Produkt: Download: IWC Pilot’s Watch Automatic Spitfire im Test
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In der Pilot’s Watch Automatic Spitfire von IWC kommt zum ersten Mal ein neues Uhrwerk der Kaliberfamilie 32000 zum Einsatz. Das UHREN-MAGAZIN durfte die Uhr als Erste testen.

Hands-on: Laco Wien Erbstück

Die künstlich gealterte Fliegeruhr muss sich im Watchtime-net-Check beweisen

Vor wenigen Jahren hatten die Verantwortlichen bei Laco die Idee, ihre Fliegeruhren künstlich zu altern, um ihnen das Aussehen historischer Zeitmesser zu geben. Sie entwickelten mehrere Behandlungsschritte, die aus Serienmodellen Unikate mit dem Beinamen „Erbstück“ machen: Den Gehäusen werden mit Werkzeugen Kratzer und Kerben zugefügt, bevor sie wie die Zifferblätter, Zeiger und Kronen durch chemische und thermische Verfahren ihre unregelmäßige, individuelle Patina erhalten. Das alles wird von einem Techniker mit besonderen Kenntnissen in der Oberflächenbearbeitung von Metallen und anderen Materialien in Handarbeit ausgeführt. Laco benutzt im Gegensatz zu anderen Uhrenherstellern keinerlei Farbe oder Beschichtung. Stattdessen wird die natürliche Alterung und Patinierung künstlich beschleunigt.

Laco: Wien Erbstück
Laco: Wien Erbstück

Sahen die „angegriffenen“ Komponenten schon bei den bisher bekannten Laco-Uhren mit dunklen Zifferblättern herrlich nostalgisch aus, so kommen sie bei den brandneuen Modellen noch besser zur Geltung. Denn hier ­gelingt es besonders gut, den Uhrengesichtern eine angelaufene, fleckige Optik zu verleihen.

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Gestaltung nach Baumuster B

Zum Watchtime.net-Check tritt die Wien Erbstück an, deren Zifferblatt nach dem sogenannten Baumuster B gestaltet ist. Der Begriff stammt von historischen Militärfliegeruhren, die Laco, A. Lange & Söhne, Wempe, Stowa und IWC in den 1940er Jahren an die deutsche Luftwaffe lieferten. Baumuster B bezeichnet die Gestaltung mit kleinem Stundenkreis in der Mitte, während Baumuster A für die herkömmliche Darstellung mit großen Stundenzahlen am Zifferblattrand steht.

So sieht die Erbstück Wien von Laco am Handgelenk aus
So sieht die Wien Erbstück am Handgelenk aus

Die Wien Erbstück ist sehr stimmig gestaltet: Ihre thermisch gebläuten Zeiger mit absichtlich unregelmäßig gealterter Leuchtmasse enden exakt bei den Skalen, und das Zifferblatt trägt einen großen dunklen Fleck in der Mitte sowie viele kleine Verfärbungen im äußeren Bereich. Wenn es dunkel wird, zeigt die Uhr ein weiteres Talent: Das komplette Zifferblatt leuchtet im typischen Hellgrün, das man von der Leuchtmasse Superluminova kennt. Die Ablesbarkeit wäre perfekt, wenn nicht die Zeiger in der gleichen Farbe strahlen würden. Das Gleiche gilt für den Tag: Alle drei Zeiger sind in der Farbe des Zifferblatts gehalten, was die grundsätzlich sehr gute Ablesbarkeit etwas einschränkt.

Gelungenes Gehäuse

Das 42 Millimeter große Edelstahlgehäuse trägt auf der Vorderseite ein gewölbtes, innen entspiegeltes Saphirglas und auf der Rückseite einen geschlossenen Boden mit militärischen Kenndaten wie Gerät-Nummer oder Hersteller. Das damals für die Fliegeruhren der deutschen Luftwaffe vergebene Anforderzeichen „FL 23883“ ist sowohl in den Boden als auch in die kronenabgewandte Gehäuseflanke eingraviert. Gegenüber sitzt eine große, kegelförmige, stark geriffelte Fliegeruhrenkrone, die sich äußerst komfortabel bedienen lässt. Noch einfacher wird die Anwendung dadurch, dass Laco – erfreulicherweise – auf die Datumsanzeige des bekannten Eta-Automatikkalibers 2824 verzichtet und somit die Kronenposition für die Datumsschnellschaltung wegfällt. Bei der Wien Erbstück gibt es also nur die Nullposition zum Aufziehen des Werkes und die gezogene Kronenstellung zum Korrigieren der Uhrzeit.

