Produkt: UHREN-MAGAZIN 6/2018
UHREN-MAGAZIN 6/2018
Glashütte Original: Vintage-Uhr Sixties im Test +++ Porsche Design: 1919 Chronotimer Flyback im Test +++ Special: Die besten Damenuhren des Jahres +++

Interview mit Audemars-Piguet-Produktchefin Chadi Nouri-Grubers

Uhren müssen die Persönlichkeit des Besitzers wiederspiegeln

Chadi Nouri-Grubers erste Liebe galt dem Schmuck. Als Produktchefin von Audemars Piguet ist sie nun für Herren- und Damenuhren verantwortlich. Im Gespräch sagt sie, dass Männer- und Damenuhren gar nicht so verschieden sind.

Chadi Nouri-Gruber leitet seit 2016 die Produktentwicklung von Audemars Piguet.

Wie kamen Sie in die eher männerdominierte Welt der Uhren ?
Uhren haben mich schon immer begeistert, besonders die Zeitmesser von Audemars Piguet. Nachdem ich bei Cartier die Abteilung Fine Jewellery in der Schweiz leitete, fing ich 2015 bei Audemars Piguet an, zunächst als Managerin des Produktteams im Bereich Sales und Exclusive Products, wo ich in der Haute Horlogerie und Präzisionstechnik für komplizierte Uhren eingebunden war. Im März 2016 wurde ich zum Head of Product Management ernannt, bevor ich im Januar 2018 schließlich zur Produktdirektorin befördert wurde. Als solche zeichne ich für die internationalen Produkt- und Designabteilungen verantwortlich.

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Ihre Schwester, Chabi Nouri, leitet Piaget. Sind Uhren bei Ihnen eine Familienangelegenheit?
Es ist reiner Zufall, dass meine Schwester und ich in derselben Branche arbeiten. Als gebürtige Schweizerin hat man ja meist nur die Wahl zwischen Finanzen, Schokolade oder Luxusgütern. Unser Bruder arbeitet übrigens im Finanzbereich.

Wie stark wirken Sie am Designprozess mit, besonders bei Damenuhren?
In der heutigen Welt – und besonders bei Audemars Piguet – werden Frauen dazu ermutigt, auf Ihr Innerstes zu vertrauen, wo meine Ideen und meine schöpferische Kraft herkommen. Ich bleibe meinen kreativen Vorstellungen treu und gebe regelmäßig Impulse, sei es für die Damenkollektionen oder andere Produktlinien. Wie man Menschen zum Träumen bringt, ist eine Frage, die mich jeden Tag beschäftigt. Unsere Kunden und Kundinnen stehen immer im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.

Wie würden Sie Audemars Piguets typischen Damenuhrenstil zusammenfassen?
Seit über 130 Jahren fertigen wir komplizierte Damenuhren. Im Wandel der Jahrzehnte haben wir zeitgenössische Designs geschaffen, jeweils an den sich ändernden Lifestyle der Frauen angepasst. Zum Beispiel haben wir uns entschieden, unsere Millenary-Kollektion den Damen zu widmen und haben dafür ein ambitioniertes Werk kreiert, in das wir fünf Jahre Entwicklungszeit investierten. Um die Mechanik in den Fokus zu rücken, wurde es so designt, dass es in umgedrehter Form eingeschalt wird. Von der Zifferblattseite aus betrachtet, zeigt es sich perfekt auf die ovale Form des Gehäuses abgestimmt. In diesem Jahr haben wir auch zwei neue Modelle mit goldenem, „polnisch” geflochtenem Milanaiseband vorgestellt. Ebenfalls neu ist eine Millenary mit Opal-Zifferblatt und Frosted-Gold-Finish, letzteres eine Premiere in der Linie.

Audemars Piguet: Millenary Frosted Gold Opal Dial
Millenary Frosted Gold Opal Dial: Die Roségolduhr bringt die Schönheit der Mechanik durch das Zifferblatt zur Geltung.

