Uhren für Extremsportler: Das trägt Raffael Zeller beim Laufen in der Extreme

Warum der Extrem-Hindernislauf so beliebt ist und was das mit Uhren zu tun hat

Melissa Gößling
von Melissa Gößling
am 24. Juli 2018

Es ist tief in der Nacht. Der Wettkampf dauert schon Stunden und der Körper ist müde. Völlig durchnässt, frierend und unter Schmerzen muss er einen zwölf Meter hohen Felsen hinauflaufen. Von hier oben heißt es nun, in dunkles Wasser zu springen. Doch es weht ein kräftiger Wind. »Der Körper bewegt sich dann einfach zur Seite und man kommt nicht mehr mit den Füßen gerade auf. Das sind Schmerzen, die nicht so angenehm sind.« Trotzdem lief Raffael Zeller weiter.
65 der insgesamt 100 Meilen hatte er so beim World’s Toughest Mudder in Las Vegas im Jahr 2015 geschafft. Wie motiviert man sich zum Weiterlaufen? »Es ist eine Kopfsache. Ich habe mir gesagt, ich flieg’ nicht einmal um die ganze Welt, um dann nach einer Runde zu sagen, es ist mir doch zu anstrengend.«
Die innere Haltung ist ein entscheidender Faktor beim Sport. Aber Zeller kann auch auf viele Jahre Erfahrung in verschiedenen Extremsportarten zurückgreifen. »Man ignoriert dann auch Schmerzen, die irgendwann auftauchen,« erklärt er.

Der diplomierte Bauingenieur Raffael Zeller ist Extremsportler aus Leidenschaft.
Der diplomierte Bauingenieur Raffael Zeller ist Extremsportler aus Leidenschaft.

Wo der Extrem-Hindernislauf seinen Ursprung hat

Raffael Zeller absolvierte in den neunziger Jahren eine militärische Ausbildung und qualifizierte sich Jahre später für den deutschen Kader des Militärischen Fünfkampfes. Hier entdeckte er seine Leidenschaft für das Hindernislaufen: »Das reine Laufen hat immer etwas Monotones. Ob ich an einem Marathon in Bottrop oder New York teilnehme, immer läuft man durch eine Art Betonwüste. Der Extrem-Hindernislauf hat ein ganz anderes Umfeld. Man wird in gewisser Weise eins mit der Natur – läuft durch Wasser und Matsch.«
Tatsächlich hat der Extrem-Hindernislauf, wie er heute populär ist, seinen Ursprung in der militärischen Grundausbildung. Um Koordination, Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit für den Einsatz zu trainieren, müssen angehende Soldaten in voller Ausrüstung eine Hindernisbahn absolvieren. Auf einer mehrere hundert Meter langen Strecke gilt es, Wassergräben, Mauern oder Abschnitte mit Stacheldraht möglichst schnell zu überwinden. Aber auch der moderne Fünfkampf und der klassische Hindernislauf erinnern an den Trendsport. Beide Sportarten sind seit über hundert Jahren olympische Disziplinen. Als erster ziviler Extrem-Hindernislauf gilt das Tough Guy Race in England, das von Billy Wilson 1986 ins Leben gerufen wurde und bis 2017 einmal im Jahr stattfand. Raffael Zeller nahm an diesem Rennen 2007 teil. Neben brennenden Heuballen, eiskalten Wassertümpeln, haushohen Gerüsten oder stromgeladenen Kabeln war auch das Wetter eine Herausforderung. Das Tough Guy Race fand stets im Januar statt. Kälte lässt den Körper schnell auskühlen, so dass selbst einfache Hindernisse schier unüberwindlich erscheinen. »Eines der letzten Hindernisse waren mehrere hüfthohe, in einer Reihe aufgebaute Abwasserkanalröhren aus Beton. Die Aufgabe war denkbar leicht: einfach überklettern. Normalerweise ein Kinderspiel. Für uns total unterkühlte Sportler der größte Albtraum,« erinnert sich Zeller. Aber »man wächst auch an diesen Hindernissen. Jedes Mal, wenn man ein Hindernis bezwungen hat, werden Endorphine frei gesetzt und man hat Erfolgserlebnisse.« Das macht für Zeller den Reiz an Extrem-Hindernisläufen aus: Dass man sich mit jedem Hindernis immer wieder selbst herausfordern und überwinden muss, aber sofort dafür belohnt wird.

