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Lesedauer 13 Min.

Microbrands und Traditionsmarken: Das war die Uhrenreise Genf 2026

Es war das erste Highlight des WatchTime-Uhrenjahres 2026: Die Uhrenreise nach Genf und Umgebung führte uns zu so spannenden und unterschiedlichen Marken wie Nivada, Roger Dubuis, Artya, Marco Tedeschi, Bulgari und Hublot.
WatchTime-Leserreise-Genf-2026-Gruppenbild-Roger-Dubuis

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Bei Roger Dubuis

© WatchTime

Die WatchTime-Uhrenreisen bieten einzigartige Einblicke hinter die Kulissen ganz unterschiedlicher Uhrenmarken – von innovativen Microbrands über wiederbelebte historische Hersteller bis hin zu Traditionsmarken und globale Player. So war es auch bei der ersten Uhrenreise 2026: der Swiss Watch Experience I nach Genf und Umgebung. In weniger als 72 Stunden standen für uns 6 Marken unterschiedlichster Couleur auf der Tagesordnung, und es begann schon am Abend der Anreise im Hotel, dem schnucklig-entspannten Barcarolle in Prangins bei Nyon. Nur ein paar Meter vom Ufer des Genfer Sees entfernt zeigte uns Nivada Grenchen seine aktuelle Kollektion.

Station #1: Nivada Grenchen

WatchTime Leserreise Genf 2026: Nivada-Abend mit CEO Guillaume Laidet (Mitte)

WatchTime Leserreise Genf 2026: Nivada-Abend mit CEO Guillaume Laidet (Mitte)

© WatchTime

Nivada Grenchen ist so eine wiederbelebte Marke. Gegründet 1926 in Grenchen – dem Uhrmacherstädtchen, in dem auch Breitling, Eterna, Fortis und Titoni historisch zu Hause sind –, machte sich Nivada ab den 1950er-Jahren einen Namen für robuste Toolwatches wie die bis 1.000 Meter wasserdichte Taucheruhr Depthmaster oder die kältebeständige Antarctic einen Namen. Im Zuge der Quarzkrise der 1970er-Jahre ging die Marke, wie so viele andere Schweizer Uhrenhersteller, unter, bis sie 2020 vom heutigen Mitinhaber und CEO Guillaume Laidet wiederentdeckt und neu gegründet wurde. Heute sitzt Nivada nicht mehr in Grenchen, die Uhren sind aber nach wie vor mit dem "Swiss-Made"-Label versehen und werden in einem spezialisierten Betrieb im Tessin gefertigt. 

 

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Nivada-Abend

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Nivada-Abend

© WatchTime

Laidet ließ es sich nicht nehmen, persönlich vor Ort zu sein und uns zusammen mit Thomas Glaue, der für den Nivada-Vertrieb in Deutschland verantwortlich ist, die aktuelle Kollektion zu zeigen. Zu den Highlights, die besonders gut ankamen, gehörten die Chronomaster Tropical 41 mm mit braunem Zifferblatt, die Depthmaster Art Deco mit den berühmten "Pac-Man"-Ziffern (sie ist nach wie vor bis 1.000 Meter wasserdicht) im Bronzegehäuse und die Antarctic Glacier, die auch im neuen 35-mm-Gehäuse eine richtig gute Figur am Männerhandgelenk macht. Nach einem intensiven Touch and Feel mit den verschiedenen Referenzen ließen wir den Abend gemeinsam beim Käsefondue ausklingen. 

