Raymond Weil

Erst mit knapp 50 Jahren gründete Raymond Weil sein eigenes Unternehmen. Uhren haben ihn jedoch schon von Kindesbeinen an fasziniert und prägten sein ganzes Leben.

Zum Lunch mit Raymond Weil trifft man sich in der „Auberge Communale d’Onex“ im Süden Genfs. Dieses italienisch geführte Restaurant wird seit Jahrzehnten von all jenen frequentiert, die in der Genfer Uhrenszene Rang und Namen haben. Wer dort auf eine Limousine mit Raymond Weil am Steuer wartet, wird enttäuscht. Zur vereinbarten Zeit erscheint nämlich eine jugendlich anmutende Gestalt auf einem Motorroller. Aus dem Helm schält sich herzlich lachend der 77-jährige Raymond Weil. Den Roller betrachtet er als das absolut effizienteste städtische Fortbewegungsmittel. Für größere Strecken und Urlaubsreisen bevorzugt er das eigene Sportflugzeug.

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Raymond Weil, 2004
Raymond Weil, 2004

Raymond Weil wurde 1926 in Genf geboren. Sein Vater arbeitete in einer Seidenbandfabrik. Als 1929 die Weltwirtschaftskrise ausbrach, verlor Vater Weil seine Stelle und die Familie musste nach Frankreich ziehen. In der Provence fand Vater Weil eine neue Stelle in einer Ölraffinerie. So wuchs Raymond Weil in Aix-en-provence auf, wo er die Grundschule und das Lycée besuchte. Als 1942 der südliche Teil Frankreichs durch Deutschland besetzt wurde, verlor Vater Weil wieder die Stelle und die Familie fand in Basel bei Verwandten vorübergehend Unterschlupf. Raymond Weil lernte zwar schnell „Baseldytsch“, doch fand sein Vater, dass er weiterhin Unterricht auf Französisch erhalten sollte. Die nächstgelegene frankophone Stadt war Neuchâtel. So schickte man Raymond dorthin, um die höhere Handelsschule zu besuchen.

Raymond Weil machte 1944 seinen Abschluss an der Genfer Handelsschule und erhielt ein Jahr später das Handelsabiturzeugnis. Dank guter Beziehungen fand er eine Stelle bei der Société Générale de Surveillance (SGS). Um den jungen Weil auszubilden, sandte man ihn nach England, Holland und Belgien, wo er in verschiedenen Hafenstädten die Inspektionsarbeit direkt verfolgen und bald selbst durchführen konnte. Die SGS spielt im internationalen Handel eine sehr wichtige Rolle. Wer zum Beispiel in Kanada 10.000 Tonnen Weizen kauft, übergibt das Mandat der SGS, die 350 Filialen in aller Welt unterhält. So stand Raymond Weil ständig auf dem Deck von Frachtschiffen, zählte Weizensäcke und nahm Qualitätsproben.

Während seiner Zeit in Neuchâtel hatte Raymond Weil Maurice Stroun kennen gelernt und sich eng mit ihm befreundet. Dessen Vater war Uhrenfabrikant in Grenchen, ein so genannter Etablisseur, der Rohwerke kaufte und daraus Uhren der Marke Camy fertigen ließ. Jahre später trafen sich die Freunde in Genf zufällig wieder. Die Firma Camy war in die Calvinstadt verlegt worden, weil Maurice Stroun Biologie, sein Bruder Jean Medizin studieren wollte. Dazu mussten sie in der Nähe einer guten Universität wohnen. Keiner der beiden Stroun-Söhne wollte im Unternehmen ihres Vaters arbeiten, dabei ging dieser gegen siebzig und brauchte bald einen Nachfolger.

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