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Meilensteine Patek Philippe: Diese Uhren machten Patek zur Legende

Von Calatrava und Nautilus bis Grandmaster Chime und Cubitus: Die von uns ausgewählten Meilensteine zeigen die Meisterschaft Patek Philippes in Sachen Uhrmacherkunst, Komplikationen und Design.
Patek Philippe: Meilensteine Nautilus-GrandmasterChime-Weltzeituhr

3 Meilensteine aus der Geschichte von Patek Philippe: Nautilus, Grandmaster Chime, Weltzeituhr

© Patek Philippe. Collage: WatchTime

Patek Philippe ist ein Name, den Uhrenfans voller Bewunderung und Ehrfurcht aussprechen. Die familiengeführte Manufaktur aus Genf hat sich diesen Status über viele Jahrzehnte durch höchste Uhrmacherkunst und das Festhalten an bestimmten Überzeugungen erarbeitet. Dazu gehört eine Fokussierung auf kompromisslose Qualität; das Bestreben, Dinge immer weiter zu verbessern; und nicht zuletzt bei aller Bewahrung der Tradition auch eine Zukunftsorientierung im Hinblick auf neue Materialien und Produktionsmethoden. Die hier gezeigten Uhren stehen neben dem Können auch für die erstaunliche Vielfalt der Manufaktur. Und für eine Begehrlichkeit, die manchen von ihnen zu ungeahnten Höchstpreisen auf Auktionen verholfen hat. 

1932: Die Calatrava

Patek Philippe: Calatrava Ref. 96 von 1932

Patek Philippe: Calatrava Ref. 96 von 1932

© Patek Philippe

Bevor die Nautilus ihren Siegeszug antrat (s. u.), war die Calatrava wohl das bekannteste Patek-Modell, das über einen eigenen Namen und nicht nur über eine Referenznummer verfügte. Und anders als etwa die Formuhr Gondolo stand die Calatrava immer für ein relativ eng umgrenztes Design: eine runde, elegante Herrenuhr mit schmaler Lünette, klassischerweise mit kleiner Sekunde, manchmal auch als Zweizeigeruhr ausgeführt. Den Start machte 1932 die Referenz 96 – im gleichen Jahr, in dem Patek Philippe von der Familie Stern übernommen wurde. Den Namen Calatrava erhielt die Uhr erst später: Er geht zurück auf das ornamentale Calatravakreuz, das Zeichen eines 1158 gegründeten spanischen Ritterordens. Patek Philippe ließ das Calatravakreuz schon 1887 als Markenzeichen registrieren und schmückt bis heute Krone und Schließen seiner Uhren damit. Eine besondere Berühmtheit erlangte die 1985 eingeführte Calatrava Ref. 3919, und zwar wegen ihrer Lünette, die von Hand mit dem berühmten Nagelmuster "Clous de Paris" verziert war. Sie kehrte 2021 mit der Ref. 6119 in modernisierter Form zurück in die Kollektion. 

1937: Die Weltzeituhr

Patek Philippe: Referenz 5330G, Weltzeituhr mit Datum

Patek Philippe: Referenz 5330G von 2023, Weltzeituhr mit Datum

© Patek Philippe

Die parallele Darstellung von 24 Zeitzonen auf dem Zifferblatt ist eng mit Patek Philippe verbunden. Schon 1937 stellte die Genfer Manufaktur eine solche Uhr vor; den Mechanismus hatte man zusammen mit dem unabhängigen Genfer Uhrmacher Louis Cottier entwickelt. Während das erste Modell, die rechteckige Referenz 515 HU (für "heure universelle"), noch unveränderbar die Greenwich Mean Time (GMT) in den Mittelpunkt stellte – für Paris galt damals, anders als heute, dieselbe Zeitzone wie für London –, verbesserten Patek und Cottier dies bei der ebenfalls 1937 eingeführte Referenz 542 HU. Die runde Golduhr besaß eine Drehlünette, auf der die jeweiligen Städtenamen eingraviert waren. Im Jahr 2000 erfuhr diese Funktion ihre nächste bahnbrechende Verbesserung: Die Referenz 5110, erhältlich in Gelb-, Rot-, Weißgold und Platin, war nicht nur Patek Philippes erste Weltzeituhr seit den 1960er-Jahren, sondern führte eine einfache Bedienung zur Verstellung der Zeitzonen ein. Nun konnte man über einen Drücker bei 10 Uhr bequem die Ortszeit wechseln: Mit jedem Druck bewegten sich sowohl der Stundenzeiger als auch die Scheiben für Stunden und Ort (diese im Gegenuhrzeigersinn) um je eine Position weiter. An diesem Mechanismus hält Patek bis heute fest. In der Folge gab es die Weltzeituhr in zusätzlichen Größen (nach den ursprünglichen 37 mm in 39,5 mm und in 36 mm) sowie mit zusätzlichen Funktionen: 2014 kam mit zusätzlicher Mondphasenanzeige als Ref. 5575 bzw. 7175, 2016 in Kombination mit einem Flybackchronographen (Ref. 5930). 2023 erfolgte der nächste große Schritt in der Technik: Mit der Referenz 5330G (Bild) erweiterte Patek Philippe die Weltzeituhr um ein mit der Ortszeit synchronisiertes Zeigerdatum. Bei einem Wechsel über die Datumsgrenze hinweg stellt das eine besondere technische Herausforderung dar. Patek Philippe löste sie mithilfe eines ins Kaliber 240 HU C integrierten Differentials.

