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Interview mit Sinn-Spezialuhren-Geschäftsführer Lothar Schmidt

Über Vergangenheit und Zukunft der Frankfurter Marke

Lothar Schmidt ist seit 25 Jahren Geschäftsführer und Inhaber der Firma Sinn Spezialuhren zu Frankfurt am Main. Für Martina Richter, stellvertretende Chefredakteurin vom UHREN-MAGAZIN, Anlass genug, ihn in seinem Unternehmen am neuen Standort im Stadtteil Sossenheim zu besuchen und nach seinen Erfahrungen und Erlebnissen und vor allem nach der Zukunft zu fragen.

Martina Richter, stellvertretende Chefredakteurin vom UHREN-MAGAZIN im Gespräch mit Lothar Schmidt, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Sinn Spezialuhren
Martina Richter, stellvertretende Chefredakteurin vom UHREN-MAGAZIN im Gespräch mit Lothar Schmidt, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Sinn Spezialuhren

Herr Schmidt, wenn sie 25 Jahre Revue passieren lassen, welche Erlebnisse sind am nachhaltigsten?
Die Übernahme der Firma 1994 und das Jahr danach sowie der Umzug an den neuen Standort und das Jahr danach. Zwei einschneidende Ereignisse für mich persönlich, weil ich nicht alles voraussehen konnte, was letztendlich kam und Vieles kam anders, als ich es vorhatte. Der Umzug an den neuen Standort war eben nicht nur ein Umzug. Wir mussten uns in dem neuen Gebäude neu finden, das habe ich völlig unterschätzt. Im Übrigen haben wir jetzt einen »Dorfbrunnen«, so nenne ich unsere Kaffeestelle, da trifft sich heute jeder mit jedem zu einem guten Gespräch.

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Neuer Hauptsitz von Sinn Spezialuhren seit 1. September 2017 in Frankfurt-Sossenheim
Neuer Hauptsitz von Sinn Spezialuhren seit 1. September 2017 in Frankfurt-Sossenheim

Woher kam denn die Idee für das neue Gebäude nach mehr als 20 Jahren?
Das alte wurde einfach zu klein. Wir hätten aufstocken oder größer mieten können. Der Neubau erschien uns als die beste Lösung. Heute sind wir stolz darauf, das Gebäude selbst entworfen und gestaltet zu haben und bekommen von allen Seiten nur positives Feedback.

Und was war 1994 so einschneidend?
Es ist ja bekannt, dass ich das Unternehmen von Helmut Sinn übernommen habe. Er führte eine kleine Firma unter seinem Familiennamen, den ich auch beibehielt. Es gab keinen Grund, dies zu ändern. Wir waren schon lange vorher in gutem Kontakt und die Übergabemodalitäten waren geklärt. Geplant war eine zeitlich versetzte Übernahme – wegen der Finanzierung. Aber es kam eben anders. Die Übernahme erfolgte zum 1. September 1994 komplett und ich war über Nacht so eine Art »Schuldenmillionär«, wie ich das heute mit einem Lächeln sagen kann. Im Nachhinein erwies sich der Weg zwar als der bessere, aber hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich mich vielleicht nicht getraut. Manchmal ist es besser, wenn man Dinge vorher nicht weiß. Aber ich habe die Finanzierung geschafft.

Erinnern Sie sich an den ersten großen Erfolg?
Es war der Schritt raus aus den rein technischen Uhren, als wir die Finanzplatzuhr entwickelt hatten. Den Namen hielt ich für kompliziert. Dass die Finanzplatzuhr, Referenz 6000 – inzwischen haben wir eine ganze Familie daraus entwickelt – jahrelang das erfolgreichste Modell der ganzen Kollektion werden würde, hätte ich so nicht eingeschätzt. Wir haben zum ersten Mal Frankfurt am Main auf die Uhr geschrieben. Das kommt bis heute sehr gut an.

