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Lesedauer 6 Min.

Klassisch-monochrome Haute Horlogerie: Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1

Mit Roségoldgehäuse, Neusilberwerk und fein abgestuften Beigetönen verleiht Ferdinand Berthoud seinem preisgekrönten Zeitmesser eine noch elegantere Optik
Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1, Haute-Horlogerie-Uhr aus Rosegold mit sichtbarer Mechanik

Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1

© Ferdinand Berthoud 

Technische Virtuosität muss nicht zwangsläufig demonstrativ auftreten. Mit dem neuen Chronomètre FB 3SPC.2-1 kleidet Ferdinand Berthoud eines seiner anspruchsvollsten Modelle in eine ausgesprochen zurückhaltende Farbwelt. Das Zusammenspiel aus warmem Roségold, sandgestrahltem Neusilber und samtig beigefarbenen Anzeigeelementen verleiht der Uhr eine beinahe monochrome Erscheinung, während wenige blaue Akzente ihre technische Architektur in Szene setzen. Vorgestellt wird die Neuheit anlässlich der Eröffnung von Art in Time Tokyo. Anders als manche besonders exklusiven Modelle der Manufaktur ist sie nicht limitiert und ergänzt die bislang erhältliche Weißgoldversion des Chronomètre FB 3SPC.

Eine preisgekrönte Konstruktion erhält ein neues Gesicht

Bei seiner Premiere im Jahr 2022 sorgte das Chronomètre FB 3SPC vor allem durch die ungewöhnliche Verbindung aus zylindrischer Spiralfeder, Unruh mit variabler Trägheit und offizieller COSC-Chronometerzertifizierung für Aufmerksamkeit. Die konstruktive Eigenständigkeit wurde 2023 mit dem Chronometriepreis des Grand Prix d’Horlogerie de Genève gewürdigt. Die neue Referenz verändert diese technische Grundlage nicht, interpretiert sie jedoch gestalterisch neu. Das Gehäuse besteht nun aus ethisch gewonnenem 18-karätigem 5N-Roségold. Während seine warme Färbung in den beige lackierten beziehungsweise samtig veredelten Anzeigeelementen eine harmonische Fortsetzung findet, fügt sich das sandgestrahlte Neusilber des Werks ebenfalls in diese Farbwelt ein und entwickelt dabei einen leicht warmen Ton.

 

Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1, Haute-Horlogerie-Uhr aus Rosegold mit sichtbarer Mechanik

Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1

© Ferdinand Berthoud 

Offenes Zifferblatt ohne klassisches Zifferblatt

Wie bereits die früheren Varianten verzichtet auch das FB 3SPC.2-1 weitgehend auf ein traditionelles geschlossenes Zifferblatt. Die Mechanik wird stattdessen zum gestalterischen Zentrum der Vorderseite. Ein peripherer, beigefarbener Innenring trägt die Stunden- und Minutenskala, während die kleine Sekunde bei sechs Uhr auf einem separat ausgeführten, ebenfalls beigefarbenen Zähler erscheint. Beide Elemente bestehen aus Messing und erhalten eine samtige Oberflächenveredelung. Die eingravierten Ziffern sind schwarz lackiert, wodurch sie sich klar ablesen lassen. Bei zwei Uhr befindet sich die Gangreserveanzeige, die unmittelbar über dem sichtbaren Werk platziert ist. Für den notwendigen Kontrast sorgen die Zeiger. Stunden- und Minutenzeiger bestehen aus 18-karätigem Gold, sind diamantpoliert, skelettiert und an ihren Spitzen geöffnet. Eine blaue CVD-Beschichtung gibt ihnen ihre intensive Farbwirkung. Auch der Sekundenzeiger mit durchbrochenem Gegengewicht und der pfeilförmige Gangreservezeiger greifen diesen Blauton auf. 

Roségold mit charakteristischem Seitenfenster

Das runde Gehäuse misst 42,3 Millimeter im Durchmesser und bleibt mit einer Höhe von 9,43 Millimetern bemerkenswert flach. Damit verbindet das Modell eine durchaus präsente Größe mit einer vergleichsweise eleganten Silhouette. Zu den charakteristischen Merkmalen zählt das kleine Saphirglasfenster bei neun Uhr. Diese seitliche Öffnung erlaubt einen zusätzlichen Blick auf das Werk und insbesondere auf Teile des Regulierorgans. Sie erinnert zugleich an historische marinechronometrische Instrumente und unterstreicht den technischen Charakter der Kollektion. Das stark gewölbte Saphirglas auf der Vorderseite ist beidseitig entspiegelt. Auch der Gehäuseboden besteht teilweise aus Roségold und eröffnet den Blick auf die Feinmechanik. 

 

Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1, Haute-Horlogerie-Uhr aus Rosegold mit sichtbarer Mechanik

Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1

© Ferdinand Berthoud 

Zylindrische Spiralfeder statt konstanter Kraft

Die Chronometer der Baureihen FB 1 und FB 2 erzielten ihre hohe Ganggenauigkeit mithilfe von Konstantkraftmechanismen. Beim FB 3SPC entschied sich Ferdinand Berthoud bewusst für einen anderen Weg. Im Zentrum steht eine zylindrische Spiralfeder, wie sie historisch vor allem in hochpräzisen Marinechronometern und Taschenchronometern eingesetzt wurde. Anders als eine flache Spiralfeder entwickelt sie sich dreidimensional um die Achse der Unruh. Dadurch kann sie besonders konzentrisch atmen, was theoretisch zu einer gleichmäßigeren Kraftentfaltung und einer stabileren Gangcharakteristik beiträgt. Ihre Umsetzung in einer Armbanduhr ist allerdings äußerst anspruchsvoll: Sie benötigt mehr Raum, verlangt eine besonders genaue Formgebung und reagiert empfindlich auf kleinste Abweichungen. Nach drei Jahren Entwicklungsarbeit entstand bei Ferdinand Berthoud eine zylindrische Spiralfeder mit zwei von Hand geformten Endkurven nach Berthoud-Art. Hinzu kommen eine speziell entwickelte Spiralrolle sowie eine Unruh mit variabler Trägheit. Letztere wird nicht über einen Rücker reguliert, sondern über vier Feinregulierschrauben und acht Masseschrauben direkt an der Unruh eingestellt. Diese Konstruktion wahrt die wirksame Länge der Spiralfeder und gilt als besonders hochwertige Form der Reglage. Sie verlangt allerdings ein hohes Maß an Erfahrung, da sämtliche Anpassungen unmittelbar an der Unruh vorgenommen werden.

Kaliber FB-SPC

Für Antrieb sorgt das Handaufzugskaliber FB-SPC. Es misst 34 Millimeter im Durchmesser und 6,84 Millimeter in der Höhe. Insgesamt setzt es sich aus 230 Komponenten, 47 Lagersteinen und 16 Brücken zusammen. Die Unruh schwingt mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, entsprechend einer Frequenz von drei Hertz. Die Gangreserve beträgt 72 Stunden. Ein Gleitzaum im Federhaus entkoppelt den Aufzug automatisch, sobald die maximale Gangreserve erreicht ist. Diese Lösung ist von Automatikwerken bekannt, kommt hier jedoch in einem Handaufzugskaliber zum Einsatz und verhindert, dass die Zugfeder beim weiteren Drehen der Krone übermäßig belastet wird. Beim Ziehen der Krone wird zudem ein Sekundenstopp aktiviert, der ein präzises Einstellen der Uhr ermöglicht. Hemmungsseitig setzt Ferdinand Berthoud auf die klassische Schweizer Ankerhemmung. Die technische Besonderheit liegt daher nicht in einer experimentellen Hemmung, sondern in der anspruchsvollen Ausgestaltung des gesamten Regulierorgans.

 

Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1, Haute-Horlogerie-Uhr aus Rosegold mit sichtbarer Mechanik

Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1

© Ferdinand Berthoud 

Neusilber als lebendiges Werkmaterial

Für Platine und Brücken verwendet die Manufaktur Neusilber. Die Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink kommt ohne zusätzliche galvanische Beschichtung aus und besitzt einen charakteristischen warmen Farbton. Mit der Zeit kann das Material eine natürliche Patina entwickeln, weshalb seine Verarbeitung besonders sorgfältig erfolgen muss: Selbst kleinste Berührungen oder Unregelmäßigkeiten könnten dauerhaft sichtbar bleiben. Beim neuen Modell werden Hauptplatine und Brücken sandgestrahlt. Die Brücken des Regulierorgans zeigen dagegen einen geradlinigen Schliff auf naturbelassenem Neusilber. Vergoldete Räderwerke und eine Messingabdeckung über dem Federhaus ergänzen das zurückhaltende Farbkonzept.

Besonders anspruchsvolle COSC-Zertifizierung

Jedes Kaliber wird offiziell durch die Schweizer Chronometerprüfstelle COSC zertifiziert. Das ist insofern bemerkenswert, als Ferdinand Berthoud keine standardisierten Großserienwerke einreicht. Jede Uhr wird individuell gefertigt, montiert und reguliert. Bei industriell hergestellten Kalibern lassen sich Produktionsprozesse und Reglage auf große Stückzahlen abstimmen. Bei einem in kleinen Mengen von Hand gefertigten Werk ist die Reproduzierbarkeit chronometrischer Leistung wesentlich anspruchsvoller. Die Zertifizierung unterstreicht daher nicht nur die theoretische Leistungsfähigkeit der Konstruktion, sondern auch die Präzision ihrer individuellen Ausführung.

 

 

Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1, Haute-Horlogerie-Uhr aus Rosegold mit sichtbarer Mechanik

Ferdinand Berthoud – Chronomètre FB 3SPC.2-1

© Ferdinand Berthoud

Armband und Schließe

Getragen wird das Chronomètre FB 3SPC.2-1 an einem Alligatorlederband. Verschiedene Längen sind auf Anfrage erhältlich. Serienmäßig gehört eine 18 Millimeter breite Dornschließe aus Roségold zur Ausstattung. Optional bietet Ferdinand Berthoud eine Roségold-Faltschließe mit Sicherheitsverschluss und längenverstellbarem Bügel an. Auch wenn das Chronomètre FB 3SPC.2-1 nicht als limitierte Ausführung gilt, dürfte die Fertigung aufgrund der aufwendigen Handarbeit und der individuellen COSC-Zertifizierung dennoch auf sehr kleine Stückzahlen begrenzt bleiben. Der Preis kann bei der Manufaktur erfragt werden. 

Fazit

Mit dem Chronomètre FB 3SPC.2-1 verändert Ferdinand Berthoud nicht die technische Substanz seines preisgekrönten Chronometers, sondern dessen Ausstrahlung. Roségold, beigefarbene Anzeigeelemente und sandgestrahltes Neusilber nehmen der offenen Konstruktion jede demonstrative Schärfe und verleihen ihr eine klassischere, beinahe kontemplative Wirkung. Hinter dieser ruhigen Erscheinung steht weiterhin ein hochkomplexes Regulierorgan mit handgeformter zylindrischer Spiralfeder, variabler Unruh und individueller Chronometerzertifizierung. Gerade der Kontrast zwischen optischer Zurückhaltung und konstruktiver Konsequenz macht den Reiz der Neuheit aus. 

 

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