WatchTime Leserreise Genf 2026: Nivada Depthmaster Bronze

Nivada Depthmaster Bronze

© WatchTime
WatchTime Leserreise Genf 2026: Nivada Chronomaster Tropical 41 mm

Nivada Chronomaster Tropical 41 mm

© WatchTime
WatchTime Leserreise Genf 2026: Nivada Antarctic Glacier 35mm

Nivada Antarctic Glacier 35mm

© WatchTime

Station #2: Roger Dubuis

Bei Roger Dubuis kann man wunderbar nachvollziehen, wie eine vertikal integrierte, industrielle Uhrenmanufaktur heutzutage arbeitet. Im vor rund einem Vierteljahrhundert eingeweihten Manufakturgebäude auf dem Richemont-Areal in Meyrin bei Genf produziert die 1995 vom Meisteruhrmacher Roger Dubuis gegründete Marke (fast) alle Einzelteile, die sie für die Montage ihrer Uhren braucht. Hier werden die unterschiedlichen Kaliber gefertigt und in die Uhren eingeschalt – samt der ganzen notwendigen Tests zur Qualitätssicherung. Roger Dubuis fertigt heute gut 2.000 Uhren pro Jahr, von der Zweizeiger-Damenuhr bis zur Grande Complication. Wir sehen, wie Platinen und Brücken aus den verschiedensten Materialien – auch aus Kobalt, eine Spezialität von Roger Dubuis – hergestellt werden, sehen die Produktion kleiner Teile wie Kronen, Räder und Tonfedern für die Minutenrepetitionen und gehen dann in die Dekorationsabteilung, wo die Komponenten je nach Bedarf poliert oder satiniert werden. Dabei erfahren wir unter anderem, dass die Schwarzpolitur von nur einer Seite eines Tourbillonkäfigs bis zu 30 Minuten Arbeitszeit erfordert. Der Käfig selbst wiegt um die 0,3 Gramm. 

WatchTime Leserreise Genf 2026: Gruppenbild Roger Dubuis

WatchTime Leserreise Genf 2026: Besuch bei Roger Dubuis

© Roger Dubuis

Zu den Ikonen der Kollektion gehören unter anderem die Modelle mit biretrograder Kalenderanzeige und die verschiedenen Ausführungen der "Knights of the Round Table": Bei diesen limitierten Referenzen werden die 12 Stunden von ebenso vielen massivgoldenen Miniaturfiguren dargestellt, die die Ritter von König Artus' sagenafter Tafelrunde bilden. Eines der Highlights unserer Tour war der Besuch in dem Atelier, in dem die winzigen Figuren gefertigt werden: Sie kommen dort als gegossene Rohfiguren an, danach steht aber ein intensiver drei- bis fünftägiger Prozess, in dem eine Kunsthandwerkerin den Ritter mit kleinsten Werkzeugen dekoriert. Dabei werden alle Details, vom Gesicht über die Kleidung bis zum Schwert penibel ausgearbeitet. Am Ende entstehen 12 winzige Ritter, die sich voneinander unterscheiden und alle eine eigene Identität haben. 

WatchTime Leserreise Genf 2026: Roger Dubuis Ritterfiguren

Goldene Miniaturritter bei Roger Dubuis

© WatchTime

Besonders stolz ist Roger Dubuis auf den hohen Anteil an Uhren, die mit dem Genfer Siegel (Poinçon de Genève) zertifiziert sind. Um diese Auszeichnung zu erhalten, müssen die Uhren Qualitätsanforderungen genügen, die nach höchsten Standards festgelegt sind, dazu müssen sie ebenso anspruchsvolle Kriterien in Sachen Präzision erfüllen und schließlich im Kanton Genf gefertigt werden. Über 90 Prozent der Zeitmesser von Roger Dubuis tragen das Genfer Siegel – so auch die gerade fertiggestellte Excalibur Biretrograde Perpetual Calendar, den wir auf dem Werktisch eines Komplikationsuhrmachers erblicken. Er ist die Nummer 5 der auf 28 Exemplare limitierten Edition. Nach der Manufakturführung haben wir die Gelegenheit, eine Reihe von Uhren ans Handgelenk zu legen, darunter verschiedene Varianten der Excalibur Spider, mit und ohne Chronographen. 

Station #3: Artya

Nach dem Besuch bei Roger Dubuis umrunden wir die Südspitze des Genfer Sees und gelangen auf der anderen Seite, nahe an der Grenze zu Frankreich, zum Hauptsitz von Artya. Das wird wieder eine ganz andere Erfahrung. Das Atelier, in dem Markengründer Yvan Arpa und sein Team ihre außergewöhnlichen Uhren entwerfen, ist in einem Wohnhaus untergebracht, und auch innen sieht es ganz anders aus, als man sich das Headquarter einer Luxusuhrenmarke vorstellt. Arpa ist ein extrem kreativer Kopf und so etwas wie der Rock'n'Roller unter den Genfer Uhrenmachern. Schon beim Betreten des Studios leuchtet einem der in zwei Farben gehaltene Schriftzug "Get Out Of The Rut" (auf Deutsch etwa: "Komm raus au deinem Trott") entgegen. In seinem Büro finden sich unter anderem Gitarrenmodelle, die seinen Uhren "Son of Sound" nachempfunden sind, ein Röhrenverstärker mit zwei großen Lautsprechern in psychedelischem Stil, ein Schreibtisch mit einem Überzug, der an einen Flugzeug erinnert – und jede Menge Motorräder. Im Keller, wo wir über die Uhren sprechen und sie ausgiebig begutachten können, finden sich unter anderem alte Furniturenschränke für Uhrenteile sowie ein Tresorraum, in dem sich ein Teil unserer Gruppe niederlässt. 