Sinn Spezialuhren Frankfurter Finanzplatzuhr, Jubiläumsmodell 2019 mit Vollkalender, Mondphasenanzeige und einem Chronographen mit 60-Minuten-Zähler
Sinn Spezialuhren Frankfurter Finanzplatzuhr mit Großdatum und drei Zeitzonen
Sinn Spezialuhren Frankfurter Finanzplatzuhr, Chronograph und drei Zeitzonen

Das ist interessant zu hören. Nimmt man Sinn Spezialuhren nicht – wie es der Name in sich trägt und wie Sie es als Eigentümer und Geschäftsführer ganz persönlich mit vielen Entwicklungen auch zelebrieren – als Technologie-Marke wahr?
Ja klar, von Anfang an. Helmut Sinn, selbst Pilot und Fluglehrer, führte als Hauptprodukte Fliegeruhren. Er wusste, wie wichtig das VergangeInstrument Uhr ist, hat aber nie selber Uhren entwickelt, sondern aus der Schweiz die besten Qualitäten gekauft. Die Referenzen 103, 140, 142 und 144 gehen auf seine Uhren zurück. Wir haben sie unter Beibehaltung der Formen, aber mit den mir bekannten modernen Technologien neu und weiterentwickelt.

Sinn Spezialuhren: Version der Referenz 103
Sinn Spezialuhren: 140 St
Sinn Spezialuhren: 144 St Diapal

Sinn Spezialuhren war die Marke, bei der ich das, was ich zuvor an Erfahrungen gesammelt hatte – in der Ausbildung zum Werkzeugmacher und beim Maschinenbaustudium, als Konstrukteur und Technischer Direktor einer Gehäusefabrik, vor allem aber als Produktionsleiter der IWC – weiterleben konnte. Magnetfeldschutz, zum Beispiel, war ein Thema, das hat mich schon mit der Ingenieur bei der IWC tangiert. Es gab einige Ideen – Gehäusehärtung zum Beispiel oder Hydrotechnologie – die ich schon in der Schublade hatte, in einem großen Unternehmen aber nicht so einfach umsetzen konnte, erst später dann in meinem eigenen Betrieb.

Sinn Spezialuhren: Lothar Schmidt diskutiert mit Produktionsleiter und Uhrmachermeister Kai Günsch
Sinn Spezialuhren: Lothar Schmidt diskutiert mit Produktionsleiter und Uhrmachermeister Kai Günsch

Wir hatten ein Modell mit dem Lemania-Werk 5100, und ich habe mich immer gefragt, warum das länger läuft, übrigens auch heute noch, als ein Valjoux 7750. Es hatte eine Platine aus Kunststoff, die war bei den Uhrmachern nicht so gut angesehen, aber bei den Kunden. Die Platine konnte Feuchtigkeit aufnehmen. So kam ich auf die Idee, etwas zu tun, um die Uhr trocken zu halten. Es entstand unsere Trockenhaltetechnik, die auch den Vorteil hat, dass die Uhr nicht beschlagen kann. Dann haben wir festgestellt, dass Uhren mit einem speziellen Öl bei wesentlich niedrigeren Temperaturen laufen können. Es folgte die Temperaturresistenz-Technologie. Ein furchtbar kompliziertes Wort, aber mir ist kein besseres eingefallen. Ich dachte, gar kein Öl wäre ja noch besser. So kamen wir zur Diapal-Technik, bei der wir die Ankerhemmung schmierstofffrei halten. Diapal kommt von Diamantpaletten, das war der erste Lösungsansatz, der sich aber als zu teuer erwies. Heute haben wir eine Ankerrad-Paletten-Paarung aus Materialien, die nicht mehr geschmiert werden müssen. Wir geben auf Uhren mit dieser Technik fünf Jahre Garantie.

