Comeback zum 200. Jubiläum: Breitling bringt Gallet zurück
Geneva Watch Days
Genau 200 Jahre nach der Gründung im Jahr 1826 erhält ein traditionsreicher Schweizer Name einen umfassenden Neustart, und dahinter steht kein unbekannter Partner. Gallet wird künftig von Breitling hergestellt und tritt innerhalb des von Georges Kern geführten Markenverbunds neben Breitling und Universal Genève auf. Dabei beschränkt sich der Relaunch keineswegs auf eine einzelne Jubiläumsuhr. Gleich mehrere Modellfamilien sollen Gallet wieder dauerhaft am Markt etablieren. Mit der Flying Officer, der Multichron Pilot und der Multichron Sport entstehen moderne Kernkollektionen, während drei Classics deutlich enger an historischen Vorbildern bleiben. Insgesamt reicht das Angebot vom vergleichsweise schlichten Dreizeiger bis zum klassischen Handaufzugschronographen. Die Ausgangslage ist dabei durchaus reizvoll. Gallet gehört zu jenen historischen Namen, deren Vergangenheit genügend Substanz für eine Wiederbelebung bietet. In La Chaux-de-Fonds gegründet, fertigte das Unternehmen Zeitmesser für Luftfahrt, Motorsport, Segelsport und Forschungsreisen. Entscheidend für die Einordnung des Comebacks ist die Rolle von Breitling. Gallet wird nicht lediglich finanziell oder vertrieblich unterstützt, sondern ausdrücklich als „Manufactured by Breitling“ positioniert. Die Uhren profitieren laut Unternehmen von Breitlings technischer Infrastruktur, Kundendienst und weltweitem Vertriebsnetz. Ausgewählte Breitling-Boutiquen erhalten zudem eigene Gallet-Bereiche.
Gallet – Flying Officer Chronograph 40
Gallet#Flying Officer: Rückkehr der Reiseuhr von 1939
Eine Schlüsselrolle übernimmt die Flying Officer. Das historische Modell erschien erstmals 1939 und war für die Anforderungen früher interkontinentaler Flugreisen konzipiert. Über Städtenamen auf einer drehbaren Lünette ließen sich mehrere Zeitzonen verfolgen. Zu den prominenten Trägern gehörte der spätere US-Präsident Harry S. Truman. Für die aktuelle Neuvorstellung überführt Gallet diese Idee in zwei unterschiedliche Modelle: einen Chronographen und eine Dreizeiger-Automatik. Beiden gemeinsam ist ein 40 Millimeter großes Edelstahlgehäuse mit 20 Millimetern Bandanstoßbreite, beidseitig entspiegeltem, gewölbtem Saphirglas und 100 Metern Wasserdichtigkeit. Die bidirektional drehbare Lünette trägt eine 12-Stunden-Skala. Der historische Städtering wurde zugleich überarbeitet und nennt nun 24 zeitgenössische Reiseziele.
Gallet – Flying Officer Chronograph
Gallet#Flying Officer Chronograph 40
Der Flying Officer Chronograph 40 ist in Schwarz sowie Hellblau erhältlich, jeweils mit farblich abgestimmten Totalisatoren. Im Inneren arbeitet das Gallet 23, ein auf dem Sellita SW510 basierendes Automatik-Chronographenwerk. Es läuft mit vier Hertz und bietet rund 65 Stunden Gangreserve. Gemessen werden Viertelsekunden und bis zu 30 Minuten. Mit einer Höhe von 15,02 Millimetern fällt der Chronograph allerdings durchaus kräftig aus. Die Länge von Bandanstoß zu Bandanstoß bleibt mit 47,55 Millimetern moderater. Gerade die Verbindung aus Städtering, Chronographenanzeigen und historisch geprägter Gestaltung macht ihn zur visuell komplexesten Flying Officer des neuen Programms.
