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Lesedauer 6 Min.

Goodbye Oversize: Warum kleinere Uhren wieder dominieren

Der Trend zu kleineren Uhren hält an, das wird sich auch auf der kommenden Leitmesse Watches and Wonders wieder zeigen. Wann begann das – und warum ist das überhaupt so? Wir zeigen, was hinter dieser Entwicklung steckt – und warum 36 bis 39 Millimeter heute für viele Modelle wieder als ideal gelten.
Panerai Luminor Marina 1950 3 Days Power Reserve und Panerai Luminor GMT

40 statt 47 mm: Panerai Luminor Marina 1950 von 2015 und Luminor GMT von 2023

© Panerai. Collage: WatchTime

Viele Jahre lang konnten Armbanduhren kaum groß genug sein. Diese Zeit liegt schon um einiges zurück, doch die Veränderung erfolgte über mehrere Etappen und einen längeren Zeitraum. Immer wieder gibt es neue Beispiele für kleinere Modelle in bestehenden Produktlinien oder ganz neue Serien, die in geringeren Durchmessern dimensioniert sind. Diese Veränderung hängt mit ganz unterschiedlichen Gründen zusammen.

Es war einmal: Statements am Handgelenk

Die Älteren werden sich erinnern: Ab den frühen 2000er-Jahren schien das Wachstum der Uhren fast ungebremst. Durchmesser von 44 mm waren bei Sportuhren üblich, 46 mm keine Seltenheit. Vorbei waren die alten Zeiten, in denen eine Audemars Piguet Royal Oak mit 39 mm "Jumbo" und eine Royal Oak Offshore mit 42 mm "Beast" genannt wurden. Eine der ersten Uhren, die das neue Selbstbewusstsein verkörperten und auch die entsprechende Historie mitbrachten, war 2002 die Große Fliegeruhr (heute: Big Pilot's Watch) von IWC, die mit ihren 46 mm an die einstige Beobachtungsuhr der deutschen Luftwaffe (55 mm) erinnerte. Promis wie Arnold Schwarzenegger mit seiner 52 mm großen AP Royal Oak Terminator 3 oder Sylvester Stallone mit seinen Panerai-Uhren brachten den Trend so richtig ins Rollen. 

Arnold Schwarzenegger 2003 mit der Audemars Piguet Royal Oak T3

Arnold Schwarzenegger 2003 mit der Audemars Piguet Royal Oak T3

© Audemars Piguet

Auch Marken wie Breitling, Hublot mit der Big Bang und Panerai mit seiner Luminor spielten eine wichtige Rolle, andere wie Graham oder U-Boat zogen nach. Dass es nach oben praktisch keine Grenze gab, zeigten Uhren wie die Panerai Egiziano, die selbst vor 60 mm nicht haltmachte. Moderate Durchmessern von 36 oder gar 35 mm, die in früheren Jahrzehnten auch bei Herrenuhren normale gewesen waren, fand man fast nur noch bei Damenuhren. Im Gegenzug schnallten sich aber immer mehr Frauen große und sogar übergroße Durchmesser an den Arm. Die chronometrischen Riesen standen für das Selbstbewusstsein der Epoche, für die Aufbruchsstimmung, die Börsenbooms und neue globale Märkte mit sich brachten. Sie wurden als Statussymbole, zumindest aber als Statements am Handgelenk geschätzt.

60 m Durchmesser: Panerai: Radiomir Egiziano 8 Giorni von 2009

60 m Durchmesser: Panerai: Radiomir Egiziano 8 Giorni von 2009

© Panerai

Vom Maximum zurück zur Mitte

Mitte der 2010er-Jahre war der Zenit überschritten. Spätestens ab 2015 sind viele Uhrenfans der Durchmesser ab 47 mm überdrüssig. Und die Hersteller achten mehr auf gute Proportionen als darauf, einfach nur auf XXXL zu setzen. Sophistication ersetzt Boldness. Nicht wenige Marken bringen in dieser Zeit kleinere neue Uhren, belassen aber die Referenzen mit großen Durchmessern im Sortiment. Zu Beginn sind die Änderungen oft noch sehr gemäßigt: So reduziert etwa IWC 2016 seine neue Mark XVIII auf 40 mm, gegenüber der 41 mm großen Vorgängerin Mark XVII.

IWC: Pilot's Watch Mark XVIII mit weißem Zifferblatt von 2016

IWC: Pilot's Watch Mark XVIII mit weißem Zifferblatt von 2016

© IWC

Tudor geht einen Schritt weiter und bringt im selben Jahr eine Black Bay mit 36 mm Durchmesser, die bewusst als Unisex-Uhr positioniert ist. Panerai setzt weiterhin auf seinen 44 und 47 mm großen Luminor-Modelle, bringt aber auch schon die Luminor Due mit 42 mm Durchmesser auf den Markt. Auch bei anderen Marken  geht die Schere zu dieser Zeit weit auseinander: Bei Longines, das in China sehr erfolgreich ist, gibt es etwa Conquest-Modelle für Herren mit 39 und 40 mm Durchmesser, am anderen Ende der Skala findet sich, vor allem für den deutschen Markt gedacht, die Lindbergh Hour Angle Watch mit 47,5 mm Durchmesser. Und Jaeger-LeCoultre bringt 2016 sowohl die 46,8 mm große Master Compressor Extreme LAB auf den Markt als auch die 39 mm messende Master Control Date, die gleich große Master Geographic und den 40 mm großen Master Chronograph. 