Technologie hat Ihnen innerhalb des Gehäuses ja noch nicht gereicht. Sie haben auch noch eine Gehäusemanufaktur im sächsischen Glashütte gegründet.
1999 kamen der Pforzheimer Gehäusehersteller Walter Fricker und der Glashütter Dr. Ronald Boldt mit diesem Anliegen auf mich zu. Ich war sofort dabei. Glashütte war mir schon vom Wiederaufbau der Marke A. Lange & Söhne, den ich als Produktionsleiter der IWC mitgestalten durfte, sympathisch, die Leute dort sowieso. Ursprünglich war ich mit 24 Prozent Minderheitsbeteiligter und Abnehmer der Gehäuse und wollte eigentlich wieder aussteigen. Aber dann kam das Hochwasser. Ich reiste rüber und sah, wie die Leute versuchten, die Gehäuse aus dem Schlamm zu retten. Ich war voller Bewunderung über das Engagement und entwickelte selbst den Ehrgeiz zu helfen. Ich übernahm die Anteile von Walter Fricker und bin seitdem mit 74 Prozent beteiligt. Die Geschichte der Sächsischen Uhrentechnologie GmbH hat für mich 2001 noch einmal begonnen. Wir haben die Fabrik neu aufgebaut und vieles kam zur Herstellung dazu – die eigene Konstruktion, Montage, Oberflächenveredelung. Es ist eine Erfolgsgeschichte. Die SUG ist ausgelastet, baut anspruchsvolle Gehäuse und hat einen sehr guten Ruf.

Lothar Schmidt mit Lars Eller, der gerade ein Gehäuse aufarbeitet
Lothar Schmidt mit Lars Eller, der gerade ein Gehäuse aufarbeitet

Frankfurt, Glashütte – sie produzieren in Deutschland. Was bedeutet »Made in Germany« für Sie?
»Made in Germany« ist für mich eine Verpflichtung, deutsche Tugenden zu leben – ein gewisser Perfektionismus und der Hang, etwas qualitativ Hochwertiges herzustellen. Auch die Pflege der deutschen Sprache gehört für mich dazu. Wenn man in unserem Katalog liest, wird man merken, dass wir mit wenig Leihwörtern auskommen. Unser Katalog kommt sehr, gut an.

Sinn Spezialuhren, attraktiver Ausstellungsraum am neuen Firmensitz in Sossenheim
Sinn Spezialuhren, attraktiver Ausstellungsraum am neuen Firmensitz in Frankfurt Sossenheim

In dem thüringischen Ort Schweina haben wir zudem noch eine kleine Firma für Montagen und Reparaturen. Die heutige Geschäftsführerin hat bei uns die Lehre und den Meister gemacht. Eine schöne Geschichte, wie ich finde, echtes »Made in Germany«.

Trotzdem lebt Ihre Familie in der Schweiz. Ist das nicht ein Widerspruch?
1975 habe ich in der Schweiz bei einer Maschinenbaufabrik angefangen. Es sollte nur für ein Jahr sein. Meine Frau kommt aus La Chaux-de-Fonds und ich wollte Französisch lernen. Daraus wurde nicht so viel, aber ich bekam ein Angebot von einer Gehäusefabrik. Da hatte gerade der Besitzer gewechselt. Also blieb ich, wollte aber immer nach Deutschland zurück, allerdings als Maschinenbauer, nicht als Uhrengehäusebauer – und vor allem als Selbständiger. Deshalb habe ich ein Angebot der IWC zum Aufbau einer Gehäuse- und Bänderproduktion auch als freier Mitarbeiter angenommen. Dass wir letztendlich in der Schweiz wohnhaft geblieben sind, lag an der familiären Situation.

Ist das eigene Uhrwerk ein unerfüllter Traum?
Ein bisschen schon. Mit der Meisterbund-Uhr hatte ich die Hoffnung, es zu schaffen. Aber wenn ich heute ein Uhrwerk baue, würde ich das Rad nicht neu erfinden wollen. Es müsste ein Uhrwerk aus modernen Konstruktionen und Materialien sein, und wir müssten es selbst produzieren. Dazu fehlt uns die Kapazität. Wir haben so viel anderes zu tun. Ich komme in absehbarer Zeit wohl nicht dazu.

