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Chopard und die Mille Miglia: Zwei Chronographen, zwei Zeitrechnungen

Chopard nutzte die Mille Miglia 2026, um zwei Chronographen mit sehr unterschiedlicher Handschrift vorzustellen.
Chopard Mille Miglia GTS Power Control Grigio-Blu – 2026 Racing Edition

Chopard Mille Miglia GTS Power Control Grigio-Blu – 2026 Racing Edition

© Chopard

Als die Mille Miglia in diesem Jahr zum 44. Mal seit ihrer Wiederbelebung von Brescia aus startete, tat sie das zum 39. Mal in Begleitung von Chopard. Seit 1988 ist das Genfer Haus gloaber Sponsor und offizieller Zeitnehmer der Traditionsrallye, ein Jahr vor deren hundertstem Jubiläum 2027. Zum Auftakt der fünftägigen, gut 1.000 Meilen langen Achterschleife zwischen Brescia und Rom stellte Chopard zwei neue Modelle der Kollektion Mille Miglia vor: die Mille Miglia GTS Power Control Grigio-Blu – 2026 Racing Edition und den Mille Miglia Classic Chronograph Raticosa. Beide tragen den gleichen Namen, verfolgen aber zwei fast entgegengesetzte Interpretationen dessen, was eine Rennsportuhr sein kann.

Chopard Mille Miglia GTS Power Control Grigio-Blu – 2026 Racing Edition

Chopard Mille Miglia GTS Power Control Grigio-Blu – 2026 Racing Edition

© Chopard

Zwei Philosophien in einer Kollektion 

Die GTS Power Control ist die dezidiert zeitgenössische Uhr der beiden: 43 Millimeter Durchmesser, Lucent-Steel-Gehäuse, Textilarmband im Technik-Look, ein Zifferblatt, das eher an ein Armaturenbrett als an eine klassische Uhr erinnert. 

Die Raticosa dagegen bedient sich unverhohlen beim Vintage-Rennchronographen der 1960er-Jahre: 40,5 Millimeter, elfenbeinfarbenes Lackzifferblatt, braunes Kalbslederarmband, Dreizeigerchronograph mit klassischer Zählerteilung. Dass Chopard beide Entwürfe im selben Jahr und unter demselben Kollektionsnamen lanciert, zeigt, wie breit die Mille-Miglia-Linie inzwischen aufgestellt ist: Sie bedient sowohl das Publikum, das eine robuste Instrumentenuhr für den Alltag sucht, als auch die Sammler, die in erster Linie an der Renngeschichte selbst interessiert sind.

Chopard Mille Miglia Classic Chronograph Raticosa

Chopard Mille Miglia Classic Chronograph Raticosa

© Chopard

Mille Miglia GTS Power Control Grigio-Blu – 2026 Racing Edition 

Das auffälligstes Detail der GTS Power Control ist das Zifferblatt: eine gekörnte, blau-graue Messingoberfläche, die an Asphalt erinnern soll, kombiniert mit kräftiger, markanter Typografie für gute Ablesbarkeit. Die Gangreserveanzeige zwischen 8 und 10 Uhr ist im Stil einer Tankanzeige gestaltet – ein naheliegendes, aber konsequent umgesetztes Motiv für eine Uhr, die sich als Instrument für Autofahrer versteht. Auch die verschraubte Krone mit graviertem Lenkradmotiv, die kurzen, ergonomischen Bandanstöße und die für die Kollektion vergleichsweise hohe Wasserdichtigkeit von 100 Metern unterstreichen diesen funktionalen Anspruch. 

Technisch interessanter ist der Blick auf das Kaliber: In der GTS Power Control arbeitet das hauseigene Chopard 01.08-C, ein mechanisches Chronographenwerk mit Automatikaufzug aus 251 Komponenten und einer Frequenz von 28.800 A/h (4 Hz) sowie 60 Stunden Gangreserve bei nur 4,95 Millimetern Bauhöhe – ein für ein Chronographenwerk mit Datum und Gangreserveanzeige durchaus flaches Kaliber. Chopard lässt es zudem von der COSC als Chronometer zertifizieren, was bei einer auf 250 Exemplare limitierten Sonderedition keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein klares Bekenntnis zur Ganggenauigkeit über die reine Optik hinaus. Die Uhr kostet 7.940 Euro.

