Die Burg Edo am Handgelenk – Roger Dubuis' neue Excalibur als Metiers-d'Art-Bauwerk
Mit der Excalibur The Kabuto Legacy (Referenz RDDBEX1139) widmet sich Roger Dubuis einem historischen Stoff, den man in der Haute Horlogerie bislang selten in dieser Konsequenz bearbeitet hat: der Einigung Japans im 17. Jahrhundert unter Tokugawa Ieyasu. Statt einer weiteren Komplikation setzt die Genfer Manufaktur auf ein dreidimensional aufgebautes Zifferblatt, das die Burg Edo im Zentrum zeigt, umringt von den mikroskulptierten Helmen zwölf historischer Bushō – von der Maison selbst als „Micro-sculpture Signature" bezeichnet.
Historischer Unterbau statt bloßer Ornamentik
Für diese thematische Edition hat Roger Dubuis mit Frederik Cryns zusammengearbeitet, einem Professor für japanische Geschichte und Berater der Serie „Shōgun“. Diese Anbindung liefert die Grundlage dafür, dass jeder der zwölf am Zifferblattrand verewigten Kommandanten – angeführt von Tokugawa Ieyasu auf 12 Uhr, flankiert unter anderem von Honda Tadakatsu, Sakai Tadatsugu, Sakakibara Yasumasa und Ii Naomasa als den „Vier Himmlischen Königen“ – mit historisch verbürgtem Kabuto (Helm) und Kamon (Wappen) dargestellt wird. Bemerkenswert ist der Aufwand auf Bauteilebene: Jeder der zwölf Helme wird einzeln in 18-karätigem Roségold mikroskulptiert und graviert, mit einer Fertigungszeit von 2 bis 3 Tagen pro Stück – bei zwölf Helmen entspricht das rechnerisch rund einem Arbeitsmonat reiner Kleinteilarbeit allein für das Dekor, bevor das Uhrwerk überhaupt zur Sprache kommt.
Roger Dubuis Excalibur The Kabuto Legacy, Referenz RDDBEX1139
Roger DubuisZifferblattarchitektur: Die Burg Edo als Bauwerk
Statt die Burg Edo als gedruckte oder gravierte Fläche zu zeigen, baut Roger Dubuis sie als physische Struktur ins Zentrum des Zifferblatts: 17 Einzelelemente, in vier unterschiedlichen Dekorationstechniken gefertigt, ergeben die Silhouette der Festung. Sieben Dachelemente sind in Roségold mit blauer CVD-Beschichtung ausgeführt, sechs weitere mit schwarzer PVD-Beschichtung, dazu drei Gebäudeelemente in unbeschichtetem Roségold sowie ein lasergraviertes Bauteil mit schwarzer PVD-Beschichtung. Der Farbton Indigo, den Roger Dubuis hier bewusst wählt, referenziert historische Samurai-Gewänder – ein inhaltlich stimmiger, aber auch technisch anspruchsvoller Ansatz, da mehrschichtige Bauteile aus unterschiedlich beschichtetem Material eng toleriert und exakt positioniert werden müssen, um im 45-Millimeter-Gehäuse als kohärentes Bauwerk zu wirken statt als disparate Einzelteile.
Der Ring mit den zwölf Kabuto ist aus Roségold gefertigt, die Wappen sind darauf lasergraviert; ein Saphirglas schützt die Gravuren am Gehäuseboden und gibt zugleich den Blick auf den skelettierten Rotor frei.
Roger Dubuis Excalibur The Kabuto Legacy, Kaliber RD821
Roger DubuisKaliber RD821: Bekanntes Manufakturwerk, neu inszeniert
Technisches Herzstück ist das Kaliber RD821, ein Automatikwerk mit 172 Komponenten und einer Frequenz von 4 Hertz (28.800 Halbschwingungen pro Stunde). Die Gangreserve liegt bei 48 Stunden, die Werkhöhe bei 3,5 Millimetern. Bemerkenswert ist die Zertifizierung mit dem Poinçon de Genève, für die Roger Dubuis nach eigenen Angaben 14 unterschiedliche Finissierungstechniken einsetzt – eine Zahl, die deutlich über dem liegt, was für das Genfer Gütesiegel als Minimum erforderlich ist, und die auf eine bewusst repräsentative Werkgestaltung hindeutet, passend zum sichtbaren Rotor unter dem Saphirglasboden.
Gehäuse und Trageerfahrung: Statement-Format mit entsprechenden Kompromissen
Mit 45 Millimetern Durchmesser und 16,87 Millimetern Höhe bewegt sich das Gehäuse klar im Statement-Segment; die Wasserdichtigkeit von lediglich 3 bar (30 Meter) unterstreicht, dass die Uhr als Vitrinen- und Sammlerstück konzipiert ist und nicht für den Alltagseinsatz mit Wasserkontakt. Das Kalbslederarmband mit verklebten und aufgenähten Lederstreifen ist bewusst patiniert, um die Anmutung gebrauchter Rüstung zu erzeugen, und lässt sich über ein Schnellwechselsystem (Quick Release System) tauschen – ein Zugeständnis an praktische Handhabung, das bei einem derart aufwendig inszenierten Konzeptmodell nicht selbstverständlich ist. Die Faltschließe aus Roségold ist ebenfalls über das QRS austauschbar, im Lieferumfang befindet sich ein zusätzliches Lederarmband.
Mit der Kabuto Legacy bewegt sich Roger Dubuis konsequent auf dem Terrain, das die Marke seit der Einführung ihrer „Hyper Horology“-Sprache besetzt: große Gehäuse, dreidimensionale Zifferblattkonstruktionen und eine bewusst theatralische Formensprache, die weniger auf klassische Uhrmacherästhetik als auf skulpturale Wirkung zielt. Im Vergleich zu den zahlreichen Themen-Sondereditionen anderer Manufakturen, die kulturelle Motive meist über Zifferblattdruck oder Emaille abbilden, geht Roger Dubuis hier einen aufwendigeren Weg: Jedes der zwölf Symbole ist ein eigenständig gefertigtes Bauteil, kein Bild. Ob diese Detailtiefe bei einer Auflage von 28 Stück und einem Preis von 407.500 Euro die adressierte Sammlerschaft überzeugt, dürfte weniger von der reinen Werktechnik als vom wahrgenommenen Wert der Metiers-d’Art-Arbeit an den zwölf Kabuto abhängen.