Sinn Spezialuhren erhielt zahlreiche Trophäen für diverse Zeitmesser, unter anderem mehrfach die begehrte Goldene Unruh von den UHREN-MAGAZIN-Lesern
Sinn Spezialuhren erhielt zahlreiche Trophäen für diverse Zeitmesser, unter anderem mehrfach die begehrte Goldene Unruh von den UHREN-MAGAZIN-Lesern

Das hört sich aber schon so an, als hätten Sie noch einiges vor in den nächsten 25 Jahren.
Als erstes hoffe ich, dass es so erfolgreich weiter geht wie bisher. Dass wir jedes Jahr einen gesunden Zuwachs haben, der beherrschbar ist. Wir hatten in 25 Jahren nicht ein einziges Verlustjahr. Im vergangenen Jahr haben wir 14.000 Uhren gebaut. Das ist sehr gut. Wir haben so viele Aufträge wie noch nie und können so manches Modell leider nicht liefern. Da müssen und werden wir etwas tun. Unser neues Gebäude können wir erweitern. Und es hängt auch vom Kunden ab, wie der uns weiterentwickelt.

Wie sehen Sie die mechanische Uhr in der Gegenwart und in der Zukunft?
Ich denke, dass gute handwerkliche Arbeit immer gesucht wird. Es wird einen Verdrängungswettbewerb geben, und es werden nicht alle überleben. Um Sinn Spezialuhren habe ich nicht allzu viel Kummer. Wir haben Technologien, die andere nicht haben.

Sinn Spezialuhren: Lothar Schmidt mit dem Leiter der technischen Entwicklung, Dr. Schonefeld
Sinn Spezialuhren: Lothar Schmidt mit dem Leiter der technischen Entwicklung, Dr. Schonefeld

Das zeigt, dass wir für Inhalte stehen. Eine neue Fliegeruhr erfüllt bei uns eben die DIN, die wir mit erschaffen haben. Taucheruhren werden ebenfalls zertifiziert. Das hebt uns ab. Mechanische Uhren machen mir richtig Spaß. MaRi

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich hätte gerne mal gewusst, warum die Sinn 103 St Diapal 5 Jahre Garantie bekommt und z.B.die Arktis 206 nur 2 Jahre Garantie bekommt?!
    Weder die Garantie, noch die verbauten Valjoux Werke sind noch Stand der Technik.
    Wenn Sinn sich schon preislich viel weiter oben positionieren möchte, dann sollte man auch, weil man doch so ein toller deutscher Hersteller sein möchte, auch entsprechendes Vertrauen in seinen Produkten über die Garantie nach außen kommunizieren.

    Ansonsten netter Bericht.

    Grüße

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  2. Ein Unternehmer im besten Sinn,kein Unterlasser, Kompliment und weiter viel Erfolg.

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  3. Alles richtig gemacht!
    Sinn aus Deutschland!

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  4. Es ist schön zu sehen, dass deutsche Ingenieurskunst, innovatives Unternehmertum gepaart mit Mut und Geschick von Erfolg gekrönt wurden. Wir freuen uns, auf viele weitere Jahrzehnte mit Spezialuhren Made in Germany.

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  5. Hallo,
    zu dem Hinweis von Peter möchte ich sagen, dass die Arktis drei Jahre Garantie hat. Das die Diapal fünf Jahre Garantie hat, liegt an der Modifizierung von Sinn hinsichtlich der schmierstoffteien Ankerhemmung. Einem Alterungsprozess wird so entgegen gewirkt. Wo keine, oder geringere Alterung befürchtet wird, kann man natürlich aufgrund der eigenen Entwicklung auch mehr in die Haltbarkeit vertrauen und so mehr Garantie geben.
    Das das Valjoux Werk nicht mehr State of the Art ist, gerade im Hinblick auf einseitiger Aufzug und Gangreserve, ist nicht von der Hand zu weisen.

    Ich hätte mir auch ein besseres Kaliber gewünscht. Sinn verwendet aber m.W.n die Top Ausstattung des Valjoux, welches ja in verschiedenen Qualitätsstufen gefertigt wird.

    Grüße

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