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Das UHREN-MAGAZIN schickt Fliegeruhren von Bell & Ross, IWC und Zenith in den Vergleichstest.

Interview: Die neue Oris Big Crown ProPilot X

Gespräch mit Oris-CEO Rolf Studer und Oris-Designer Lukas Bühlmann

Im Interview mit Rüdiger Bucher erklärt Co-CEO Rolf Studer die Hintergründe, warum Oris die neue ProPilot X auf den Markt bringt, und Designer Lukas Bühlmann sagt, worauf es ihm beim Gestalten besonders ankam.

Das neue Kaliber 115 ist das sechste Manufakturwerk, das Oris seit 2014 herausbringt. Und das erste in einer skelettierten Version. Warum kommt jetzt so eine Uhr? RS: Bisher konnte man unsere Manufakturkaliber immer nur von hinten, durch den Gehäuseboden, betrachten. Mit der ProPilot X machen wir das Werk erstmals von vorn sichtbar, in allen Details. Und das in einer modernen Formensprache, die der Marke und dem Werk gerecht wird.

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Oris: Big Crown ProPilot X
Oris: Big Crown ProPilot X

Offene Zifferblätter, die Durchsicht auf die Mechanik bieten, gibt es schon seit einigen Jahren. Was ist bei dieser Uhr das Besondere? RS: Wir arbeiten schon seit einigen Jahren mit skelettierten Uhren, etwa in der Linie Artelier. Unser eigenes Werk zu skelettieren und damit so offen zu zeigen, ist jetzt die nächste Stufe. Wir hatten das schon lange im Kopf. Als wir unser Basiswerk in den letzten Jahren um Komplikationen ergänzt haben, haben wir immer mehr über dieses Werk gelernt und während dieser Zeit bereits an der Skelettierung gearbeitet. Es ist ja ein besonderes Werk: mit einer nicht-linearen Gangreserveanzeige, die es so nur bei Oris gibt. Und eben mit zehn Tagen Gangreserve, für die eine einzige, große Zugfeder in einem großen Federhaus sorgt. Um diese zu zeigen, haben wir auch das Federhaus geöffnet. Es stellt sozusagen den Blickfang der Uhr dar.

Mit der ProPilot X stellen Sie die Mechanik in den Mittelpunkt. Welche Bedeutung hat die Mechanik in unserer digitalisierten Welt? RS: Je vernetzter unsere Welt ist, desto mehr sehnen sich die Menschen nach Dingen, die sie verstehen können. Ich glaube, dieser Punkt ist entscheidend für die Beliebtheit der mechanischen Uhr. Sie vernetzt mit etwas Analogem; mit etwas, das beruhigt und nicht weiter zur Reizüberflutung beiträgt. Die ProPilot X steht für die unvergängliche Schönheit der analogen Welt, in der das Alte nicht ständig veraltet. Ich denke, unsere Kultur bewegt sich wieder etwas in diese Richtung: weg von der Wegwerfgesellschaft, hin zu Themen wie Re-Use und Recycling; zu der Frage, wie man den Produkten wieder ein langes Leben geben kann. Und mittendrin ist die mechanische Uhr.

Ist das ein Beispiel für eine neue Art von Luxus? RS: Absolut. Die Form des exklusiven, bestimmte Gruppen ausschließenden Luxus ist am Untergehen. Stattdessen geht es heute stärker um das Teilen, um Luxus als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Das ist auch der Grund, warum man heute Luxusprodukte aus Bronze machen kann. Vor 15 Jahren wäre das unmöglich gewesen: ein Luxusobjekt, das seine Oberflächeneigenschaft verändert. Warum funktioniert das heute? Weil so ein Produkt mit der Persönlichkeit des Trägers interagiert. Heute geht es nicht mehr darum, was den größten objektiven Wert hat, sondern es geht mehr um den größten subjektiven Wert.

Oris-Co-CEO Rolf Studer
Oris-Co-CEO Rolf Studer

Was war das Briefing an Design und Entwicklung? RS: Wir wollten unser Kaliber in einer neuen Form zeigen, aufs Podest heben. In einer zeitgemäßen, architektonischen, aber nicht modischen Form.

Die neue Uhr läuft unter der Bezeichnung ProPilot X. ProPilot ist die Fliegeruhrenlinie von Oris, aber die Neue ist keine typische Fliegeruhr. LB: Bei der Uhr steht das Uhrwerk, also der technische Aspekt, im Mittelpunkt. Und für ein explizit technisches Thema eignete sich die Linie ProPilot hervorragend.

Die Uhr kommt bei der Zeitanzeige ohne Zahlen aus. Hatten Sie die von Anfang an verworfen? LB: Zu Beginn des Projekts hatten wir beides parallel konzipiert. Doch bald bemerkten wir, dass das Design mit Zahlen weniger technisch wird und sie gleichzeitig Platz wegnehmen. Wir wollten aber vom Federhaus und von der nichtlinearen Gangreserveanzeige möglichst viel zeigen.

RS: Deswegen haben wir sie auch ProPilot X genannt. Während die ProPilot eine richtige Fliegeruhr ist, ist die ProPilot X eine Uhr, die inspiriert ist von der Aviatik.

Wofür steht das X? RS: Dafür, dass die Uhr mutiger, zeitgemäßer, architektonischer ist.

Oris-Kaliber 115
Oris-Kaliber 115

Ist die ProPilot X ein Beispiel dafür, wohin sich Oris im Design entwickeln wird? RS: Das Uhrendesign war in den letzten Jahren eher von einem vergangenheitsorientierten Blick geprägt. Aber jeder Trend geht einmal zu Ende. Die ProPilot X ist eine unserer Antworten, die in die Zukunft weisen sollen, aber nicht die einzige und nicht die letzte.