1941: Ref. 1518, Chronograph mit ewigem Kalender

Patek Philippe: Ref. 1518, Chronograph mit ewigem Kalender von 1941

Patek Philippe: Ref. 1518, Chronograph mit ewigem Kalender von 1941

© Patek Philippe

Die Patek Philippe Referenz 1518 gehört zu den großen Ikonen in der Geschichte der Genfer Manufaktur. Bei ihrem Erscheinen 1941 war sie die erste in Serie gefertigte Armbanduhr, die einen Chronographen mit einem ewigen Kalender verband – eine Kombination, die bis heute als eine der herausragenden Disziplinen der klassischen Uhrmacherei gilt. Ihr Zifferblatt mit Wochentag und Monat in Fenstern bei 12 Uhr, Datum und Mondphase bei 6 Uhr sowie zwei Hilfszifferblättern wurde zur Blaupause für Generationen komplizierter Patek-Philippe-Armbanduhren. Produziert wurde die Ref. 1518 bis 1954 nur 281-mal, überwiegend in Gelbgold und Roségold; die wenigen bekannten Stahluhren zählen zu den begehrtesten Vintage-Uhren der Welt. Entsprechend spektakulär sind ihre Auktionserfolge: Eine Ref. 1518 in Edelstahl erzielte 2016 bei Phillips 11 Mio. Schweizer Franken und war damit die erste Armbanduhr, die bei einer Auktion die 8-Millionen-Franken-Marke überschritt. Diesen Rekord übertraf 2025 eine andere stählerne 1518 mit 14,19 Mio. Franken, erneut bei Phillips. Auch Goldversionen erzielen regelmäßig Millionenbeträge, vor allem in Roségold oder mit besonders seltenen Zifferblattvarianten. Zu den Nachfolgern der 1518 zählen die Referenzen 2499, 3970 und 5970. Heute deckt die Ref. 5270 mit dem eigenen Handaufzugskaliber CH 29-535 PS Q das Thema Chronograph mit ewigem Kalender bei Patek Philippe ab.

1968: Die Goldene Ellipse

Patek Philippe: erste Goldene Ellipse Ref. 3546 von 1968

Patek Philippe: erste Goldene Ellipse Ref. 3546 von 1968

© Patek Philippe

Neben runden Uhren kennt man recheckige, quadratische, kissen- und tonneauförmige. Mit der Goldenen Ellipse besitzt Patek Philippe eine ganz eigene zusätzliche Form, die über die Jahrzehnte hinweg zu einer Art stillen Ikone geworden ist. Als sie 1968 als Referenz 3546 erschien, brach sie bewusst mit den gewohnten Gehäuseformen der Zeit. Trotz ihres Namens folgen ihre Linien nicht wirklich denen einer Ellipse im mathematischen Sinn. Vielmehr handelt es sich um eine Art Mischung zwischen Ellipse und Rechteck, gestaltet nach den Prinzipien des Goldenen Schnitts. Das erste Modell von 1968 zeichnete sich durch ein goldenes Gehäuse und ein Zifferblatt aus Gold aus, das dank eines geheim gehaltenen Verfahrens blau schimmerte. In den 1970er-Jahren wurde die Goldene Ellipse zu einem Symbol mondäner Eleganz. Patek Philippe variierte sie in unterschiedlichen Goldtönen, Größen, Zifferblattfarben und mit aufwendigen Ketten- und Milanaise-Armbändern. Entscheidend für die spätere Linie wurde das ultraflache Automatikkaliber 240 mit Mikrorotor, das bis heute zur Identität der Kollektion gehört und die flache, fast schmuckhafte Präsenz der Uhr ermöglicht.

