Was hält Frank Deckert, Seiko-Deutschlandchef von der Apple Watch?

Deckert spricht über die Auswirkungen der Smartwatches

Melanie Feist
von Melanie Feist
am 13. September 2014
Frank Deckert Geschäftsführer Seiko Deutschland
Frank Deckert Geschäftsführer Seiko Deutschland

Die japanische Uhrenmarke Seiko brachte innovative Uhrentechnologien wie Kinetic oder Spring Drive hervor. So bat Watchtime.net auch den Geschäftsführer von Seiko Deutschland, Frank Deckert, um einen Kommentar zur Apple Watch, der Smartwatch des Technikriesen aus Kalifornien.

Watchtime.net: Herr Deckert, Seiko stand innovativen Technologien immer aufgeschlossen gegenüber. Was halten Sie von der Apple Watch?

Frank Deckert: Grundsätzlich ist das Thema Smartwatch nicht neu, viele Hersteller haben bereits solche Uhren auf den Markt gebracht. Die Auswirkungen auf die Uhrenindustrie halten sich bisher in Grenzen. Mit der Apple Watch kommt natürlich jetzt ein „Schwergewicht“ auf den Markt, da die Apple-Community zahlenmäßig sehr stark ist. Viele Apple-Fans werden sich die Apple Smartwatch kaufen. Aber auch hier bleiben die Auswirkungen abzuwarten. Zum einen sind da die Technikaffinen, die ohnehin bisher kaum eine Uhr getragen und die Zeit vom Handy abgelesen haben. Also Konsumenten, die auch keine Armbanduhren kaufen. Zum anderen werden gerade in der Anfangszeit viele Apple-User zur Apple Watch greifen, um zu zeigen, dass sie up to date sind. Ob sie zu dauerhaften Trägern einer Smartwatch werden, steht auf einem anderen Blatt. Das Smartphone bietet dieselben Funktionen, mit mehr Bedienkomfort und größerem Display – muss man dann beides haben und ständig bei sich tragen? Und ist perspektivisch nicht vielleicht sogar eine Brille mit Smartfunktionen die bessere Lösung?

Watchtime.net: Wie beeinflusst die Apple Watch die hochwertigen Mechanikuhren?

Frank Deckert: Am hochwertigen Uhrenmarkt ist eine andere Situation anzutreffen. Hier ist die Armbanduhr Schmuckstück, Geldanlage und Statussymbol – Dinge, die eine Smartwatch nicht bietet. Im Luxusuhrenmarkt werden sich die Auswirkungen meines Erachtens in Grenzen halten. Ebenso im Markt für Damenuhren. Sicher werden auch Frauen zur Smartwatch greifen. Aber für Frauen ist die Armbanduhr eine modische Komponente und wird es vorerst auch bleiben. Für mich bleibt bei der Diskussion um die Apple Watch noch ein letzter Aspekt: der Aspekt des permanenten „Online“-Seins. Die Smartwatch ist ein weiterer Schritt zu ständiger Kommunikation und Erreichbarkeit. Die moderne Gesellschaft ist von einem Übermaß an Informationen geprägt, die nicht mehr Tag für Tag, sondern „dank“ moderner Geräte Sekunde für Sekunde auf die Menschen einwirken. In der Zukunft wird „offline sein“ ein Ausdruck von Luxus sein, eine Art Entschleunigung vom Alltag. Die „gute alte Armbanduhr“ kann da durchaus ein guter Begleiter sein.

Watchtime.net: Vielen Dank für das Interview.

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