Authentisch: Der Boden trägt ­militärische Kenndaten, und das Armband bleibt ­geschlossen
Authentisch: Der Boden trägt ­militärische Kenndaten, und das Armband bleibt ­geschlossen

Beim Betrachten des scheinbar vom langen Gebrauch ramponierten Gehäuses fällt auf, dass stärkere Beschädigungen sich oftmals von der Lünette oder vom Boden auf den Mittelteil erstrecken. Das heißt, sie werden dem fertig montierten Gehäuse zugefügt, wobei darauf zu achten ist, die Dichtungen und das Deckglas nicht zu beschädigen. Nach Abschluss sämtlicher Alterungsschritte prüft Laco die Passungen des Gehäuses. Nur wenn sich die Teile wieder einwandfrei zusammenfügen lassen und die Wasserdichtheit bis 50 Meter erhalten ­geblieben ist, geht die Uhr in den Handel.

Authentisches Armband

Das Kalbslederband wurde ebenfalls im historischen Stil gestaltet. Es ist rau und patiniert und besitzt je zwei – künstlich gealterte – Nieten an den Bandanstößen sowie eine weitere am Bandende. Letztere verbindet, wie es bei historischen Fliegeruhren der Fall war, zwei Lederschichten, zwischen denen sich die Dornschließe hin und her bewegen lässt. Auf diese Weise kann die Uhr beim Ab- oder Anlegen niemals vom Arm rutschen. Die Konstruktion ist schlau und historisch korrekt, bringt aber im Alltag ein paar Schwierigkeiten mit sich: Weil das unverlierbare Armband auf einer Seite aus zwei Lagen besteht und dadurch recht dick wird, gestaltet sich das Einfädeln durch die drei Bandschlaufen hakelig. Außerdem ist das geschlossene Bandende deutlich länger als bei normalen Uhren, damit man die Hand durch den geschlossenen Lederring schieben kann; aus diesem Grund wandert das Bandende ziemlich weit um den Arm herum, sodass man es beim Blick auf die Uhr immer sieht.

Die Gehäuseflanke zeigt das damals für die Fliegeruhren der deutschen Luftwaffe vergebene Anforderzeichen „FL 23883“
Die Gehäuseflanke zeigt das damals für die Fliegeruhren der deutschen Luftwaffe vergebene Anforderzeichen „FL 23883“

Bis auf das etwas unkomfortable Armband leistet sich die Testuhr nur eine einzige nennenswerte Schwäche: Sie geht nach. Bei der elektronischen Messung zeigte sich ein durchschnittliches Minus von 3,7 Sekunden pro Tag, das sich im Tragetest sogar zwischen vier und sieben Sekunden bewegte. Dieser negative Wert kommt daher, dass die Uhr wegen ihres geschlossenen Armbands nachts immer, wie links abgebildet, in der Position „Krone oben“ auf der Kommode lag, in der sie deutlich im Minus läuft.

Sieht man einmal vom deut­lichen Nachgang des getesteten Exemplars ab, dann ist die neue Laco nicht nur ein Erb-, sondern auch ein Schmuckstück. Mit ihr bekommen Uhrenfans die Möglichkeit, historisches Design und moderne Uhrentechnik gleichzeitig zu genießen. Und auch der Preis von 1950 Euro geht angesichts der aufwendigen Handarbeit in Ordnung – zumal man sich das Maß der Alterung selbst aussuchen kann. Laco bietet sogar an, die Leuchtmasse teilweise aus den Zeigern herauszubrechen. Und unterstreicht damit noch deutlicher, dass jede Wien Erbstück ein Unikat ist. ak

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Produkt: Sonderheft UHREN-MAGAZIN Preisführer 2019/2020
Sonderheft UHREN-MAGAZIN Preisführer 2019/2020
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ja, nur eben daß es ein weißes Zifferblatt nach der Norm FL23883 nie gegeben hat. Die Norm sagt, daß das Zifferblatt schwarz sein muß. Weiß sind üblicherweise Marineuhren. Dieses weiße Flieger-“Erbstück” ist also geschichtsklitternder Marketingmüll für Leute, denen das egal ist. In ein paar Jahren wird man römische Ziffern draufmachen, was dann besonders alt aussehen wird.

    Daß sie nachgeht ist ärgerlich. Meine (schwarze) Laco geht auch nach, und zwar ganz schön, am Tag so 3…4s. Das Stellen wäre, wenn sie vorginge, wesentlich einfacher. Es ist mir ein Rätsel, daß darauf bei der Justage offenbar niemand achtet.

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