In Bezug auf kleine und große Komplikationen ist es sicher einfacher, männliche Enthusiasten anzusprechen als Frauen. Wie gelingt es Audemars Piguet, Aficionadas zu erreichen, besonders die jüngeren?
Das Interesse von Frauen an mechanischen Uhren steigt. Heute kennt man sich mit Komplikationen aus, und sie sind begehrt. Es ist unsere Aufgabe, unseren Kundinnen die Komplexität und das erstaunliche Know-how, das in der Entwicklung und Konstruktion einer komplizierten mechanischen Uhr steckt, zu vermitteln. Bis jetzt haben wir vielleicht nicht immer die richtigen Worte gefunden, um diese Seite ihrer Persönlichkeit anzusprechen. Frauen lieben Schmuck, denn sie kennen sich damit aus. Bei Schmuck muss man nur über das Material und die Edelsteine sprechen. Es gibt so viele Geschichten darüber. Wir müssen ähnliche über Uhren erzählen.

Audemars Piguet: Frosted Gold Finish
Frosted-Gold-Finish: Diese Spezialität der Maison lässt das Gehäuse funkeln wie Schneekristalle.

Welche Eigenschaften sind absolut unabdingbar bei Damenuhren?
Vor allem sollten sie markant, zeitlos, modern und wiedererkennbar sein. Uns ist es wichtig, dass unsere Modelle an das Handgelenk einer jeden Frau passen und jegliche Art von Kleidung komplementieren – sei es ein Cocktailkleid, eine Jeans oder einfach ein Crop-Top-Shirt. Sie passen sich an jede Gelegenheit im Leben einer Frau an.

Wie unterscheiden sich Kennerinnen von männlichen Pendants? Worauf legen sie besonderen Wert?
Ich denke nicht, dass sie sich großartig unterscheiden. Wie Männer sind auch sie an verschiedenen Produktarten interessiert, von Mode bis zu komplizierten mechanischen Zeitmessern. Uhren müssen die Persönlichkeit des Besitzers und der Besitzerin widerspiegeln, Neugierde wecken und Gefühle ansprechen.

Was macht die Damenuhren des Hauses besonders attraktiv, gerade wenn wir vom Finishing sowohl des Werkes als auch der äußeren Gestaltung sprechen?
Ich glaube nicht, dass es wirklich einen großen Unterschied zwischen Herren- und Damenuhren gibt. Bei Audemars Piguet wollen wir exquisite Produkte herstellen, deren Schönheit von innen heraus leuchtet. Auf der einen Seite haben wir die Royal Oak Offshore und die Royal Oak Concept für Frauen, welche die gleiche DNA in sich tragen und den gleichen Esprit ausstrahlen wie die Männermodelle. Auf der anderen Seite produzieren wir die Millenary-Kollektion, die jetzt ausschließlich für Frauen bestimmt ist. Das umgedrehte Kaliber, das das Herz der Linie ist, verbindet höchste Uhrmacher-Expertise mit exquisiter Juwelierkunst. Die ovale Formgebung schmiegt sich zudem perfekt an das weibliche Handgelenk an. Davon abgesehen tragen einige unserer Kundinnen auch gerne Männeruhren.

Audemars Piguet: Royal Oak Concept Flying Tourbillon
Kühnes Design sowie virtuose Uhrmacher- und Juwelierkunst verbinden sich in der Royal Oak Concept Flying Tourbillon.

Welche ist die mechanisch anspruchsvollste und kunstfertigste Damenuhr im Jahr 2018?
Die Royal Oak Concept Flying Tourbillon für Damen mit dem von Le Brassus inspirierten Design. Warum? Weil es die erste Royal Oak Concept für Frauen ist, und weil wir echte Haute Joaillerie mit Haute Horlogerie kombiniert haben. Zwei Versionen wurden präsentiert, eine komplett mit Diamanten im Brillantschliff besetzte (fast 4 Karat) sowie eine weitere mit Diamanten im Baguetteschliff (10 Karat). Bei letzterer kam die besonders anspruchsvolle Technik der unsichtbaren Fassung zum Einsatz.

Audemars Piguet: Invisible Setting
Invisible Setting: Bei dieser anspruchsvollen Technik sind die Diamanten so gesetzt, dass die Fassungen unsichtbar bleiben.

Was war Ihre erste Uhr, und welche tragen Sie heute?
Wie bei den meisten Schweizer Kindern war meine erste Uhr eine Flik Flak. Heute trage ich die vorher erwähnte Millenary Frosted Gold Opal Dial. sz

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Produkt: Download: Hublot Big Bang Meca-10 im Test
Download: Hublot Big Bang Meca-10 im Test
Die Hublot Big Bang Meca-10 scheint geradewegs aus der Zukunft zu kommen. Bietet die Manufakturuhr auch technisch zukunftsweisendes? Chronos testet die Meca-10.

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