Heute führt Patek Philippe die Goldene Ellipse in zwei Größen fort. Zu den Neuheiten von 2026 gehören die größere Ref. 5738 mit den Maßen 34,5 x 39,5 mm bei einer Höhe von 5,9 mm sowie die kleinere Ref. 3738 mit dem Maßen 31,1 x 35,6. Letztere ist mit 5,9 mm genauso flach, da beide vom nur 2,53 mm hohen Automatikkaliber 240 angetrieben werden. Beide Uhren kommen in einem Weißgoldkorpus mit olivgrünem Zifferblatt und gleichfarbigem Kalbslederband.

1976: Die Nautilus

Patek-Philippe-Nautilus-Ref-3700-von-1976
Nautilus Ref. 3700 von 1976 © Patek Philippe

Als Patek Philippe 1976 die Nautilus Ref. 3700/1A vorstellte, war sie eine bewusste Provokation: eine große, flache Luxussportuhr aus Edelstahl von einer Manufaktur, die vor allem für goldene Dresswatches und Komplikationen stand. Gérald Genta, der zuvor die 1972 eingeführte Royal Oak von Audemars Piguet designt hatte, entwarf das vom Bullauge inspirierte Gehäuse mit seitlichen „Ohren“, integrierter Lünette und Edelstahlband. Mit 42 mm wirkte die Nautilus ungewöhnlich groß und erhielt bald den Beinamen „Jumbo“. Bemerkenswert waren neben der flachen Bauweise, 120 Metern Wasserdichtheit und dem ultraflache Automatikkaliber 28-255 C auf Basis des Jaeger-LeCoultre 920 vor allem das markante Zifferblatt mit horizontaler Reliefstruktur. 

Die Nautilus musste lange auf ihren Erfolg warten, der sich erst in den späten 1990er-Jahren langsam einstellte. Mit der 2006 vorgestellten, erneuerten Ref. 5711/1A ging es dann steil bergauf. Sie blieb dem Original nahe, erhielt aber ein moderneres dreiteiliges Gehäuse, Saphirglasboden, Zentralsekunde und das Manufakturkaliber 324 S C. Zudem war sie mit 43 mm Durchmesser etwas größer. In den Folgejahren erweiterte Patek Philippe die Nautilus zur Modellfamilie, mit Zusatzfunktionen wie Mondphase und Gangreserve, Jahreskalender, Chronograph oder Chronograph mit zweiter Zeitzone (Travel Time). 2018 kam die Ref. 5740/1G mit ewigem Kalender, die erste große Komplikation der Linie.

Gleichzeitig entwickelte sich die Nautilus zum globalen Sammlerphänomen. Vor allem die stählerne Ref. 5711 wurde zum Kulminationspunkt einer neuen Uhrenbegehrlichkeit; nach ihrer Einstellung 2021 stiegen die Marktpreise zeitweise in den sechsstelligen Bereich. Die olivgrüne Abschiedsversion wurde sofort zum Spekulationsobjekt, die auf 170 Exemplare limitierte Tiffany-Blue-Version erzielte 2021 bei Phillips 6,503 Mio. US-Dollar. Auch frühe Ref.-3700-Modelle zeichnen sich seit Jahren durch hohe Auktionspreise aus. Wie bei vielen Mega-Hypes ist auch der um die Nautilus nicht leicht zu erklären. Zu den gründen für ihre anhaltende Beliebtheit gehören sicher die Verbindung aus ikonischem Genta-Design, flachem Sportuhrengehäuse, integriertem Band, Patek-Aura und kontrollierter Verknappung. Heute führt Patek Philippe die Linie deutlich exklusiver fort: Die Ref. 5811/1G aus Weißgold ersetzt seit 2022 die 5711, ergänzt von Modellen wie der 5712/1R mit Mondphase, der 5990/1R als Travel Time Flyback-Chronograph und der 5740/1G mit ewigem Kalender. Aus der rebellischen Stahluhr von 1976 wurde das Modell, das heute so sehr für die Marke Patek Philippe steht wie kein anderes.

