Micro Monday: Wren – Diver One Abyss
Hinter Wren steht Craig Karger, der seine Leidenschaft für Uhren zunächst über das 2015 gegründete Projekt „Wrist Enthusiast“ auslebte. Was als Instagram-Account begann, entwickelte sich später zu Blog, YouTube-Kanal und Podcast. Parallel arbeitete Karger viele Jahre als Anwalt in New York. Die intensive und leidenschaftliche Beschäftigung mit hunderten Uhren wurde schließlich zur Grundlage für eine eigene Marke: Aus der ständigen Analyse von Proportionen, Gehäusehöhen, Armbändern und Werken entstand die Vorstellung davon, wie eine wirklich überzeugende Alltagsuhr aussehen sollte. 2024 präsentierte Wren mit der Diver One Aqua das erste Modell. Die Taucheruhr verband eine klar vintage-inspirierte Gestaltung mit zeitgemäßer Technik und war schnell ausverkauft. Weitere Varianten wie Snow und Sand sowie Modelle in Titan und die kompaktere Diver 38 folgten. Auch Kooperationen, etwa mit Ben Cook von Ben’s Watches, erweiterten das junge Portfolio. Die Modelle werden in New York entworfen und in der Schweiz montiert. Zum Einsatz kommen dabei etablierte Schweizer Automatikwerke. Bislang verfügen alle Modelle über 200 Meter Wasserdichtigkeit und werden sowohl mit Metallband als auch mit zusätzlichem Armband ausgeliefert. Die Marke versteht sich dabei bewusst als kleines, unabhängiges Projekt von Enthusiasten für Enthusiasten. Statt spektakulärer Komplikationen stehen tragbare Proportionen, robuste Konstruktion und Alltagstauglichkeit im Mittelpunkt.
Wren – Diver One Abyss
WrenSchwarze Taucheruhren gibt es viele. Bei der neuen Wren Diver One Abyss ist Schwarz jedoch nicht einfach eine Farbe, sondern das zentrale Gestaltungsmittel. Für das Zifferblatt verwendet die Marke Musou Black, eine japanische Beschichtung, die nach Herstellerangaben 99,4 Prozent des auftreffenden sichtbaren Lichts absorbiert. Dadurch verliert die Oberfläche optisch beinahe ihre räumliche Wahrnehmbarkeit. Indizes, Zeiger, Beschriftungen und die Leuchtskala der Lünette scheinen vor einem nahezu konturlosen schwarzen Hintergrund zu schweben. Dass das Konzept bei den Anhängern der Marke offenbar einen Nerv getroffen hat, zeigt bereits der Verkaufsstart: Die für umgerechnet rund 1.025 Euro angebotene Diver One Abyss war innerhalb von nur vier Minuten ausverkauft. Schon jetzt warten Liebhaber sehnsüchtig auf weitere Exemplare.
Musou Black
Die eigentliche Besonderheit der Diver One Abyss liegt im Zifferblatt. Wren setzt auf eine Sandwich-Konstruktion, deren obere Ebene mit Musou Black beschichtet wird. Im Gegensatz zu gewöhnlichen schwarzen Lackierungen soll die Oberfläche Licht nicht reflektieren, sondern nahezu vollständig absorbieren. Auf einen Farbverlauf oder eine zusätzliche Struktur verzichtet die Marke bewusst. Damit entsteht ein ungewöhnlicher Tiefeneffekt: Das Auge findet auf der schwarzen Fläche kaum Reflexionen oder Strukturen, an denen es sich orientieren könnte. Umso stärker treten die ausgesparten Anzeigen hervor. Wren kombiniert das tiefe Schwarz mit einem hellen Aqua-Ton, der bereits bei der ursprünglichen Diver One Aqua eine wichtige Rolle spielte. Die Herstellung bringt allerdings Einschränkungen mit sich. Nach dem Aufbringen lässt sich die empfindliche Musou-Black-Oberfläche laut Wren weder polieren noch nachbearbeiten. Die Zifferblätter können deshalb nur in vergleichsweise kleinen Stückzahlen hergestellt werden.
Leuchtkraft
Im Dunkeln verändert sich das Erscheinungsbild erneut. Auf Zeigern und Stundenmarkierungen kommt Superluminova zum Einsatz. Auch sämtliche Markierungen der schwarzen Keramiklünette sind mit Leuchtmasse versehen. Statt lediglich des klassischen Leuchtpunkts bei zwölf Uhr wird somit die komplette Tauchzeitskala sichtbar.
Wren – Diver One Abyss
WrenÜberraschend kompakte Proportionen
Das Edelstahlgehäuse besitzt einen Durchmesser von 41 Millimetern und ist einschließlich des gewölbten Saphirglases 13,3 Millimeter hoch. Interessant ist vor allem die Länge von lediglich 47 Millimetern zwischen den Bandanstößen. Trotz des vergleichsweise kräftigen Durchmessers dürfte die Uhr dadurch auch an weniger großen Handgelenken komfortabel sitzen. Über dem Zifferblatt befindet sich ein Box-Saphirglas, dessen Form der ansonsten ausgesprochen modernen Gestaltung einen Retro-Charme verleiht. Eine Besonderheit findet sich auch bei der Oberflächenbehandlung von Gehäuse und Armband. Die Marke verwendet eine DLC-Beschichtung, ohne den Edelstahl dadurch schwarz erscheinen zu lassen. Stattdessen soll die Stahlfarbe erhalten bleiben, während die Beschichtung die Widerstandsfähigkeit gegen Kratzer erhöht. Auf der Rückseite befindet sich ein massiver Gehäuseboden mit einer mittels hydraulischer Presse ausgeführten Darstellung eines Zaunkönigs – dem namensgebenden „Wren“.
Bewährter Antrieb
Im Inneren arbeitet mit dem Sellita SW200 ein etabliertes Schweizer Automatikwerk. Es bietet eine Gangreserve von rund 38 Stunden und verzichtet bewusst auf technische Extravaganz. Auch beim Armband bleibt die Marke bei einer klassischen Lösung. Die Uhr wird an einem flachen Gliederband aus Edelstahl getragen, das ebenfalls die kratzhemmende DLC-Behandlung erhält.
Fazit
Die Wren Diver One Abyss zeigt, wie sich eine grundsätzlich klassische Taucheruhr mit einem einzigen konsequent durchgezogenen Gestaltungsgedanken deutlich aus der Masse herausheben kann. Ihre Eckdaten – 41 Millimeter Durchmesser, 47 Millimeter Lug-to-Lug, 200 Meter Wasserdichtigkeit, Keramiklünette, Saphirglas und Sellita SW200 – sind solide, aber für sich genommen nicht außergewöhnlich. Das Musou-Black-Sandwich-Zifferblatt verändert diesen Eindruck grundlegend. Die Absorption von 99,4 Prozent des sichtbaren Lichts lässt die aqua-farbenen Anzeigen scheinbar vor einem schwarzen Nichts schweben. Zusammen mit der vollständig leuchtenden Keramiklünette entsteht eine Uhr, deren Charakter sich mit den Lichtverhältnissen erheblich verändert.
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