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Artya Yvan Arpa

Artya-Chef Yvan Arpa zeigt uns die Vielfalt seiner Uhrenkollektion.

© WatchTime

Hier erleben wir gleich die erste Sensation: Uhren mit Gehäuse aus Nanosaphir, deren Farbe sich je nach Licht ändert. Während der Tresorraum per LEDs beleuchtet ist, die ein natürliches Licht imitieren, ist der Flur mit Neonröhren bestückt. So wird die orangegelbe Uhr beim Heraustreten aus dem Tresor violett und beim Wiedereintreten erneut orangerot. Überhaupt hat Artya sein Angebot an Uhren mit (farbigen oder natürlichen) Saphirglasgehäusen in den letzten Jahren stark ausgebaut. Das gilt auch für die wichtigste Neuheit 2026: die Complexity. Das Doppeltourbillon mit zwei sogenannten Cônillons, punktuell aufgehängten, geneigten Tourbillons, hat Artya zusammen mit dem Uhrmacher Eric Coudray entwickelt. Technisch gesehen liegt das Cônillon zwischen einem Ein- und einem Zwei-Achsen-Tourbillon, reagiert also weit besser auf die unterschiedlichen Schwerkrafteinflüsse als ein reguläres Tourbillon.

Die Uhren von Artya sind sehr unterschiedlich. Yvan erzählt uns viel über seinen Werdegang mit Stationen bei Cartier, Baume & Mercier, Hublot und Romain Jérôme und über den Start von Artya und die Entwicklung der Marke bis heute. Er legt Wert darauf, nicht auf eine Idee, ein Design oder ein Image festgelegt zu sein, denn ein Hype, so sagt er, kann schnell vorbei sein. In der Tat gibt es kaum so eine vielseitige Marke wie Artya: Er zeigt uns frühere Modelle, in deren Gehäuse ein künstlicher Blitz einschlug oder deren Zifferblätter aus echten Schmetterlingen gefertigt wurden. Dazu aktuelle Uhren und natürlich die Neuheiten von 2026. Da ist die andere Complexity, die mit dem Gehäuse aus künstlichem Rubin. Rubin ist lumineszierend, sodass das Gehäuse nach dem Anstrahlen eine unglaubliche Leuchtkraft entwickeln kann. Doch da sind auch skelettierte Chronographen oder Dreizeigeruhren im Taucheruhrenstil mit fester Lünette, aber eben aus Nanosaphir. Zum Schluss zeigt Yvan uns noch einen sehr klassischen, handskelettierten Chronographen, der so gar nicht nach Artya aussieht: Den hat einer von mehreren älteren Uhrmachern gefertigt, die eigentlich längst im Ruhestand sind, aber für Yvan Arpa in unregelmäßigen Abständen Zeitmesser fertigen – und zwar so, wie es früher üblich war, mit viel Handarbeit, ganz traditionell. Das zeigt einmal mehr: Artya lässt sich wirklich nicht auf einen Stil festlegen.

Station #4: Marco Tedeschi

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Marco Tedeschi und Holger Riepel

Besuch bei Marco Tedeschi: Der Markengründer mit WatchTime-Leser Holger Riepel. Im Hintergrund Verkaufsdirektor Yves Meylan