1996: Der Jahreskalender

Patek Philippe: Jahreskalender Ref. 5035J von 1996

Patek Philippe: Jahreskalender Ref. 5035J von 1996

© Patek Philippe

Manche denken beim Namen Patek Philippe zuerst an die Nautilus, andere an den Jahreskalender. Diese "nützliche" Komplikation, die eine leichte Vereinfachung des ewigen Kalenders darstellt, wurde von Patek Philippe in die Uhrenwelt eingeführt, und zwar 1996 mit der Referenz 5035. Die Idee dahinter: Wie ein ewiger Kalender kennt der Jahreskalender die unterschiedlichen Monatslängen – mit Ausnahme des Februars. daher muss er einmal jährlich, am 1. März, korrigiert werden. Die Referenz 5035 besaß neben den Anzeigen von Datum, Wochentag und Monat zusätzlich eine 24-Stunden-Indikation bei 6 Uhr, um die Einstellung der Uhr zu erleichtern. In den 30 Jahren seitdem hat Patek Philippe eine ganze Reihe von Jahreskalendern herausgebracht, die sich durch ganz unterschiedliche Zifferblattaufteilungen und Referenznummern auszeichnen. Wichtige Beispiele sind die Referenzen 5036 und 5146 mit der zusätzlichen Anzeige von Gangreserve und Mondphase, die Ref. 5396 mit Wochentag und Monat im Doppelfenster bei 12 Uhr, die 5205 mit Dreifensteranzeige im oberen Zifferblattbereich oder die 5235 mit Regulatoraufteilung. Dazu wurde der Jahreskalender mit anderen Funktionen kombiniert, etwa mit Flybackchronograph (Ref. 5960), Minutenrepetition (Ref. 5033) oder zweiter Zeitzone (Jahreskalender Travel Time, Ref. 5326).

1997: Die Travel Time

Patek Philippe: Travel Time Ref. 5034J von 1997

Patek Philippe: Travel Time Ref. 5034J von 1997

© Patek Philippe

Die Travel Time gehört zu Patek Philippes wichtigsten kleinen Komplikationen, weil sie ein Reiseproblem besonders elegant löst: Sie zeigt Heimat- und Ortszeit über zwei Stundenzeiger, ergänzt um eine 24-Stunden- bzw. Tag-Nacht-Anzeige. Die Idee reicht weiter zurück als der Name: Bereits Ende der 1950er-Jahre entwickelte Patek zusammen mit Louis Cottier die Ref. 2597, deren Stundenanzeige per Drücker in Stundenschritten vor- oder zurücksprang; ab der zweiten Generation kam ein zusätzlicher Stundenzeiger für die zweite Zeitzone hinzu.

Als eigentliche moderne Travel Time erschien 1997 die Ref. 5034: eine klassische, goldene Calatrava mit Clous-de-Paris-Lünette und Handaufzugskaliber 215 PS FUS samt 24-Stunden-Anzeige und kleiner Sekunde. Bei der Ankunft in einer anderen Zeitzone bewegte man den schwarzen Stundenzeiger über die Drücker am linken Gehäuserand stundenweise vor oder zurück, währenddessen liefen Minuten- und Sekundenzeger weiter. Der goldene Zeiger übernahm derweil die Anzeige der Zeit am Heimatort. 

2002 folgte die größere Ref. 5134, bevor Patek die Komplikation ab 2011 breiter und sportlicher einsetzte, unter anderem in der Aquanaut, der Nautilus und der Calatrava. Später kombinierte Patek die zweite Zeitzone mit weiteren Funktionen wie Flybackchronograph (Ref. 5924) oder Jahreskalender (Ref. 5326). 

