Fliegeruhren

Das klassische Fliegeruhren-Design

 Redaktion
von Redaktion
am 25. September 2017

Eine der erfolgreichsten Uhren-Gattungen überhaupt ist die der Fliegeruhr. Ihre Beliebtheit hat mit ihrem unverkennbaren Design zu tun und dieses wiederum mit ihrer bewegten Geschichte: Als sich der Mensch in die Lüfte erhob, wurden Zeitmesser zum unverzichtbaren Instrument, ein eigener Typus entwickelte sich – die Fliegeruhr.

Woran erkennt man eine Fliegeruhr? 10 typische Merkmale finden Sie hier zusammengefasst.

Hanhart-Fliegerchronograph mit einem Drücker aus dem Jahr 1941
Hanhart-Fliegerchronograph mit einem Drücker aus dem Jahr 1941

Die Zeiten sind vorbei, in denen jeder Pilot eine spezielle Uhr zur Unterstützung benötigte. Moderne Messinstrumente und nicht zuletzt GPS, das globale Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung, sind heute die erforderlichen Arbeitsmittel. Was aber bleibt, ist der typische Look: Mit ihrem klassischen Design gehört die Fliegeruhr zu den geschätzten Favoriten mancher Uhrenkollektion.

Doch zurück zum Anfang: Der Brasilianer Alberto Santos-Dumont führte Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Versuche mit seinen selbstgebauten Flugzeugen durch. Er soll sich bei seinem Freund und Juwelier Cartier darüber beklagt haben, dass die gewöhnlichen Taschenuhren während eines Fluges kaum ablesbar seien. Daraufhin konstruierte Cartier die heute legendäre Santos. Das Modell ging 1911 in Serie und ist seither fester Bestandteil der Uhrenkollektion.

Chronologie: Im kostenlosen Download haben wir die Geschichte der mechanischen Fliegeruhr übersichtlich als Zeitstrahl aufbereitet. Hier können Sie die Chronik herunterladen.

Fliegeruhren heute – die DIN-Norm für Fliegeruhren

Seit 2016 gibt es erstmals eine DIN-Norm für Fliegeruhren: die DIN 8330. Uhren, dieser Norm entsprechen, können die im Flugzeug vorhandenen Zeitmessinstrumente für den Piloten im Ernstfall in vollem Umfang ersetzen. Sie werden von den physikalischen Belastungen des Flugbetriebs nicht beeinträchtigt und stellen kein Gefährdungspotenzial dar. Zudem sind sie kompatibel mit den anderen Bordinstrumenten des Flugzeugs. Die ersten DIN-gerechten-Fliegeruhren sind die Sinn 857 UTC VFR und die Stowa Flieger DIN Professional.

Die Entwicklung der typischen Fliegeruhren

Im Ersten Weltkrieg hatten Fliegeruhren noch keine Armbänder. Bei ihnen handelte es sich vielmehr um Taschenuhren in einem Lederetui, das am Handgelenk getragen oder im Cockpit befestigt wurde. Zunächst ging es vor allem um die genau ablesbare Zeit, weshalb diese frühen Fliegeruhren mit einer kleinen Sekunde ausgestattet waren.

Ein weiteres Merkmal beschreibt Konrad Knirim: “Die Krone dieser Uhren ist unten angebracht, um die Uhr auch in der Halterung aufziehen zu können.” Knirim, gelernter Maschinenbauingenieur, ist ausgewiesener Kenner von Militäruhren. Als leidenschaftlicher Sammler publiziert er oft zu diesem Thema, hat mittlerweile zwei Bücher herausgebracht und sich intensiv mit Fliegeruhren beschäftigt. So kennt er auch die weiteren Anforderungen, die schon die ersten Piloten an ihre Uhren stellten: Neben der Präzision stand eine gute Ablesbarkeit im Vordergrund. Daher erhielten Fliegeruhren bald schon große Leuchtziffern und -zeiger.

Fliegeruhren dienten im Ersten und Zweiten Weltkrieg vor allem der Orientierung
Fliegeruhren dienten im Ersten und Zweiten Weltkrieg vor allem der Orientierung

Ebenfalls als praktisch erwies sich der Chronograph, etwa zum Stoppen von sekundengenauen Zwischenzeiten, die der Pilot zum Beispiel für Kurzzeitmessungen im Blind­anflug benötigten. Orientierung gaben dabei Funkleitstrahlen. Dank diesen wusste der Pilot, innerhalb welcher Zeit – die dann mit Hilfe des Chronographen gemessen wurde – er sein Flugzeug auf eine bestimmte Höhe bringen muss. So gewann der Chronograph an Bedeutung unter den Fliegeruhren.

