Produkt: Klassik Uhren 6/2019
Klassik Uhren 6/2019
Marinechronometer und die Navigation auf See

Lieblingsuhr: Uhrenjournalist Christian Pfeiffer-Belli

Von schlichter Schönheit - das gefällt U(hr)gestein Christian Pfeiffer-Belli

Als mich die langjährige UHREN-MAGAZIN-Redakteurin Martina Richter nach meiner Lieblingsuhr fragte, war mir sofort klar, dass es nur die Schuluhr von Le Locle mit dem Peseux 260-Werk sein konnte.

Technikum du Locle: Schüleruhr
Lieblingsuhr: Technikum du Locle, Schüleruhr, etwa 1955.

Ich hatte das lose Werk mit Zeigern und Zifferblatt, aber ohne Gehäuse in den späten 1980er-Jahren beim Händler Zurbuchen in La Chaux-de-Fonds für 500 Schweizer Franken erworben. 1996 erschien dann der Text von H. Neumüllers und H. Heffels über das Peseux 260-Kaliber in Klassik Uhren. Daher wissen wir, es gab 3.302 Werke, die die Fabrik in Peseux verlassen haben. Verkauft wurden sie 1947/48 – damals an Ulysee Nardin, die Uhrmacherschule in La Chaux-de-Fonds, an das Technikum Le Locle, an Leroy, Nivarox, Movado und Breguet – hier aber nur sehr wenige, etwa 20 Werke. Gelegentlich tauchen heute noch in Schaugehäuse eingeschalten Werke bei Auktionen auf, die dann zu Preisen von über 3.000 Euro abgegeben werden. Das ist die Geschichte. Aber was macht nun die Uhr zu meiner Lieblingsuhr? Schöne Werke gibt es auch von anderen Manufakturen, jedoch der Werkaufbau des Peseux 260, die Finissage der Sperrräder, die großen Lagersteine und vor allem die große, gemächlich schwingende Schraubenunruh ziehen mich immer wieder in ihren Bann.

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Technikum du Locle: Schüleruhr Peseux Kaliber 260
Uhrwerk: Peseux Kaliber 260, 13 Linien, 17 Steine, Glucydur-Schraubenunruh mit 18 Masse- und zwei Regulierschrauben, autokompensierende, gebläute Breguet-Spirale, 18.000 A/h, keine Stoßsicherung.

Darüber ein völlig unspektakuläres Zifferblatt mit Dauphine-Zeigern und Kleiner Sekunde. Lange Zeit hatte meine Uhr kein Gehäuse. Erst durch die Hilfe von Gerd-Rüdiger Lang, bekannt als Gründer und langjähriger Eigentümer der Marke Chronoswiss, wurde meine Uhr zu einer Uhr. Sie landete auf dem Werktisch des unabhängigen Uhrmachers Bernhard Zwinz in Le Orient im Vallée de Joux. Er leitete damals die Qualitätskontrolle für Chronoswiss und restaurierte meine Uhr in wochenlanger Kleinarbeit. Und machte sie zu der am genauesten gehenden Uhr meiner kleinen Sammlung – bis heute.

U(h)rgestein: Christian Pfeiffer-Belli
U(h)rgestein: Christian Pfeiffer-Belli

Christian Pfeiffer-Belli ist das sprichwörtliche U(h)rgestein in der Szene, Branchenkenner, leidenschaftlicher Sammler, renommierter Uhrenjournalist, langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift Klassik Uhren und Autor von etwa 50 Büchern zu allen denkbaren Uhrenthemen. Immer noch voller Unruhe wurde er im April 80 Jahre alt.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Habe mich sehr über den Artikel von Herrn Pfeiffer-Belli gefreut und wünsche ihm noch nachträglich einen Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und weiterhin alles Gute.
    Bernhard Stöber

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  2. Schade, dass das Heft Klassik-Uhren vom Ebner-Verlag soeben zu Grabe getragen wurde. Für Freunde ALTER Uhren ein herber Verlust. Natürlich darf cpb mit nunmehr 80 Jahren etwas kürzer treten. Für seine Tätigkeit und die Vermittlung seiner Kenntnisse kann ich nur noch einmal von Herzen Dankeschön sagen.

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  3. Toni Lehmann 150520
    Auch ich habe eine ähnliche “Lieblingsuhr”: Taschenuhr 17 Linien Kantonales Technikum Biel, wo ich 1965 bis 69 die Uhrmacherschule absolvierte. Während der ganzen Lehrzeit habe ich an den rohen Teilen gefeilt, geschliffen, poliert…. an der Spirale die Philipps -Endkurve geformt, etc. Die Herkunft des Werkes ist unklar, wahrscheinlich Tavannes im Berner Jura. die Uhr würde ich an einen wirklichen Uhrenliebhaber auch verkaufen….

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