Gallet – Flying Officer Automatic 40
Gallet#Flying Officer Automatic 40
Deutlich ruhiger präsentiert sich die Flying Officer Automatic 40. Gallet bietet sie mit dunkelblauem sowie auffällig orangefarbenem Zifferblatt an. Letzteres nimmt bewusst die gealterte Farbgebung eines historischen Exemplars auf. Das 40-Millimeter-Gehäuse ist lediglich 10,67 Millimeter hoch, im Inneren arbeitet das Kaliber Gallet 17 auf Basis des Sellita SW200. Es bietet etwa 41 Stunden Gangreserve und ergänzt Stunde, Minute und Sekunde um ein Datum. Gerade diese Version dürfte innerhalb der neuen Kollektion die zugänglichste Interpretation des Gallet-Themas darstellen: historischer Wiedererkennungswert, Reisebezug und vergleichsweise alltagstaugliche Dimensionen, ohne die optische Dichte eines Chronographen.
Gallet – Multichron Pilot
Gallet#Multichron Pilot: 42 Millimeter für den instrumentellen Auftritt
Deutlich funktionaler tritt der Multichron Pilot Chronograph 42 auf. Sein historisches Vorbild erschien 1969 und war als Chronograph für Langzeitmessungen sowie die Anzeige einer zweiten Zeitzone ausgelegt. Die Neuinterpretation behält den Werkzeuguhrencharakter bei. Das Edelstahlgehäuse misst 42 Millimeter, fällt mit 11,30 Millimetern Höhe für einen automatischen Chronographen jedoch vergleichsweise flach aus. Auch hier beträgt die Wasserdichtigkeit 100 Meter. Hinzu kommen eine bidirektionale 12-Stunden-Lünette, ein Datum bei sechs Uhr und eine Telemeterskala. Letztere erlaubt über die zeitliche Differenz zwischen Licht- und Schallwahrnehmung die Abschätzung einer Entfernung. Zur Wahl stehen Schwarz mit weißen Totalisatoren sowie Blau mit schwarzen Hilfszifferblättern. Als Antrieb dient erneut das automatische Gallet 23 mit rund 65 Stunden Gangreserve. Anders als bei der Flying Officer kann der Chronograph hier neben Viertelsekunden und 30 Minuten auch bis zu zwölf Stunden stoppen.
Gallet – Multichron Sport
Gallet#Multichron Sport: Gallets Motorsport-Chronograph
Die zweite Interpretation der Multichron-Idee ist der Multichron Sport Chronograph 41. Seine historischen Wurzeln verortet Gallet bei Modellen wie der Multichron 12 Scientific der 1960er-Jahre und der späteren Verbindung der Modellfamilie mit dem Motorsport. Entsprechend ersetzt eine Tachymeterskala die Telemeterskala der Pilot und ermöglicht die Berechnung einer Durchschnittsgeschwindigkeit. Orangefarbene Chronographenzeiger setzen einen starken Kontrast zu den schwarzen beziehungsweise dunkelblauen Zifferblättern. Ein Datum sitzt wiederum bei sechs Uhr. Das Gehäuse misst 41 mal 13,87 Millimeter bei 49,20 Millimetern Lug-to-Lug. Saphirglas und 100 Meter Wasserdichtigkeit unterstreichen den Alltagsanspruch. Auch hier verwendet die Marke das Sellita-SW510-basierte Gallet 23 mit Automatikaufzug, vier Hertz und etwa 65 Stunden Gangreserve.
Gallet Classics: Die spannendere Seite des Comebacks?
Für Sammler dürften allerdings drei andere Neuheiten besonders interessant sein. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums legt Gallet die Classics auf. Die drei Handaufzugschronographen entstanden unter Einbeziehung von Historikern, Sammlern und langjährigen Gallet-Enthusiasten und orientieren sich wesentlich enger an historischen Modellen. Auch die Proportionen passen zum Konzept. Alle drei Classics besitzen ein 38 Millimeter großes Edelstahlgehäuse, messen 46 Millimeter von Bandanstoß zu Bandanstoß und sind 12,50 Millimeter hoch. Gewölbtes, beidseitig entspiegeltes Saphirglas trifft auf einen verschraubten Sichtboden und eine Wasserdichtigkeit von 100 Metern. Noch interessanter wird es beim Werk. Während die regulären Kollektionen auf Sellita-basierte Kaliber setzen, erhalten die drei Classics das Breitling-Manufakturkaliber B09. Besagte Feinmechanik misst 30 Millimeter im Durchmesser und 6,73 Millimeter in der Höhe, arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und bietet etwa 70 Stunden Gangreserve. Darüber hinaus ist das B09 COSC-zertifiziert. Damit wird die Verbindung zu Breitling technisch unmittelbar sichtbar. Zugleich passt ein Handaufzugswerk sehr gut zum historischen Charakter der drei Uhren.