© WatchTime

Am Dienstag startete unser Trip bei Marco Tedeschi. Die ehemals unter "Kross Studio" firmierende Marke hat sich vor einigen Monaten nach ihrem Gründer umbenannt. Marco Tedeschi hat mit Yvan Arpa von Artya (siehe oben) zwei frühere berufliche Stationen gemein: Hublot – dort startete er noch als Student – und RJ Watches (ehemals Romain Jérôme), die er als CEO leitete. Als RJ von seinem Besitzer überraschend stillgelegt wurde, machte Tedeschi 2020 mit Kross Studio weiter. Der Ingenieur hat schon früh ein Zentraltourbillon entwickelt, das man in mehreren Modellen findet. Besonders faszinierend finden wir das Harry-Potter-Tourbillon: Um den zentralen Drehgang herum gruppieren sich vier Quidditch spielende Miniaturfiguren, eine aus jedem Hogwarts-Haus in den betreffenden Farben Rot, Grün, Blau und Gelb. Das Zentraltourbillon ist somit nicht nur eine technische Komplikation, sondern dient zugleich als Fläche für unterschiedliche Gestaltungen. Die Zeitmesser von Marco Tedeschi sind geprägt von seinen drei uhrmacherischen Leidenschaften: Tourbillon, lange Gangreserven und Handaufzug. Darüber hinaus zeichnet sich die Marke aus durch verschiedene Kooperationen mit Berühmtheiten aus der Popkultur, neben Harry Potter etwa Spiderman oder Batman. Vor allem für die an das Star-Wars-Universum angelehnten Modelle war Kross Studio seit Jahren bekannt. 

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Marco Tedeschi Harry Potter Tourbillon

Quidditch auf dem Zentraltourbillon: Harry Potter Edition von Marco Tedeschi

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WatchTime-Leserreise Genf 2026: Marco Tedeschi Konstruktionsabteilung

Blick hinter die Kulissen: Konstruktionsabteilung bei Marco Tedeschi

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WatchTime-Leserreise Genf 2026: Marco Tedeschi Todesstern

Besuch bei Marco Tedeschi: Der Todesstern aus Star Wars ist äußerst komplex in der Herstellung

© WatchTime

Marco Tedeschi fertigt etwa 100 Uhren pro Jahr unter eigenem Label, produziert darüber hinaus aber rund das Zehnfache für externe Kunden. Die meisten müssen ungenannt bleiben, bekannt ist aber, dass Tedeschi auch für Chanel arbeitet – seit die Pariser Modemarke sich dort einen 30-prozentigen Anteil sicherte. Marco Tedeschi schaut entsprechend zuversichtlich in die Zukunft. Für den weiteren Aufschwung der Marke spricht auch, dass die aktuellen Räumlichkeiten im Industriegebiet von Gland bei Genf schon wieder zu eng werden. Als wir zu Besuch kommen, ist bereits viel für den bevorstehenden Umzug vorbereitet. Trotzdem sehen wir alles, was wichtig ist, von der Design- und Konstruktionsabteilung über die Komponentenproduktion mit insgesamt vier CNC-Maschinen bis hin zur Uhrmacherei. Und wir sehen die aktuelle Neuheit: das 7-Tage-Tourbillon MT1.1. Nach dem Mittagessen in der Manufaktur verlässt Marco uns: Er muss einen wichtigen Vertrag unterzeichnen. Und wir sind sicher: Es wird nicht unser letzter Besuch in Gland gewesen sein. 

Station #5: Bulgari

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Bulgari Alan Chiming Department

Bulgari Le Sentier: Im Atelier für Schlagwerkuhren

© WatchTime

Was viele nicht wissen: Bulgari, das berühmte, aus Rom stammende Juweliershaus, fertigt eigene Uhren. Was noch weniger Leute wissen: Bulgari fertigt auch eigene Werke. Die Marke hat mehrere Standorte in der Schweiz: Hauptsitz und Uhrenmontage in Neuchâtel, Produktion von Gehäusen und Zifferblättern in Saignelégier sowie Werkefertigung in Le Sentier. Und hier im Vallée de Joux, im ehemaligen Manufakturgebäude von Daniel Roth und einen Steinwurf von Jaeger-LeCoultre entfernt, sind wir am Dienstagnachmittag zu Gast. Bulgari nutzt zwar auch zugekaufte Uhrwerke von Lieferanten wie Sellita, doch viele Kaliber entstehen in Le Sentier. Das betrifft zum einen die ultraflachen Kaliber, die durch insgesamt 10 Weltrekorde bekannt geworden sind, zum anderen die Komplikationsuhren mit Schlagwerk. Die entsprechende Abteilung, das Chiming Department, ist die Krönung des Besuchs. Hier arbeiten vier auf Minutenrepetitionen und Grande Sonneries spezialisierte Uhrmacher aus Ländern wie England, Irland und Frankreich. Alan, der aus Birmingham stammt und seit über 12 Jahren im Unternehmen ist, führt uns mehrere Schlagwerkuhren vor, erklärt uns ihre Funktion und weist uns auf die Unterschiede im Klang hin, der zu einem wichtigen Teil auch vom Gehäusematerial anhängt. Er führt aus, dass ein Titangehäuse viel nach außen dringend lässt, während für Gold und vor allem für Platin das Gegenteil gilt – allerdings gibt er sich als Anwalt massivgoldener Repetitionsuhren zu erkennen, da der Klang bei ihnen zwar weniger laut, dafür aber voller und schöner sei. Wir hören zunächst die ultraflache Octo Finissimo Minute Repeater mit zwei Hämmern, dann ein Modell mit Carillon und dementsprechend drei Hämmern (Kaliber BVL 428), schließlich, als Höhepunkt, die Grande Sonnerie mit vier Hämmern, deren Kaliber BVV800 aus über 800 Einzelteilen besteht. 