Jaeger-LeCoultre: Master Geographic von 2016

39 mm: Jaeger-LeCoultre Master Geographic von 2016

© Jaeger-LeCoultre

Ab etwa 2020 wird klar, dass es sich bei den reduzierten Durchmessern nicht um einen kurzfristigen Trend handelt. Ein einprägsamer Moment war in diesem Zusammenhang die Rolex-Präsentation auf der Genfer Messe Watches and Wonders 2021, als Rolex bekanntgab, die zuvor auf 39 mm gewachsene Explorer wieder auf 36 mm zu bringen. George Kern, seit 2017 CEO von Breitling, führte über die gesamte Kollektion hinweg neue, gemäßigtere Größen ein, und bei Omega bewies ein Modell wie die 38 mm große Aqua Terra, dass diese Größe für viele Uhren nahezu perfekt ist.

Rolex Explorer 36 mm von 2021

Rolex Explorer 36 mm von 2021

© Rolex

Der Downsizing-Trend erstreckt sich mit einer gewissen Verspätung auch auf Chronographen. Und auf einmal bemerken viele, dass Chronographen nicht immer besonders groß sein müssen: Gerade ein Durchmesser von 39 mm steht vielen Modellen besonders gut – das beweist u. a. die aktuelle Generation des TAG Heuer Carrera Chronograph im Glassbox-Design, der 2024 herauskam. 

TAG Heuer: Carrera Chronograph Panda

TAG Heuer: Carrera Chronograph Panda

© WatchTime

Warum wurden die Uhren wieder kleiner?

Aber warum sind die Uhren kleiner geworden? Hier lassen sich eine ganze Reihe von Gründen festmachen, von denen viele miteinander zusammenhängen.

Vintage-Ästhetik als Leitbild

Der Trend zu Vintage-Uhren auf dem Second-Hand-Markt hat die Uhrenfans wieder mit klassischen Durchessern aus den 1940er- bis 1970er-Jahren vertraut gemacht. Und viele dieser alten Uhren sehen wirklich gut aus, auch an den Handgelenken heutiger Zeitgenossen. Dazu kommt, dass viele Marken Modelle aus der eigenen Historie wieder neu aufgelegt haben, oft ziemlich originalgetreu, mit damaligen Durchmessern, allerdings mit modernisierter Technik. Beispiele dafür sind die Modelle der Chronomaster Revival von Zenith, die Tudor Black Bay Fifty-Eight, die Longines Legend Diver, die Cartier Santos Medium oder die Oris Divers Sixty-Five, um nur einige zu nennen. 

Zenith: Chronomaster Revival A385 von 2021

37 mm Durchmesser: Zenith Chronomaster Revival A385 

© Zenith

Globalisierung des Marktes

Mit der wachsenden Globalisierung der 2010er-Jahre erobern immer mehr Luxusuhrenmarken nach Europa und den USA auch die asiatischen Märkte. Und machen dort die Erfahrung, dass Übergrößen nicht so gut ankommen. 36 bis 39 mm funktionieren in Asien besser als 44+. Die Hersteller wollen aber nicht nur auch dort ihre Modelle verkaufen, sie wollen auch ein weltweit einheitliches Image pflegen und nicht z. B. in Europa für größere Uhren stehen als in Asien.

Unisex statt klarer Trennung

Ungefähr in die Mitte der 2010er-Jahre fällt auch eine Veränderung in der Kommunikation vieler großer Konzernmarken, das Wort "Damenuhr" zu vermeiden. Manche nennen nicht einmal mehr Modelle mit 33 und weniger Millimetern so. Man vermeidet geschlechterspezifische Zuordnungen, schließlich tragen auch immer mehr Männer Uhren mit Diamanten, nicht nur in Middle East, und Frauen (wie oben beschrieben) umgekehrt sehr große Modelle. Erlaubt ist, was gefällt, auch in der Mode wird Unisex zunehmend zum Thema. Und Uhren zwischen 36 und 42 mm passen wirklich an alle Handgelenke.

Cartier: Santos Medium in Bicolor

Cartier: Santos Medium in Bicolor

© Cartier

Technische Fortschritte bei Werken und Konstruktion

Auch technisch hat sich etwas verändert: Modernste Fertigungsmethoden und die Beherrschung neuer Materialien erlauben die Produktion flacherer und kompakterer Uhrwerke. Gerade bei Chronographenkalibern wie Heuer 02 oder El Primero 3600 erlaubt die platzsparende Komposition kleinere Werke und somit Chronographen mit geringeren Gehäusedurchmessern. Obwohl die Gangreserve vieler neuer Kaliber zunimmt, bedeutet das aufgrund effizienterer Konstruktionen nicht immer größere Durchmesser. Auch bei der Kombination verschiedener Komplikationen schaffen es die Konstrukteure, diese auf kleinerem Raum zusammenzubringen. Nicht zuletzt sind auch kleinere Gehäuse einfacher realisierbar, ohne dass man unliebsame Kompromisse eingehen müsste.

TAG Heuer: Chronographenkaliber Heuer 02

TAG Heuer: Chronographenkaliber Heuer 02

© TAG Heuer

Multiple Krisen als Katalysator

Schließlich können kleinere Durchmesser auch eine Reaktion auf die vielfältigen globalen Krisen sein, die uns seit 2008/2009 in immer kürzeren Abständen heimsuchen. Vor allem die Pandemie spielte hier ab 2020 eine Katalysatorrolle, die jüngsten Kriege erst recht. Schon vor Jahrzehnten gab es die Erkenntnis, dass in Krisenzeiten die Röcke länger und die Krawatten schmaler werden – weniger Exzess und mehr Kontrolle. Das könnte auch für die Uhren gelten. 

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