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Interview: Jörg Schauer über 30 Jahre Uhrenbau im Schwarzwald

Uhrenbauer Jörg Schauer spricht über seine Marken Schauer und Stowa

Vom Mechanikboom 1990 bis heute: Seit 30 Jahren baut Jörg Schauer Uhren. Mit den beiden Marken Schauer und Stowa hat er sich als feste Größe in der von globalen Playern dominierten Uhrenlandschaft etabliert.

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Herr Schauer, Sie haben vor 30 Jahren begonnen, Uhren zu bauen. Wie kamen Sie dazu?
Ich bin gelernter Goldschmied und arbeitete nach meiner Ausbildung Ende der Achtziger für gut ein Jahr auf Lanzarote in einem Schmuckgeschäft, das auch Uhren verkaufte. So entdeckte ich meine Leidenschaft für Armbanduhren. Es war um 1990, als ich nach Deutschland zurückkam. Damals begann gerade der Mechanikuhrenboom. Ich war viel auf Uhrenbörsen unterwegs und lernte immer mehr Sammler kennen. Viele von denen besaßen interessante Werke – zum Teil mit, zum Teil ohne Zifferblätter –, denen das Gehäuse fehlte. Nach und nach kamen sie auf mich zu mit dem Wunsch, ihnen ein neues Gehäuse zu bauen.

Wie kam es, dass so viele Sammler Werke ohne Gehäuse hatten?
In den Achtzigern, als die mechanische Uhr tot zu sein schien, hatten viele Uhrenbesitzer ihre Goldgehäuse einschmelzen lassen. Es waren tolle Werke dabei: von Herstellern wie Rolex und Patek Philippe, Vacheron Constantin und IWC. Zum Teil auch Hochkompliziertes wie ewige Kalender oder Minutenrepetitionen. Es kam auch vor, dass ein Kunde eine komplette Uhr besaß, aber ein anderes Gehäuse wollte.

Aus welchen Materialien haben Sie diese Gehäuse gefertigt?
Meistens aus Stahl oder Gold, aber auch aus Platin und Silber. Außerdem habe ich Zifferblätter, Drücker und Kronen angefertigt, auch Schieber für Repetitionsuhren und in Einzelfällen sogar Zeiger. Für Gravuren habe ich mit Jochen Benzinger zusammengearbeitet.

Was war Ihr schwierigster Auftrag?
Eine Minutenrepetition. Das Werk war von Patek Philippe, sehr flach, dementsprechend war ein flaches Gehäuse mit geringen Toleranzen gefragt. Alles musste perfekt passen, inklusive des Schiebers. Dafür hatte ich dann ein eindrucksvolles Erlebnis: Als ich die Uhr auf der Baselworld zeigte, kam Philippe Stern, der Inhaber von Patek Philippe, schaute sich die Uhr an und ließ sie schlagen. Er war mit dem Klang sehr zufrieden!

Wie ging es dann weiter?
Zusätzlich zu den Sonderanfertigungen für Sammler bin ich dann aktiv auf die Suche nach alten Werken gegangen. In Pforzheim konnte man damals noch viele interessante Kaliber finden, zum Beispiel das Weckerkaliber AS 5008 vom Werkehersteller Adolph Schild. Mit diesem habe ich auch einige Uhren gebaut.

Minutenrepetition von Patek Philippe

Und wie kam es dann zur Gründung Ihrer eigenen Marke Schauer?
Bis etwa 1997 habe ich auf die eben beschriebene Weise rund 400 Einzelstücke gefertigt. Aber mit dem zunehmenden Mechanikboom wurde es ab Mitte der Neunziger immer schwieriger für mich, von den guten Lieferanten Einzelteile zu bekommen, zum Beispiel Saphirgläser in verschiedenen Formen und Größen. Um größere Stückzahlen abnehmen zu können, musste ich mit einer Serienfertigung beginnen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits mit verschiedenen Gehäusen experimentiert und dabei hatte sich auch das später typische Schauer-Gehäuse mit den zwölf Lünettenschrauben ergeben. Dieses habe ich weiterentwickelt und dann einen ersten Chronographen gebaut.

Mit welchem Werk?
Einem Landeron-Kaliber 179 mit Schaltrad. Dafür baute ich ein Silbergehäuse mit einer Edelstahllünette. Die Uhr trug ich eines Abends in einem Restaurant, und der Besitzer kaufte sie mir umgehend ab. Leider hatte ich bis heute nicht die Gelegenheit, sie zurückzukaufen. Dieser erste Chronograph besaß bereits die später für Schauer typische asymmetrische Anzeige mit einer kleinen Sekunde bei neun Uhr und einem größeren Totalisator für die 30 Minuten bei drei Uhr. Später habe ich auch das Valjoux 7733 mit Handaufzug benutzt, immer mit Silbergehäuse und Stahllünette.