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Bulgari Le Sentier Gruppenbild

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Die Gruppe bei Bulgari in Le Sentier

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WatchTime-Leserreise Genf 2026: Bulgari Le Sentier Zeichnungen

Jede Bulgari-Uhr entsteht nach einem Entwurf von Kreativdirektor Fabrizio Buonamassa Stigliani.

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WatchTime-Leserreise Genf 2026: Bulgari Le Sentier Octo Finissimo 37

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Bulgari Le Sentier Octo Finissimo 37

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Mit der Meisterschaft über die klingenden Uhren beherrscht Bulgari also auch die schwierigste aller Disziplinen. Doch bei Bulgari ist die Technik nie alles: Das Design ist mindestens so wichtig. Alle Uhren, auch die kompliziertesten, werden zunächst vom Kreativdirektor Fabrizio Buonamassa Stigliani entworfen. Seine Zeichnungen sind legendär, so legendär, dass sie sogar auf den Zifferblättern einiger Limited Editions landeten. Nur in seltensten Fällen erweist es sich, dass die Technik einem Teil der Designidee einen Strich durch die Rechnung macht – etwa dann, wenn sich der Drücker für die Minutenrepetition doch nicht in der Krone unterbringen lässt. Doch in der Regel geht Design vor Technik. So bewahrt Bulgari seine gestalterische Autorität, und die Uhren ihre unverkennbare Markenidentität. Auf unserem Rundgang sehen wir einmal mehr alle Stufen der Werkeproduktion, und wir erfahren auch ein paar interessante Zahlen: So dauert die Entwicklung einer kleinen Komplikation wie einer Mondphasenanzeige etwa 3 bis 6 Monate, die eines völlig neuen, nicht komplizierten Werkes 1 bis 2 Jahre und die einer Komplikationsuhr mindestens 5 Jahre. Am Ende der Tour erhalten wir noch einmal einen Überblick über die Markengeschichte. Es begann einst mit dem in Griechenland geborenen Sotirios Boulgaris, dessen Vorfahren aus Bulgarien stammten (daher der Name). Er eröffnete 1884 in der römischen Via Sistina sein erstes Schmuckgeschäft und zog 10 Jahre später in die Via Condotti, unweit der Spanischen Treppe, um, wo sich das Stammhaus bis heute befindet. Bulgari begann mit Schmuck, später folgten Damenuhren, erst Mitte der 1970er-Jahre folgte mit der berühmten Bulgari Bulgari auch das erste Herrenmodell. Und nach der ersten Octo im Jahr 2012 begann 2014 mit dem Octo Finissimo Tourbillon mit Handaufzug schließlich die Saga der ultraflachen Weltrekorduhren. Einige dieser Uhren können wir zum Abschluss unseres Besuchs auch ans Handgelenk legen, dazu die Neuheit der Watches and Wonders 2026: die Octo Finissimo 37.

Station #6: Hublot

WatchTime Leserreise Genf 2026: Besuch bei Hublot

WatchTime Leserreise Genf 2026: Besuch bei Hublot

© WatchTime

Der Mittwoch ist Hublot gewidmet. Im Industriegebiet von L'Asse bei Nyon, direkt an der Schweizer A1 gelegen, kann man den Schriftzug bereits von der Autobahn aus sehen. Wir waren mit unseren Leserreisen schon oft bei Hublot, aber jetzt ist es das erste Mal, dass wir das neue, dritte Manufakturgebäude fertig stehen sehen. Noch wird dort nichts produziert, der Bezug ist für Anfang 2027 geplant. Dann wird alles, was sich jetzt im ersten Gebäude befindet, dorthin umziehen. Damit entfällt der jetzt umständliche Transfer von Einzelteilen per Lieferwagen, weil die neuen Gebäude nebeneinander stehen und unterirdisch verbunden werden. Bisher war das nicht möglich, weil zwischen Hublot I und Hublot II eine Eisenbahnlinie verläuft. 