Gallet – Tribute to Multichron Yachting Big Eye
Gallet#Tribute to Multichron Yachting Big Eye
Die Tribute to Multichron Yachting Big Eye greift einen Regatta-Chronographen der 1960er-Jahre auf. Dessen prägendes Merkmal war der übergroße Countdown-Totalisator – das namensgebende „Big Eye“ –, der in der hektischen Vorstartphase einer Regatta eine besonders schnelle Ablesbarkeit ermöglichen sollte. Die Neuinterpretation kombiniert ein weißes Zifferblatt mit einem Ton-in-Ton-Totalisator sowie einem deutlich größeren Regatta-Zähler in Dunkelblau und Rot. Gerade diese Asymmetrie verleiht dem Zeitmesser einen hohen Wiedererkennungswert und unterscheidet ihn klar von vielen konventionellen Vintage-Chronographen.
Gallet – Tribute to Multichron 45
Gallet#Tribute to Multichron 45
Wesentlich zurückhaltender erscheint die Tribute to Multichron 45. Das historische Modell war für Intervallzeitmessungen vorgesehen und kam laut Gallet sowohl in der Luftfahrt als auch im Rennsport zum Einsatz. Die Neuauflage setzt auf ein tiefschwarzes Zifferblatt mit Ton-in-Ton-Hilfszifferblättern und leuchtenden Stunden- und Minutenzeigern. Von den drei Classics ist sie damit die reduzierteste Variante und vermutlich jene, bei der die kompakten 38-Millimeter-Proportionen am deutlichsten zur Geltung kommen.
Gallet – Tribute to Silverlight
Gallet#Tribute to Silverlight
Die dritte Jubiläumsuhr heißt Tribute to Silverlight und orientiert sich am historischen Multichron Navigator. Charakteristisch waren dessen eigenwillige Zifferngestaltung und eine Anzeige, die bei der Orientierung helfen sollte. Die moderne Hommage übernimmt davon vor allem die optische Idee: ein silberfarbenes Zifferblatt, Ton-in-Ton-Totalisatoren und stilisierte Ziffern sorgen für eine deutlich eigenständigere Vintage-Ästhetik.
Fazit
Gallets Rückkehr gehört zu den ambitionierteren Marken-Relaunches der vergangenen Jahre. Dafür spricht zunächst die historische Substanz: Flying Officer, Multichron und Yachting Big Eye sind keine nachträglich konstruierten Geschichten, sondern bieten konkrete Vorlagen, aus denen sich eine moderne Kollektion entwickeln lässt. Noch entscheidender ist jedoch die Infrastruktur dahinter. Fertigung, Service und Vertrieb über Breitling geben Gallet vom ersten Tag an Voraussetzungen, die vielen wiederbelebten Traditionsnamen fehlen. Nicht jede Entscheidung dürfte Puristen gleichermaßen begeistern. Die Sellita-basierten Werke der regulären Modelle sind technisch solide, aber wenig exotisch, und insbesondere der 15,02 Millimeter hohe Flying Officer Chronograph 40 fällt trotz seines moderaten Durchmessers recht kräftig aus. Umso überzeugender erscheinen auf dem Papier die drei Gallet Classics. 38 Millimeter, Handaufzug, rund 70 Stunden Gangreserve, COSC-Zertifizierung und das Breitling-Manufakturkaliber B09 bilden eine technisch wie historisch schlüssige Kombination. Vor allem aber widersteht Gallet hier der Versuchung, historische Entwürfe unnötig zu vergrößern oder zu modernisieren. Ob daraus langfristig wieder eine eigenständige Marke mit Gewicht wird, muss sich zeigen. Der Start fällt jedenfalls ungewöhnlich umfassend aus: Gallet kehrt nicht mit einer einzelnen Jubiläumsuhr zurück, sondern gleich mit dem Anspruch, nach 200 Jahren ein neues Kapitel seiner Geschichte aufzuschlagen.
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