Uhren als wichtiger Teil der Ausrüstung

Eine besondere Herausforderung war auch die Fulda Challenge. Der als arktischer Zehnkampf bekannte Wettbewerb fand bis 2014 einmal im Jahr im kanadischen Yukon statt. Gemeinsam mit einer Partnerin trat Zeller gegen vier Teams an. Dabei galt es die meisten Punkte zu erkämpfen, aber auch die beste Zeit – wie zum Beispiel bei einem Marathon zum 66. Breitengrad bei minus 19 Grad Außentemperatur. Für die Zeitkontrolle trug Zeller die Fliegeruhr EZM 9 von Sinn Spezialuhren. Das klar gegliederte Zifferblatt ist gut ablesbar und dank der Tegimentierung bekommt das Titangehäuse nicht so schnell Kratzer. Zeller trägt eine Uhr immer am Silikonband mit Faltschließe. »Das Silikon ist praktisch, weil es von Schweiß und Wasser nicht beeinträchtigt wird.« Die Verlängerungsmöglichkeit in der Faltschließe gefällt ihm auch: »So kann ich die Uhr über der Kleidung tragen und habe die Zeit immer im Blick.«

Bei der Fulda Challenge trug Raffael Zeller die Fliegeruhr EZM9 von sinn Spezialuhren.
Bei der Fulda Challenge trug Raffael Zeller die Fliegeruhr EZM9 von sinn Spezialuhren. Foto: Fulda Challenger

Aktuell trägt der Extremsportler die U1000 S (EZM 6). An diesem Modell schätzt Zeller vor allem, dass die Chronographendrücker und die Krone auf der linken Gehäuseseite sitzen. Das Handgelenk ist dadurch besser geschützt, wenn man über Hindernisse klettert oder sich abstützt. Die schwarze Beschichtung wiederum absorbiert das Licht, so dass keine störenden Reflexionen entstehen. Bei militärischen Wettkämpfen kann dies über Erfolg oder Niederlage entscheiden, wenn es darum geht, in der Nacht nicht aufgeklärt zu werden.
Grundsätzlich dienen Armbanduhren Extremsportlern für die Zeitmessung, aber bei manchen Hindernisläufen und den militärischen Vielseitigkeitswettkämpfen gibt es auch Orientierungsläufe. GPS ist nicht erlaubt, also nutzt Zeller dann einen professionellen Laufkompass und eine mechanische Armbanduhr. Diese dient zur Bestimmung der Marschrichtung und zur Kontrolle der Himmelsrichtungen. Häufig finden Orientierungsläufe in der Nacht statt, weshalb die Uhr auch über eine gute Nachtablesbarkeit verfügen muss.

Beim 100-Meilen-Lauf Lakeland 100 in England trug Zeller die U1000 S.
Beim 100-Meilen-Lauf Lakeland 100 in England trug Zeller die U1000 S.

Der World’s Toughest Mudder in Las Vegas war für Zeller »ein Lauf der Superlative«. Die 100 Meilen durch die Wüste mussten innerhalb von 24 Stunden ohne Schlaf gemeistert werden. Die Temperaturunterschiede am Tag und in der Nacht sowie der Schlafmangel forderten selbst einen Profi wie Zeller besonders heraus. Kürzere Extremläufe, wie sie beinahe jedes Wochenende in ganz Europa stattfinden, haben für ihn dadurch an Reiz verloren. Trotzdem macht er weiter und sucht immer wieder das Abenteuer. Denn Extrem-Hindernisläufe »erinnern an die Kindheit,« meint Zeller. »Endlich kann man sich mal wieder dreckig machen, und sich voller Adrenalin in Abenteuer stürzen.« Außerdem könne man so einmal aus der wohlbehüteten modernen Welt ausbrechen. Deshalb bereitet sich Raffael Zeller aktuell auch schon wieder auf den nächsten Lauf in der Extreme vor. Dafür geht es wieder nach Kanada. Dieses Mal nicht in den Yukon, sondern nach Montreal. mg

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