bietet es die Möglichkeit zu beweisen, dass ich ein ­bestimmtes Level an Handwerkskunst erreicht habe.“

Die erste Modellgeneration

Die ersten fünf Zeitmesser von Akrivia zeigen die Entwicklung, die die Marke in den Jahren 2012 bis 2016 durchlaufen hat. Jedes Modell war anders, aber einige Details blieben immer erhalten: Alle besaßen ein Handaufzugswerk mit 100 Stunden Gangautonomie, ein Minutentourbillon, ein komplexes 40-Millimeter-Gehäuse und einen Preis nahe oder jenseits der 100.000 Euro.

Luxusuhr mit individuellem Design: Akrivia AK-04 Tourbillon Regulateur­ (ausverkauft)
Luxusuhr mit individuellem Design: Akrivia AK-04 Tourbillon Regulateur­

 

Der AK-01 Chronographe Monopoussoir war ein Ein-Drücker-Chronograph mit Tourbillon und durchbrochenen Zählern, die Einblick in das fein bearbeitete Uhrwerk gaben. Die AK-02 Heure Minute war eine Tourbillonuhr, die nur die Zeit anzeigte. Das AK-03 Tourbillon Chiming Jump Hour vereinte ein Tourbillon, eine springende Stundenanzeige im Fenster und ­einen Stundenschlag. Das AK-04 Tourbillon Regulateur zeigte die Zeit mit einem zentralen Minutenzeiger und einem auf die Zwölf-Uhr-Position verlegten Stundenzeiger an. Und beim AK-05 Tourbillon Barrette Miroir, das 2016 die Reihe der Tourbillonuhren beendete, ­handelte es sich wie schon bei der AK-02 um eine Zweizeigeruhr.

Während dieser Anfangsjahre arbeitete auch Rexhepis jüngerer Bruder Xhevdet – ebenfalls ein ehemaliger Patek-Philippe-Lehrling – für Akrivia. 2017 zog die Marke unter dem Druck steigender Beachtung und sich mehrender Aufträge in die Genfer Altstadt. Im selben Jahr präsentierte Rexhepi seine erste Uhr ohne Tourbillon: Die AK-06 ­besitzt ein offenes Zifferblatt mit exponierten Werkbaugruppen, die zu einer für Akrivia neuen Funktion gehören: Beim Ziehen der Krone springt der Zeiger der kleinen Sekunde auf null, um das exakte Einstellen der Uhrzeit zu erleichtern. Bei der Zwölf befindet sich eine Gangreserveanzeige, die Rexhepi bereits bei früheren Zeitmessern realisiert hat.

Die AK-06 verzichtet als erste Akrivia-Uhr auf das Tourbillon (Edelstahl, je 79.000 Schweizer Franken)
Die AK-06 verzichtet als erste Akrivia-Uhr auf das Tourbillon (Edelstahl, je 79.000 Schweizer Franken)

„Die AK-06 stellt einen Wendepunkt für Akrivia dar: Wir wollten die perfekte Dreizeigeruhr mit ­Gangreserveanzeige bauen. Der ­Erfolg dieses Modells tat mir gut, weil ich sah, dass die Uhrensammler den Wert meines Weniger-ist-mehr-Ansatzes erkannten“, freut sich Rexhepi.

Zweigeteilte Kollektion

2018 erschien der Chronomètre Contemporain, der ein neues Kapitel in der Firmengeschichte von Akrivia einläutete: Er ist die Neuinterpretation klassischer Marinechronometer in Form einer zeitgenössischen Armbanduhr. Das Modell ist das erste mit geschlossenem Zifferblatt, und der Durchmesser verringerte sich von früher mindestens 41 auf dezente 38 Millimeter. Die Uhr übernimmt die automatische Nullstellung von der AK-06, konzentriert sich aber sonst auf eine schlichte, klassische Darstellung der Zeit. Der Saphirglasboden gibt Einblick in das Manufakturkaliber RR-01, das eine Fülle von Veredelungen wie anglierte Kanten, Schwarzpolitur, Perlage, Genfer Streifen und Handgravuren bietet. Derart ausgestattet, überzeugte der Chronomètre Contemporain auch die Jury des Grand Prix d’Horlogerie de Genève und gewann 2018 in der Kategorie Herrenuhren.

Erste Uhr mit der Signatur des Gründers: Chronomètre Contemporain (55.500 Schweizer Franken in Roségold, 58.000 Franken in Platin
Erste Uhr mit der Signatur des Gründers: Chronomètre Contemporain (55.500 Schweizer Franken in Roségold, 58.000 Franken in Platin)

Bei diesem Modell hat sich Rexhepi entschieden, das Zifferblatt mit seinem Namen statt mit „Akrivia“ zu signieren. „Das Uhrwerk ist der Vorreiter einer neuen Familie mit klassischer Ästhetik“, erklärt er. „Die Aufteilung der Kollektion ist ein logischer Schritt, weil ich in den einzelnen Linien eine klare Designsprache aufrechterhalten will. Ich brauche die Freiheit, sowohl eine klassische als auch eine moderne Ästhetik verwenden zu können.“

Kleinste Stückzahlen

Akrivia verkauft momentan ungefähr 25 Uhren pro Jahr. Rexhepi ­erwartet zwar eine Steigerung, aber seine traditionelle Produktionsweise verlangt nach zeitaufwendiger Nachbearbeitung und Veredelung der Komponenten, sodass die Stückzahlen auch künftig gering bleiben werden. Zudem fürchtet Rexhepi, dass ihn ein stärkeres Wachstum durch vermehrte Management-Aufgaben von der Uhrmacherbank fernhalten könnte.

Rexhep Rexhepi an seinem Uhrmachertisch
Rexhep Rexhepi an seinem Uhrmachertisch

Die Frage nach der Eigenleistung der kleinen Uhrenmanufaktur ist schnell beantwortet: Die Teile werden von Spezialisten zugeliefert und alle Nachbearbeitungen sowie Veredelungen im eigenen Haus erledigt. Letzteres betrifft Zeiger, Zifferblätter und Werkkomponenten. „Im Moment denken wir darüber nach, eigene Maschinen anzuschaffen – aber nur, um den Workflow
zu optimieren. Die Qualität würde sich dadurch nicht verändern.“

Text: Logan R. Baker, Übersetzung aus dem Englischen: Alexander Krupp

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Produkt: Download Einzeltest: Roger Dubuis Hommage Fliegendes Doppeltourbillon mit Handguillochierung
Download Einzeltest: Roger Dubuis Hommage Fliegendes Doppeltourbillon mit Handguillochierung
Im Test: Ein außergewöhnliches Modell von Roger Dubuis – ohne Zifferblatt.

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