Chopard Mille Miglia Classic Chronograph Raticosa

Chopard Mille Miglia Classic Chronograph Raticosa

© Chopard

Mille Miglia Classic Chronograph Raticosa 

Die zweite Neuheit ist explizit einem einzelnen Streckenabschnitt gewidmet: dem Raticosa-Pass im Toskanisch-Emilianischen Apennin, 968 Meter hoch, Teil der historischen Strada Statale 65 zwischen Florenz und Bologna und zwischen 1927 und 1957 einer der prägendsten – und gefährlichsten – Abschnitte der Mille Miglia. Enzo Ferraris zugeschriebener Ausspruch, die Mille Miglia gewinne man am Raticosa-Pass, macht deutlich, warum Chopard dieser Passage bereits mehrfach eigene Sondermodelle gewidmet hat, die inzwischen selbst gesuchte Sammlerstücke sind. Optisch bewegt sich die Raticosa konsequent im Vintage-Rennchronographen-Register: elfenbeinfarbenes, mattlackiertes Zifferblatt, Chemin-de-Fer-Minuterie, beige Stundenmarkierungen mit Superluminova, klassische Tricompax-Aufteilung mit kleiner Sekunde bei 3 Uhr, 12-Stunden-Zähler bei 6 Uhr und 30-Minuten-Zähler bei 9 Uhr, dazu Tachymeterskala und Datumsfenster zwischen 4 und 5 Uhr. 

Das boxförmige, entspiegelte Saphirglas zitiert bewusst die gewölbten Acrylgläser historischer Chronographen. Der massive Titan-Gehäuseboden trägt eine Gravur, die einen Rennwagen auf der Passstraße zeigt, umgeben von Zuschauern am Streckenrand – ein Detail, das über reine Zifferblattästhetik hinausgeht und die Uhr klar als Hommage an einen konkreten Ort positioniert, nicht nur an das Rennen im Allgemeinen. 

Angetrieben wird die Uhr von einem automatischen Chronographenwerk auf Basis des Kalibers ETA A322-11, das von COSC als Chronometer zertifiziert ist. Das Kaliber arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und bietet eine Gangreserve von 54 Stunden. Zudem ist es mit einer Sekundenstoppfunktion für präzises Einstellen der Zeit ausgestattet. Der Preis liegt bei 11.100 Euro.

Lucent Steel als gemeinsamer Nenner 

Beide Uhren teilen sich das Gehäusematerial Lucent Steel, Chopards hauseigene Stahllegierung mit 80 Prozent Recyclinganteil, die seit ihrer Einführung 2019 mit der Alpine Eagle und dem serienweiten Einsatz seit 2023 zum Standard für alle Stahlmodelle des Hauses geworden ist. Der Glanzgrad, den Chopard mit Gold vergleicht, sowie die hypoallergenen Eigenschaften sind inzwischen ein Wiedererkennungsmerkmal quer durch die Kollektionen – ihr Einsatz sowohl beim technisch orientierten GTS-Gehäuse als auch beim vintageinspirierten Raticosa-Gehäuse zeigt, dass Lucent Steel längst kein Alpine-Eagle-Exklusivmerkmal mehr ist, sondern Materialbasis der gesamten Marke. 

Dass Chopard die Mille Miglia nicht nur sponsert, sondern selbst fährt, bleibt der eigentliche Unterschied zu vielen anderen Uhren-Motorsport-Partnerschaften. Co-Präsident Karl-Friedrich Scheufele nimmt seit 1989 ununterbrochen an jeder Austragung teil; in diesem Jahr saß erneut Jacky Ickx, sechsfacher Le-Mans-Sieger und seit über drei Jahrzehnten mit dem Haus verbunden, neben ihm im familieneigenen Mercedes-Benz 300 SL Gullwing. Mit Romain Dumas als zweitem Markenbotschafter deckt Chopard damit sowohl die historische als auch die aktuelle Langstrecken-Motorsportwelt ab. Diese Kontinuität – seit 1988 ohne Unterbrechung – ist in der Uhrenindustrie, in der Sponsoringpartnerschaften selten länger als ein Jahrzehnt halten, eine Ausnahme und dürfte mit ein Grund sein, warum die Mille-Miglia-Kollektion bei Sammlern einen Status genießt, den viele jüngere Motorsportlinien anderer Marken nicht erreichen. Beide Uhren zeigen, dass eine seit 1988 laufende Partnerschaft noch immer neue Facetten freilegen kann, statt sich auf reine Wiederholung zu verlassen.

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