1997: Die Aquanaut

Patek Philippe: Aquanaut Minutenrepetition Ref. 5260/355R von 2023

Patek Philippe: Aquanaut Minutenrepetition Ref. 5260/355R von 2023

© Patek Philippe

Als die Aquanaut 1997 herauskam, bezeichnete sie Patek Philippe noch als "jüngstes Kind der Nautilus-Kollektion". Doch die Luxussportuhr emanzipierte sich schnell von ihrer großen Schwester. Gestalterisch griff die Referenz 5066A in Edelstahl die abgerundete achteckige Lünette und den Wechsel aus polierten und satinierten Flächen auf, wirkte aber nochmals jünger, informeller und sportlicher. Ihre einprägsamsten Merkmale und damit auch die augenfälligsten Unterschiede zur Nautilus bildeten das Zifferblatt mit Schachbrettmuster und das passende Band aus widerstandsfähigem Verbundmaterial. Die Aquanaut war damit eine stählerne Luxusportuhr, die die Betonung auf Sport legte und nicht auf Luxus wie die Nautilus. Die zum 10. Geburtstag eingeführte Ref. 5167A ist bis heute die klassische Aquanaut Dreizeigeruhr. In den Folgejahren nutzte Patek Philippe die Aquanaut immer wieder auch als Plattform für kleine und große Komplikationen, von der 2011 lancierten Ref. 5164A Travel Time bis zur Aquanaut Minutenrepetition Ref. 5260 von 2023. Letztere bildet gleichzeitig den technischen Kulminationspunkt der Damenlinie Aquanaut Luce.

2001: Sky Moon Tourbillon

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Vor der Grandmaster Chime die komplizierteste Armbanduhr von Patek Philippe: das Sky Moon Tourbillon

© Patek Philippe

Das Sky Moon Tourbillon Ref. 5002 von 2001 steht in der Linie jener Patek-Philippe-Uhren, mit denen die Manufaktur die Grenzen mechanischer Komplikation auslotete. Zuvor fand man solch astronomische Mechanismen vor allem bei Taschenuhren wie der Henry Graves Supercomplication von 1933, der Calibre 89 von 1989 oder der Star Caliber 2000 aus dem Millenniumsjahr. Das Sky Moon Tourbillon war 2001 die bis dahin komplizierteste Armbanduhr von Patek Philippe und zugleich die erste mit Anzeigen auf beiden Seiten.

Die Referenz 5002 vereinte 12 Komplikationen, darunter eine Minutenrepetition mit Kathedralen-Tonfedern und ein verstecktes Tourbillon (eine Spezialität von Patek). Die Vorderseite zeigte einen ewigen Kalender inklusive Schaltjahresanzeige mit retrogradem Zeigerdatum, Mondalter und Sternzeit, die Rückseite eine Himmelskarte der Nordhalbkugel inklusive der Winkelbewegung des Mondes. 

2013/14 folgte die Ref. 6002G, technisch eng mit der 5002 verwandt, aber mit vollständig handgraviertem Gehäuse und aufwendiger Emailarbeit deutlich stärker als Rare-Handcrafts-Stück inszeniert. 2021 ersetzte die Ref. 6002R in Roségold mit braunem Grand-Feu-Email die Weißgoldversion und ist bis heute die aktuelle Sky-Moon-Referenz. Parallel führte Patek die astronomische Idee in eigenständigen Celestial-Modellen weiter – von der 2002 eingeführten Ref. 5102 bis zur 2026 vorgestellten Ref. 6105G mit Anzeige von Sonnenauf- und -untergang. 

2005: Der Schleppzeigerchronograph Ref. 5959

Patek Philippe: Schleppzeigerchronograph Ref. 5959P

Patek Philippe: Schleppzeigerchronograph Ref. 5959P von 2005

© Patek Philippe

Zwar reicht der Beginn der ersten Chronographen von Patek Philippe zurück über 100 Jahre zurück: 1923 verkaufte man mit der No. 124824 den ersten Schleppzeigerchronographen. Berühmt wurde auch die 1934 auf den Msrkt gebrachte Ref. 130, dessen Schaltradkaliber 23VZ vom renommierten Hersteller Valjoux stammte. Doch mit der Referenz 5959P präsentierte Patek Philippe erstmals einen Chronographen mit einem selbst entwickelten Werk, das vollständig in den eigenen Ateliers gebaut wurde. Doch das war nicht das einzig Bemerkenswerte am Handaufzugskaliber CH R 27-525 PS: Mit nur 5,25 mm Bauhöhe inklusive Schleppzeigermechanismus zeigte sich das Schaltradkaliber ultraflach. Die kleine Platin-Uhr im Offiziersstil verwies gestalterisch auf Pateks frühen Schleppzeiger-Chronographen von 1923, war technisch aber ein klares Zukunftssignal. Aus dieser Linie entstanden später Varianten wie die 5950A im kissenförmigen Stahlgehäuse und die 5951P, die das ultraflache Rattrapante-Werk mit einem ewigen Kalender verband. Zur eigentlichen modernen Fortsetzung wurde jedoch die Ref. 5204: Seit 2012 kombiniert sie den Schleppzeiger-Chronographen mit ewigem Kalender auf Basis des größeren Manufakturkalibers CHR 29-535 PS Q, mit zwei Schalträdern und horizontaler Kupplung. Die 2026 vorgestellte Ref. 5204G-010 führt diese Tradition in Weißgold mit nachtblauem Sonnenschliffblatt, weiß gedruckter Tachymeterskala und sportlichem blauem Kompositband mit roter Kontrastnaht fort. Aus der puristischen 5959 wurde damit eine der großen Patek-Grand-Complications unserer Zeit.