Über die Brücke darüber gelangen wir in die Fertigung von Werk- und Gehäusekomponenten, die in Hublot II stattfindet. Unser Guide, Jean-Pierre Kohler, ist der beste, den man sich denken kann: Ihm gehörte früher eine Gehäusefabrik, die Hublot belieferte und die das Unternehmen vor gut 12 Jahren erwarb. Kohler spricht Deutsch und kennt Hublot, die Uhrenproduktion und die Schweizer Industrie generell wie seine Westentasche. Er erklärt uns, dass unter dem Dach der Manufaktur nicht weniger als 45 verschiedene Berufe vereinigt sind, vom Werkzeugmacher bis zur Komplikationsuhrmacherin. Hublot ist auf dieser Uhrenreise die größte Manufaktur, die wir von innen sehen: Dafür stehen allein schon die rund 40 CNC-Maschinen, die für unterschiedlichste Arbeitsschritte genutzt werden. Dafür stehen die geschätzt 50.000 Uhren, die die Marke pro Jahr fertigt. Und dafür steht auch die eigene Galvanikabteilung - etwas, das man bei den wenigsten Uhrenherstellern findet, weil die meisten diese Technik außer Haus geben. Bei Hublot stehen nicht weniger als 11 Bottiche für genauso viele Metallfarben, mit denen die für verschiedene Werke benötigten Messingteile überzogen werden. Einige der Produktionsschritte wie Fräsen und Drahterodieren, Polieren und Sandstrahlen und natürlich die Uhrmacherei für "normale" und komplizierte Uhren haben wir schon bei anderen Marken gesehen, wenn auch in anderen Dimensionen oder Ausprägungen. 

WatchTime-Leserreise Genf 2026: Steinesetzen bei Hublot

Steinesetzen bei Hublot

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WatchTime-Leserreise Genf 2026: Magic Gold bei Hublot

Gewichtsvergleich: Das Rohr aus Magic Gold ist deutlich schwerer als das Rohr aus reiner Keramik.

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WatchTime-Leserreise Genf 2026: Hublot Big Bang Reloaded Magic Gold

Magic Gold am Handgelenk: eines der neuen Modelle der Big Bang Reloaded

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Aber bei Hublot passiert noch mehr. Ein weiteres Beispiel neben der Galvanik ist das Steinsetzen: In einem Atelier sind drei Mitarbeiter damit beschäftigt, Gehäuselünetten mit Diamanten zu bestücken. Nachdem wir den Uhrmacherinnen und Uhrmachern über die Schultern geschaut haben, führt Kohler uns zum Abschluss der Tour noch ins Labor und erklärt uns die Feinheiten, die sich hinter der farbigen Keramik und dem Hublot-eigenen Magic Gold verbergen. Letzteres ist eine 18-karätige Legierung, bei der man reines Gold in poröse Keramik fließen lässt. So entsteht ein kratzfestes Gold, das es nur bei Hublot zu finden gibt.

Beim abschließenden Anprobieren der Uhren sehen wir schließlich aufregende Komplikationen wie das 473.000 Euro teure MP-10 Tourbillon Weight Energy System im durchsichtigen Saphirgehäuse und daneben Messeneuheiten wie die Big Bang Reloaded in verschiedenen Farben und Materialien.

Nach dem gemeinsamen, wirklich vorzüglichen Mittagessen fahren wir zurück zum Hotel, wo sich jeder auf die individuelle Heimreise begibt. Es sind ein paar Uhren erworben worden auf dieser Leserreise, andere sind in der engeren Auswahl für den nächsten Kauf. Zusammen mit den vielen Eindrücken ist das viel, was auf dem Heimweg gedanklich verarbeitet werden muss. Wir verabschieden uns und alle sind sich sicher: das war nicht das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben.

WatchTime-Leserreise-Genf-2026-Wristcheck.jpg

Wristcheck: die Uhren der Teilnehmer

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Leserreisen Automatikuhren Schweizer Uhren Manufakturkaliber Roger Dubuis Artya Hublot Kross Studio Bulgari WatchTime

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