Waren Silbergehäuse Anfang der Neunziger noch üblich?
Nein, aber als Goldschmied fand ich das Material interessant. Weil Silber relativ weich ist, habe ich mich bei der Lünette für Stahl entschieden. Daneben habe ich auch Roségoldlünetten mit einem Silbermittelteil kombiniert, und es gab ein Einzelstück, das ich komplett aus Silber fertigte.

Also begann auch die Marke Schauer mit Einzelstücken. Wann gingen Sie zur ersten Kleinserie über?
Das war 1997 mit der Edition 1, einem Chronographen mit einem umgebauten Valjoux 7750, mit einem weißen Zifferblatt und symmetrischer Anordnung der Hilfszifferblätter.

Wie hoch waren die Stückzahlen der jeweiligen Modelle?
Einige waren auf 100 Stück limitiert, wie die Editionen 1, 2 und 3. Manchmal waren es weniger, weil ich nicht so viele Werke bekam, zum Beispiel bei der Edition 5, dem Schleppzeigerchronographen. Er hatte ein Eta-Basiskaliber mit einem Modul von Dubois Depraz.

Schauers Klassiker: Chronograph Kulisse Edition 10 mit verschieden großen Hilfszifferblättern

Worauf kam es Ihnen beim Design an?
Mein Markenzeichen war und ist die zwölffach verschraubte Lünette. Die Schrauben sind funktional: Sie halten bei diesem dreiteiligen Gehäuse die Lünette. So kann ich die Uhr leicht wieder zerlegen. Außerdem dienen sie als Stundenmarkierungen. Vor allem aber sind sie sehr markant und passen zu dem massiven, recht hoch bauenden Gehäuse. Man kann meine Uhren leicht wiedererkennen. Dafür sorgt nicht zuletzt auch der asymmetrische Zifferblattaufbau.

Wie kamen Sie dann auf die Marke Stowa?
Ich war immer schon beeindruckt gewesen von der großen Fliegeruhr, die Stowa im Zweiten Weltkrieg für die Luftwaffe gebaut hatte – genau wie IWC, Wempe, Laco und A. Lange & Söhne. Ansonsten hatte Stowa zwar keine komplizierten, aber durchweg richtig schöne Uhren im Programm. Das hat mir imponiert, und ich habe hier sofort eine Chance gesehen, gute und schöne Uhren zu einem attraktiven Preis anzubieten.

Wann haben Sie mit Stowa angefangen?
1996 habe ich die Marke gekauft und ein Jahr später auf der Basler Messe, zum 70-jährigen Bestehen von Stowa, die ersten Uhren vorgestellt.

Was war die Idee hinter Stowa?
Gute, bezahlbare Uhren anzubieten, zunächst für den deutschen Markt. Es hatte auch etwas mit Pragmatismus zu tun. Ich hatte unter den Schauer-Kunden viele Fans, die zehn oder mehr Uhren besaßen. Viele von denen kamen öfters vorbei und wollten dann auch gern mit mir plaudern. Das war auf der einen Seite angenehm, denn meine Kunden waren sehr interessante Menschen. Auf der anderen Seite fehlte mir zunehmend die Zeit, Uhren zu bauen. Vor diesem Hintergrund machte es Sinn, mit einer Marke wie Stowa zu arbeiten, hinter der meine eigene Person zurücktreten konnte.

Jörg Schauer: Digitaluhr

Wie hat sich das Nebeneinander von Schauer und Stowa dann entwickelt?
In den ersten neun, zehn Jahren stand Schauer im Mittelpunkt, das Verhältnis war etwa 90 zu 10. Mitte der Nullerjahre habe ich mir dann aufgrund von Veränderungen im Markt überlegen müssen, wie ich mich künftig orientieren würde. Das Ergebnis war schließlich, dass ich mit dem Direktvertrieb von Stowa-Uhren übers Internet begonnen habe.

Mit dem Online-Verkauf waren Sie sehr früh dran. Wie kam es dazu?
Um 2005 hatte ich rund 40 Konzessionäre in Deutschland. Dann aber kamen die großen Gruppen immer stärker auf und setzten die Händler zunehmend unter Druck, ihre Marken und entsprechend viele Uhren aufzunehmen. Für Unabhängige wie mich wurde es immer schwerer. Auch hatte ich das Gefühl, dass die Händler den an Schauer oder Stowa interessierten Kunden nicht immer optimal berieten. Meine Schlussfolgerung war, dass ich selbst mich viel besser um meine Kunden und ihre Sonderwünsche kümmern kann als ein Händler. So habe ich 2006 mit meinem Onlineshop angefangen.