2011: Ref. 5550 mit Oscillomax-Hemmung

Patek Philippe: Ref. 5550P von 2011

Patek Philippe: Ref. 5550P von 2011

© Patek Philippe

Die Referenz 5550P Advanced Research von 2011 markiert einen wichtigen Meilenstein in Patek Philippes Forschung zum Thema neuen Materialien. 2005 gründete Patek Philippe seine Abteilung Advanced Research. Der Auftrag: Lösungen zu finden, um Präzision, Energieeffizienz und Langzeitzuverlässigkeit von Uhren und Komponenten zu verbessern. Den Anfang machte 2005 die Referenz 5250 mit einem Ankerrad aus Silinvar, Patek Philippes temperaturstabilem Silizium-Werkstoff. 2006 folgte in der Ref. 5350 die Spiromax-Spirale aus Silinvar, 2008 in der Ref. 5450 die Pulsomax-Hemmung mit optimierter Geometrie von Ankerrad und Anker.

Die Ref. 5550P im 37,2 mm großen Platingehäuse, limitiert auf 300 Exemplare, führte diese Entwicklungen erstmals zusammen, und zwar in einem ewigen Kalender. Sein Kaliber 240 Q Si erhielt das komplette Oscillomax-System, bestehend aus Pulsomax-Hemmung, Spiromax-Spirale und der neu entwickelten GyromaxSi-Unruh. Die Vorteile lagen in geringerer Reibung, höherer Energieeffizienz, besserer Gangstabilität und einer auf rund 70 Stunden gesteigerten Gangreserve. Seitdem sind einzelne Ergebnisse der Advanced-Research-Arbeit in die Serienproduktion eingeflossen, vor allem die Spiromax-Spirale. Sie ist heute in verschiedenen Patek-Kalibern zu finden ist, und zwar in der verbesserten Form von 2017, die zuerst in der Aquanaut Travel Time Ref. 5650G vorgestellt wurde. 

2014: Grandmaster Chime

Patek-Philippe-Grandmaster-Chime-Ref-5175R-Vorderseite
© Patek Philippe

Große Komplikationen gehören zur Spezialität bedeutender Manufakturen wie Patek Philippe. Berühmt wurden die Graves Supercomplication, eine Auftragsarbeit für den New Yorker Bankier Henry Graves jr., die Patek Philippe 1933 auslieferte. Sie verfügte über 24 Komplikationen. Getoppt wurde dieser Wert 1989 zum 150-jährigen Geburtstag der Marke von der Calibre 89 mit 33 Komplikationen. Während beides Taschenuhren waren, feierte Patek sein 175-jähriges Bestehen 2014 mit der bis heute kompliziertesten Armbanduhr der Manufaktur: der Grandmaster Chime. 

Das Meisterwerk im barock verzierten Wendegehäuse aus Gold (47,4 mm groß, 16,1 mm hoch) umfasst 20 Komplikationen, ein wendbares Gehäuse mit zwei Zifferblättern und ein Werk aus 1.366 Komponenten. Im Zentrum stehen die akustischen Funktionen – Grande und Petite Sonnerie, Minutenrepetition, Wecker mit Zeitschlag und Datumsrepetition –, ergänzt um ewigen Kalender, eine zweite Zeitzone, eine Mondphasenindikation sowie mehrere Gangreserve- und Funktionsanzeigen. 