Spielen eine eigene Rolle an Bord: Beobachtungsuhren

Als Flugzeuge zunehmend lange Strecken fliegen konnten, kam den Uhren eine weitere Funktion im Cockpit zu: die Navigation. Wie in der Seefahrt hing die Positionsbestimmung von drei unerlässlichen Instrumenten ab: Als erstes ist ein Kompass zu nennen. Ebenfalls erforderlich war ein Sextant, um den Breitengrad zu bestimmen. Dies geschah durch Messung des Winkels der Sonne oder eines Sterns zum Horizont. Als drittes Instrument benötigte man eine genau gehende Uhr, um den Längengrad zu berechnen. Dazu benutzte man zunächst große, sogenannte Beobachtungsuhren, die äußerst präzise funktionierten und über der Montur am Unterarm befestigt wurden. Wegen der Geschwindigkeit der Flugzeuge musste die Positionsbestimmung möglichst schnell erfolgen, wofür speziell ausgebildete Navigatoren – auch Beobachter genannt – zuständig waren.

Die Lindbergh-Stundenwinkel-Uhr von Longines ermöglichte eine schnelle Längengradbestimmung für die Navigation
Die Lindbergh-Stundenwinkel-Uhr von Longines ermöglichte eine schnelle Längengradbestimmung für die Navigation

Um ihre Arbeit zu erleichtern, wurden sogenannte Gradmessuhren entwickelt. Deren Zifferblätter waren in Bogengrade aufgeteilt, so dass der Greenwicher Stundenwinkel abgelesen werden konnte. 1927 überquerte der Flugpionier Charles A. Lindbergh im ersten Nonstop-Alleinflug den Atlantik. Das brachte ihn auf die Idee gemeinsam mit Longines 1931 eine Stundenwinkeluhr zu entwickeln: Der Zeitmesser ermöglichte, inspiriert von der Weems-Uhr, eine Längengradbestimmung auf schnelle Weise, da sich der Stundenwinkel von Greenwich – der wichtigste Teil der Längengradbestimmung – unmittelbar von ihr ablesen ließ.

Longines: Lindbergh-Stundenwinkeluhr von 1931
Longines: Lindbergh-Stundenwinkeluhr von 1931

Daher auch die Bezeichnung “Stundenwinkel-Uhr”. Bis heute führt Longines ein solches Modell in der Kollektion; Patek Philippe baute 1936 ebenfalls eine Stundenwinkel-Uhr.

So sieht das klassische Fliegeruhren-Design aus

Gradmesstaschenuhren und Beobachtungsarmbanduhren für Flieger wurden seit den 1930er-Jahren in Deutschland zum Beispiel von Walter Storz (STOWA), Wempe und IWC produziert. Zu den attraktivsten Exemplaren zählt Konrad Knirim die Fliegerchronographen von Tutima mit dem Kaliber Urofa 59 sowie von Hanhart mit den Hanhart-Kalibern 40 und 41. “Diese Uhren werden immer wieder angeboten und sind etwa für 5.000 Euro erhältlich”, erklärt Knirim. Eine ebenfalls beliebte Fliegeruhr sei die Mark XI von IWC, erstmals 1949 auf den Markt gebracht.

Beliebte Fliegeruhr: Eine frühe Mark XI von IWC, gefertigt ab 1949, mit Weicheisen-Innengehäuse
Beliebte Fliegeruhr: Eine frühe Mark XI von IWC, gefertigt ab 1949, mit Weicheisen-Innengehäuse

Die Charakteristiken dieser Uhren definieren bis heute den Typ der Fliegeruhren beziehungsweise Pilotenuhren. “Damit bezeichnet man heute vor allem das Design”, erklärt Konrad Knirim. Denn eine Fliegeruhr benötige keine bestimmten Funktionen, sondern müsse einen präzisen Gang vorweisen und schnell und eindeutig ablesbar sein. Daher der Anspruch, eine Fliegeruhr auf die Zeitanzeige zu reduzieren und außer mit einem Chronographen nicht mit weiteren Komplikationen zu verbinden. Die leichte Ablesbarkeit wird von einem schwarzen Zifferblatt mit Leuchtanzeige, hellen Ziffern oder Indizes sowie hellen Zeigern begünstigt. Eine gelungene Reminiszenz an die Herkunft der Fliegeruhren und ihre Verwandtschaft mit den Bordinstrumenten in einem Cockpit.

Chronologie: Im kostenlosen Download haben wir die Geschichte der mechanischen Fliegeruhr übersichtlich als Zeitstrahl aufbereitet. Hier können Sie die Chronik herunterladen.

Eine aktuelle Auswahl an Fliegeruhren zeigt diese Galerie:

Woran erkennt man eine Fliegeruhr? 10 typische Merkmale finden Sie hier zusammengefasst.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im September 2014.

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