Und nach dem Start des Onlineshops wurde Stowa schnell viel stärker als Schauer?
Die Stowa-Uhren waren aufgrund ihres historischen Fliegeruhrendesigns und des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses sehr begehrt. Ich habe auch nach dem Start des Onlineshops mit Stowa noch Aufträge für Schauer angenommen. Aber da ich mit Stowa so viel zu tun hatte, wurden die Lieferzeiten für Schauer-Uhren immer länger. Ich musste einige Kunden zwangsweise enttäuschen, und die Zahl der Schauer-Uhren wurde immer kleiner. Und so hat sich das Verhältnis zwischen Schauer- und Stowa-Uhren in wenigen Jahren komplett gedreht: Machte Stowa beim Start des Onlineshops 2006 etwa 10 Prozent aus, so waren es fünf Jahre später schon 90 Prozent.

Bei Stowa setzen Sie auf Retrodesign, bei Schauer nicht. Wie sehen Sie das Thema Retro?
Retrodesign deckt den größten Teil des Marktes ab. Das wird wohl noch einige Zeit so bleiben. Bei Stowa habe ich allerdings neben dem Retro-Fliegerdesign auch immer versucht, etwas Zeitgenössisches zu machen. Gerade aus meiner Zusammenarbeit mit Harmut Esslinger sind sehr moderne Stücke wie die Rana, die Flieger DIN oder die neue Antea Dynadot entstanden. Bei Schauer wiederum ging es für mich von Anfang an darum, meinen eigenen Stil zu finden. Der hat sich schließlich aus dem, was ich gemacht habe, nach und nach entwickelt.

Wie haben sich die Kunden generell in den letzten 30 Jahren verändert?
In den Neunzigern stand die Wiederentdeckung der Mechanik im Vordergrund. Interessante Werke und Komplikationen, aber auch die Handwerkskunst, die sich etwa im Gehäusebau spiegelt, waren sehr gefragt. Bis Mitte der Nullerjahre spielte ein großer Individualismus die Hauptrolle. Viele freuten sich, bei Unabhängigen wie mir oder anderen kleinen Herstellern wie Temption oder Sothis spezielle Modelle zu finden, mit denen man sich im Freundeskreis von einer Rolex oder Omega abheben konnte. Seit etwa 2005 sind die großen Marken immer mächtiger geworden. Sie haben auf der einen Seite ihre traditionellen Ikonen ins Zentrum gerückt und auf der anderen Seite stark in ihren jeweiligen Markenauftritt investiert. So haben sie immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Jubiläumsmodell: Edition 10 Datum
Jubiläumsmodell: Edition 10 Datum

Und heute?
Sind die Marken so omnipräsent mit den überall gleichen Boutiquen, dass jetzt eine leichte Gegenbewegung einsetzt. Seit ein, zwei Jahren spüre ich, dass viele Kunden wieder mehr Wert auf Individualismus legen. Kleine Marken werden attraktiver. Ich fühle, dass der Mega-Hype um die großen Marken nachlässt, nicht zuletzt, weil auch die Preise durch die Decke geschossen sind. Die Uhrenkäufer verlangen mehr Vielfalt; die großen Marken allein können nicht alles abdecken.

Wollen Sie, beginnend mit dem Jubiläum, die Marke Schauer wieder stärker in den Mittelpunkt stellen?
Ja. Ich denke, die Zeit ist reif dafür. Das Jubiläum kommt jetzt zum richtigen Zeitpunkt, um wieder auf die spezielle Formensprache und die hohe Qualität der Schauer-Uhren aufmerksam zu machen. Mit Stowa bin ich fest etabliert: Da wird es immer wieder interessante neue Modelle geben. Aber mit Schauer kann ich viel freier agieren, was Ideen, Design, Themen angeht.

Was für Modelle bringen Sie zum Jubiläum?
Es wird zwei limitierte Sondereditionen geben, auf 130 beziehungsweise 160 Stück limitiert und nummeriert: Zum einen den Chronographen Kulisse Edition 10 mit der asymmetrischen Zifferblattaufteilung. Er war eine der beliebtesten Schauer-Uhren, sozusagen mein Klassiker. Ich habe ihn an die heutige Zeit angepasst: Die Lünette ist schmaler geworden, bei sechs Uhr habe ich ein Datum eingebaut. Das zweite Jubiläumsmodell ist meine Einzeigeruhr. Die hatte ich schon früh im Programm. Ein einziger, von mir selbst gefertigter Roségold- oder Platinzeiger aus der Mitte weist auf eine umlaufende Minuterie, von der man die Zeit auf fünf Minuten genau ablesen kann.

Jubiläumsmodell: Einzeiger schwarz 42
Jubiläumsmodell: Einzeiger schwarz 42

Wann haben Sie die erste Einzeigeruhr gebaut?
Mitte der Neunziger. Die Idee kam von einem chinesischen Kunden, der so eine Uhr unbedingt wollte. Das dürfte die erste Einzeigeruhr auf dem deutschen Markt gewesen sein. 

Die Fragen stellte Rüdiger Bucher.

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