Auf welche Details kam es im Designprozess an? LB: Es kam gar nicht primär auf dieses oder jenes Detail an, sondern vor allem darauf, dass alle Details zueinander passen. Bei einer skelettierten Uhr ist das besonders schwierig, weil man hier mehrere sichtbare Ebenen hat, aber nicht an allen Ebenen gleichzeitig arbeitet. So dauerte es bei der Ebene des Werks länger, weil immer wieder Tests durchgeführt werden mussten. Es ging darum, am Ende, wenn alles zusammen montiert ist, einen homogenen Look zu haben. Das haben wir geschafft, einschließlich dem Titanband und der Schließe, die beide anders aussehen als beim Stahlmodell der bisherigen ProPilot.

Das zweite große Thema des Designs neben der Offenheit sind für mich die vielen Striche. Interessant finde ich vor allem die auf der Innenlünette fortgesetzten Minutenstriche, die optisch hinführen zur gerändelten Außenlünette. Dadurch wird das Auge geradezu ins Innere der Uhr geführt. Wie sind Sie auf diese Lösung gekommen? LB: Das puristisch gestaltete Gehäuse mit seinen Ecken und geraden Linien wirkt relativ massiv. Auf der anderen Seite sieht man durch das Skelettieren des Werks viele kleine Details, die den Gesamteindruck filigraner werden lassen. Um einen Übergang zu schaffen vom massiven Gehäuse zu den filigranen Elementen des skelettierten Werks, kamen wir zu der Lösung, die Rändelung des Gehäuses, die 120 Striche aufweist, für das Rehaut zu halbieren. So bekommen wir aus der flächigen Masse außen einen subtilen Übergang zum skelettierten Werk. Gehäuse und Werk verschmelzen, und die Uhr wird als ein einheitliches Objekt wahrgenommen.

Oris-Designer Lukas Bühlmann
Oris-Designer Lukas Bühlmann

Für welchen Käufertyp haben Sie diese Uhr gestaltet? LB: Das Ziel war nicht, eine ganz bestimmte Gruppe oder einen bestimmten Typus zu erreichen. Stattdessen stellen wir die Uhr selbst in den Mittelpunkt als schönes, technisches Objekt, das seine Liebhaber und Käufer finden wird.

War es von Anfang an der Plan, das Federhaus zu öffnen? LB: Ja, weil das große Federhaus das Hauptmerkmal des Werks ist. So kann man beim Aufziehen schön sehen, wie sich die Feder bewegt und sich ihre Windungen schließlich um den inneren Federhauskern herumwickelt. Zudem sieht man ein geöffnetes Federhaus in der Uhrmacherei nicht oft.

RS: Wir haben an einem Punkt sogar überlegt, ob wir die große Gangreserveanzeige weglassen sollen, denn eigentlich sieht man am Federhaus selbst den Aufzugszustand.

Warum haben Sie Titan als Gehäusematerial gewählt? RS: Es ist ein technisches Material, es ist leicht und findet in der Aviatik häufig Verwendung.

LB: Uns hat auch der Farbton gut gefallen, weil die verschiedenen Grautöne sehr technisch wirken. In Schwarz wäre die Wirkung zu hart. Stahl wiederum hat mehr Glanzeffekte und kann mit dieser Gehäuseform zu stark reflektieren.

Haben Sie mal daran gedacht, die Messingräder auch grau einzufärben? LB: Daran gedacht ja, aber da die Uhr pur bleiben sollte, sind wir schnell davon abgekommen. Die Bestandteile sollten möglichst natürlich aussehen, wir wollten nicht zusätzlich künstliche Elemente schaffen.

Oris: Die Schließe der Big Crown ProPilot X ist von Flugzeuggurten inspiriert
Oris: Band und Schließe der Big Crown ProPilot X unterscheiden sich im Design deutlich  von denen der regulären ProPilot

Das Titanband ist anders gestaltet als etwa das Stahlband der ProPilot Calibre 114 – warum? LB: Das ist der Gehäuseform geschuldet. Das Band der ProPilot besitzt eine andere Formensprache, das konnte mit dem neuen Design der Pro Pilot X nicht vereinbart werden. Deswegen haben wir auch die Form der Schließe verändert und markanter gemacht. Und schließlich hat die ProPilot X einen Kronenschutz bekommen, der gut mit dem Look der Uhr harmoniert, da seine Winkelelemente gut zu den Facetten des Gehäuses passen. Speziell sind auch die Anschlussstücke des Bandes zwischen den Hörnern: Sie lassen das Gehäuse homogener erscheinen und schaffen zugleich einen Unterschied zur normalen ProPilot.

Hatten Sie auch über eine Datumsanzeige nachgedacht? LB: Nein. Das hätte zu viel Platz weggenommen. Das Ergebnis ist jetzt sehr ausbalanciert: Man sieht sehr viel vom Werk, aber nicht so viel, dass man direkt auf den Arm schauen würde. So ist die Optik weder zu überladen noch zu leer und damit ausgewogen.

Wie verlief die Zusammenarbeit zwischen Design und Konstruktion? LB: Es war ein Wechselspiel zwischen den Wünschen der Designabteilung und der Antwort aus der Technikabteilung, die sagen musste, was möglich ist und was nicht. Und so sind wir Schritt für Schritt weitergekommen. Wir im Design waren vor allem daran interessiert, möglichst viel vom Werk sichtbar zu machen und mit einem Minimum an geraden Linien so viel wie möglich zu skelettieren. buc

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Produkt: Download: Hublot Big Bang Meca-10 im Test
Download: Hublot Big Bang Meca-10 im Test
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