Nach der auf sieben Exemplare limitierten Jubiläums-Ref. 5175R folgte 2016 die Ref. 6300G in Weißgold als Serienversion. 2019 schrieb das Stahl-Einzelstück Ref. 6300A für Only Watch Auktionsgeschichte: Es kam für 31 Millionen Schweizer Franken unter den Hammer und wurde so zur teuersten jemals versteigerten Uhr. Später ließ Patek u. a. Haute-Joaillerie-Versionen mit Diamanten, Saphiren oder Smaragden sowie 2023 die zweifarbige Ref. 6300GR in Weiß- und Roségold folgen. 

2024: Die Cubitus

Patek Philippe: Cubitus Ref. 5821-1AR-001

Patek Philippe: Cubitus Ref. 5821-1AR-001

© Patek Philippe

Ob die Cubitus später einmal als Meilenstein der Markengeschichte Patek Philippes eingeschätzt werden wird, muss sich erst noch zeigen. Jedenfalls sorgte sie bei ihrer Einführung 2024 als erste neue Kollektion der Manufaktur seit 25 Jahren – und erste neue Herrenuhrenlinie seit der Aquanaut von 1997 – für ein enormes Echo. Patek-Philippe-Präsident Thierry Stern hatte das Projekt lange verfolgt: eine quadratische, sportlich-elegante Uhr, tragbar im Alltag, aber klar als Patek Philippe erkennbar. Die Cubitus greift Elemente der Nautilus auf, etwa das horizontale Reliefzifferblatt und den Wechsel aus satinierten und polierten Flächen, übersetzt sie aber in eine deutlich kantigere Form mit langen Geraden, kurzen abgeschrägten Ecken und flachem zweiteiligem Gehäuse.

Zum Start kamen drei 45-mm-Modelle: die stählerne Ref. 5821/1A mit grünem Blatt, die Bicolor-Variante Ref. 5821/1AR in Stahl und Roségold mit blauem Blatt sowie die kompliziertere Ref. 5822P in Platin. Letztere wurde zum technischen Aushängeschild der Linie: Ihr neu entwickeltes Automatikkaliber 240 PS CI J LU kombiniert Großdatum, Wochentag, Mondphase und kleine Sekunde; Großdatum, Wochentag und Mondphase springen synchron um Mitternacht, die beiden Datumsscheiben liegen auf einer Ebene. Patek meldete für diese Konstruktion sechs Patente an.

Seitdem hat Patek Philippe die Cubitus weiter ausgebaut. 2025 folgten mit den Ref. 7128/1G in Weißgold und 7128/1R in Roségold zwei 40-mm-Modelle, die das Konzept tragbarer und stärker unisex positionieren. 2026 kam mit der Ref. 5840P der nächste Schritt: ein skelettierter ewiger Kalender in Platin, die erste große Komplikation der Cubitus-Kollektion. Damit ist die Linie nicht nur eine neue Formuhr, sondern bereits nach kurzer Zeit eine eigenständige Plattform – zwischen sportlicher Alltagsuhr, Haute Horlogerie und bewusst polarisierendem Design.

Rare Handcrafts

Patek Philippe: Rare Handcrafts Ref. 5278/50R-011

Patek Philippe: Rare Handcrafts Ref. 5278/50R-011 "Electric Guitar"

© Patek Philippe

Unter dem Titel "Rare Handcrafts" bietet Patek Philippe außergewöhnliche Uhren an, bei denen Handwerkskünste wie Emailmalerei, Steinesetzen, Gravieren oder Guillochieren zum Einsatz kommen – jene dekorative Künste, die in Genf seit Jahrhunderten gepflegt werden. Jedes Jahr kreiert die Manufaktur atemberaubende Einzelstücke und limitierte Armbanduhren, Taschenuhren und Tischuhren dieser Art. Ein Meilenstein also, der nicht aus einem Modell oder einer Linie besteht, sondern aus einem Prinzip, das sich auf unterschiedlichste Modelle beziehen kann. Ein besonders feines aktuelles Beispiel ist die Ref. 5278/50R-011 „Electric Guitar“ von 2026: eine Minutenrepetition in Roségold mit Kaliber R 27, deren Zifferblatt eine elektrische Gitarre in Holzintarsien zeigt. Für die detailreiche Darstellung von Saiten, Steg, Pickguard und Spiegelungen wurden von Handwerkskünstlern 336 winzige Furnierteile sowie 18 weitere Einlagen aus 17 verschiedenen Holzarten zusammengesetzt. Die Uhr zeigt damit exemplarisch, worum es bei Rare Handcrafts geht: die Bewahrung seltener Handwerkskünste auf kleinstem Raum.

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